Deutschland Archive - Zugvogel - ein Reiseblog https://www.mit-uns-entdecken.de/category/reisen/deutschland/ Wed, 14 Feb 2024 19:29:14 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://www.mit-uns-entdecken.de/wp-content/uploads/2018/09/cropped-favicon_-Zugvogel-1-32x32.png Deutschland Archive - Zugvogel - ein Reiseblog https://www.mit-uns-entdecken.de/category/reisen/deutschland/ 32 32 125620668 Bodensee – Hegau – Donaueschingen https://www.mit-uns-entdecken.de/bodensee-hegau-donaueschingen/ Wed, 02 Sep 2020 21:24:38 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=24233 Bevor wir den Bodensee wieder verlassen, nutzen wir wunderbaren Vormittag für eine kleine Radtour. Von Bodman aus soll es um die nordwestliche Bucht des Bodensee, dem Überlinger Sees bis nach […]

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Bevor wir den Bodensee wieder verlassen, nutzen wir wunderbaren Vormittag für eine kleine Radtour. Von Bodman aus soll es um die nordwestliche Bucht des Bodensee, dem Überlinger Sees bis nach Überlingen gehen. So brechen wir bei strahlendem Spätsommerwetter am Wohnmobilstellpatz Bodman auf.

Mit dem Rad nach Überlingen

Gleich hinter den letzten Häuser von Bodman erstreckt sich ein breites Ried. Aufgeschwemmt wurde es von der Stockacher Ach. Seitdem 19. Jahrhundert wird das einst sicher sumpfige Land als Streuwiese bewirtschaftet.

Aus der Not geboren schnitten Sie Bauern hier das Gras. Stroh als Einstreu für ihre Viehställe war im Voralpenland selten. Ganz nebenbei schufen sie durch die regelmäßige Mahd einen einzigartigen Naturraum von besonderer Schönheit. Die Verbuschung wurde gestoppt. Seltene Pflanzen fanden einen neue Heimat. Die hier aufgestellte Infotafel erzählt von blauen Meeren aus sibirischen Schwertlilien im Mai und Juni. Im August werden diese von den lilapurpurnen Teppichen des Kantenlauchs abgelöst.

Der ufernahe Weg quert hier die Stockacher Ach mit einer kleinen Brücke für Fußgänger und Radfahrer. Hier mündet das von der Schwäbischen Alp kommende Gebirgsflüsschen in den Bodensee. An der Mündung ist ein kleiner Aussichtspunkt installiert worden. Die Aussicht von dort nach Osten ist recht ansehnlich.

Dann erreichen wir das nördliche Seeufer und wenden uns mit der Bundestraße und der Bahnlinie Richtung Westen. Über den Radweg, der von hier aus über Ludwigshafen und Sipplingen nach Überlingen führt, kann man geteilter Meinung sein. Einerseits ist er super ausgebaut. Oft geht es auf feinstem Asphalt in Richtung Überlingen. Kaum gibt es Steigungen, die unsere Fahrt bremsen. Notwendige Querungen von Bundestraße oder Bahnlinie sind als großzügige Brücken oder Unterführungen gestaltet. Die Landschaft mit vielen Ausblicken auf die nordwestliche Buch des Bodensees ist wunderbar.

Andererseits teilt sich der Radweg seine Trasse hier am Bodensee mit der vielbefahrenden Bundesstraße 31 und der Bodenseegürtelbahn. Der dichte Straßenverkehr trübt das Naturerlebnis schon ein wenig. Nur in Ludwigshafen und Sipplingen verlässt der Radweg die Bundesstraße. Dort führt er durch die seeseitigen Ortsteile. Auch hinter Sipplingen können wir für einige wenige hundert Meter dem Verkehrslärm entfliehen. Dort führt der Weg durch alte Streuobstwiesen. Die fast reifen Äpfel leuchten und verlockend an.

Der Goldbacher Stollen

Dann erreichten wir Goldbach. Heute ist der Ort ein Stadtteil von Überlingen. Er birgt ein Geheimnis aus der jüngeren Geschichte. Der beschauliche Ort liegt im Wesentlichen oben über uns. Auf dem Berghang der hinauf zum Aussichtspunkt Eglisbohl reicht. Hier unten an der Bahnhofstraße führt ein Stollen in der Berg. Er wurde nicht vor Jahrhunderten zur vornehmen Aufgabe der Gewinnung von Erzen anderen Schätzen angelegt. Nein, er ist wesentlich jüngeren Datums und seine Entstehung mit dem schlimmsten Kapitel der neueren deutschen Geschichte verbunden.

Am 28. April 1944 war Friedrichshafen am Bodensee mit seiner Schlüsselindustrie (Zahnräder und Getriebe) zum wiederholten Mal Ziel alliierter Luftangriffe. Daher beschloss man die Produktion unter die Erde zu verlegen. So begann man Anfang Mai 1944 hier in Goldbach eine Stollensystem in der Berg zu treiben. 700 KZ-Häftlinge kamen dabei zum Einsatz. Mehr als ein Drittel von ihnen (243) wurde bei den Bauarbeiten getötet. Vorkehrung zu Ihren Schutz bei den Arbeiten unter und über Tage ab es nicht. Die Arbeitsbedingungen waren mörderisch, wie bei vielen ähnlichen “Projekten” der damaligen Zeit. Neben den Zahnrädern und Getrieben von ZF Friedrichhafen sollen hier auch Motoren von Maybach und Jagdflugzeuge von Dornier produziert werden. Dazu kam es aber nicht mehr. Im April 1945 wurden die Arbeiten eingestellt. Die französische Armee war da bei ihrem Vormarsch nicht mehr aufzuhalten. Heute erinnert die Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen an dieses Kapitel Geschichte am Bodensee.

Der Abraum aus den Stollen wurde übrigens gleich unter uns am Ufer des Bodensees abgekippt. Gerade ist die die Umgestaltung dieses Geländes in den letzten Zügen. 2021 wird hier die Baden-Württembergische Landesgartenschau stattfinden.

Überlingen und zurück nach Bodman

Dann haben wir die Seepromenade und den Landungsplatz Überlingen erreicht. Dies ist ein ganz wunderbarer Ort am Bodensee. Menschen promenieren am See entlang. Fahrtgastschiffe landen oder legen grade ab. Auf dem Seen ein wunderbarer Korso von Booten aller Art. Motoren, Muskelkraft oder der Wind treiben sie an. Strahlender Sonnenschein kitzelt jetzt zur Mittagszeit unsere Nasen aus Richtung Süden. Südöstlich von uns, vor dem gegenüberliegenden Seeufer liegt die Insel Mainau. Gestern konnten wir sie leider nur begleitet von dicken Regenwolken besuchen konnten. Wir nutzen die Gelegenheit und gönnen uns eine kleine Stärkung im “Paganini”, einem der vielen Restaurants hier unten am Landungsplatz Überlingen.

Dann geht es auf gleichen Weg zurück in Richtung Bodman. Unterwegs legen wir eine kleine Pause in dem kleinen Park am Seeufer im Sipplingen ein. Wir sind bei dem schönen Wetter sehr in Versuchung Abkühlung in den Fluten den Bodensees zu suchen. Leider müssen wir widerstehen. Weder ein Handtuch noch Badeklamotten gehören heute zu unserem Tourengepäck.

Bodman am Bodensee

Als wir wieder in Bodman ankommen radeln wir noch bis an das östliche Ortsende. Dabei geht es über die Kaiserpfalzstraße und die Seestraße. Die Kaiserpfalzstraße erinnert daran, dass das Bodman im Mittelalter eine große regionale Bedeutung hatte. Mit seiner Kaiserpfalz war Bodman damals der zentrale Orte im Bodenseeraum. Heute zieht es hier keine Kaiser und Könige her. Dafür bevölkern Ausflügler und Touristen den Ort. Besonders schön und sehenswert ist die Gegend um die Seestraße. Hier lässt es sich wunderbar flanieren. Mehrere Restaurants, deren Freisitze einen schönen Blick auf den See freigeben, laden zu einer Rast ein. An den vielen Stegen liegen die Boote der Freizeitskipper vertäut und dümpeln vor sich hin. Draußen auf dem See ziehen Segler und Motorboote ihre Bahnen. Stundenlang können man hier dem Trieben zuschauen oder einfach nur seinen Gedanken nachhängen.

Für uns geht es aber zum Wohnmobil zurück. Dort packen wir unsere Sachen zusammen. Anschließend machen wir uns auf den Weg in Richtung Schwarzwald. Unser Ziel für heute soll Donaueschingen sein. Dabei wollen wir uns etwas Zeit nehmen und durch das Hegau fahren. Wir sind neugierig auf die Kegelberge, die durch Vulkanismus entstandenen Wahrzeichen dieses Landstrichs. So fahren wir nicht in Richtung Autobahn, sondern vertrauen auf unterschiedliche Kreis- Landes- und Bundesstraßen.

Vom Bodensee über das Hegau nach Donaueschingen

So geht es zunächst in Richtung Westen nach Singen. Dort angekommen können wir der industriell geprägten Stadt nicht viel abgewinnen. Nur stockend bewegen wir uns durch die Stadt. Bundes- und Landesstraße sind dem Verkehrsaufkommen zum beginnenden Feierabend offenbar nicht immer gewachsen. Als wir Singen auf der L 191 Richtung Norden verlassen, grüßt rechts von uns der Hohentwiel, der erste Kegelberg an unserer Route. Er beleibt nicht der einzige. Wie an einer Perlenschnur ziehen sich der Hohenkrähen, der Mägdeberg, der Hohenwehn und der Neuhewen an unserer Route entlang. Etwas weiter im Westen erhebt sich der Hohenstoffeln. Er ist mit 842 Metern zwar nicht der höchste, aber sicher das mächtigste Massiv unter der Vulkanbergen hier in der Hegau.

Die Grundlagen für dieses Landschaftsbild wurden bereits vor 14 Millionen Jahren gelegt. Heftiger Vulkanismus begann die Gegend zu erschüttern und rund ein Dutzend Vulkane entstanden. Das Land verschwand unter bis zu 100 Meter starken Tuffsteinablagerungen.

Am Hegaublick

Auf unserem Weg Richtung Schwarzwald windet sich die Straße hinter Engen hinauf auf 792 Meter. Hier oben entlang läuft die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau. Außerdem hat man einen großartigen Blick nach Südosten zum Bodensee dessen Wasser in der Ferne zu glitzern scheint. Allerdings hat die Gunst dieser Lage auch die hiesige Gastronomie für sich entdeckt und den größten Teil der Ausblicks zugebaut. Will man nicht in das Restaurant Hegaublick einkehren, bleiben nur rechts und links schmale Korridore für einen Blick in die Ferne.

Über den weiteren Weg nach Donaueschingen ist nicht viel zu berichten. Nach unserer Abfahrt hinunter ins Donautal gelangen wir über die Bundestraße 31 und die Kreisstraße über Pfohren in die Stadt, in der sich Brisach und Brig zur Donau vereinigen. Nicht weit vom Zusammenfluss beider Flüsse entfernt finden wir Rand des Freizeitzentrums mit Freibad und Sportanlagen den hiesigen Wohnmobilstellplatz, wo wir den Tag beenden.

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Beuron – Konstanz – Mainau – Bodman https://www.mit-uns-entdecken.de/beuron-konstanz-mainau-bodman/ Tue, 01 Sep 2020 23:49:23 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=24231 Von Beuron an den Bodensee Am frühen Morgen des 31. August 2020 wabert eine tiefhängende Nebelwolke über der Donau bei Beuron. Wir hoffen das dies in dieser Gegend ein gutes […]

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Von Beuron an den Bodensee

Am frühen Morgen des 31. August 2020 wabert eine tiefhängende Nebelwolke über der Donau bei Beuron. Wir hoffen das dies in dieser Gegend ein gutes Omen für schönes Wetter ist. Dann hätten wir gute Chancen dem übellaunigen Wettergott oben auf der Schwäbischen Alp nun endgültig zu entkommen.

Heute soll es an den Bodensee gehen. Konstanz wollen wir uns unbedingt ansehen. Alles andere ist an diesem Tag für uns noch offen als wir gegen 09:00 Uhr in Beuron aufbrechen.
Steil geht es auf der K 5941 hinauf aus dem Donautal. Auf der gleichen Straße geht es dann in Richtung Süden. Uns unbekannte Orte fliegen vorbei. Buchheim, Worndorf, Ober- und Unterschwandorf steht schwarz auf gelben Grund auf den Ortsschildern. Wir können diesen Orten in unserem Vorbeiflug nicht viel abgewinnen, aber die Gegend schein lebenswert zu sein.

Dann erreichen wir die B 14 und es geht weiter nach Süden. Bald ist Stockach erreicht. Wir unterqueren die A 98 und können bei Espasingen den Bodensee fast riechen. Mehr und mehr prägen nun üppige Ostplantagen die Landschaft. Leuchtende Äpfel setzen unzählige Farbtupfer in das tiefe Grün der Plantagen. Selbstversorgung ist hier aber ausgeschlossen. Sicher eingezäunt sind die Schätze der Obstbauern hier.

Konstanz

Dann erreich wir die B23 mit der wir gemeinsam nach Südosten schwenken. Die Bundesstraße wird gerade vierspurig ausgebaut. Sie bringt uns trotz mancher Baustelle sicher und zügig bis in das Zentrum von Konstanz. Auf dem Parkplatz am Döbeleplatz finden wir für das Wohnmobil einen günstigen Parkplatz.

Hinunter zum Hafen

Für unseren Stadtspaziergang schlagen wir zunächst die Richtung zum Ufer des Bodensees ein. Hierzu folgenden wir der Bodanstraße nach Osten. Diese Straße ist eine vielbefahrende Verkehrsachse und quirlige Einkaufszeile. Ein Fußgängerbrücke führt über die Bahnanlagen und finden uns in der Hafenstraße wieder. Sie ist die Flaniermeile am Ufer des Bodensees in Konstanz.

Hafenstraße

Rechts von uns liegen Yachthafen, Marina, Bootshäuser und die Hafenmeisterei. Links zur Landseite hin finden sich das Junge Theater Konstanz sowie Cafés und Restaurants mit ihren großen Freisitzen.

Dann habe wir die nördliche Hafenmolen erreicht. Am Ende der Mole, quasi weit draußen auf dem See wurde 1993 etwas Unerhörtes enthüllt. Ein Denkmal sollte geschaffen werden, dass von einer wichtigen Episode aus der Geschichte der Stadt am Bodensee erzählt.

Das Konzil in Konstanz – Hintergründe

Wir schreiben das frühe 15. Jahrhundert. Amerika war noch nicht entdeckt (Kolumbus 1492), der Seeweg nach Fernost war noch nicht erkundet (Vasco de Gama 1499), nur Marco Polo hatte schon 1293 Kenntnisse der Kulturen Asien nach Europa gebracht. Die Europäer waren also noch unter sich. 1378 geschah dann etwas Ungeheuers. Die Kardinäle in Rom waren unzufrieden mit Ihrem Papst Urban VI. Er war das bisher einzige Oberhaupt der katholischen Kirche, welches bei seiner Wahl nicht zum Kardinalskollegium gehörte. Und auch nach seiner Wahl war er mit einigen seiner Kardinäle nicht auf gutem Fuß. 13 von Ihnen wollten das Machtzentrum der katholischen Kirche von Rom wieder ins schöne Avignon verlegen. Urban lehnte das kategorisch ab. Auch ernannte er 29 neue Kardinäle, von denen nur drei Franzosen waren. Der Einfluss Frankreichs in der Kirchenspitze wurde zurückgedrängt.

Dem französischen König Karl V. war dies gar nicht recht. So unterstützte er im September 1378 die Wahl des Gegenpapstes Clemens VII. der mit seinen französischen Unterstützern in Avignon einzog. Das Abendländische Schisma hatte begonnen. Von 1378 bis 1418 rangen insgesamt acht Päpste um den Heiligen Stuhl. Zum Ende des Schismas standen sich gar drei Parteien gleichzeitig gegenüber. Von Rom, Avignon und Pisa aus meldeten sie ihre Ansprüche auf der höchste Priesteramt an.

Nun war dies damals nicht die Angelegenheit irgendeiner Glaubensgemeinschaft. Die katholische Kirche war noch immer das Fundament der spätfeudalen Gesellschaft. Sie bestimmte und beeinflusste alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Politik, Wirtschaft, Rechts- und Moralvorstellungen genauso wie das persönliche Leben jedes Einzelnen. Alles wurde von Ihr bestimmt. Renaissance und Aufklärung waren noch weit entfernt. Wenn die katholische Kirche zerstritten war, so was es auch die gesamte Gesellschaft. Dieser Zustand musste unbedingt beendet werden.

Das Konzil von Konstanz

So einschneidende Probleme konnten nur in einem Konzil geklärt werden. Doch wo sollten die Bischöfe und Kardinäle zusammenkommen. Rom, Avignon und Pisa fielen aus. Zu groß war das Misstrauen sich in die Höhle des Löwen zu begeben. Also musste ein neutraler Ort her. Zentral gelegen sollte er sein. So war er für die streitenden Parteien gut erreichbar. Sie kamen aus den fünf teilnehmenden “nationes”: Italica, Germanica, Gallicana, Anglica und Hispania. Es waren also Vertreter aus Italien, Frankreich, Deutschland, England und Spanien zu erwarten. Andere kamen hinzu: Skandinavier, Polen, Böhmen, Ungarn, Kroaten und Litauer waren zu erwarten.

Außerdem war eine beachtliche Infrastruktur erforderlich. Da sich die Kardinäle und Patriarchen, die Bischöfe und Erzbischöfe, die Doktoren und Vorsteher der Mönchsorden nicht allein auf den Weg machen konnten, war mit 50.000 bis 70.000 Teilnehmern am Konzil zu rechnen, Teilweise reisten ganze Hofstaaten an. All diese Leute mussten untergebracht und versorgt werden. Ein ungeheurer logistischer Aufwand. So kam Konstanz in Spiel. Die Stadt konnte mit ihrer Lage am Wasser gut mit Lebensmitteln und anderen Waren des täglichen Bedarfes versorgt werden. Mit dem Konstanzer Kaufhaus war geeigneter Tagungsort vorhanden.

So wurde im 5. November 1414 das Konzil in Konstanz eröffnet. Da waren noch lange nicht alle Parteien anwesend, Verfahrensfahren noch nicht geklärt, die Standpunkte der kirchlichen und weltlichen Herrscher noch nicht festgelegt und notwendige Allianzen noch nicht geschmiedet. So zog sich das Konzil in die Länge machte Konstanz zu einem politischen Mittelpunkt Europas auf Zeit. Dreieinhalb Jahre dauerte es bis am 22. April 1418 das Konzil von neu gewählten Papst Martin beendet wurde. Der neue Papst zog nach Rom und die Parteien aus Avignon und Pisa gaben ihre Ansprüche auf. Das Abendländische Schisma war beendet.

Die Imperia

Über einen recht delikaten Aspekt dieser dreieinhalb Jahre erzählt das Denkmal da draußen auf der Mole. Eine prächtige und strahlende Kurtisane erhebt sich in Beton gegossen über uns. Ein tiefes Dekolleté und ein nur schlecht von einem Gürtel zusammengehaltener Umhang weißen auf Ihre Profession hin. Der eigentliche “Skandal” wird aber erst mit einem Blick auf Ihre hoch erhobenen Hände sichtbar. Ein zwergenhafter feister Mann sitzt nackt auf der linken Hand der Imperia. Unverkennbar trägt er als einziges Kleidungstück eine Tiara auf dem Kopf. Er hat seine Beine schamhaft übereinandergeschlagen. Anders der Zwerg auf der rechten Hand der Imperia. Seine Beine baumeln frei hinunter und lassen so jede Schamhaftigkeit entschwinden. Die Kaiserliche Krone auf seine Haupt lässt auch seine Rolle beim Geschehen des Konzil mehr als deutlich werden.

Imperia

Jeder mag sich selbst ein Bild machen, was uns diese Allegorie sagen will. Eines ist aber klar. War die Imperia bei ihre Enthüllung 1993 für manchen Bürger noch ein Skandal (über 30% der Bürger sind hier römisch-katholisch) so ist Sie heute ein Wahrzeichen von Konstanz und wohl das beliebteste Fotomotiv der Stadt. Mich erinnert sie aber auch an eine gewisse Miss Liberty vor einem ganz anderen Hafen dieser Welt.

Konstanz – durch die Altstadt

Wir kehren der Imperia und dem Hafen den Rücken. Durch die Zollernstraße geht es in Richtung Altstadt. Wir kommen am Haus “Zur Sackpfeife” vorbei. Ein Narr mit diesem Instrument markiert den Bau.

Bei schönstem Wetter sind viele Menschen in den engen Straßen und Gassen unterwegs. Bald haben wir das Münster Unserer Liebe Frau erreicht.

Münster Unsere Liebe Frau

Die ursprünglich romanische und später gotische überformte dreischiffige Basilika ist eines der architektonischen Schmuckstücke in Konstanz. Und sie ist alt. Bereits 1054 begann man mit dem Bau, nachdem 1052 das Langhaus der alten Basilika aus karolingischer Zeit eingestürzt war. Geweiht wurde das Haus im Jahr 1089. Damals war der Bau allerdings nur ein einschiffiges Langhaus, dem die Türme fehlten. Die kamen erst viel später im 12. bis 14. Jahrhundert hinzu.

Vom ursprünglichen Interieur sind nur Teile erhalten. Trotzdem finden wir im Inneren beeindruckende Werke aus verschiedenen Epochen und Kunststilen. Bei uns ist da z.B. die spätgotische “Schnegg” hängengeblieben. Der fünf Meter hohe sechseckige Treppenturm besticht durch seine äußerst filigran gestaltenten Figuren, Ornamente und Maßwerke.

Eher in die Zeit ist des Barocks einzuordnen ist der Hochaltar hinter dem Hochchor am östlichen Ende des Kirchenschiffs. Ergänzt wird der Hauptalter durch einige Nebenaltäre, die in der Vierung untergebracht sind.

In der Maurituskapelle findet man die das “Heilige Grab”. Die aufwendige gestaltete Rotunde ist eine bauliche Nachgestaltung der Rotunde in der Grabeskirche in Jerusalem und wurde um 1260, in der Blütezeit der Gotik erschaffen.

Neueren Datums hingegen die die Orgel am westlichen Ende des Mittelschiffes. Sie stammt aus dem Jahr 1954/55. Ein Hingucker aus der Zeit des Barock (1680) ist im mit aufwendigem Schnitzwerk versehene Kanzel.

Der zweigeschossige Kreuzgang hingegen wurde Anfang des 14. Jahrhundert errichtet. Erhalten sind leider nur noch der Süd- und Ostflügel. Betrachtet man die Fenster beider Flügel im Obergeschoss fällt auf, dass beide unterschiedlichen gotischen Stilepochen entstammen.

Für mehr Informationen zum Münster verweist das Pfarrbüro Konstanz auf einen ausführlichen Wikipedia-Artikel.

Durch die Altstadt zum Schnetztor

Vom Münster unsere Lieben Frau schlendern wir entlang der Wessenberstraße und der Hussenstraße durch die Innenstadt vom Münsterplatz zum Schnetztor. Der Weg ist eine beliebte Fußgängerzone und führt durch ein Ensemble bunter Bürgerhäuser. Nur wenig Fachwerk ist auszumachen. Ein Zeichen für den Reichtum der Stadt. Das günstige Fachwerk wich hier den teuren Steinhäusern. All dies können wir heute nur deshalb bewundern, weil Konstanz die Schrecken des Luftkrieges im 2. Weltkrieges erspart blieben. Ein großes Glück, das anderen Städten am Bodensee verwehrt blieb.

Am Schnetztor angekommen kehren wir in den “Turm” ein und gönnen uns ein spätes deftiges Schwäbisches Mittagsmahl. Spätzle mit Gulasch steht auf der Speisekarte. Einfach und sehr schmackhaft.

Mainau

Wir verlassen Konstanz und wollen die Gelegenheit nutzen die Insel Mainau zu besuchen – wenn wir schonmal in der Gegend sind. Nur allzu gut ist uns die Pracht des Dahliengartens von einem Besuch in Jahr 2014 in Erinnerung. Als wir den großen Parkplatz an der Mainau erreichen beginnt es leider zu nieseln. Wir lassen uns davon aber nicht abschrecken. Wir passieren den Kassenbereich, der für mehrere tausend Besucher pro Tag ausgelegt sein muss. Immerhin besuchen bis zu 1,3 Millionen Besucher pro Jahr diese Gartenwunderwelt. Somit ist sie wahrer Besuchermagnet hier im Südwesten Deutschlands.

Bis zum Dahliengarten

Heute ist es allerdings davon nicht viel zu sehen. Nur wenige Besucher passieren mit uns gemeinsam die Drehkreuze. Als wir die Brücke hinüber zur Mainau mit den schmiedeeiseren Geländern erreichen, mausert sich der Niesel zu einem respektablen Landregen. Aber was soll’s. Der Eintritt ist bezahlt und wir sind schließlich nicht aus Zucker.

Angekommen auf der Insel begrüßt uns “Blumi” – das Maskottchen der Mainau. Wir halten uns entlang des Uferweges. Dabei passieren wir den Mainau-Bauernhof und den Teich an der Liegewiese.

  • Brücke  - Insel Mainau
  • "Blumi" _ Maskottchen der Mainau
  • Teich an der Liegewiese - Insel Mainau

Als wir unter der alten Baumallee am Ufer der Mainau weiter schlendern lernen wir, dass man mit der richtigen Ausrüstung und der nötigen Gelassenheit auch diesem Wetter angenehme Seiten abgewinnen kann. Auf einer barock verschnörkelten Bank sitzen drei weniger barocke Damen unter farbenfrohen Regenschirmen bei einen Glas Schampus und genießen wohl die Einmaligkeit dieser Situation.

Drei Damen auf der Bank

Die Mainau erstrahlt heute leider nicht so wie an Sonnentagen. Das trübe Licht unter dem Wolkenverhangenen Himmel lässt selbst die leuchtenden Farben der Dahlienschau eher in Pastelltöne abgleiten. Da ist aber egal. Denn sehenswert ist der Dahliengarten mit seinen unzähligen Formen und Farben allemal. Aber seht selbst.

  • Sorte im Dahliengarten - Insel Mainau
  • "Checkers"  Sorte im Dahliengarten - Insel Mainau
  • Sorte im Dahliengarten - Insel Mainau
  • "Krümel"  Sorte im Dahliengarten - Insel Mainau
  • "Fire Mountain"  Sorte im Dahliengarten - Insel Mainau
  • Sorte im Dahliengarten - Insel Mainau
  • Sorte im Dahliengarten - Insel Mainau
  • Sorte im Dahliengarten - Insel Mainau
  • "Krümel" Sorte im Dahliengarten - Insel Mainau

Kreativ in der Pandemie

Ähnlich wir schon im Freilichtmuseum in Fladungen hat man auch hier mach kreative Lösungen im Umgang mit den besonderen Anforderungen der COVID19-Pandemie gefunden. “Blumi” das Maskottchen der Mainau grüßt fröhlich von vielen Aufstellern. Dabei hat es eine Art Messlatte in den Händen. Sie zeigt wie lang 1,5 Meter sind. Dies ist der Abstand, den die Besucher hier voneinander einhalten sollten. Demselben Zweck dienen die Zeichnungen auf den Decken der asphaltierten Wege. Mal sind es lustige Schlangen, mal sind es einfache Rechtecke. Auch die dienen als Symbol für die 1,5 die Meter Mindestabstand.

Heute jedoch besteht aber keine Gefahren anderen Besuchern zu nahe zu kommen. Zu weinige Besucher bevölkern heute die Blumeninsel.

Italienischer Rosengarten und Schloss Mainau

Vom Dahliengarten steigen wir hinauf zum Areal des Italienischen Rosengartens. Oben an der Victoria-Linde angekommen haben wir heute nur eine trübe Aussicht auf den Bodensee und auf die Italienische Blumen-Wassertreppe.

  • An der Victoria-Linde - Insel Mainau
  • Italienische Blumen und Wassertreppe - Insel Mainau

Etwas weiter im Rosengarten ist von der sommerlichen Pracht nur noch wenig zu sehen. Nur die späten Sorten zieren die im barocken Stil angelegten Rabatten. Hinter dem Rosengarten steht das mächtige gläserne Palmenhaus. Angesichts des regnerischen Wetters ist es heute ein besonderer Anziehungspunkt. Angesicht der vielen Besucher dort und der pandemischen Lage verzichten wir auf den Besuch des Palmenhauses.

  • Italienischer Rosengarten - Insel Mainau
  • "Heidetraum" - Sorte im Rosengarten - Insel Mainau

Für uns geht es vorbei am Schloss Mainau. Der Mittelflügel der barocken Anlage ist allerdings eingerüstet. Offenbar stehen sind umfangreiche Arbeiten an der Fassade im Gang. Der Blick auf dieses typische Postkartenmotiv der Mainau trotzdem möglich. Die schützenden Planen am Baugerüst sind mit einer Kopie der Fassade bedruckt. Sie vermitteln trotz des Baugerüstes einen guten Eindruck der Gesamterscheinung des Schlosses. Nur der Baukran im Vordergrund trübt das Bild.

Schloss Mainau
Schloss Mainau

Von innen kennen wir den Sitz des Hauses Bernadotte schon von unserem Besuch im Jahr 2014. So wenden wir uns hier unseren Weg in Richtung Westen. Es geht durch den englischen Garten mit seinen alten Baubeständen. Dann senkt sich der Weg wieder hinab in Richtung Schmetterlingshaus und Platanenstraße.

Insel Mainau
Insel Mainau

Schließlich passieren wir noch die vielfältigen Angebote für Familien rund um das Mainau-Kinderland. Die Mainau ist eine Attraktion für alle Altersklassen und natürlich gehört auch mancher Souvenirshops dazu. Insgesamt ist die Mainau eben auch ein großes Tourismusunternehmen welches seinen Gewinn geschickt maximiert. Auf der anderen Seite stehen aber auch enorme Aufwendung beim Betrieb, der Pflege und dem Erhalt des Parks, der Gärten und der vielfältigen baulichen Anlagen.

Wir sind zufrieden mit unserer kleinen Stippvisite hier und empfehlen die Mainau gerne weiter.

Über die Reichenau nach Bodman

Für uns ist es Zeit uns nach einem Stellplatz für die Nacht umzusehen. Wir wollen es auf der Insel Reichenau versuchen. So fahren wir von der Mainau auf der L 221 hinüber zur Insel Reichenau. Wir überqueren die Bundestraße 31. Vor dort führt ein Straßendamm auf die ehemalige Klosterinsel. Obst- und Gemüseanbau scheinen hier wichtige Teile des Brotwerbers zu sein. Kleinteilige Obstbaumplantagen der Gemüseanbau prägen die Landschaft zwischen den kleinen Ort auf der Insel.

Die Palette der angebauten Gemüsearten ist breit. Für mache Sorten, die eher im mediterranen Raum gedeihen ist das milde Mikroklima der Reichenau besonders förderlich. So werden hier neben klassischen Kohlsorten, Lauch, Sellerie, Rote Bete, Tomaten und verschiedenen Salaten auch Auberginen, Zucchini, Paprika, Brokkoli und Romanesco angebaut.

Wir drehen eine Runde über die Insel und schauen uns dabei auch den Wohnmobilstellplatz an der Straße Zum Sandseele an. Wir finden allerdings keinen Gefallen an der Lage des Platzes und beschließen für die kommende Nacht auf Bewährtes zurückzugreifen. So machen wir uns auf den Weg in das 30 Kilometer entfernte Bodman, wo wir im letzten Jahr zu ähnlicher Jahreszeit die Vorzüge des Stellplatzes gleich neben dem Freibad schätzen gelernt haben.

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Riedlingen – Zwiefalten – Beuron https://www.mit-uns-entdecken.de/riedlingen-zwiefalten-beuron/ Mon, 31 Aug 2020 20:31:58 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=24378 Zwiefalten und Beuron, zwei berühmte Benediktinerklöster stehen heute auf unserem Reiseplan. Vorher unternehmen wir einen kleinen Bummel durch die Altstadt von Riedlingen. Unterwegs geht es nochmals kurz hinauf auf die […]

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Zwiefalten und Beuron, zwei berühmte Benediktinerklöster stehen heute auf unserem Reiseplan. Vorher unternehmen wir einen kleinen Bummel durch die Altstadt von Riedlingen. Unterwegs geht es nochmals kurz hinauf auf die Schwäbische Alb und wir lernen das obere Donautal kennen.

Riedlingen

Morgens in Riedligen ist das Wetter ein wenig besser geworden. Zwar hängt noch immer ein grauer Himmel über uns, aber es ist merklich heller und es regnet nicht mehr. Zum Frühstück lassen wir uns die leckeren Streuselküchle, Loretto-Wecken und Dinkel-Zimtschnecken schmecken, die gestern Nachmittag auf dem Lorettohof in unseren Einkaufsbeutel gewandert waren.

Dann machen wir uns auf, um an diesem frühen Vormittag Riedlingen an der Donau zu entdecken. Gleich neben unseren Stellplatz verläuft der Donauradweg entlang dem Donaukanal. Uns kommen die ersten Fernradler, erkennbar an ihren mächtigen Satteltaschen, entgegen. Die Inselbrücke führt uns über den Kanal auf die Donauinsel, die sich zwischen dem Donaukanal und der Donau breit macht.
Auf der anderen Seite erwartet uns eine kleine Parkanlage. Hier steht nicht nur moderne Kunst aus geschickten Händen von Metallgestaltern. Man hat auch einen schönen Blick auf die historische Wasserfront von Riedlingen.

Nach wenigen Metern ist die nächste Brücke erreicht. Die uns nun über die Donau hinüber in die Altstadt. Rechts von uns rauscht das Wasser über das breite Donauwehr. Eine benachbarte Schleuse für Schiffe oder Boote suchen wir vergebens. Schiffbar ist die Donau hier noch lange nicht.

  • Auf der Donauinsel - Riedlingen
  • Wasserfront - Riedlingen
  • Donauwehr- Riedlingen

Haldenstraße und Marktplatz

Wir beginnen unseren kleinen Stadtrundgang in der Haldenstraße, die nur eine Häuserzeile vom Donauufer trennt. Uns fällt der prächtige Fachwerkgiebel des Hauses Nr. 12 aus dem Jahr 1716 und der Haldenplatz mit seinem Schwedenbrunnen auf. Seinen Namen hat der Brunnen von der kleinen Soldatenfigur in der Zierde des Brunnens. Diese stammt übrigens aus Wasseralfingen, wo wir vor vorgestern das Bergwerk “Tiefer Stollen” besucht haben.

Rechts unterhalb des Haldenplatzes befindet sich das kleinste der Riedlinger Stadttore das sogenannte Mühlentor. Wobei nur die Tordurchfahrt klein erscheint. Der sich über dem Tor erhebende Wohnturm aus dem Jahr 1470! mit seiner markenten Bohlenstube ragt mit seinen drei Geschossen stattlich über dem Tor auf. Heute bietet die Stadt Riedlingen dort drei Ferienwohnungen in wirklich exponierter Lage an Donauufer an.

  • Riedlingen - Haldenstraße
  • Riedlingen - Haldenstraße
  • Riedlingen - Haldenstraße
  • Riedlingen - Haldenstraße

Weiter geht es zum Marktplatz. Von prächtigem Fachwerk umringt erstreckt er sich so um die 90 Meter in die Länge und 15 Meter in die Breite. Auch diesen Platz ziert ein Brunnen. Dabei war der Georgsbrunnen nicht immer nur eine Zierde. Jahrhunderte war er einer der fünf Trinkwasserbrunnen von Riedlingen. Seine heutige Gestalt bekam er erst 1960.

Mehr als der Brunnen interessiert uns die recht originelle Plastik “A Saufried”. In Bronze gegossen steht da Ein stämmiger Bauer mit einem dicken Stumpen im Mund. Ein Hut ziert den mächtigen Schädel und er hält ein Ferkel im Arm. Das originelle Kunstwerk ist eine Reminiszenz an die Schweinemärkte, die bis 1960 hier stattfanden.
Sicher war dieser Platz über Jahrhunderte immer wieder ein Platz des prosperierenden Handels und auch noch heute findet hier jeden Freitag ab 10:00 Uhr ein Wochenmarkt statt.

“Mohrenscheune und “Schöne Stiege”

Einen Straßenzug weiter, in der Rösselgasse stoßen wie auf die sogenannten “Mohrenscheuer” oder auch “Alte Kaserne”. Die Scheuer gehörte einst dem Wirt des Gasthausen “Zum Mohren”. Daher der erste Name. Von 1806 bis 1813 war hier ein Reiterschwadron einquartiert. Eng muss es seinerzeit zugegangen sein. Immerhin umfasste ein Schwadron damals 150 Reiter mit fünf Offizieren. Als wir hier vorbeistreifen beeindruckt uns allerdings am meisten das fränkisch-alemannisches Mischfachwerk. Die Mohrenscheuer ist wohl der beeindruckendste Fachwerkbau in Riedlingen.

Nicht weit von der Mohrenscheune entfernt, auf der anderen Seite der Rösselgasse befindet sich ein weiterer interessanter Fachwerkbau. Auffällig ist der überdachte Aufgang, der dem Haus offenbar zu dem Namen “Schöne Stiege” verhalf. In der zweiten und dritten Etage hat man darauf verzichtet die Fassade neumodisch zu verputzen und zu übertünchen. So wird dort ein Blick auf die ursprüngliche Bausubstanz frei.

In das 1556 erbaute Ackerbürgerhaus ist heute das Stadtmuseum eingezogen. Dort wird Manches aus vergangenen Zeiten erzählt. Natürlich steht die Geschichte der Stadt im Allgemeinen im Vordergrund der Exposition.

Aber auch spezielle Themen werden behandelt. So geht es zum Beispiel um die “Ordinari Riedlinger Freytags-Zeitung”, eine der ersten Zeitungen Deutschlands. Oder um die Geschichte der Post am Ort, die Revolution von 1848, die archäologischen Funde des Altertumsvereins in “vaterländischer Gesinnung” oder die Historie von Industrie, Handel und Gewerbe in Riedlingen. Gerne hätten wir einen Blick auf die Sammlungen geworfen. Aber heute ist Montag, der “vereinigte Schließtag aller Museen in Deutschland”. Schade!

  • Riedlingen "Mohenscheuer"
  • Riedlingen - "Schöne Stiege"

Weiter durch Riedlingen

Für uns geht es weiter über den Wochenmarkt mit dem Augstiniusbrunnen und dem ehemaligen Spital zum “Heiligen Geist – auch eines von den herausragenden historischen Gebäuden in Riedlingen. Mehr lest ihr aber besser auf der örtlichen Internetseite nach.

Für uns ist es jetzt ist es Zeit wieder zum Wohnmobil zurückzukehren. Auf den Weg dorthin erhaschen wir einen Blick auf die wehrhafte Fassade der “Badischen Scheuer”, kommen vorbei am Hirsch und auf den Weibermarkt. Hier finden wir den “Narrenbrunnen” und das Haus mit der Nummer 1 finden wir besonders interessant. Dort wo seit 1997 eine originelle bronzenen Plastik den Brunnen schmückt, befand sich über Jahrhunderte der Brunnen, der für die Wasserversorgung dieses Stadtteils unverzichtbar war.

Vom Weibermarkt ist es über die Donaustraße nicht weit bis zu Hindenburgbrücke und zum Wohnmobilstellplatz. Mit einem letzten Blick von der Brücke in Richtung donauaufwärts verabschieden wir und von Riedlingen. Vielleicht kommen wir mal an einem Dienstag wieder, um dem Museum “Schönen Stiege” unsere Remineizenz erweisen zu können.

Zweifalten

Auch über Zwiefalten hängen noch dunkle Wolken als wir eintreffen. Wir nutzen den Parkplatz im Dobeltal nicht weit vom Ufer der Kessel-Ach. Das kleine Flüsschen entspringt nicht einmal 500 Meter von hier entfernt einem fast kreisrunden Quelltopf. Viele hier in Zwiefalten nennen ihn einfach nur den “Kessel”.

Nur 600 Meter von ihrer Quelle entfernt mündet die Kessel-Ach in die Zwiefaltener-Ach die ebenfalls nicht weit von hier entspringt. Sie hat ihren Ursprung in der Wimsener Höhle, die nur drei Kilometer nördlich von Zwiefalten entfernt liegt und die einzige mit Booten befahrbare Wasserhöhle in Deutschland ist. Von den beiden Flüssen (zwiefältiges Wasser) leitet sich übrigens der Ortsname von Zwiefalten ab.

  • Kesselach - Zwiefalten
  • Platz am Peterstor - Zwiefalten

Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten

Die eigentliche Attraktion am Ort ist jedoch das Münster Unserer Lieben Frau der ehemaligen Benediktinerabtei Zwiefalten. Die Abtei geht auf das Jahr 1089 zurück. Eine erste 1091 geweihte Holzkirche brannte nach wenigen Jahren ab. 1109 wurde sie durch eine erste romanische Steinkirche ersetzt. Sie war jahrhundertelang den Benediktinermönchen von Zwiefalten ihr liturgisches Zentrum.

Münster Unser Liebe Frau -Zwiefalten
Münster Unserer Lieben Frau

Die Wirren der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges bescherten dem Kloster ein wechselhaftes Schicksal. 1634 zogen wieder Mönche in das Kloster ein und ab 1688 wurde es im Stil des Barock neu errichtet. Ab 1739 wurde dann an der heutigen Klosterkirche, dem Münster Unserer Lieben Frau, gebaut. Als es nach 26 Jahren im Jahr 1785 endgültig vollendet wurde, war in Zwiefalten eines der bedeutendsten Kunstwerke das ausgehenden Barocks in Süddeutschland entstanden.

Von außen noch recht unscheinbar umgibt uns im Inneren der dreischiffigen Basilika ein wahrliches Universum des Spätbarock. Seien es die Altäre an der Nord-und Südseite der Vierung, die opulenten Fresken der Tonnengewölbe, die Kapellen in den Jochen des Langhauses, der reich geschmückte Chor, der Hochaltar, die Kanzeln mit Ihrem gewaltigen Detailreichtum, alles quillt über von den Stilmitteln des Barock. Unzählige Geschichten und Legenden werden erzählt. Im Mittelpunkt von allem steht für uns der Gnadenaltar mit der Figur “Unserer Lieben Frau” aus dem Jahr 1450. Über ihr hoch oben im Tonnengewölbe erzählen prächtige Fresken aus dem Leben der Mutter Gottes. Wir sind schwer beeindruckt.

  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten

Nach einer Stunde verlassen wir das Münster. Vor der Tür beobachten wir noch ein kleines Eichhörnchen, dass recht respektlos in der Fassade des Ostportals unterwegs ist.

Eichhorn und Engel

Zwiefalterner Klosterbräu

Wir verabschieden uns von Zwiefalten mit einem Besuch im Laden der Klosterbrauerei. Nett arrangiert finden sich hier die Produkte des Traditionshauses. Dabei ist die Auswahl der Biere, die unter Marke Zwiefaltener Klosterbräu angeboten werden durchaus vielfältig. Ober- und Untergärige Biere wie “1521” oder verschiedene Hefeweizen gehören zum Programm, genau so wie alkoholfreie Erfrischungsgetränke. Die am besten zum klösterlich Umfeld passende Hausmarke ist jedoch das “Engele”. Auf dem Etikett der kleinen Flaschen schwebt ein freundlicher Barockengel getragen von goldenen Flügeln. In der linke Hand trägt einen Krug mit dem leckeren Hopfensaft.

Und natürlich gibt es zur Hausmarke Nummer eins auch eine kleine Legende:

Die Legende vom Engele…

Eines Tages vor langer Zeit wurde im Kloster zu Zwiefalten ein Bier eingebraut, das die Mönche besonders verzückte: Es war strohgelb, feinmalzig und mild – und so unverschämt süffig, dass es fast schon eine Sünde war. Auf Geheiß des Abts wurde das Fass in den hintersten Winkel des Klosterkellers geschafft. Am nächsten Tag dann der Schreck: Das Fass war komplett leer, kein Krug ließ sich mehr daraus füllen.

Der Abt zürnte.
Wer hatte sich am kostbaren Gerstensaft vergriffen? Doch keiner der Mönche hatte etwas gesehen oder gehört, es war ihnen allen ein Rätsel. Und so blieb nur eine Erklärung für den Schwund: Die Engel müssen sich über Nacht an diesem himmlischen Trunk gelabt haben. Fortan ließ man immer ein kleines Fässchen „für die Engele“ im Keller zurück…

https://www.zwiefalter.de/klosterbraeu/produkte/engele/

Einige “Engele” wandern in unsere Tasche für Reise-Souvenirs. Die werden unseren Lieben daheim sicher schmecken.

Durch die Schwäbische Alb an die Donau

Für unseren Weg weiter in Richtung Bodensee lassen wir uns nun Zeit und fahren nochmal hinauf auf die Schwäbische Alb in Richtung Gammertingen.

Nochmal hinauf auf die Alb und durch das Tal der Lauchert

Für den Weg hinauf auf die Alp nutzen wir die L253 die uns nochmal auf ca. 780 Meter über NN führt. Heute ist die Schwäbische Alb freundlicher zu uns denn erste Sonnenstrahlen brechen durch die Wolken. An der Strecke wechseln sich Felder, Wiesen und Wälder ab. Die bewirtschafteten Flächen scheinen im Vergleich zu denen in unser Heimat Thüringen recht kleinteilig zu sein. Hier ist das Land sicher noch in der Hand kleiner familiärer Agrar-Betriebe.

Auch hier ist die Alb keine ebene Hochfläche. Ständig geht es um die 50 Meter hoch und runter. Hinter dem kleinen Ort Feldhausen führt und die Straße dann stetig bergab. Kurz vor Gammertingen sind gar drei Serpentinen erforderlich, um die Schussfahrt hinunter ins Tal der Lauchert zu bremsen. Dort angekommen werden wir von der B32 aufgenommen, die sich eng entlang der Lauchert Richtung Sigmaringen schlängelt. Das Tal der Lauchert ist ausgesprochen schön anzusehen und wegen des gut ausgebauten Lauchert-Radweg ein Tipp für jeden Pedalritter.

Vorbei an Sigmaringen

Die B 32 führt uns noch einmal kurz bergan über den Nollhof am Nordhang des Wittberges. Dann geht es hinunter nach Sigmaringen und ins Donautal. Als wir unten im Tal ankommen ragt links von uns das Hohenzollernschloss Sigmaringen als einmaliges Solitär im Donautal über der Stadt und dem Flusstal auf. Fast könnte man denken, dass dort drüben ein Märchenschloss aus längst vergangenen Zeiten steht. Sicher wurde es von Feen und Zauberern auf den Fels gepflanzt. Und die Drachenhöhle im Karst der Alb ist sicher auch nicht weit entfernt.

Im oberen Donautal

Mit solchen Gedanken verpassen wir die Ausfahrt, die uns direkt ins das obere Donautal Richtung Beuron führen würde. So geht es für uns zunächst über die Donau und auf die Schnellstraße Richtung Meßkirch und Bodensee. So reißen wir wenige Kilometer weiter in Vilsingen das Ruder herum und finden auf Nebenstraßen einen Weg über Izingkofen und Laiz, der uns hinunter an die Donau führt. Die ersten Kilometer auf der L277 sind sehr vielversprechend. Eng schmiegt sich die Straße an die Donau, die hier einen engen Canyon in das Karstgestein geschnitten hat.

Gerade als es besonders schön zu werden verspricht, findet der Traum von einer spektakulären Fahrt durch den Canyon ein jähes Ende. Ab Gutenstein ist die L277 wegen Bauarbeiten gesperrt. Wir müssen hinüber an das rechte Donauufer. Hier gibt es direkt am Flussufer einen großzügigen Parkplatz, den wir gerne für eine längere Pause nutzen. So können wir von der Brücke aus einige schöne Bilder machen und beobachten, wie Paddler hier ihre Tour durch das obere Donautal beenden. Dieser schöne Platz vertreibt bei uns auch den Ärger darüber, dass gerade heute einer der vermeintlich schönsten Streckenabschnitte unser gesamten Tour durch Süddeutschland gesperrt ist.

Donau bei Gutenstein

Wir nehmen also die wenig attraktive Umleitung über Langenhardt und Kreenheinstetten um das Donautal bei Hausen im Tal erneut zu erreichen. Nun geht es wieder entlang dem linken Ufer der Donau. Der Eyecatcher auf den wenigen Kilometern bis Beuron ist das Schloss Werenwag, dass rechts über uns hoch oben auf dem Echofels thront.

Schloss Werenwag

Beuron

Dann erreichen wir Beuron. Unten in der Flussaue finden wir einen großzügig angelegten Wohnmobilstellplatz, den wir gerne in Anspruch nehmen. Gleich daneben liegt ein Camp, das sich offenbar auf die vielen Radwanderer am Donauradweg spezialisiert hat. Weiter oben das Kloster, die Benediktiner Erzabtei Sankt Martin. Östlich davon vor dem hoch aufragenden Berghang dann die wenigen Häuser des Ortes Beuron, die sich außerhalb der Klostermauern befinden.

Im Gegensatz zu Zwiefalten ist das Kloster in Beuron heute noch ein lebendiges Benediktinerkloster. 40 Mönche leben in der Erzabtei und gehen unterschiedlichen Tätigkeiten nach. Zum Kloster gehören ein Kunstverlag, der Klostergarten mit der Klosterbrennerei, ein Buchladen, ein Gästehaus und verschiedene Werkstätten für den Eigenbedarf. Sie alle gehören zu den wirtschaftlichen Standbeinen der Abtei.

Abteikirche St. Martin und die Gnadenkapelle

Offen steht allen Besuchern die Abteikirche mit der Gnadenkapelle. Ein Angebot, dass wir an diesem späten Nachmittag gerne annehmen. Die Abteikirche St. Martin stammt aus ähnlicher Zeit wie das Münster Unserer Lieben Frau in Zweifalten.

Sie ist jedoch kleiner und weniger opulent ausgestattet. Stilistisch fand man hier schon den Weg in das frühe Rokoko.
Tragisch erwies sich die Geschichte des Abtes Rudolf II. Er war quasi der Bauherr der Kirche. Nur wenige Wochen bevor er die Kirche geweiht werden konnte, inspizierte er seine Baustelle. Just in diesem Moment machte sich ein Ziegel auf den Wege in die Tiefe und erschlug den Abt. Er und der Ziegel fanden im Mittelgang des Kirchenschiffes ihre letzte Ruhestätte.

  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten
  • Münster Unserer Lieben Frau Zwiefalten

Stilistisch in einer ganz anderen Welt finden wir uns in der sogenannten Gnadenkapelle wieder. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts an die Nordseite des Langhauses von St. Martin angefügt. Es ging darum einer spätgotischen Pietà aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, einen geeigneten Aufstellungsort zu geben. Die Kunstrichtung der Innenausstattung ist schwer zu bestimmen. Die Gestaltung übernahmen die Mönche des Klosters selbst. So ist hier ein beeindruckendes Beispiel der sogenannten “Beuroner Kunst” entstanden.

  • Gnadenkapelle Beuron
  • Gnadenkapelle Beuron
  • Gnadenkapelle Beuron

Am Donauradweg

Nach unserem Besuch in St. Martin kehren wir in das kleine Bistro ein, dass zu Fahrradgeschäft Buck gleich am Donauradweg gehört. Man muss wissen, dass der Donauradweg der beliebteste Radfernwege in Deutschland ist. In der Saison suchen die Radler an einem so populären Spot wie am Kloster Beuron nicht nur technischen Support. Hier auch für das leibliche Wohl der der Pedalritter zu sorgen ist sicher eine noch bessere Idee als die mit der Fahrradwerkstatt. Das Angebot im Bistro ist heute allerdings überschaubar. So geben wir uns mit Kartoffelsalat, Würstchen und einem regionalen Bier zufrieden.

Zum Abschluss des Tages führt uns noch ein kleiner Spaziergang zur historischen überdachten Holzbrücke über die Donau. Sie wurde 1801 in Betrieb genommen. Ihre beeindruckende Holzkonstruktion trug bis 1975 den gesamten Verkehr dieser Gegend über die Donau. Dann wurde ein kleines Stück flussabwärts einer neue Betonbrücke für den Straßenverkehr errichtet. Seitdem steht die überdachte Brücke nur noch den Fußgängern und Radfahrern offen. Sicher ist sie ein Highlight unter den Brücken am Donauradweg.

Mit vielfältigen Eindrücken von den Stationen unser heutigen Etappe beenden wir den Tag.

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Über die Schwäbische Alb von Murrhardt nach Riedlingen https://www.mit-uns-entdecken.de/ueber-die-schwaebische-alb-von-murrhardt-nach-riedlingen/ Sun, 30 Aug 2020 23:30:00 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=24187 Murrhardt bis Lorsch Nach einer ruhigen Nacht verlassen wir den Wohnmobilstellplatz in Murrhardt. Es soll heute über die Schwäbische Alb bis an die Donau gehen. Zunächst ist aber von Murrhardt […]

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Murrhardt bis Lorsch

Nach einer ruhigen Nacht verlassen wir den Wohnmobilstellplatz in Murrhardt. Es soll heute über die Schwäbische Alb bis an die Donau gehen. Zunächst ist aber von Murrhardt aus das Vorland der östlichen Schwäbischen Alb zu überwinden. So folgen wir von Murrhardt aus der Murr Richtung Osten für einige Kilometer. Dann geht es rechts auf die L1149 und gleich noch einmal rechts auf die L1120.

Wir haben nun das Tal der Murr verlassen und folgen nun dem Göckelbach. Es scheint ein recht stilles und einsames Tal zu sein. Vorbei geht es an Mettelbach mit seinen wenigen Häusern und weiter hinauf zum Kuhbach. Hier öffnet sich der Wald für eine kurze Strecke. Äcker und Weiden liegen links und rechts der Straße. Dann umschließt uns wieder dichter Wald. Hier gibt uns eine Art Holzverladeplatz. Für uns die Möglichkeit zu einem kurzen Stop.

Durch den Welzheimer Wald

Wir machen uns zu Fuß auf in den Wald, in der Hoffnung ein paar Pilze für das Abendessen zu finden. Wir werden allerdings enttäuscht. Viel zu trocken ist der Waldboden nach dem heißen Sommer auch hier. Welkes hohes Gras umfängt die Füße, trockene Zweige bersten knackend unter unseren Füßen. Keine Chance für die Myzele unter dem Mischwaldbestand. Also geht es für und weiter.

Da es noch früh am Tag ist gönnen wir uns dem Umweg vorbei am Ebnisee und über Althütte. Der malerische gelegenen Ebnisee ist ein künstlicher Stausee und überraschend alt. 1745 wurden hier erstmals die Wasser der Schneeschmelze und der Frühjahrsregen aufgestaut. Der Stau diente einem heute fast vergessenen Zweck. Die Schleusen wurden geöffnet, um der Wieslauf immer dann ordentlich Wasser zuzuführen, wann es galt das in der Gegend geschlagen Holz zu Tale zu bringen.

Als nächste Orte erreichen wir Althütte und Klaffenbach. Von dort aus schlängelt sich die Straße entlang der schmalen Wieslaufschlucht. Eine Streckenvariante die hier auch die Schwäbische Waldbahn als Trasse benutzt. Dann erreichen wir Welzheim und fahren von dort aus Richtung Kloster Lorch, dass wir gerne besichtigen wollen.

Dort angekommen finden wir einen Parkplatz gleich unten an der nördlichen Klostermauer. Der kurze Weg zur Klosterpforte führt vorbei an der Staufer-Falknerei. An der Klosterpforte dann die Enttäuschung. Die Türen öffnen sich dem Besucher hier erst um 11:00 Uhr. Wir müssten fast eine Stunde warten. Das ist uns eindeutig zu lange, schließlich ist die Urlaubszeit begrenzt und auf der Strecke über die Schwäbische Alb warten noch andere interessante Plätze auf uns.

Wäscherschloss

So fahren wir hinunter nach Lorch und überqueren die Rems. Dann geht es in zwei Serpentinen steil bergan bis hinauf auf die Höhe des Schurrwaldes, dem letzten Höhenzug der Vorgebirge der Schwäbischen Alb. Bald ist Wäschebeuren erreicht. Hier lockt uns eine Ausschilderung zur Burg Wäscherschloss.

Kurz vor 10:45 Uhr kommen wir dort an. Auch hier wird erst ab 11:00 Uhr geöffnet. Die nun noch verbleibenden 10 Minuten können wir gerne warten, denken wir uns.

Doch um 11:00 regt sich nichts am Eingang zur Burg. Kurz danach braust flott ein Kleinwagen heran und stellt sich auf den Parkplatz für die Angestellten. Dem Wagen entspringt eine junge Dame die nun, eine Minute nach 11:00 Uhr das schwere Burgtor öffnet, flink über den Burghof eilt und die Treppe zur hoch der über den Burghof liegende Eingangstür drs Palas stiegt. Noch einmal schließen, dann noch schnell das Kassensystem hochgefahren und wir haben um 11:04 Uhr unsere Tickets in der Hand – eine sportliche Leistung.

  • Burg Wäscherschloss
  • Burg Wäscherschloss
  • Burg Wäscherschloss

Burgmuseum

Die Burg Wäscherschloss ist für uns zunächst ein Mysterium. Sie ähnelt weder den typischen Klischees einer Burg noch denen eine Schlosses. Kein Bergfried grüßt vom Hohen Fels, kein Schlossgarten umschließt prachtvolle Mauern. Weder die Gebäude von Küche, Kemenate oder Kapelle sind auszumachen. Weder Stall oder Marstall scheinen vorhanden zu sein.

Nur ein durchaus herrschaftlicher Palas dominiert die Anlage. Er gleichzeitig auch Teil der imposanten Wehrmauer, die den Hof umgibt. Irgendwie wirkt die Anlage wie ein schwer gesichertes Gut und nicht wie eine Burg oder ein Schloss. Das mag daran liegen, dass die Burg Wäscherschloss nicht der Sitz des Hochadels war. Viel mehr diente sie zunächst den Dienstmannen der Staufer als Wohnsitz. Wikipedia erzählt mehr über die Bedeutung und Geschichte der Burg.

Wir unternehmen einen interessanten Rundgang durch den Palas. Auf zwei Etagen wird vom Leben der Burgleute erzählt. Es geht um Kampf und Kochen, um Leben und Herrschaft. In der dritten Ebene ein schön ausgebauter Festsaal, in dem sich’s heute gut feiern lässt. Wir verbringen hier eine kurzweilige und interessante Stunde.

Über die schwäbische Alb

Verlockend wäre es von hier aus die Burgruine Hohenstaufen ansteuern, da diese nur ca. 10 Fahrminuten entfernt liegt und einen grandiosen Panoramablick bieten soll. Nicht viel weiter entfernt steht auch noch die Burg Hohenrechenberg mit einer nicht weniger spektakulären Aussicht. Kein Wunder liegen beide doch hoch oben auf den solitären Zeugenbergen Hohenstaufen und Rechberg. Nur heute wird uns diese exponierte Lage nichts nützen. Graue und regenschwere Wolken hängen tief über uns und es hat zu nieseln begonnen. Mit spektakulären Aussichten ist heute dort nicht zu rechnen.

So entschließen wir uns weiterzufahren. Erst hinunter nach Göppingen, über die Fils und endlich hinauf auf die Schwäbische Alb. Das Albvorland haben wir damit verlassen.

Unsere Fahrt über das Gebirge wird vom schlechten Wetter und von mancher Umleitung getrübt. So kurven wir eine ganze Zeit durch die Dörfer der Alb. Die ähneln sich alle irgendwie. Eine besondere Ehre wird hier dem Rotwild gezollt. Viele der Gasthöfe in den Dörfern spielen in ihren Namen mit den Hirschen. “Zum Hirschen”, “Goldener Hirsch” oder einfach nur “Hirsch”, der Spielarten finden wir viele.

Die Schwäbische Alb ist eine alte Kulturlandschaften. Die Äcker, Wiesen und Weiden werden immer wieder von Waldstücken durchbrochen. Die Hochfläche der Alb ist nicht eben sondern von eine von Hügeln und Senken durchbrochene eher wellige Landschaft.

Ein wenig Geologie

Geologisch gesehen bewegen wir uns auf ehemaligen Meeresboden. Vor 200 bis 150 Millionen Jahren schichteten sich vor dem Riesenkontinent Pangäa an den Küsten des Thetis-Meers riesige Mengen unterseeischer Ablagerungen auf. Die Flora und Fauna in den küstennahen Gewässern müssen üppig gewesen sein, fand doch alles in der Nähe des Äquators mit seinen warmen Gewässern statt. So konnte sich ein gewaltiges Kliff von 200 Kilometern Länge und bis zu 40 Kilometern Breite bilden.

Die Kräfte der Kontinentalverschiebung ließen Pangäa auseinanderdriften. Das Gebiet der Schwäbischen Alb bewegte sich mit anderen Teilen des heutigen Mitteleuropas nach Norden. Dann schob sich von Süden her die Afrikanische Platte auf Europa zu und faltete die Alpen auf. Diese Kollision wirkte sich bis zur heutigen Schwäbischen Alb aus. Sie wurde ebenfalls in die Höhe gehoben.
Der Nordhang der Alb, den wir von der Fils kommend hinauffahren ist recht steil. Nach Süden hin zur Donau hingegen fällt die Alb flach ab.

Auch klimatisch hebt sich die Alb sind ihrem Umland ab. Das Klima ist hier rauer und 3 bis 5°C kälter als unten an der Donau oder im Tal des Neckar. Auch regnet es hier deutlich mehr, da sich die meist aus Nordwesten herankommenden Wolken an dem Gebirge abregnen. Und genauso ist es heute. Das Wetter ist inzwischen wirklich mies.

Wir entschließen uns daher von weiteren Exkursionen hier oben auf der Alb Abstand zu nehmen und als nächsten Zwischenziel Blaubeuren anzufahren. Die Stadt, das Kloster und der berühmte Blautopf sollen ja besonders sehenswert sein.

Blaubeuren

So geht es nun westlich an Ulm vorbei, dann auf die B 28, die uns bis nach Blaubeuren bringt. Einen Parkplatz in Blaubeuren finden wir gegen 13:45 Uhr im Dodelweg gleich gegenüber dem Stadtpark. Vor hieraus ist es nicht weit bis zum ehemaligen Benediktinerkloster Blaubeuren. Die imposante spätgotische Anlage ist zu großen Teilen noch in der Gestalt erhalten, die ihr die Mönche vor über 500 Jahren gaben. Klosterkirche, Klausur, Wirtschaftsgebäude, Brauhaus und Klostervogtei, alles noch vorhanden.

Ein besonderes Highlight der Klosteranlage ist jedoch das Badehaus der Mönche.

Badehaus der Mönche

Das Badehaus der Mönche im Kloster Blaubeuren ist das letzte erhaltene Badehaus eins Klosters in Deutschland. Man darf diese wenig spirituelle Einrichtung eines Klosters nicht unterschätzen. Diente sie neben dem Wohlbefinden auch wichtigen hygienischen und gesundheitlichen Aspekten. Damit war es lebenswichtig für die Klostergemeinschaft. Die Nutzung erfolgte jedoch wie so vieles in einem Benediktinerkloster nach strengen Regeln.

Baderegeln

So sollte nach den Regeln des heiligen Benedikts den Kranken so oft ein Bad gewährt werden, wie es Ihnen guttut. Bei den gesunden und besonders den jungen Mönchen war man zunächst weniger großzügig. Nur zweimal im Jahr, zu Weihnachten und zu Ostern war der Gang in das Badehaus gestattet. Und “sittsam” hatte es zuzugehen beim Bade. Immer war ein älterer Klosterbruder zugegen um “Schlimmeres” zu verhindern.

Später dann stand jedem Bruder sogar ein Bad pro Monat zu. Sogenannte “Riebemönche” oder “Bademöche” sorgten sogar für ein wenig “Wellness”. Die Köper wurden mir Badebürsten geschruppt, mit kaltem oder heißem Wasser abgespült, oder mit dem Badewedeln geschlagen. Auch die Rasur von Bart und Kopfhaar (Tonsur) fanden hier statt.

Die Badeeinrichtungen befinden sich im Erdgeschoss, in dem die Wasserversorgung durch die direkt am Haus vorbeifließende glasklare Ach gesichert war. Dort befinden sich u.a. der Heizraum, das Vorbad und die Badestube.

Schätze im Heimatmuseum

Die Etagen über dem Bad dienten als Gästehaus für die adligen Gäste des Klosters. Besonders deutlich wir dies im ersten Obergeschoß. Die Räume sind im Stil der Renaissance reichlich mit Jagdmotiven und Laubendekor ausgemalt. Hier fanden in angemessenen Rahmen die Bankette für die adligen Gäste statt.

Im zweiten Obergeschoß finden wir Exponate und so manche Pretiosen, die von der Vergangenheit der Ortes Blaubeurens erzählen. Neben Ausstattungen historischer Wohnräume, einer Puppenküche und einem Spritzenwagen fallen uns besonders einige zauberhafte aus Elfenbein geschnitzte Miniaturen auf.

So erfährt man Dieses und Jenes im Badehaus der Mönche, in dem heute auch das Heimatmuseum Blaubeuren sein Domizil hat.

  • Blaubeuren - Heimatmuseum
  • Blaubeuren - Heimatmuseum
  • Blaubeuren - Heimatmuseum
  • Blaubeuren - Heimatmuseum
  • Blaubeuren - Heimatmuseum

Vom Badehaus der Mönche ist es für uns nicht weit bis zum berühmten Blautopf. Der Weg führt vorbei an der ehemaligen Klausur und durch ein imposantes Tor in einen Wirtschaftsgebäude des Klosters.

Der Blautopf

Die Schwäbische Alb, an deren Ostrand wir uns nun befinden ist wie ein riesiger Schwamm. Die weichen unterseeischen Ablagerungen, die das Gebirge bilden wurden von den reichlichen Regenmassen über die Jahrmillionen gründlich durchlöchert. So entstanden neben imposanten Höhlen auch ergiebige Karstquellen.

Eine davon ist der Blautopf in Blaubeuren. Die gewaltigen Wassermengen, die hier ausgeschüttet werden haben den Quelltopf mit seinen 40 Metern Durchmesser bis in eine Tiefe von 21 Metern wachsen lassen. Die feinen vom Wasser ausgespülten Kalkpartikel sind übrigens das Geheimnis der intensiven Farbe. Das Licht bricht sich an den Partikeln und lässt das typische intensive Blau erscheinen.

Der Quelle entspringt das Flüsschen Blau, welches nach nur 22 Kilometern die Innenstadt von Ulm durchfließt und sich dann in die Donau ergießt.

Ein Rundweg um den Baultopf beginnt an der Schleuse der alten Hammermühle. Auf ihm kann man die Blautopf bequem umrunden. Auf den Weg finden sich immer wieder neue Blickwinkel auf den Blautopf, die Hammermühle und die Klosteranlage.

Standrundgang Blaubeuren

Nach unserer Visite am Blautopf machen wir uns auf den Weg die Altstadt von Blaubeuren zu erkunden. Auf der Klosterstraße geht es Richtung Marktplatz mit dem Marktbrunnen und dem markanten Gebäude des Hotels zum Löwen.

Blaubeuren Marktplatz
Marktplatz

Weiter geht es durch die Karlstraße zur Stadtkirche Sankt Peter und Paul in die wir einen Blick werfen. Gleich gegenüber befinden sich die historischen Mauern des ehemaligen Spitals. Heute sind hier das urgeschichtliche Museum und die Touristinformation zu Hause. Dort bekommt man neben vielen andern Dingen auch eine kleine Broschüre, die für Blaubeuren und die Sehenswürdigkeiten der Stadt wirbt.

  • Blaubeuren - Rathaus
  • Blaubeuren - St. Peter und Paul
  • Blaubeuren - Spital

Wir können nur bestätigen was dort über Blaubeuren berichtet wird.

Die Stadt an der Quelle der Blau ist sicher eine der schönsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Fachwerkstädte im Südwesten Deutschlands. Die Stadtmauer, das Kloster, das Mühlenviertel, verwinkelte enge Gassen und die Vielzahl weiterer historischer Gebäude machen den Reiz der Stadt aus. Vielerorts sind heute Gastronomie und kleiner Einzelhandel eingezogen und laden zum Bummeln und Rasten ein.

An der Ach entlang

Für Weg zurück zum Wohnmobil nehmen wir den Weg durch die Achgasse. Neben der Blau ist die Ach der zweite Fluss der Blaubeuren durchfließt. Sie entspringt dem Achtopf im Nachbarort Schelklingen nur wenige Kilometer westlich von Blaubeuren. Der Achtopf ist größte Karstquelle Deutschlands und liefert ausreichend Wasser, um im Mittelalter in Blaubeuren gemeinsam mit dem Wasser der Blau eine ganze Reihe von Mühlen antreiben zu können.

Hier in der Achgasse strömt die Ach rauschend am Straßenrand entlang. Über ihr ragen die alten Fachwerkhäuser, dieser bei besserem Wetter sicher recht pittoresken Gasse, hoch auf.

Blaubeuren Achgasse
Achgasse

Loretto

Als wir in Blaubeuren aufbrechen hat sich das Wetter noch immer nicht gebessert. So beschließen wir uns einen Platz für die nächste Nacht zu suchen. Bei dem Mistwetter kann man eigentlich nur fahren oder sich im Wohnmobil einkuscheln.

Allerdings fiel mir dann noch eine Beitrag des SWR aus der Reihe Handwerkskunst ein. “Wie man ein gutes Brot backt” so der Titel. Liebevoll erzählt der Beitrag, wir hier in der Nähe auf den Lorettohof bei Zwiefalten echtes Natursauerteigbrot im traditionellen Holzofen gebacken wird. Da unser Brotvorrat gerade zu Ende geht, beschließen wir den Lorettohof anzusteuern. Knappe 40 Kilometer sind es von Blaubeuren dorthin. Das sollten in ca. einer halben Stunde zu schaffen sein.

Zum Lorettohof gehört ein großzügiger Parkplatz, der auch gerne von Wanderern genutzt wird. Von dort aus sind es ca. 300 Meter Fußweg zu dem über 300 Jahre alten Hof. Die Gebäude stehen im Schatten der ältesten Mauern des Hofes – einer Kapelle vor über 300 Jahren nach dem Vorbild der Wallfahrtskapelle im mittelitalienischen Loreto errichtet wurde.

In die Kapelle ist heute einer der Hofläden eingezogen. Das ist sicher kein Sakrileg. Die rustikalen und irgendwie in ihrer Art auch exklusiven Produkte sind heute die “Heiligtümer” des Hofes. Hergestellt nach traditionellen Rezepten und Verfahren aus vorwiegend regionalen Rohstoffen und Zutaten machen Sie heute den eigentlichen “Geist” des Hofes aus. Natürlich nehmen wir eines der runden 1000g-Vollkornbrote mit. Aber auch Streuselküchle, Loretto-Wecken und Dinkel-Zimtschnecken wandern in unseren Einkaufsbeutel.

Es gibt noch einen zweiten Laden auf dem Lorettohof, der auch ein Ziegenhof ist. Daher gibt es hier auch die Produkte von und aus der Ziege. Wir decken und mit ein wenig Weich- und Schnittkäse aus Ziegenmilch ein. Auch frisches Zickleinfleisch ist im Angebot. Wir verzichten aber auf diese Delikatesse. Im gemieteten Wohnmobil können wir diese exklusiven Fleischstückchen nicht angemessen zubereiten.

Über Zwiefalten nach Riedlingen

Wir verlassen den Lorettohof mit einem vollen Einkaufsbeutel und fahren hinunter nach Zwiefalten. Hier steht die berühmten Klosterkirche mit ihrer herausragenden spätbarocken Ausstattung, die wir morgen besichtigen wollen. Außerdem gibt es hier am Standrand, zwischen dem Höhenfreibad und dem Jugendcamp einen Wohnmobilstellplatz. So die Theorie. Als wir dort oben ankommen belehrt uns die Praxis jedoch eines Besseren. Höhenfreibad, Jugendcamp leider auch der Wohnmobilstellplatz sind pandemiebedingt geschlossen.

So müssen wir leider weiterfahren. Es geht hinunter an die Donau in das nahe gelegene Riedlingen. Dort ist in der Nähe des Stadtzentrums ein Wohnmobilstellplatz verzeichnet. Der ist an den großen Parkplatz neben der Stadthalle und einen Einkaufszentrum angegliedert und alles andere als malerisch gelegen. Es sind aber nur wenige Schritte zum Donauradweg der direkt am Ufer der Donau entlangführt. Das gleicht die nicht so schöne Lage ein wenig aus.

Der Beitrag Über die Schwäbische Alb von Murrhardt nach Riedlingen erschien zuerst auf Zugvogel - ein Reiseblog.

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Oettingen, Tiefer Stollen und Murrhardt https://www.mit-uns-entdecken.de/oettingen-wasseralfingen-und-murrhardt/ Sat, 29 Aug 2020 20:23:49 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=24092 Wir verbringen einen Tag in Oettingen. Dann geht es hinauf auf die Schwäbischen Alb. Der ersten Stopp führt uns unter Tage in das Besucherbergwerk “Tiefer Stollen” in Wasseralfingen. Von dort […]

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Wir verbringen einen Tag in Oettingen. Dann geht es hinauf auf die Schwäbischen Alb. Der ersten Stopp führt uns unter Tage in das Besucherbergwerk “Tiefer Stollen” in Wasseralfingen. Von dort aus folgen wir Kocher und Murr bis nach Murrhardt

Oettingen

Die Wörnitz ist so etwas wie der Amazonas des Nördlinger Rieß. Sie entspringt oben auf der Frankenhöhe ca. 45 Kilometer Luftlinie nordwestlich von Oettingen. Gemeinsam mit der Eger entwässert die Wörnitz das Nördlinger Rieß in Richtung Süden in die Donau.

Am Ufer der Wörnitz liegt Oettingen. Wegen der gleichnamigen Biermarke sollte die kleine Stadt in Deutschland einen ganz guten Bekanntheitsgrad haben. Oettingen in Bayern war Jahrhunderte lang der Hauptort der Grafschaft Oettingen und ist mit einigen Sehenswürdigkeiten aus früheren Jahrhunderten gesegnet. Dazu aber später.

Stellplatz am Festplatz

Für uns ist zunächst der hiesige Wohnmobilstellplatz von Bedeutung. Er liegt direkt am Ufer der Wörnitz und neben dem Festplatz. An einer ca. 130 Meter langen Uferfront finden sicher 15 bis 20 Wohnmobile auf unbefestigter Grasnarbe Platz. Weitere 10 Fahrzeuge können an der Nordseite des Festplatzes auf einer Bitumendecken stehen.

Alles in allem ist es ein sehr schöner Stellplatz, der zu einen schönen Sommerwochenende im Wohnmobil einlädt.

Sensationell gerade für Familien ist von Mai bis September das nahe gelegene Wörnitz-Flussfreibad.

Wörnitz-Flussfreibad

Viele Kinder sind das Baden in den Schwimmbecken der Frei- und Hallenbäder, auf der Rutschen Spaßbäder und in Seen landauf am landab gewohnt. Auch das Baden im Meer, ob heimisch oder am exotischen Strand ist heutzutage Standard. Das Baden in einem Fluss hingegen nicht. Oft werden Strömung oder Schiffsverkehr zu Recht als Gefahrenquelle erkannt. So ist das Flussbaden in Deuschland heute wohl eher die Ausnahme.

Ganz anders hier in Oettingen. Am nördlichen Stadtrand teilt sich die Wörnitz in zwei Arme und umschießt eine Insel. Die ist als Park und Badeinsel gestaltet. Das kostenpflichtige und vom Park abgetrennte Wörnitz-Flussfreibad ist gepflegt und hat neben seiner einmaligen Lage Manches zu bieten.

Hier kann man Beachvolleyball, Tischtennis oder Fußball spielen. Familien treffen sich auf der Minigolfanlage zu kleinen Turnieren. Und es gibt weitläufige Liegewiesen, die ihren Namen wirklich verdienen. Sie strahlen auch jetzt am Ende eines heißen Sommers im satten Grün. Offenbar kommt ihnen die nahe Lage zum Fluss zugute. Der Morgentau sorgt für ausreichend Feuchtigkeit. Alles ist von einem alten Baubestand gesegnet, der an heißen Tagen ausreichend Schatten spendet.

  • Oettingen - Wörnitz-Flussfreibad
  • Oettingen - Wörnitz-Flussfreibad
  • Oettingen - Wörnitz-Flussfreibad

Gebadet wird im Fluss. Zahlreiche Badetreppen ermöglichen bequemen Ein- und Ausstieg. Außerdem gibt es ein kleines Becken für Nichtschwimmer und zum Entspannen. Dort gibt es auch moderne Liegen und Sonnenplätze. Um das weitläufige Gelände zu erschließen, gibt es zwei Fußgängerbrücken, die Nebenarme der Wörnitz überqueren.

Alles in allem eine sehr schöne Anlage. Nur über eines muss man sich klar sein. Hier wird in einem natürlichen Fluss gebadet, der gerade einmal 40 Kilometer entfernt oben auf der Fränkisches Höhe entspringt. Mit komfortablen Wassertemperaturen ist hier nicht zu rechnen!

Die Altstadt von Oettingen

Wir bleiben noch einen Tag in Oettingen. Nicht nur weil das Freibad hier so schön ist. Nach den Aktivitäten der letzten Tage an Main und Altmühl wollen wir ein wenig abhängen. Der Platz hier am Ufer der Wörnitz lädt förmlich dazu ein. Außerdem ist ein Wetterumschwung angesagt. In den nächsten 48 Stunden soll eine Schlechterfront durchziehen und wir denken uns, dass es besser wäre, hier unten in Oettingen zu bleiben und noch nicht hoch auf die Schwäbische Alb zu fahren.

So nutzen wir die Gelegenheit mit den Rädern ein wenig die Altstadt von Oettingen zu erkunden.

Das heutige Oettingen war schon in der jüngeren Steinzeit ein Siedlungsplatz. So belegen es archäologische Funde. Auch fand man hier die Reste einer Siedlung aus des Bronzezeit und eines Römerdorfers (Villa Rustica). Ca. 17 Kilometer nördlich von Oettingen verlief damals der Obergermanische Limes.

Was wir von Oettingen zu sehen bekommen stammt allerdings aus viel späterer Zeit. Wir konzentrieren uns auf die Schlossstraße zwischen dem Königstor und dem Fürstlichen Residenzschloss Oettingen. Zwischen der barocken Schlossanlage und dem mächtigen Stadttor finden wir einen ganze Zeile von Bürgerhäusern aus der Zeit der Renaissance, die ihre prächtigen Giebel selbstbewusst in Richtung der Schlossstraße ausrichten.

  • Oettingen - Schlossstraße
  • Oettingen - Schloss

In bester Lage am Platz steht das Rathaus mit seiner famosen Fassade. Es gilt als eine der prächtigsten Fachwerkbauten Schwabens. Neben dem Schloss finden wir die evangelische Pfarrkirche St. Jakob.

Während wir Oettingen erkunden, schlägt nun tatsächlich das Wetter um. Wir ziehen uns zurück in unser Wohnmobil am Ufer der Wörnitz. Den Rest des Tages verbringen wir in aller Ruhe mit Lesen, schlafen und dem was einem Urlaub im Wohnmobil so angenehm macht.

Durch das Rieß nach Wasseralfingen

Am nächsten Morgen verlassen wir Oettingen. Vorher konnten wir hier an der Station des Mobil mit Wasser versorgen und uns des Abwassers entledigen.

Das Wetter scheint durchwachsen. Das schöne Sommerwetter der letzten Tage hat Adieu gesagt, Wir verlassen Oettingen auf der B 266 und haben bald Nördlingen erreicht. Wir streifen die Stadt heute nur am nördlichen Stadtring und fahren auf der B 29 weiter in Richtung Bopfingen. Noch sind wir im Rieß-Krater und die Landschaft direkt vor uns ist flach. Weiter vorn zieht sich jedoch ein Höhenzug von Süden nach Norden. Und rechts von uns erhebt sich der Ipf. Mit 668 Metern Höhe ist er der höchste solitäre Berg am Rand des Nördlinger Rieß. Er hat die Katastrophe vor 14.6 Millionen Jahren offenbar überstanden.

Dann beginnt die Straße langsam anzusteigen. Liegt die Rieß-Ebene noch auf ca. 420 Meter über NN, klettern wir nun langsam hinauf auf 580 Meter über NN, die wir kurz vor Lauchheim erreichen. Am Morgen hatten unsere Recherchen im Internet ergeben, dass das Städtchen Wasseralfingen mit dem Besucherbergwerg “Tiefer Stollen” eine interessante Station auf unserer heutigen Etappe sein könnte. Bald ist die Stadt im Tal der Kocher erreicht. Von hier unten müssen wir weitere 100 Höhenmeter zu unserem Ziel hinauffahren.

Bei unsrem “Aufstieg” kommen wir an dem imposanten Betriebsgelände der Alfing-Kessler GmbH vorbei. Kurbelwellen sind hier der große Verkaufshit. Ob Verbrennungsmotoren für Schiffe, Bahnen oder Autos. Hier sitzt einer der Weltmarktführer für die wichtigste Komponente moderner Verbrennungsmotoren. Die Kurbelwellen für die Schiffsdiesel können bis zu acht Meter lang sein. Die für PKWs können sich bis zu 20.000-mal in der Minute drehen. Sehr beeindruckend. Bleibt nur zur hoffen. dass die Fähigkeiten und Kompetenzen der Menschen hier auch nicht in einer Zeit gebraucht werden, in der die Verbrennungsmotoren ihre Bedeutung verlieren.

Bergwerk Wasseralfingen

Nicht weit hinter den letzten Häusern von Wasseralfingen haben wir den “Tiefen Stollen” erreicht. Er trägt den Beinamen “Besucherbergwerg Aalen-Wasseralfingen” Schnell ist ein Parkplatz ca. 150 Meter von der Anlage entfernt gefunden.
Das Entree zu der Anlage bildet ein Empfangsgebäude mit der Besucherkasse und einer benachbarten kleinen Gastronomie. An der Kasse erfahren wir, dass die nächste Fahrt in den Berg in 30 Minuten startet. Alles wird hier streng nach den Pandemieregeln stattfinden. Das heiß im Klartext, dass während des Besuches ein Mund- und Nasenschutz zu tragen ist, und die Größe der Besuchergruppe pro Führung auf die Hälfte der üblichen Kapazität begrenzt ist.

Für uns ist das vollkommen in Ordnung. So zahlen wir gerne die 8 € Eintritt pro Person und warten gespannt wie es weitergeht. Nach 20 Minuten können wir mit den anderen Teilnehmern an unser Führung in den kleinen Bahnhof einrücken. Das schuppenartige Gebäude ist hier mit allerlei “Bergbaudevotionalien” geschmückt und macht Lust auf das was uns nun erwartet. Hier steht auch schon in strahlendem Gelb die kleine Grubenbahn bereit, die uns in den Berg bringen wird. Jeder Waggon fasst eigentlich vier Personen, die dann recht kuschlig gedrängt die 400 Meter lange Fahrt in den Berg antreten.

Das ist heute jedoch anders. Das Personal achtet sehr darauf, dass die Pandemie-Regeln akribisch eingehalten werden. Maximal zwei Personen aus einem Haushalt sind pro Waggon zulässig. Eine Regel die wir gerne unterstützen. Allerdings ist dies sicher auch eine erhebliche finanzielle Belastung für den Bergwerksverein, der das Besucherbergwerk betreibt. Nur 50 Prozent der Einnahmen pro Führung als üblich. Dazu kommt sicher noch, dass der Betrieb während der ersten Welle der Pandemie komplett eingestellt war. Umso schöner, dasss wir heute in der Berg einfahren können.

Im Stollen

Dann geht es auch schon los. Ruckelnd und quietschend setzt sich die Grubenbahn in Bewegung. Nach wenigen Metern ist über Tage das backsteinummauerte Mundloch des Stollens erreicht. Es trägt stolz und gleich zweimal das Bergmannsymbol mit Schlägel und Eisen sowie den Bergmannsgruß “Glück Auf!”. Außerdem ist der Name Wilhelm I. und die Jahreszahl 1841 auszumachen. Schon seit 1608 wurde hier am Braunenberg Eisenerz abbaut. Der “Tiefe Stollen” aber erschloss die die Flöze ers seit 1841. Er diente der Entwässrung und dem Abtransport der gebrochenen Erze.

Uns zieht die kleine Elektrolok nun 400 Meter tief in den Berg hinein.

  • St. Barbara - Tiefer Stollen
  • Tiefer Stollen
  • Grubenbahn - Tiefer Stollen

Unterwegs weist der Führer auf ungewöhnlichen geologischen Ablagerungen an den Stollenwänden hin. Dabei handelt es sich um Ausfällungen der Kieselsäure, die seinerzeit für den Bergbau hier mehr und mehr zum Problem wurden. Schön anzuschauen sind die weißen bis hellgrauen gerippten Beläge auf den Wänden trotzdem.

Unter Tage

Dann haben wir den Bahnhof unter Tage erreicht. Hier begrüßt uns eine Statuette der Heiligen Barbara. Sie ist die Schutzheilige aller Bergleute.

Es beginnt nun ein ca. 800 Meter langer Rundgang durch die Stollen, die insgesamt bis zu sechs Kilometer lang sind.

Es geht über mehrere Stationen. Wir erfahren vom kundigen Führer Manches über die harte Arbeit hier unten. Vom Schlägel und Eisen bis zu den ersten monströsen mechanisierten Hämmern wird die Gesichte des Erzabbaus hier unten erzählt. Interessant sind auch die sich über die Jahrhunderte entwickelten Methoden das Licht unter Tage zu bringen. Vor der einfachen Kerze im Halter, über die Karbid-Lampe bis hin zum modernen Grubenlicht.

Professionell und sehr informativ ist die Multimedia-Show “Vom Erz zum Stahl”, die in der Halle Süd zu erleben ist. Auch ein 3D-Modell der Anlage zieht uns in seinen Bann. Es werden kurzweilige eineinhalb Stunden hier unten. Wir empfehlen den Besuch hier gerne weiter.


Die harte Arbeit so tief im Berg war der Gesundheit der Kumpel alles andere als förderlich. Daher ist es umso verwunderlicher, dass der “Tiefe Stollen” heute als Heilstollen genutzt wird. Er lindert einige Erkrankungen der Atemwege und hilft auch bei manch anderen “Zipperlein”.

  • Tiefer Stollen
  • Tiefer Stollen
  • Tiefer Stollen
  • Tiefer Stollen

Entlang der Kocher Richtung Murrhardt

Nachdem wir wieder am Tageslicht sind, brechen wir auf. um unsere heutige Etappe fortzusetzen. Wir fahren zunächst hinunter nach Aalen. Da die Kreisstadt des Ostalbkreis immerhin auf ein Römisches Kastell am Limes zurückgeht, wollen wir sehen was es dort neben den Römern noch so zu entdecken gibt.

Unten in der Stadt angekommen, können wir wenig Reizvolles entdecken. Besonders problematisch für uns ist aber, dass wir Zentrumsnah keinen Parkplatz für das Wohnmobil finden. Mehrfach kreuzen wir durch die Straßen des Stadtzentrums. Leider ohne Erfolg. Der für uns geeignete Parkstreifen in der Curfeßstraße ist wegen einer Veranstaltung leider gesperrt.

So verlassen wir ohne Wehmut die Stadt Aalen und machen uns auf den Weg in Richtung Nordwesten. Mit der Hilfe von Campercontact.com haben wir das Städtchen Murrhardt als nächstes Etappenziel ausgemacht. Wir folgen von Aalen aus zunächst dem Kocher, der sich hier durch die Ostalb schlängelt. Wir fahren zunächst nach Norden bis zur B 19. Auf der geht es dann nach Westen. Die Straße führt durch eine reizende Landschaft. Sie folgt den weiten Mäandern des Kocher und wird nie langweilig. Kurz vor Gaildorf geht es dann rechts ab auf die B 298 und dann auf die L 1066. Eine Baustelle scheint uns hier den Weg nach Murrhardt zu verwehren, aber nette Einheimische machen uns Mut. Sie meinen die hier angekündigte Baustelle ließe sich auch mit dem Wohnmobil passieren. Wir hören auf den guten Rat und haben Glück.

So ist bald Murrhardt erreicht und wir finden recht schnell den absolut ruhig gelegenen und kostenfreien Stellplatz an der Festhalle.

Murrhardt

Ruhig gelegen scheint aber nicht nur der Stellplatz zu sein. So unser Eindruck als mit dem den Rädern die Gegend rund um den Marktplatz und den Klosterhof erkunden. Der Marktplatz mit seinen sehr schönen Fachwerkbauten liegt recht einsam da. Es sind kaum Menschen auszumachen. Vielleicht liegt es aber auch nur an der Uhrzeit. Jetzt, kurz vor 17:00 haben alle Geschäfte schon geschlossen und die Gaststätten sperren gerade erst auf.

Murrhardt römisch

Wir nutzen die Zeit, um uns einen kleinen historischen Überblick zu verschaffen. Dort wo heute Altstadt liegt, erstreckte sich vor über 1.800 Jahren die Zivile Siedung des etwas weiter südlich gelegenen Limeskastells. Der obergermanisch-rätische Limes verlief damals am heutigen östlichen Stadtrand von Murrhardt in Nord-Süd-Richtung.

Das Kastell war als Kohorten- und Numeruskastell eines der größeren Militärlager am Limes. Die hier nachgewiesene 24. Kohorte (Cohors XXIV voluntariorum civium Romanorum,) und die dazugehörige Einheit von Kundschafter und Spähern (Exploratores Boiorum et Tribocorum) zählten zusammen immerhin über 600 Mann. Diese mussten versorgt werden. Nicht nur mit Essen und Trinken, sondern auch mit den Annehmlichkeiten, die das Römische Reich seinen Bürgern in diesem damals so unwirtlichen Landstrich bieten konnte. So konnten im Kastell neben dem Stabsgebäude, den Mannschaftunterkünften, den Werkstätten und dem Pferdestall auch ein Kastellbad und diverse Statuen nachgewiesen werden.

Murrhardt Mittelalter

Später, im 8. Jahrhundert, wurde der ehemalige Römische Kastellplatz zu einen königlichen Verwaltungshof. Im Jahre 788 wurde Murrhardt als “cellula Murrahat” erstmals urkundlich erwähnt. 740 Jahre lang prägte das Benediktinerkloster Murrhardt das Leben hier. 816/817 gegründet, existierte es zunächst bis 1556. Im Zuge von Reformation und Dreißigjährigen Krieg wechselt die hier gelebte Konfession mehrfach hin und her. Große Teile der Klosteranlage sind noch erhalten. Den großen Krieg überstand Murrhardt weitgehend unbeschadet, Plünderungen und religiös begründete Drangsale bleiben allerdings auch hier nicht aus.

1765 dann die große Katastrophe. Einem Stadtbrand fielen 120 Gebäude der Innenstadt zum Opfer. Nur das Kloster und einige Gebäude außerhalb wurden verschont. So ist Murrhardt ein quasi ein Muster an urbaner Entwicklung in Deutschland. Hunderte von Städten, die auf Klostergründingen zurückgehen haben eine ähnliches Schicksal. Das setzte sich auch im 19. und 20. Jahrhundert fort. Eisenbahnanschluss, Industrialisierung, soziale Konflikte, die Kriege des 20. Jahrhundert, Demokratisierung, Wirtschaftswunder, Migration usw.

Die offizielle Website von Murrhardt erzählt engagiert die Stadtgeschichte in mehreren Kapiteln.

Murrhardt Stadtspaziergang

So können wir heute durch ein beschauliches Fachwerkstädtchen schlendern. Wir unternehmen einen Rundgang vom schönen Marktplatz durch die Hauptstraße, über die Entengasse zur Mittelgasse, Wir kommen dann der Brandgasse vorbei, dort wo 1765 der verheerende Stadtbrand ausbrach und landen wieder auf dem Marktplatz. Dann ist es Zeit für einen Stärkung. So kehren wir in den „Olymp“ ein. Ein griechisches Spezialtätenrestaurant. Der Migration am Ende des letzten Jahrhunderts sei Dank.
Der Inhaber selbst bedient uns. Er scheint allerdings keine hellenischen Wurzeln zu haben. Die dargebotene Speisekarte allerdings schon. Schnell kommen wir ins Gespräch und erfahren, dass er das Geschäft erst kürzlich übernommen hat. Anders als sein Vorgänger möchte er auf Qualität setzen uns schaut sorgenvoll auf die Zeit nach diesem zwischenpandemischen Sommer. Er fürchtet mit einer erneuten Infektionswelle das gerade erworbene Geschäft wieder schließen zu müssen.

Interessiert sprich er mich auf meine Kamera an. Nicht ganz taufrisch und recht voluminös prangt sie auf dem Tisch. Er frag ob er so etwas auch bräuchte. Immerhin soll die angestrebte neue Qualität der Speisen und beim Service opulent im Internet und in den sozialen Netzwerken präsentiert werden. Besonders möchte er wissen was die Kamera gekostet hat, Ich rate ihm von Kauf eines solchen Werkzeuges ab und empfehle ihm sich lieber professionelle Hilfe in Form eines guten Fotografen einzukaufen.

OUbwohl bei der angestrebten neuen Qualität der Speisen noch Luft nach oben ist fühlen wir uns hier wohl und verbringen einen schönen Spätsommernachmittag auf dem Freisitz vor dem „Olymp“ in Murrhardt.

Zurück zum Wohnmobil nehmen wir den Weg vorbei am Feuersee mit seiner Fontäne. Weiter geht es von dort durch den Stadtgarten. Rechts über uns am Berg die Walterichskirche, die lange Zeit Wallfahrtskirche war. Links das Kloster mit der Stadtkirche und der angebauten Walterrichskapelle. Sie ist eines der bedeutendsten Beispiele spätromanscher Architektur in Süddeutschland.
Von dort aus sind es nur noch wenige Meter zu unserem Stellplatz zwischen der Sporthalle der Gemeinschaftsschule und der Festhalle Murrhardt. Dort verbringen wir im Wohnmobil einen ruhigen Abend und eine geruhsame Nacht.

  • Murrhardt - Marktpaltz
  • Murrhardt - Rathaus
  • Murrhardt
  • Murrhardt Fachwerk - Römer
  • Murrhardt Feuersee
  • Murrhardt Walterichskirche
  • Murrhardt Hauptstraße

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24092
Ur-Donau, das Rieß und Nördlingen https://www.mit-uns-entdecken.de/ur-donau-das-riess-und-noerdlingen/ Thu, 27 Aug 2020 23:17:50 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=23993 Entlang dem Tal der Urdonau geht es in Richtung Donau. Dann biegen wir nach Norden in das Nördlinger Reiß ab und besuchen die alte Reichsstadt Nördlingen. Die Tagesetappe beenden wir […]

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Entlang dem Tal der Urdonau geht es in Richtung Donau. Dann biegen wir nach Norden in das Nördlinger Reiß ab und besuchen die alte Reichsstadt Nördlingen. Die Tagesetappe beenden wir in Oettingen am Ufer der Wörnitz.

Aufbruch

Unser Ziel soll heute das Nördlinger Reiß sein, Eine ganz einmalige Natur- und Kulturlandschaft. Die Hauptstadt des Reiß, die alte Reichstadt Nördlingen könnten wir von Pappenheim aus in nur 40 Minuten Fahrzeit erreichen.

Nicht weit von hier gibt es jedoch das Ur-Donautal. Ur-Donautal. Es soll bei Dollnstein an der Altmühl beginnen und liegt damit ca. 15 Kilometer nördlich des heutigen Donauufers.

Ur-Donautal

Wir finden, dass sich das interessant anhört und einen Umweg auf unserer Tour durch Süddeutschland Wert ist. So starten wir in Pappenheim und fahren erstmal entlang der Altmühl bis nach Dollnstein. Dort biegen wir rechts ab und haben das Ur- Donautal oder erreicht.

Zeit für eine Stück Geologie und Erdgeschichte. Ca. 20 Millionen Jahre ist es her. Die Donau machte bei Rennertshofen einen Knick nach Norden und lief in mehreren Schleifen durch das Jura der Fränkischen Alb auf die Altmühl zu. Erosion trug zunehmend das umgebenden Gebirge ab und füllte mehr und mehr das damalige Donautal auf. Hinzu kam der ständige Druck der Alpenbildung, der die Fränkische Alb immer weiter anhob. Manche meinen auch, dass das Rieß-Ereignis vor 15 Millionen Jahr dazu beitrug die Landschaft anzuheben. Wie dem auch sei. Auf jeden Fall wurde der Ur-Donau nach und nach das Wasser abgegraben und sie verlegte Ihren Lauf weiter südlich von hier.

Jedenfalls hat sich die Donau hier ordentlich am Gebirge abgearbeitet. Bis zu 500 Meter weichen heute die Berge links und rechts vom Talgrund. Dabei ragen sie bis zu 150 Meter hinauf. Eine klägliche Nachfolge der Ur-Donau hat übriges die Sutter angetreten. Das Bächlein entspring bei Wellheim und nutzt das Ur-Donautal einige wenige Kilometer. Beim Weiler Waldau verlässt sie die ehemalige Magistrale der Donau um nach Südwesten in Richtung Ingolstadt zu fließen. Dort mündet sie im ehemaligen Stadtgraben und erreicht so die heutige Donau.

Mauerner Höhlen

Die durch die Ur-Donau entstandene Landschaft fanden viel später die Menschen der Altsteinzeit attraktiv. Nördlich des kleinen Dorfes Mauern finden wir die Mauerner Höhlen (auch Weinberghöhlen). Archäologische Funde (Werkzeuge, die Kalksteinplastik einer sitzenden Frau – “Venus von Mauern”) weisen auf die die Nutzung der Höhlen durch Menschen der Altsteinzeit hin.

Die Venus von Mauern, eine steinzeitliche Figur, fotografiert in einer Ausstellung in Trento. by Mauernbilder, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
Die Venus von Mauern, eine steinzeitliche Figur, fotografiert in einer Ausstellung in Trento. by Mauernbilder, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Heute sind die Höhlen mit Eisengittern versperrt. Es droht Einsturzgefahr! Außerdem soll so eventuellen Raubgräbern jede Chance genommen werden. Trotzdem lohnt sich der kleine Aufstieg hinauf zu den Höhlen. Man hat dort einen schönen Blick in das Tal und kann einen Blick von außen die Höhlen werfen.

Dort oben kann man sich gut vorstellen, wie die Menschen der Altsteinzeit dort lagerten. Sie hatten einen weiten Blick über das Tal und konnten an einem schönen Sommertag wie heute vielleicht Herden von Renntieren oder sogar einige Wollhaarmammuts ausmachen. Sicher brachen sie dann zu einer Jagd auf, denn der nächste Supermarkt war noch einige hunderttausend Jahre entfernt.

  • Mauerner Höhlen
  • Mauerner Höhlen
  • Mauern
  • Ur- Donau Tal

Wir steigen wieder hinab zum dem kleinen Parkplatz, an dem sich gerade eine Wandergruppe auf den Weg macht, die Gegend zu erkunden.

Wir aber sitzen wieder auf und haben nach wenigen Kilometern Rennertshofen erreicht, wo das Ur-Donautal endet.

Verwirrung an der Donau

Da wir nun schon ganz nah an der oft besungenen “Blauen Donau” sind, wollen wir natürlich einen Blick auf den Strom werfen, der den Schwarzwald mir dem 2.800 Kilometer entfernten Schwarzen Meer verbindet. So treffen wir beim Laufwasserkraftwerk Bertoldsheim auf die Donau. Ein Stauwerk bildet hier einen kleinen See, der offenbar zu einem Vogelparadies mutiert ist.

Unsere Route führt nun weiter über die Staatsstraßen 2047 und 2115 nach Donauwörth. Dabei durchfahren wir eine liebliche Landschaft mit schönen Orten. Rechts der Blick hinauf auf den Hang mit Obsthainen und abgeernteten Feldern, links hinunter in die Donau-Aue. Bald haben wir Donauwörth erreicht. Im Stadtzentrum biegen wir einmal falsch ab und verirren und prompt im Gewirr der Bundes- und Staatstraßen am südlichen Stadtrand.

Nördlinger Rieß

Dann aber haben wir uns wieder “eingenordet”. Auf der B 25 geht es nach Norden. Durch Harburg mit der bekannten Stauferburg erreichen wir schon bald den südlichen Hang des Nördlinger Reiß. Hierzu haben wir die B25 bei Grosssorheim verlassen und sind durch das Örtchen hinauf an den Rand des Rieß gefahren.

An einem bestimmten Tag von etwa 14,6 Millionen Jahren hätten wir nicht hier stehen dürfen. Etwas Unerhörtes hat sich damals ereignet.

Das Rieß-Ereignis

Ein Asteroid von ca. eineinhalb Kilometer Durchmesser raste damals auf die Erde zu. Mit über 70.000 Kilometer in der Stunde durchquerte er in wenigen Sekunden die Erdatmosphäre. Von Westen kommend leuchtete er heller als die Sonne und schlug mit einem Winkel von ca. 30° auf..

Der Einschlag

Was beim Aufschlag sowie kurz davor und danach geschah ist kaum zu beschreiben. Als der Kollos herannahte wurde die vor ihm befindliche Luft so enorm komprimiert und erhitzt, dass Geröll, Sand und Erdboden schlagartig verdampften. Die Material, das erhalten blieb, wurde bis zu 450 Kilometern weit geschleudert und ging im heutigen Böhmen und Mähren nieder..

Der Asteroid durchschlug das Deckgebirge und drang ca. einen Kilometer tief ein. Der Impaktor und das umgebende Gebirge wurden auf die Hälfte ihres Volumens zusammengedrückt. Bei Temperaturen von 30.000°C und einem Druck von einigen Millionen Bar verdampfte nun der Asteroid und das umgebene Gestein, Dies geschah nur wenige Sekundenbruchteile nach dem Aufschlag. Kilometerweit um den Einschlag wurde Gestein deformiert oder verflüssigt.

Der Rückschlag

Zwei Sekunden später federte das Gebirge mit ungeheuer Energie zurück, bildete einen Zentralberg im Einschlagkrater und schleuderte abermillionen Tonnen Material aus dem Krater. Bis zu 40 Kilometer um den Einschlagsort entstand so eine Auswurfdecke, die bis zu 100 Meter mächtig war.

Der Einsturz

Bis hier her waren nur wenige Sekunden vergangen. Durch die gewaltige Explosion hatte sich ein Krater von vier Kilometern Tiefe und einem Durchmesser von acht Kilometern gebildet. Der so entstandene steile Kraterrand konnte nicht stabil sein. Teils kilometergroße Gesteinsschollen rutschten in den Krater und überdeckten den instabilen Zentralberg. Nach drei Minuten war der Krater auf 24 Kilometer Durchmesser angewachsen und bedeutend flacher geworden. Über dem Krater stand eine apokalyptische Wolke aus Glut, zermahlenem Gestein und erstarrten Schmelzen. Diese Kollabierte nun, stürzte auf den Krater und füllte diesen um weitere 400 bis 500 Meter auf.

So ging das Rieß-Ereignis zu Ende. Es dauerte noch an die 2.000! Jahre, bis sich die Temperatur des Materials in Krater (nun Sulevitgestein) auf 100 °C abkühlte.

Später entstand hier ein See der mit einer Fläche die mit der des heutigen Bodensees vergleichbar ist. Er sorgte für Tonsteinablagerungen mit einer Mächtigkeit von bis zu 400 Metern. Heute sind sie eine Fundgrube für Fossilienfreunde.

Am Rieß-Blick

Und wir stehen nun am südlich Hang dieser einmaligen Landschaft. Der Glaubenberg ist ein Teil des heutigen Kraterrand. An seiner Nordflanke gibt es heute des Rieß-Blick. Eine einfache Aussichtplattform die eine schönen Panoramablick über die ganze Szenerie des Nördlinger Rieß bietet.

Blick über das Nördlinger Rieß

Weit hinten im Nordwesten der Ipf. Er ist der markenteste Berg im nördlichen Rieß. Als Zeugenberg aus dem Jura ist er viel älter als das Rieß. Er hat also das oben beschriebene Inferno überstanden.

Rechts davon, 13 Kilometer entfernt ragt der Turm von Stankt Georg in Nördlingen 99 Meter hoch über die Ebene und markiert so den die Lage der alten Reichstadt Nördlingen.

Weiter schweift der Blick Richtung Osten. Bahnlinie, bunte Ortsflecken inmitten der intensiv bewirtschafteten Felder. Weit hinten, mehr als 20 Kilometer entfernt der nördlichen Kraterrand. Das Panorama ist für Deutschland einmalig.

Gleich neben der Aussichtsplattform hat ein Künstler diesem Ort eine scharf in Edelstahl geschnittenen Reminiszenz hinterlassen. Ein überdimensionales Auge blick mit uns gemeinsam über den Rieß-Krater.

Rieß-Blick

Übrigens ist das Nördlinger Rieß mit seinen 24 Kilometern Durchmesser für Europa einmalig. Aber was ist schon Europa. Im südlichen Afrika finden wir den Vredefort-Krater. Er misst an die 300 Kilometer!!! Durchmesser und ist ungleich älter als das Nördlinger Rieß. Der gewaltigste heute nachweißbare Impact aller Zeiten ereignete sich dort vor mehr als 2 Milliarden Jahren.

Nördlingen

Wir verlassen den Rieß-Blick und fahren hinunter in die Ebene und weiter nach Nördlingen. Wir steuern den Wohnmobilstellplatz an der Kaiserwiese an. Er befindet sich am nördlichen Stadtring uns ist Teil eines großen Parkplatzes.

Womo-Stellplatz Nördlingen

Leider sind hier alle Plätze für Wohnmobile belegt. Das finden wir sehr schade, denn von hier aus ist es nicht weit in das historische Stadtzentrum. Das wollen wir uns unbedingt ansehen. Wir nutzen hier aber die Gelegenheit uns um Wasser, Abwasser und Kassettentoilette an der gut ausgestatteten Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobile zu kümmern.

Stadtpaziergang Nördlingen

Wir finden nach kurzer Suche eine Parkmöglichkeit auf dem großen Parkplatz am Deininger Tor, gleich am westlichen Stadtring. Von hier aus ist es nicht weit in das Stadtzentrum.

Zu Fuß haben wir die graue Betonplatte des Parkplatzes wir schnell hinter uns gelassen. Nun schlendern wird über die Straße Löpsinger Graben. Von hier aus haben wir einen schönen Blick auf die Stadtmauer. Davor, im ehemaligen Stadtgraben lehnen sich heimelige Häuschen an die Stadtmauer, umgeben sich mit malerischen Gärten.

Löbsinger Graben

Die Stadtmauer umschließt den historischen Kern von Nördlingen auf einer Länge von 2,6 Kilometern. Sie ist die einzige Stadtmauer in Deutschland mit einem Wehrgang, der heute über die gesamte Länge der Stadtmauer begehbar ist.

Aufstieg zum Wehrgang am Deininger Tor

Durch fünf Tore gewährte die Mauer Zugang nach Nördlingen. So fanden wichtige Handelswaren den Weg in die Stadt. Nördlingen war ein wichtiger Marktplatz in Süddeutschland. Neun weitere Türme und andere Gebäude gehören zur Stadtmauer von Nördlingen.

Eingang zur Stadt

Wir stehen nun vor dem Deininger Tor. Gekrönt von einem mächtigen Turm war es früher der östlichen Zugang zur alten Reichsstadt Nördlingen. Ob die wichtige Handelsstraße Richtung Regensburg, Prag und Wien Nördlingen die Stadt über das Deininger Tor oder über das etwas südlicher gelegene Reimlinger Tor verlassen hat können wir leider nicht ergründen.

  • Deininger Tor - Nördlingen
  • Deininger Tor - Nördlingen

Der Marktbrunnen in Nördlingen

Geradezu geht es in Richtung des Alten Viehmarktes. Ein opulenter Brunnen aus Bronze erzählt ein wenig von der Geschichte der Stadt. Da begegnen sich zwei Bauern. Beide “gut im Futter” stehend, haben sie Gans und Ferkel unterm Arm. Auf dem Weg zu Viehmarkt in Nördlingen haben sie sich offenbar in einem kleinen Schwätzchen verloren. Oder feilschen sie vielleicht schon um den Tausch der beiden Tiere?

Fünf Stelen säumen den Brunnen. Die Basis schmücken die “Viecher”, um die es hier lange Zeit ging. Huhn und Gans, Ochs und Schwein sind zu erkennen. Darüber erzählen mit Reliefplastiken illustrierte Texttafel die Geschichte Nördlingens bis in die jüngere Vergangenheit. Uns macht es Spaß dieses kleine Kunstwerk zu erkunden.

  • Marktbrunnen - Nördlingen
  • Marktbrunnen - Nördlingen
  • Marktbrunnen - Nördlingen
  • Marktbrunnen - Nördlingen

Aber nicht nur der Brunnen, sondern auch die ganze Atmosphäre hier am Platz mit seinen schmucken alten Häuser in denen Restaurant, Apotheke und Modegeschäft ihr Domizil gefunden haben, gefällt uns sehr. Nur “Foto Hirsch” im Haus mit dem schönen Fachwerkgiebel geradezu, scheint nun nicht mehr der “Partner in allen Fotofragen” zu sein. Heruntergelassene Schalousien vor den Auslagen und Rabattschilder der Ausverkaufsschlacht lassen den geschäftlichen Exitus erahnen.

Schade, dahin gehen die Zeiten, in denen wir aus kundigem Mund kompetente Beratung beim Kauf von Kamera und Objektiv erhielten. Was uns bleibt sind Elektronikmärkte und der Online-Handel. Dort kaufen wir nun die Katze im Sack und hoffen gnädig auf Rücknahme, wenn die Wahl mal eine Falsche war.

Von hier aus sehen wir auch schon der Turm vorn Sankt Georg. Wir erreichen die Nördlinger Pfarrkirche nach wenigen Schritten.

Sankt Georg Nördlingen

Mächtig steht die da. Das Kirchenschiff von Stankt Georg erscheint irgendwie überlang sein. Über stolze 93 Meter erstreckt es sich von Ost nach West. So wird Sankt Georg in Nördlingen zu einer der größten Hallenkirchen in Süddeutschland. Der Turm ragt fast 90 Meter über den Platz hinauf. Damit ist Sankt Georg fast so hoch wie lang.

Besonders beeindruckt uns die gewaltige Halle. Unter einen Dach vereint, finden wir drei Kirchenschiffe von annähernd gleicher Höhe, Sitzt man unter dem Baldachin, über dem sich die Orgel befindet, scheint der prächtige Hauptaltar unendlich weit entfernt zu sein.

Auf jeden fallen lohnt es sich hier auch einmal den Kopf in den Nacken zu legen. So fällt der Blick auf das einmalige Netzgewölbe hoch über uns. Dieses ist mit seinem speziellen Muster sicher einmalig

  • Sankt Georg - Nördlingen
  • Sankt Georg - Nördlingen
  • Sankt Georg - Nördlingen
  • Sankt Georg - Nördlingen
  • Sankt Georg - Nördlingen

Wir verlassen Sankt Georg und erkunden die weitere Gebäude am Marktplatz

Das Hohe Haus Nördlingen

Und schon wieder geht es hoch hinaus. Wir stehen vor dem hohen Haus. Vor 1296 ist hier das erste Hochhaus des Mittelalters entstanden. So verkündet es eine Aufschrift rechts neben dem Eingang zur heutigen CANTINA DIABOLO’S. Traut man diesen Angaben, so ist das Gebäude 36 Meter hoch. Neun Stockwerke stapeln sich dort übereinander. Eine stolze technische Leistung, die da vor über 700 Jahren vollbracht wurde und immer noch aufrecht steht, Manches Hochhaus der Moderne kann froh sein, wenn es mehr als fünfzig Jahre erlebt.

  • Hohes Haus - Nördlingen
  • Hohes Haus - Nördlingen

Weiter durch Nördlingen

Ein wenig später biegen wir ab in die Straße “Beim Klösterle”. Der Straßenname verweist auf das ehemaligen Franziskanerkloster von Nördlingen. Von der Klosteranlage blieb leider nur das Langhaus der ehemaligen Klosterkirche erhalten. In den beeindruckenden Renaissance-Bau sind heute ein Hotel und ein Restaurant eingezogen.

Überhaupt ist Nördlingen sehr auf Touristen ausgerichtet. Viele Restaurants, kleine Geschäfte, Modeboutiquen und manches andere mehr landen zum bummeln oder auch zu verweilen ein.

Das Stadtbild ist sauber und einladend. Die Fassaden vieler Häuser sind genauso beeindruckend wie gepflegt. Hier und da findet man die farbigen Tupfer der Bepflanzung von Grünanlagen und Höfen.

Für uns geht es weiter über den Hafenmarkt in die Löpsinger Straße. Dort kehren wir ins Café Restaurant Radlos ein. Die Bedienung ist freundlich und flott, das Essen gut und der Atmosphäre angenehm. So verbringen wir eine Mittagspause wie man sie im Urlaub erwarten kann.

Dann machen wir uns auf den Rückweg zum Auto. Dabei kommen wir an den historischen “Kornschrannen” vorbei. Die großen historischen Kornspeicher mit der Form von mächtigen Langhäusern waren nicht nur Lagerstätten für das Getreide. Nein, auf der “Schranne” wurde das Korn auch gehandelt.

Getreidelager gibt es hier nicht mehr. Das Korn lagert längst in den modernen Getreidesilos am Rand von Nördlingen. So z.B. in den Anlage der Bruckmühle in Nördlingen-Nähermemmingen.

Heute ist die Kornschranne in Nördlingen ein Ort des Handels und des Genusses. Eine regionale Metzgerei, eine Pizzeria, Pub und manchen andere Geschäft sind hier eingezogen.

  • Türportal Klösterle - Nördlingen
  • Am Tändelmarkt - Nördlingen
  • Am Hafenmarkt - Nördlingen
  • Nördlingen
  • Irtisch Pub - Nördlingen Bei den Kornschrammen
  • Bei den Kornschrammen - Nördlingen
  • Löpsinger Straße - Nördlingen

Bald haben wir das Wohnmobil erreicht. Wir versuchen nochmal unser Glück auf dem hiesigen Wohnmobilstellplatz. Leider hat sich an Belegungslage seit dem Vormittag nichts geändert. Alle Plätze sind belegt.

Weiter von Nördlingen nach Oettingen

So befragen wir campercontact.com und erfahren, dass sich der nächstgelegene Stellplatz in Oettingen befindet. Über die B466 sollten wir in 20 Minuten dort sein. Hier unter ist das Rieß flach wie ein Brett. Wir rollen vorbei ein Dörfern wie Löpsingen, Pfäfflingen oder Dürrenzimmer. Die Bundesstraße umschifft die sicher schmucken Örtchen in großzügigen Bögen. So kommen wir schnell voran.

Der Stellplatz in Oettingen ist schnell gefunden und erweist sich als atmosphärischer Volltreffer. Direkt an der Wörnitz und dem örtlichen Festplatz gelegen, bietet er alle Attribute für ein glückliches Wohnmobilwochenende am Wasser. Hierzu aber mehr im nächsten Beitrag.

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Altmühltalradweg von Pappenheim nach Eichstätt. https://www.mit-uns-entdecken.de/altmuehltal-radweg-von-pappenheim-nach-eichstaett/ Wed, 26 Aug 2020 21:43:46 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=23944 Heute erkunden wir den Altmühltalradweg. Von Pappenheim geht es über Solnhofen und Breitenfurt nach Eichstätt. Ein fantastischer Spätsommermorgen begrüßt uns am 26. August 2020 auf unserem Stellplatz in Pappenheim. Beste […]

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Heute erkunden wir den Altmühltalradweg. Von Pappenheim geht es über Solnhofen und Breitenfurt nach Eichstätt.

Ein fantastischer Spätsommermorgen begrüßt uns am 26. August 2020 auf unserem Stellplatz in Pappenheim. Beste Voraussetzung, um die schon gestern Abend gedanklich geplante Tour entlang des Altmühtalradwegs nach Pappenheim in Angriff in Angriff zu nehmen.

Aufbruch in Pappenheim – Altmühtaladweg

Aufbruch in Pappenheim
Aufbruch in Pappenheim

Kurz nach 10:00 Uhr brechen wir auf und lassen es gemütlich angehen. Gerade einmal 35 Kilometer Wegstrecke liegen vor uns. Das sollte uns ausreichend Zeit für Entdeckungen links und rechts des Weges geben.

Der erste kleine Hingucker erwartet uns noch in Pappenheim. In dem kleinen Park gleich hinter dem Schwimmbad strebt seit Ostern 2007 eine Weidenkirche gen Himmel. Sie ist die einzige ihrer Art in Bayern und wurde von 100 jungen Christen der evangelische Kirche in Bayern errichtet. Die Weiden wachsen an einem Metallgerüst, das der Konstruktion die notwendige Stabilität verleiht.

Ob Radler oder Spaziergänger, allen bietet die Weidenkirche an einem sonnigen Tag wie heute kühlen Schatten und Ruhe in einer spirituellen Umgebung.

  • Weidenkirche Pappenheim
  • Kirchenschiff - Weidenkirche Pappenheim

Für uns geht es nun vorbei am Bahnhof Pappenheim. Von hieraus verläuft der Altmühltalradweg in einen grünen Tunnel unter Baumkronen direkt am Fluss. Nach ca. einem Kilometer erreichten wir den kleinen Ort Zimmern, wo die Altmühl ihren Lauf um 180 Grad von Norden nach Süden wendet. Wir überqueren das Flüsschen und flogen dieser jähen Wendung in Richtung Süden.

Ein tiefes Tal hat die Altmühl hier in das Gebirge geschnitten. Um die 80 Meter ragen die Berge links und rechts auf. Als nächsten Ort erreichen wir Solnhofen. Zunächst eine für uns recht ruhiges Örtchen. Wir überqueren die Altmühl und in der Nähe des Bahnhofs. Dort wird es deutliche belebter.

Solnhofen – Bürgermeister-Müller-Museum – Altmühtalradweg

Einerseits befindet sich hier das Bürgermeister-Müller-Museum mit seiner weltberühmten Fossiliensammlung. Anderseits machen sich von hier aus offenbar auch viel Gäste zu Fuß auf, zur nicht weit entfernten “Aktivmühle”.

Solnhofen erlangte durch einen Fossilienfund Weltgeltung unter den Paläontologen. Im Solnhofner Plattenkalk wurde das versteinerte 7. Exemplar des Urvogel, des Archaeopteryx gefunden. Es gilt als eines der am besten erhaltenen. Das Bürgermeister-Müller-Museum, das wir unter Corona-Konformen Bedingungen (mit Mund-Nasen-Bedeckung) besuchen, widmet sich aber nicht nur dem Urvogel.

Archaeopteryx by Ryan Somma CC BY-SA 2.0

PaläoZoo

In der unteren Etage des Museums wird ein ganzer “PaläoZoo” präsentiert. Es geht durch fünf Räume, die versteinerte Tiere und Pflanzen des offenen Meeres, der küstennahen Gewässer, der Lagunen und Inseln präsentieren. Ein gesonderter Raum ist natürlich den Flugsauriern und den Urvögeln gewidmet.

Von dem was wir hier sehen, sind wir schwer beeindruckt und begeistert. Die Präparate sind sensationell gut aufbereitet. Man könnte meinen, dass sich die Schildkröte gerade durch den feuchten Schlamm am Ufer eines urzeitlichen Sees schiebt, auf der Suche nach einem sonnigen Plätzchen.

Und all diese Tiere lebten vor 163 bis 145 Millionen Jahren! Da war der Urkontinent Pangäa gerade auseinandergefallen und heute bekannte Kontinente begannen sich herauszubilden und ihren Platz auf der Erdkugel zu finden. Solhofen muss zu dieser Zeit eine maritimes Küstenparadies mit tropischen Klima gewesen sein.

Steinwelten

In der oberen Etage des Museums, in der Abteilung “Steinwelten” erfährt man Manches über die Beziehung der Menschen zum Solnhofner Stein. Wie nutzen Kunsthandwerker und Künstler den Stein? Warum und wie wird der Stein heute noch industriell abgebaut? Wie entsteht aus einem für den Laien kaum erkennbaren Fossilienfund ein Präparat von ungeahnter Schönheit und Detailtreue?

Wir sind sehr zufrieden mit unserem Besuch hier und machen uns nach ca. einer Stunde im Museum wieder auf den Weg. Als nächsten Hotspot am Altmühltalradweg erreichen wir nicht weit hinter Solnhofen die Aktivmühle.

Weiter Richtung Eichstätt – Altmühtalradweg

Ob Kanuverleih, Campingplatz, Wildwasser-Kurse, Zimmervermittlung oder geführte Kanutouren – das touristischen Angebote und die Freizeitmöglichkeiten der Aktivmühle sind vielfältig. Und offenbar wird es sehr gut angenommen. Eine Vielzahl von vorwiegend jungen Leuten tummelt sich auf dem Gelände, Die Parkmöglichkeiten für PKWs sind alle belegt. Sicher empfiehlt es sich bei dem Andrang hier, die Kanus vorzubestellen, als spontan hier aufzutauchen.

Die zwölf Apostel am Altmühltalradweg

Für uns aber geht es flott weiter. Kurz hinter der Aktivmühle weitet sich da Tal in einem weiten Bogen. Vor uns am Gleithang der Altmühl bereitet sich eine große Wiese aus. Auf der anderen Seite am Prallhang eine seltsame Felsenwelt aus Kalkgestein. “Die zwölf Apostel” nennt der Volksmund diese besondere geologische Formation.

Zwölf Apostel

Von Wind, Regen und Eis aus dem Kalkstein herausgeschält stehen sie dort drüben. 12 mehr oder weniger voneinander getrennte Kalksteintürme. Nicht verwunderlich, dass sich der frühe Volksglaube so seine Gedanken machte: Wie kamen die seltsamen Gebilde wohl dorthin? In bildungsferneren Epochen war die Deutung mit den versteinerten Aposteln sicher legitim. Die katholische Kirche nahm diese sicher gerne auf. Heute wissen wir alle natürlich mehr über die Prozesse von Erosion und Akkumulation und erfreuen uns einfach an dem originellen Bild in der Landschaft.

Über Altendorf und Hagenacker nach Dollnstein und Breitenfurt auf dem Altmühltalradweg

Dann geht es für uns weiter. Die nächsten Kilometer macht die Altmühl dramatische Wendungen in ihrem Lauf. Mehrfach wendet sie sich um 180 Grad, läuft erst nach Ost, dann nach West, dreht sich nach Süden, um kurz darauf wieder nach Norden zu streben. Der Altmühltalradweg bleibt stehts in Ufernähe. So geht es für uns über die malerischen Dörfer Altendorf und Hagenacker weiter bis nach Dollnstein. An dem kleinen Steg am linken Altmühlufer legen wir eine kleine Rast ein. Wir hängen unsere Füße in das herrlich kühle Flusswasser. Welch eine Erfrischung!

Dollnstein am Altmühltal-Radweg
Dollnstein

Der kleinere aber durchaus sehr schöne Teil von Dollnstein liegt auf dieser Flussseite. Hinter der Stadtmauer verbergen sich schmucke Häuser. Die Kirche Sankt Peter und Paul strahlt in gleißenden Weiß mit roter Kappe. Der Gasthof zum Kirchenschmied lädt zu einen kühlen Getränk ein. Wir verzichten lieber, für pandemische Zeiten ist es uns dort einfach viel zu voll.

Der nächsten landschaftliche Höhepunkt ist der Burgsteinfelsen auf halben Weg zwischen Dollnstein und Breitenfurt. Markant steht der Fels in der Landschaft. Er schließt nach Süden hin einen kleine Höhenzug ab, um den sich hier die Altmühl in einem weiteren 180-Grad-Bogen windet.

Burgsteinfelsen am Altmühltal-Radweg
Burgsteinfelsen

Breitenfurt – Altmühtalradweg

Wir erreichen Breitenfurt und finden den der Brücke einen kleine Aufsteller. Er weist dem Weg zum hiesigen Freibad mit Imbiss. Wir gehen gerne darauf ein. Es ist jetzt 12:45 Uhr und damit Zeit für eine kleine Mittagspause. Also rüber auf die andere Flussseite. Dort führt ein schmaler Pfad direkt am Ufer entlang zum Freibad. Eine schöne und gepflegte Anlage haben die Breitenfurter hier. Das Bad wird an den Wochenenden sicher auch ein Magnet für die Badelustigen aus der Umgebung sein. Eine riesige Liegewiese zeugt jedenfalls von Kapazitäten für viele Gäste.

Jetzt jedoch an einem Mittwoch um die Mittagszeit ist hier nicht viel los. Ein netter Herr managt als One-Man-Show den Einlass zum Bad sowie den Imbiss. Wir versorgen uns mir Pommes und Hot-Dogs und finden am Rand der Liegewiese einen Tisch an einem schattigen Plätzchen für uns.

Von hier aus haben wir einen schönen Blick auf den Fluss. Immer wieder kommen die Kajaks und Kanus auf ihrem Weg in Richtung Eichstätt vorbei. Nach kurzer Zeit gesellt sich der Herrn von Imbiss zu uns. Er nimmt am Tisch nebenan Platz, um sein sicher wohlverdientes Mittagessen einzunehmen.

Nach kurzer Zeit beginnt er den Kurs der Booten zu kommentieren, die unter der Brücke auftauchen. Mit einem verschmitzten Lächeln auf dem Lippen kann er zielsicher voraussagen, welches der Kajaks und Kanus in Kürze mit dem Ufer kollidieren werden.

Offenbar gibt es im Bereich der Brücke eine tückische Strömung. Je nachdem wie man diese ansteuert, nehmen die Freizeitkapitäne einen guten Weg oder sie krachen unweigerlich an das Linke Ufern mit seinem Schatten spendenden Gebüsch.

Immer dann, wenn seine Prognose aufgeht, scheint der Herr von Imbiss ein wenig der Schadenfreude verfallen zu sein. Aber was solls. Ein Laster haben wir ja alle.

Der Strömung entkommen - Altmühltal-Radweg
Der Strömung entkommen

Letze Etappe nach Eichstätt – Altmühtalradweg

Hinter Breitenfurt beruhig sich der Flusslauf. Die Altmühl wird zunehmend breiter und träger. Manches Stück erscheint uns auch seltsam gerade zu verlaufen, als ob der Mensch hier regulierend in den Flusslauf eingegriffen hat.

Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Ziel. Es geht über Obereichstätt und Rebdorf. Letzteres ist schon ein Ortsteil von Eichstätt. Dort haben wir einen tollen Blick auf die Willibaldsburg die hoch oben über Eichstätt auf einem imposanten Felssporn thront. Dort gibt es neben einer Burgschänke die offenbar auch in Nöten ist (Beitrag aus dem Donaukurier im Jahr 2019) auch das Jura-Museum und ein Museum für Ur- und Frühgeschichte. All das werden wir uns wohl ansehen, wenn wir mal wieder in der Gegend sind.

Willibaldsburg Eichstätt - Altmühltal-Radweg
Willibaldsburg Eichstätt

Eichstätt

Uns aber treibt es durch die schöne Flussaue und die Parks von Eichstätt weiter zu einer unspektakulären und gleichzeitig sehr erfrischenden Attraktion der alten Bischofsstadt. Die Mündung des Kapellenbachs in die Altmühl wurde zu einem schattigem Kneipp-Paradies verwandelt. Gerne werfen wir die Sandalen beiseite uns tauchen bis zu den Waden in das empfindlich kühle Nass. Eine gute halbe Stunde verbringen wir hier, bevor wir mit neuer Energie aufbrechen, die Stadt zu erkunden,

Eichstätts Altstadt ist sehr gut erhalten. Die üblichen Bausünden des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg hatten hier keinen Chance. Eichstätt ist weitgehend unversehrt durch die Krieg gekommen. So können wir durch eine beeindruckende Altstadt wandeln. Die Bürgerhäuser, Kirchen und Domherrenhäuser erstrahlen in barocken Glanz. Der Dom Mariä Himmelfahrt, den wir nur zu gern besichtigt hätten, ist wegen Bauarbeiten leider geschlossen.

  • Schutzengelkirche Eichstätt
  • Residenzplatz Eichstätt
  • Landratsamt Eichstätt
  • Leonardsplatz, Dom im Hintergrund Eichstätt

Diese kleine Enttäuschung verarbeiten wir in im Garten des Café Paradies. Hier strecken wir ein wenig die Beine aus und genießen den Blick auf der schöne Gebäudeensemble rund um den Marktplatz.

Dann ist es Zeit aufzubrechen. Wir wollen rechtzeitig am Bahnhof sein. Von dort aus wollen wir die Rückfahrt nach Pappenheim mit der Regionalbahn antreten. Also geht es mit den Rädern wieder hinunter zur Altmühl. Der Herzogsteg führt uns auf die andere Seite des Flusses.

Am Franz-Xaver-Platz dann ein ganz anderes Bild der Stadt. Stahl, Glas und Beton umgeben uns. Der Barocker Glanz von eben scheint plötzlich mindestens einen Kontinent entfernt zu sein. Hier erhebt Eichstätt plötzlich den Anspruch der Moderne. Welch ein Kontrast zu der Welt auf der anderen Flussseite.

Auch der Bahnhof von Eichstätt wird gerade in Glas gekleidet und ist damit auch eine Baustelle. Dem Zugverkehr tut das jedoch keinen Abbruch. So können wir mit unseren Rädern die Regionalbahn 16 Richtung Treuchtlingen besteigen.

Zurück nach Pappenheim

Nach einer Station hat die Nebenstrecke vom Bahnhof Eichstätt Stadt die von Ingolstadt kommende Hauptstecke erreicht. Die Bahn wechselt die Richtung und rollt in Richtung Treuchtlingen.

Für uns wird die kurze Fahrt bis Pappenheim zum Rückblick auf unseren heutige Tour. Mit oft schönen Aussichten auf das Altmühltal mit dem Altmühltalradweg geht es vorbei an Breitenfurt, Dollnstein und Hagenacker. Ein Tunnel, der eine weite Flussschleife abschneidet verwehrt uns den Blick auf Altendorf. Dann geht es vorbei an den 12 Aposteln und der Aktivmühle, Der Zug hält kurz in Solnhofen. Ein kleiner Tunnel noch, er schneidet die enge Flussschleife bei Zimmer ab, und schon ist Pappenheim erreicht.

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Pappenheim- Notizen aus der touristischen Provinz https://www.mit-uns-entdecken.de/pappenheim-notizen-aus-der-touristischen-provinz/ Tue, 25 Aug 2020 23:29:27 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=22347 Von Dettelbach nach Pappenheim. Pappenheim im Altmühltal, Landgasthof zum Grünen Baum Pappenheim, Burg Pappenheim.

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Heute sagen wir dem Main Adieu und wechseln auf den Weg an die Altmühl. Dort steuern wir zunächst Treuchtlingen an und wechseln weiter nach Pappenheim. Wir lernen was es heißt, in der touristischen Provinz angekommen zu sein.

Auf an die Altmühl

Nach unserem schönen Tag gestern am Main fällt unsere Wahl für den nächsten Etappenort auf das Altmühltal. Ein Paradies für Wanderer, Radler und Paddler. Damit lockt zumindest die aktuelle Website des Naturparks Altmühltal Gäste in diese Region.

Lange vor unserem Frühstück und dem Aufbruch in Richtung Süden hat die Fähre an der Anlegestellte in Dettelbach, gleich vor unserem Standplatz, wacker den Betrieb wieder aufgenommen. Mehrfach ist sie heute schon ans andere Mainufer übergesetzt. Den zuverlässig tuckernden Diesel werden wir fast vermissen.

Fähre Dettelbach
Fähre Dettelbach

Nach dem Frühstück starten wir. Unsern Weg in Altmühltal gestalten wir bewusst etwas aufwendiger als nötig. Via den Autobahnen A3, A7 und A6 könnten wir in ca. 1,5 Stunden in Treuchtlingen sein. Dort verengt sich das Tal des Altmühl und beginnt sich in vielen Windungen durch den Muschelkalk der Fränkischen Alp zu schneiden.

Über die Frankenhöhe

Wir aber verlassen die A7 jedoch schon bei Gollhofen und wechseln auf die Bundesstraße 13. Wir durchfahren die Frankenhöhe deren Keupergestein die Altmühl entspring. Es geht bergan und bergab durch kleinere Ortschaften. Wir erreichen Ansbach und sind von dem historischen Stadtzentrum überrascht. Weiter geht es auf der B 13 in Richtung Altmühlsee. Oben von der Straße haben wir einen tollen Blick über den Stausee. Der Campingplatz, das Seezentrum und eine Flachwasserzone mit vielen Inseln machen den See zu einen Magnet für die Vogelwelt und für Touristen. Dabei ist dieses Kleinod noch gar nicht so alt. Erst 1985 begann die Flutung des See nach 11-jähriger Bauzeit.

Hinter Gunzenhausen wechseln wir auf die Staatsstraße 2230, die uns auf dem kürzesten Weg nach Treuchtlingen führt. Kurt vor Treuchtlingen haben wir einen interessanten Blick hinüber zum Örtchen mit dem Namen “Graben”. Der Ortsname hat einen bemerkenswerten historischen Hintergrund.

Wie der Ortsname schon sagt gibt es dort einen Graben. Gegraben wurde der schon vor über 1.200 Jahren. Seinerzeit versuchte man hier, unter der rigiden Herrschaft vom Karl dem Großen, das Schwarze Meer und die Nordsee mit einer Wasserstraße zu verbinden. Hierzu war ein schiffbarer Graben zwischen der der Schwäbischen Rezat und der Altmühl erforderlich. Ein Unterfangen das letztendlich scheitern musste. Aber noch heute sind hier oben auf der europäischen Wasserscheide Reste des “Fossa Carolina” zu entdecken,

Wir überqueren die Altmühl in Treuchtlingen. In dem “staatlich anerkannten Erholungsort mit Heilquellenbetrieb” ist alles recht quirlig. Viele Menschen sind rund um das Stadtzentrum und im Kurpark mit der Altmühl-Therme unterwegs. Gleich neben der Therme finden wir den modern eingerichteten großen Stellplatz für Wohnmobile. Frisch aufgeschotterte Parzellen zeugen von einer kürzlichen Erweiterung.

Hier findet der Wohnmobilist alles, was das Herz begehrt. Stromanschlüsse, ein Sanitärgebäude und eine Station zum Ver- und Entsorgen. Die Parzellen sind teilweise durch kleine Hecken voneinander getrennt. Sehr schön alles, nur ein wenig zu voll, zu turbulent und zu groß für unseren Geschmack.

Pappenheim

So fahren wir weiter nach Pappenheim und finden in der Nähe des Freibades (eines der größten in Bayern) am Rand vom Volksfestplatz (P4) einen kostenfreien Stellplatz. Wir stehen unter Linden die kühlen Schatten spenden. Ein Stromanschluss ist auch in Reichweite und mit 0,50 €/kWh auch bezahlbar.

Gut gelaunt und ein wenig hungrig machen wir uns mit den Rädern auf, um die kleine Stadt mit langer Geschichte zu erkunden. Dabei hoffen wir auf einen Imbiss oder auf die Gelegenheit zu einem verspäteten Mittagessen. Es ist schon 13:30 Uhr als wir aufbrechen.

Nach kurzem Weg ins “Zentrum” und einer Runde um der inneren Stadtkern, scheint uns hier alles “verrammelt” zu sein. Dabei sind einige Menschen unterwegs. Viele davon mit dem Rad. Die sind wohl Durchreisende auf dem Altmühltal-Radweg. Die Geschäfte am Platz allerdings scheinen zu dieser Tageszeit nur wenig Interesse an dieser Kundschaft zu haben. Fast allen Türen sind verschlossen.

  • Europa Haus - Pappenheim
  • Dekanat - Pappenheim
  • Plakette Dekanat
  • Neues Schloss - Pappenheim
  • Stadtkirche, Altes Schloss im Hintergrund - Pappenheim

Die einzigen die jetzt ihre Pforten für die Gäste geöffnet haben, sind die freundlichen Mitarbeiter in der Tourist Information im “Europäischen Haus” und die fleißigen Geister im Café der Bäckerei Lehner.

Pappenheim - Die Burg lockt
Pappenheim – Die Burg lockt

Da wir aber mehr als ein Stück Kuchen oder ein Eisbecher brauchen, kommt uns eine Informationstafel der Burg Pappenheim wie gerufen. Da wirbt man mit musealen Highlights und mit einer Burgschänke. Wie wunderbar denken wir uns. Zwar macht uns das Wort hinter dem Bindestrich (Imbiss mit Automaten) ein wenig skeptisch aber wir sehen es positiv. Sicher gibt es neben der gemütlichen Burgschänke noch einen ergänzenden Automaten für die ganz Eiligen.

Burg Pappenheim

Für uns jedenfalls ist das Angebot verlockend genug, um die 30 Höhenmeter mit dem Rad auf hol in Angriff zu nehmen. Ein wenig außer Atem am Eingang zum Burggelände angekommen, erleben wir die erste Enttäuschung. Auch hier hängt die gleiche Werbetafel wie unten in der Stadt. Nur ist hier der Hinweis auf die Burgschänke mit dem Glückseligkeit verheißenden Automaten abgeklebt. Schade!

Da wir aber nun schon mal hier oben sind, wollen wir wenigsten unseren Hunger nach kulturellen Höhepunkten und spannenden historischen Episoden stillen.

So begeben wir uns in das Empfangsgebäude. Zur Begrüßung werden wir von der Dame am Empfang mit scharfen Ton darauf hingewiesen, dass wir uns in den in Pandemie-Zeiten üblichen Meldezettel einzutragen hätten. Der liegt jedoch ein wenig versteckt unter einer Dachneigung. Wäre er wie in diesen Tagen üblich, gleich neben dem Eingang platziert gewesen, wären wir gerne selbständig und ohne den scharfen Befehl unserer Pflicht nachgekommen.

Wir lösen bei der noch immer wenig freundlichen Dame Tickets für zwei Personen und machen uns auf dem Weg, die imposante Burganlage zu erkunden. Als wir durch das Tor der Vorburg in den Burghof kommen, glimmt in Sachen Burgschänke und verspätetes Mittagessen doch noch einmal Hoffnung bei uns auf. Ein geöffneter beleuchteter Gastraum mit rustikalem Mobiliar steht dem Besucher offen. Davor lädt Gartengestühl in schattiger Lage den darbenden Besucher der Burg förmlich zum Verweilen ein. Nur die guten Geister die Speis und Trank darbieten sucht man vergebens.

Links die verlassene Burgschänke
Links die verlassene Burgschänke

Eine museale Enttäuschung

Auch manche der musealen Höhepunkte bleiben uns hier oben verwehrt. Wappensaal und Burgkapelle sind verschlossen, der Bergfried nicht zu besteigen. Auch das Zeughaus mit Standesamt und historischer Ausstellung ist für die Besucher geschlossen.

Um weitere Enttäuschungen zu vermeiden, verzichten wir auf den Weg hinunter zum Natur- und Jagdmuseum, dem Stadttor und dem Augustinerkloster.

Das was man erkunden kann, ist von minderer Qualität. Im “Historischen” Museum erschlagen Informationsstafeln mit bleiernen Textwüsten den Besucher. Im Nebenraum kämpft ein Schlachtendoirama verzweifelt um Aufmerksamkeit der Besucher.

Gegenüber spielt ein Röhrenmonitor von geschätzt 1980 mit der Unterstützung eines Videorecorders aus gleicher Zeit eine zweifelhafte Geschichte des Rittertums ab. Ganz analog bittet dabei ein Infoschild um Verständnis dafür, das nach dem Ende des Filmchens 30 Minuten für das zurückspulen erforderlich sind. Willkommen im 21. Jahrhundert liebe Museumsmacher von Burg Pappenheim.

Geöffnet ist noch die “Folterkammer” mit allerlei Werkzeug zum maletrieren des menschlichen Körpers. Welche feines Gesellschaftsbild des Mittelalters doch hier gezeichnet wird.

  • Burg Pappenheim
  • Blick auf die Stadt - Burg Pappenheim
  • Burg Pappenheim
  • Folterkammer - Burg Pappenheim
  • Haus mit Kapelle und Wappensaal - Burg Pappenheim

“Verschnarchter” als hier kann man ein Museum wohl kaum gestalten.

Das viele Räume geschlossen sind, mag der aktuellen Corona-Situation geschuldet sein. Das man dies aber besser lösen kann, haben wir im Freilichtmuseum in Fladungen eindrucksvoll erleben können. Dort waren alle Höfe und Häuser zur Zufriedenheit der vielen Gäste auch von innen zu bewundern.

Wir verlassen den Ort recht enttäuscht. Dazu müssen wir aber wieder durch das Empfangsgebäude. Auf diesem Weg hätten wir der Fachkraft hinter dem Tresen gerne noch diese und jene Frage zur Geschichte der Burg und zu den Ausstellungen gestellt. Die Dame hinter Tresen und Coronaschutzwand ist jedoch so in ein offenbar privates Telefonat vertieft, dass wir uns einfach nicht trauen, sie aus ihrem seligem Palaver zu reißen.

Schade für Pappenheim!

Bäckerei Lehnert

Wieder am Markt angekommen kämpfen noch immer die tapferen Damen der Bäckerei Lehnert um die Rettung des touristischen Images von Pappenheim und das leibliche Wohl seiner Besucher.

Es gibt großes an Angebot an leckeren selbstgemachten Kuchen und anderen Backwaren. Das Imbissangebot ist zwar von der Stange, aber das macht nichts. Denn wir werden satt und die Damen des Hauses machen Ihre Sache gut, charmant und zauberhaft.

Mit Geduld und Fleiß arbeiten sie die Schlange ab, die sich vor der offenbar recht neuen Konditorei gebildet hat. Wer an den Tischen unter den Schatten spendenden spenden Schirmen im Außenbereich nicht mehr unterkommt, findet sein Plätzchen drinnen.

Rettung in der Bäckerei Lehnert
Rettung in der Bäckerei Lehnert

Während der übrige Ort irgendwie ausgestorben erscheint, ist die Bäckerei Lehnert eine Art Rettungsinsel, auf die sich alle darbenden Besucher Pappenheims an diesem Nachmittag retten können.

Anschließend ziehen wir uns ins Wohnmobil zurück. Es steht im Schatten und bei der glühenden Spätsommersonne ist es eine Wohltat nun ein wenig zu dösen,

Landgasthof zum grünen Baum – Pappenheim

Zum Abendessen suchen wir den “Landgasthof zu Grünen Baum” auf. Um dorthin zu gelangen nehmen wir wieder die Fahrräder. Der “Grüne Baum” liegt am anderen Ende des kleinen Städtchens. So geht es nochmals durch den schon wieder (oder noch immer?) verschlafenen Stadtkern, der an sich recht hübsch ist.

Eine Brücke führ uns über die Altmühl. Hier gibt es eine schöne Kneipp-Anlage. An heißen Sommertagen sicher eine Wohltat für die Pedalritter auf dem Altmühltal-Radweg. Dann geht es noch ein wenig bergan, und wir haben den “Grünen Baum” erreicht.

Auf den Rat der netten Damen in der Tourist Information vom Nachmittag hatten wir einen Tisch für zwei reserviert. Das war ein wertvoller Rat. Denn der Biergarten hier ist mikroskopisch klein. Gerade vier Tische finden Platz und nur dank unserer Vorbestellung können wir einen davon ergattern.

Eigentlich sollte man sich an einem so schönen Sommerabend ja eher etwas Leichtes zum Abendessen gönnen. Da wir aber gerade noch so in Franken sind – einige wenige Kilometer weiter schon beginnt Oberbayern – muss es entgegen aller Vernunft ein Fränkisches Schäufele sein. Und der “Grüne Baum” zeigt sich von seiner besten Seite. Die Tochter des Hauses kredenzt uns eine sehr köstliche Version dieses regionalen Klassikers.

  • Fränkisches Schäuferle
  • alle

So wird es ein wirklich schöner Abend, den wir erst nach dem Einbruch der Dunkelheit beenden. Wie lassen uns wieder hinunterrollen. Es geh vorbei an der Kneipp-Anlage, über die Brücke der Altmühl und durch das nun erst recht ausgestorbene alte Zentrum von Pappenheim,

Wieder am Volksfestplatz angekommen grüßt die Burg Pappenheim hell angestrahlt vom Burgberg. Ein versöhnlicher Anblick beendet so unseren Tag.

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Mainschleife Volkach https://www.mit-uns-entdecken.de/mainschleife-volkach/ Mon, 24 Aug 2020 21:03:37 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=22337 Heute unternehmen wir eine Radtour an der Mainschleife zwischen Dettelbach und Volkach. An der Strecke liegen neben Volkach auch Escherndorf mit seinen steilen Weinlagen und gegenüber auf der anderen Mainseite […]

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Heute unternehmen wir eine Radtour an der Mainschleife zwischen Dettelbach und Volkach. An der Strecke liegen neben Volkach auch Escherndorf mit seinen steilen Weinlagen und gegenüber auf der anderen Mainseite der Kreuzberg mit den pittoresken Weinorten Nordheim uns Sommerach.

Radtour an der Mainschleife

Nach zwei Tagen, die wir trotz aller schönen Erlebnisse zu großen Teilen im Auto verbracht haben, soll das Mobil heute mal am Platz bleiben. Wir unternehmen mit unseren Räder eine Tour an beiden Seiten des Mains zwischen Dettelbach und Volkach. Hier macht die Mainschleife ihren größten Bogen.

Wir machen uns gegen 09:50 Uhr auf dem Weg und folgen zunächst dem Radweg an der Staatsstraße 2270. Dieser erste Abschnitt unserer Tour ist für den Genussradler eine wahre Durststrecke. Die Kiesgruben und -halden der Heidelberger Sand und Kies und ein großes Gewerbegebiet “zieren” die Strecke. Auf der breit ausgebauten Straße ist gerade Rush-Hour. Die Landschaft wirkt hier eher langweilig.

So geht es erstmal drei Kilometer Osten. Ein angenehmer Rückenwind hilft und diesen Abschnitt schnell zu überwinden.

Wir nähern uns der mächtigen Mainbrücke. Sie trägt die Staatsstraße hinüber nach Stadtschwarzach. Wir biegen aber links nach Schwarzenau ab, verlassen die Hauptstraße und werfen einen Blick auf den Campingplatz unten am Main.

In der Mainaue

Von dort aus führt uns ein Weg vorbei an malerischen Gärten hinaus in die Mainaue. Fruchtbare Äcker und Kiesseen begleiten uns zunächst. Dann verengt sich das Tal und der Berghang rückt näher an das Mainufer. Ein Auwald umgibt uns nun. Er wird hier und da von Wiesen durchbrochen. Wir genießen wir den Weg durch einen Tunnel junger Buchen, die uns umschließen.

In der Mainaue zwischen Schwarzeau und Köhler

Dann treffen wir auf die Straße von Neues am Berg nach Volkach. Rechts unten am Main steht saftiges Gras auf den Weiden. Links erhebt sich die “Neuseser Glatze” der erste Weinberg auf unserer Tour. Fasziniert beobachten wir, wie der Winzer mit einem kleinen Traktor im Berg unterwegs ist. Die Hangneigung beträgt hier immerhin beachtliche 40 Prozent.

Die kleine Maschine transportiert nicht nun den Weinbauern am Berg auf und ab. Gleichzeitig, fast nebenbei, wird das Gras zwischen den Reihen gemäht und der Wuchs der Weinstöcke so getrimmt, dass alle Sonnenenergie in die Trauben fließen kann. Ein letzter Wachstumsschub für die Beeren. Die Weinlese wird hier in drei Wochen beginnen.

Es passt schön in das Landschaftsbild, dass hier und da die Reihen der Weinstöcken mit einem blühenden Rosenstrauch beginnen. Eine schöne Tradition die uns im letzten Jahr schon im Medoc in Frankreich gefallen hat.

Escherndorf und weiter nach Astheim

Weiter geht es durch den kleinen Weinort Köhler. Geschickt nutzen die Häuser und die Straße den engen Platz zwischen dem Mainufer rechts und den steilen Weinlagen links von uns.

Als nächste Weinlage auf unseren Weg schließt sich der Escherndorfer Fürstenberg an. Kurz darauf sind wir schon in Escherndorf, dem Weinort an rechten Ufer der Mainschleife. Die Weinlagen über dem Ort sind hervorragend. Der Weinberg vollzieht einen großen Bogen, der von Süden nach Osten reicht. Er ragt in steiler Lage bis zu 120 Meter den Ort hinauf. Die Steillagen erreichen Hangneigungen von bis zu 60%. Daher wirkt der Berg wie ein Hohlspiegel und sammelt die Energie der Sonne. Der karge Boden aus Muschelkalk speichert die Wärme und gibt sie auch über Nacht und an trüben Sommertagen an die Reben weiter.

Und ganz nebenbei ist es hier traumhaft schön. Der Bogen des Weinbergs leuchtet im satten Grün des Weinlaubs. Die Reihen von Weinstöcken zeichnen interessante Strukturen in den Hang. Oben leuchtet die Vogelsburg in gleißenden Weiß und gedeckt vom roten Ziegeln. Unten zum Main hin, zwischen dem “Fürstenberg” und dem “Lump” liegt das malerische Escherndorf.

Escherndorf erzählt die Geschichte eines wohlhabenden Weinortes. Sauber und aufgeräumt begegnet uns der Ort. Manch prächtiges Haus wie der Gasthof zur Krone oder der Hof des Escherndorfer Winzervereins stehen für den Wohlstand und die Geschichte des Ortes, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht.

Wir verlassen Escherndorf auf der kleinen Landstraße nach Astheim. Über uns die berühmteste Weinlage des Ortes – der “Escherndorfer Lump”. Hier gedeihen heute in bester Lage Sorten wie Silvaner, Rotling oder Bachus.

Astheim

Wir biegen rechts von der Straße auf den Radweg ab. Dieser führt uns hinunter in die Mainaue. Es geht vorbei am Astheimer Dürringsee (einer großen Kiesgrube) und durch den Astheimer Dürringswasen. Kleine Obstplangen, Streuobstwiesen und Gemüsegärten umgeben uns. Ob am Baum oder auf dem Boden, hier steht so manches kurz vor der Ernte.

Als nächsten Ort erreichten wir Astheim. Heute ist der beschauliche Ort ein Ortsteil von Volkach. Hier fallen uns zwei besonders prächtige Portale auf. Sie gehören zu den Resten der Kartause Marienbrück. Das Kloster wurde 1409 gegründet und der Prior des Klosters hatten die Dorfherrschaft über Astheim.

Das Kloster ist heute weitgehend einer anderen Bebauung gewichen. Daher muss ich auf einen historischen Stich verwiesen. Er zeigt wie die Anlage einst aussah.

nach Maisons de l’Ordre des Chartreux Bd. IV. – Koller, Michael (Hrsg.): Kartäuser in Franken. Würzburg 1996. S.66.

Von Astheim geht es auf der vielbefahrenden Mainbrücke hinüber nach Volkach. Von hier oben haben wir einen schönen Blick über den Main und den offenbar überfüllten Wohnmobilstellplatz am linken Mainufer. Dicht gedrängt reiht sich da unten Mobil an Mobil auf einem staubigen Platz. Um so mehr freut es uns, dass wir gestern Abend im beschaulichen Dettelbach noch Platz im Grünen für uns fanden.

Volkach

Wir fahren weiter direkt auf den Marktplatz von Volkach. Bisher trafen wir auf unserer Tour nur wenige Menschen. Hier ein Weinbauer, dort ein Radfahrer. Das was alles bisher. Alle anderen haben sich offenbar hier auf dem Marktplatz von Volkach versammelt. Der Platz quillt über von Touristen. Alle Freisitze der Restaurants sind schon jetzt um 11:40 Uhr besetzt. In der Geschäften am Marktplatz und in der Hauptstraße herrscht reges Treiben und alle Abstellgelegenheiten für Fahrräder scheinen besetzt zu sein.

Der klassische Blickfang dort am Marktplatz ist das Renaissance-Rathaus (1544) und davor auf dem Platz der wesentlich ältere Brunnen (1440) mit einem Bildnis der Maria Immaculata. Überhaupt ist die Umgebung von Volkach ein Ort der Marienverehrung.

Die Kartause an der Marienbücke durften wie ja schon kennenlernen. Außerhalb von Volkach seht die berühmte Kapelle Maria im Weingarten. Und nun die Maria Immaculata hier mitten im weltlichen Zentrum von Volkach.

Das eiserne Ross

Rathaus und Brunnen stehen aber irgendwie im Hintergrund. Ganz nach vorn in die Aufmerksamkeit der Besucher ist seit einigen Jahren ein eisernes Ross gerückt. Auf einem vierädrigen Fahrgestellt gelagert, ist es aus alten Fassringen geschweißt und geschmiedet. Der Sattel trägt Stadttor, Kirche und Häuser einer Stadt an einem Fluss zwischen den Bergen. Ich denke mir, dass diese eine sehr schöne Allegorie ist.

Das Pferd trägt die Stadt. Es ist Symbol für dem Handelsort Volkach, der hier an einer Furt durch den Main entstand. Früher war Volkach ein Zentralmarkt für Tuche, Salz und Eisen an der Handelstrasse zwischen Würzburg und dem Steigerwald.

Die ausrangierten Fassreifen stehen für das zweite Standbein der Gegend. Der Weinbau prägt seit Jahrhunderten Landschaft und Wirtschaft dort am Main.

Somit steht längst nicht mehr das beschauliche Bild von Rathaus und Brunnen im Fokus der Besucher. Es ist vielmehr dieser schlichte eiserne Gaul, der zum Nachdenken über die Stadt, die Landschaft ringsum uns deren Menschen anregt. Und die Kinder haben eine Mordsspaß, wenn die Eltern Sie auf das Ross heben, um ein obligatorischen Foto von dieser Szene zu schießen.

Wir machen uns auf den Rückweg nach Dettelbach und nehmen nun den Weg auf der linken Mainseite. Der Weg führt vom Stadtzentrum hinunter zu einem kleinen Park, der von der Volkach durchflossen wir. Der Bach gab dem Ort offenbar seinen Namen.

Am Mainkanal

Kurz bevor sich Main und Mainkanal trennen sind wir wieder unten am Fluss. Der Weg führt zunächst am Mainkanal entlang.

Der Mainkanal macht den Main zwischen Volkach und Schwarzach für die moderne Schifffahrt nutzbar. Er ist sechs Kilometer lang und wurde von 1950 bis 1957 im Rahmen einer “Notstandsmaßnahme der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge” erbaut.

Dank des Mainkanals kann der Main zwischen Volkach und Schwarzenau weitgehend seinen natürlich Lauf folgen. Somit sind dort keine Maßnahmen zur Flussregulierung erforderlich. Ein Segen für Flora und Fauna und Landschaft.

Nicht weit hinter Volkach, gleich hinter den Gebäuden des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Schweinfurt – Leitzentrale Volkach geht es steil bergan. Dort verlassen wir den Mainradweg und fahren hinauf zur Brücke über den Mainkanal. Kurz, aber heftig ist der Anstieg und etwas außer Atem finden wir uns auf der Landstraße nach Nordheim wieder. Sie wird von einem schönen Radweg begleitet.

Am Kreuzberg

Rechts über uns liegt der Nordheimer Kreuzberg. Auf 170 Hektar gedeihen hier an der östliche Seite der Mainschleife verschieden Rebsorten. Im Vergleich zu den steilen Hängen in Escherndorf ist der Berg hier recht flach. Die Hangneigung liegt zwischen 15% und 25%.

Der Weg hinunter zum Main bringt unseren Puls wieder auf eine normal Frequenz. Als nächsten Ort erreichen wir Nordheim. Dort ist es heute recht still. Die Straßen scheinen wie ausgestorben. Vielleicht liegt es an der Uhrzeit und am Wochentag.

Hinter Nordheim führt der Radweg vorbei an beschaulichen Gärten. Dort erheben sich über uns die Weinlagen Nordheimer Vögelein und Sommeracher Katzenkopf. Sie nehmen den größten Teil des Kreuzberges ein und gehören mit zu den größten Weinlagen rund um Volkach.

Wir erreichen Sommerach und fahren vor bis zur Ortsmitte. Hier nun ein ganz anderes Bild wir in Nordheim. Es ist wirklich voll hier. Alle Plätze der Restaurants scheinen besetzt zu sein. So kehren wir um. Dort, kurz hinter dem Ortseingang war uns ein gemütliches Weingut mit Ausschank und Küche aufgefallen. So finden wir auf dem mediterran anmutenden Hof ein schattiges Plätzchen für eine Mittagspause.

Danach geht es für uns weiter. Hinter Sommerach verliert die Landschaft an Reiz. Der Kreuzberg mit seinen Weinlagen liegt hinter uns. Voraus bereitet sich das fruchtbare Schwemmland der Mainebene aus. Intensiv bewirtschaftete Äcker liegen nun am Weg.

Ein Blickfang an der Straße von Sommerach zur Schleuse Gerlachshausen ist aber der Bildstock “Die graue Marter”

Bildstock Graue Mater

Bei unsere Reisen durch Süddeutschland sind uns immer wieder die schönen Bildstöcke aufgefallen, die an vielen Straßen und Wegen zu finden sind. Wir haben sie bisher einfach nur zur Kenntnis genommen uns nur manchmal gefragt, warum die kleine religiösen Kunstwerke oft ganz einsam in der Landschaft stehen.

“Die Graue Marter” ist ein hervorragender Anlass sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen. Er ist nicht nur der berühmteste Bildstock in Mainfranken. Er gilt außerdem als der bedeutendste Bildstock aus der Spätgotik überhaupt.

Bildstöcke wurden meist von Mitgliedern der Gemeinde gestiftet. Daher sind sie eine Form der Volksfrömmigkeit. Man findet sie in Hessen als “Heiligenstock” und in Bayern und Österreich als “Marterl” oder “Marter”, “Materle”, “Materla”, “Wegstock” oder “Kreuz”. In der Schweiz nennt man Sie “Helgenstöckli”.

Sie laden zum Gebet am Weg ein und sind oft eine Zeichen für überstandene Gefahren, erinnern aber auch an Seuchen oder Unglücksfälle.

Der Unglücksfall in diesem Fall war offenbar der Tod des Gerlachshäuser Schultheißen Heinrich Zorn. Er war der Stifter. So berichtete es eine Inschrift am Bildstock.

“Die Graue Marter” wird dem Dettelbacher Meister des Tympanons zugeschrieben. Der genaue Name ist leider unbekannt. Aber er wird dem Umfeld von Tilman Riemenschneider zugeschreiben. Dieser hat ganz in der Nähe ein kunsthistorisches Highlight hinterlassen. Die Rosenkranzmadonna in der der Kapelle Maria im Weingarten gehört zu den letzten Werken des weltbekannten Bildhauers vor dem Bauernkrieg.

Der vier Meter hohe Bildstock hier an der Straße ist allerdings nur eine Kopie. Das Original befindet sich in der Friedhofkapelle von Sommerach. Dort steht er geschützt vor Wind Wetter.

Bildstock Graue Marter

Benediktinerabtei Münsterschwarzbach

Wir radeln weiter. Die Straße steigt kurz an und wir finden uns auf der Brücke über den Mainkanal wieder. Dort hat man einen guten Blick auf die Schleuse Gerlachhausen. Ein Frachtschiff geht gerade stromabwärts.

Mit dem Bau des Mainkanals liegen der Kreuzberg mit seinen Weinlagen sowie die Orte Nordheim und Sommerach auf einer Insel. Sie ist über 1.300 Hektar groß und sollte so zu den größten Inseln in Bayern gehören.

Als nächsten Ort steuern wir Münsterschwarzach an. Der Ort liegt zwischen Gerlachshausen und Stadtschwarzach. Er besteht im Prinzip aus der Benediktineabtei Münsterschwarzach und einigen Höfen rundum.

Die Benediktinerabteikirche Münsterschwarzach aus dem Jahr 1938 ist eines der wenigen Münster, die es nicht schafften, uns in Ihren Bann zu ziehen. Dabei hat der Standort eine uralte christliche Geschichte. Bereits im 8. Jahrhundert, also zu karolingischer Zeit ist hier ein Frauenkloster nachgewiesen.

Es folgte ein Auf und Ab über die Jahrhunderte. Mit der Säkularisation im Jahr 1803 wurde die Abtei Münsterschwarzach aufhoben und war damit den Verfall preisgeben.

Ungefähr 100 Jahre später erfolgte die Wiederbesiedlung durch Benediktinermönche des Kloster St. Ottilien aus Landsberg am Lech.
Ab 1935 gab es Pläne zum Wiederaufbau.

Was hier dann bis 1938 entstand ist trutziger Bau von 88 Metern Länge und 31 Metern bereite. Vier Türme mussten es sein, die den Bau krönen. Linien und Formen entsprechen dem Zeitgeist der 30er Jahres des letzten Jahrhundert. Vielleicht finden wir deshalb den Bau deshalb wenig anziehend.

Wir werfen nur kurz einen Blick in den schlichten Innenraum. Die Seitenschiffe links und rechts der langen hohen Halle werden für 12 Nebenaltären genutzt. Weit hinten, fast in der Ferne, der Hauptalter von Hubert Elsässer. Wir empfinden sie Atmosphäre hier schlicht und ein wenig kühl. Daher verlassen wir das Münster und machen uns auf die letzte Etappe unsere Tour.

Weiter nach Mainsondheim

Wir nehmen nicht die Route über Radweg zurück hinunter an den Main, sondern fahren auf der Straße in Richtung Stadtschwarzach. Ein Fehler! So müssen wir hinter Stadtschwarzach ein Gewirr aus Kreisverkehr und Straßenüberführung meistern und landen prompt auf der falschen Spur. Dort entlang würden wir schon jetzt den Main auf der Straßenbrücke überqueren und wieder auf der für Radfahrer nicht gerade schönen Staatsstraße 2270 landen. Das hatten wir ja heute Morgen schon.

Also kehren wir auf der Brückenauffahrt wieder um und finden den Radweg in Richtung Mainsondheim, Es geht nochmal fünf Kilometer durch die fruchtbare Mainaue. Kleinteilig sind die Flurstücke hier und vieles ist schon abgeerntet. Auf manchen stehen noch Gemüse wie Rote Beete, Lauch, Zwiebeln und Sellerie.

Gegen 15:10 Uhr haben wir Mainsondheim erreicht und fahren hinter zu Mainfähre. Sie bringt uns fest genau an den Stellpatz unseres Wohnmobils.

Kieselsmühle

Nach einer kurzen Pause mache ich mich mit dem Rad nochmal auf zum Weingut Kieselsmühle. Ich möchte der Quelle des leckere Bachus von unserem gestrigen abendlichen Restaurantbesuchs auf den Grund gehen,

Das Weingut Kieselmühle liegt etwas außerhalb von Dettelbach an der Schweinfurte Straße. Dort mündet der Gembach in der Dettelbach, der dem Ort weiter unten am Mainufer seinen Namen gab. Mit dem Fahrrad ist die Alte Mühle schnell erreicht, Nur sanft steig die Straße an.

Am Winzerhof angekommen muss eine kleine Weile warten bis die Tochter des Hauses auftaucht. Sie entführt mich in einen schön ausgebauten Gewölbekeller. Sie erzählt von Hof und lässt mich man leckeren Tropfen kosten.

Ich erfahre, dass es sich beim Winzerhof Kieselsmühle noch um einen recht jungen Familienbetrieb handelt und derzeit noch im Nebenerwerb wirtschaftet. Die junge Dame erzählt von Plänen und Perspektive für ihre Zukunft und ist eine gute Botschafterin für die Idee qualitätvoller deutsche Weine, die sich auch im internationalen Vergleich nicht verstecken müssen.

Am Ende landen einige Flachen Bachus um Müller-Thurgau in meiner Fahrradtasche, Der Abschied ist freundlich und ich verspreche bei Gelegenheit nochmal vorbeizuschauen. Für den Rückweg bekomme ich noch die Empfehlung nicht den Weg über die Straße zu nehmen.

Gleich an der Kieselsmühle führt nämlich auch der Rinnenbachweg vorbei. Er ist eine schönen Fuß- und Radweg. Unter schattigen Bäumen geht es vorbei an Gärten und gepflegten Wohngrundstücken direkt auf den Markplatz von Dettelbach.

In der Eichgasse hat die Konditorei im Café Kehl noch geöffnet, Ich nutze die Chance noch ein wenig Kuchen mitzunehmen. Dann rolle ich bergab durch die mitunter recht schönen Gassen und Straßen von Dettelbach bis zum Wohnmobilstellplatz direkt am Mainufer.

Den Rest des Tages verbringen wir mit einem Abendessen vor dem Womo. Wir genießen den schönen Spätsommerabend und schmieden Reisepläne für den nächsten Tag.

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Freilandmuseum Fladungen und weiter an den Main https://www.mit-uns-entdecken.de/fraenkisches-freilandmuseum-fladungen/ Sun, 23 Aug 2020 23:26:58 +0000 https://www.mit-uns-entdecken.de/?p=22335 Das sensationelle Fränkische Freilandmuseum Fladungen und Dettelbach an der Mainschleife bei Volkach begeistern und an unserem zweiten Reisetag. Start auf der Hohen Geba Heute Morgen ziehen noch immer dichte Wolkenfetzen […]

Der Beitrag Freilandmuseum Fladungen und weiter an den Main erschien zuerst auf Zugvogel - ein Reiseblog.

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Das sensationelle Fränkische Freilandmuseum Fladungen und Dettelbach an der Mainschleife bei Volkach begeistern und an unserem zweiten Reisetag.

Start auf der Hohen Geba

Heute Morgen ziehen noch immer dichte Wolkenfetzen über die Hohe Geba. Nur hin und wieder reißen die Wolken auf und gönnen uns einen kurzen Blick auf den blauen Himmel. Genauso wie in der letzten Nacht, in der wir ab und an Teile der Milchstraße ausmachen konnten.

Unser Ziel soll heute der Main bei Volkach sein. In etwas mehr als einer Stunde könnten wir dort sein. Das wäre aber viel zu schnell für unseren Geschmack. So googeln wir nach einem Zwischenziel für diesen Sonntagvormittag. Wir stoßen auf das Fränkische Freilandmuseum in Fladungen. Also steht unsere erste Station für den heutigen Tag fest.

Der kurze Weg dorthin führt mit einem ständigen auf und ab durch die überraschend schöne Landschaft der Thüringer und der Bayrischen Rhön. Die kleinen Orte am Weg (Geba, Helmarshausen, Weimarschmieden und Brüchs) machen einen gepflegten Eindruck. Sie glänzen mit Fachwerk und Tradition. Die Straßen in der Orten sind hier und da ein wenig eng. Folglich wir lernen die Dimensionen unseres fahrenden Heimes immer besser kennen. Wir kommen schnell und sicher voran.

Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Wir kommen gegen 09:10 Uhr in Fladungen an. Ohne Probleme finden wir einen Parkplatz am ehemaligen Bahnhof von Fladungen. Dort befindet sich das Fränkisches Freilandmuseum. Noch ist es ruhig hier. Offenbar sind wir die ersten Gäste. Im großzügig gestalteten Eingangsgebäude erwerben wir unsere Tickets

Mit den Tickets bekommen wir eine Übersichtskarte und eine Karte mit dem Aufdruck “Die Hütte ist voll”. Die, so meint die freundlich Kassenkraft, sollen wir beim Betreten eines der vielen zu besichtigenden Gebäude an die Türklinke hängen.

Andere Besucher wissen dann, dass das Gebäude besetzt, oder “die Hütte voll” ist. Ein Signal, dass zum Warten vor der Tür auffordert bis die “Hütte wieder leer” ist. Eine sehr kreative und pragmatische Lösung für die Herausforderungen der aktuellen Pandemie. Bravo!

Die Hütte ist voll
Die Hütte ist voll

Reßmühle aus Fladungen – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Zunächst führt uns der Weg zur äußere Mühle oder auch Reßmühle. Ihre Besonderheit wird uns erst auf unserem weiteren Weg durch das Fränkische Freilandmuseum Fladungen klar. Die Reßmühle stand schon immer hier. Alle anderen Gebäude des Museums wurden von anderen Orten hierher übertragen.

Die Reßmühle an dieser Stelle hatte drei Vorgänger. Bereits 1570 stand hier eine Wassermühle. Das heute zu bewundernde Gebäude stammt aus dem Jahr 1802. Das oberschlächtige Wasserrad und das Gerinne welches vom Kehlbach abgeleitet ist, befinden sich an der Südseite. Innen erfahren wir einiges über das Handwerk des Müllers. In der Wohnstube wird klar, dass die Müller schon immer einem besonderen Stand angehörten. Der Vergleich zu einem Taglöhnerhaus, macht die sozialen Unterschiede mehr als deutlich.

  • Reßmühle - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Mühlstein - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Gerinne - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Handmühlstein - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Wohnstube - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Die Hütte ist voll - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Wir verlassen die Reßmühle und machen die Hütte für die nächsten Besucher frei.

Das Freilandmuseum ist wie ein Park angelegt, in dem sich verschiedene Hofstellen befinden. Deshalb schlendern weiter und kommen über eine steinerne Bogenbrücke. In Wagenbreite überspannt sie den Laubachgraben. Auch sie wurde hierher übertragen. Sie stammt aus Prölsdorf im Steigerwald.

Weiter geht es durch einen kleinen schmucken Kräutergarten im “Niemandsland” vor der nächsten Hofstelle. In den Hochbeeten finden wir jetzt Ende August noch ein farbenfrohes Gewirr von Blüten und Insekten.

  • Brücke aus Prölsdorf - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Kräutergarten - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Kräutergarten - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Die folgende Hofstellen scheinen zu einen Orte zusammengefügt zu sein. Historisch betrachtet ist dies allerdings eine Illusion. Keiner dieser Höfe stand früher in der Nachbarschaft eines Ortes. Jeder stammt woanders her. Der Schwerpunkt ihrer Herkunft lieg allerdings im heutigen Landkries Rhön-Grabfeld. Aber auch Anlagen auch ganz anderen Gegenden Frankens sind hier zu finden.

Hofstelle aus Bahra

Aus unserem Weg kommen wir anschließend vor einem schönen, aber schlichten Fachwerkgiebel zum Stehen. Das dunkle Gebälk und die raue Lehmausfachung stehen auf einem Sockel als Kalksteinen. Die Fenster können mit reich verzierten Schiebeladen gegen Wind und Wetter geschützt werden.

Offenbar hat dieser recht einfache Schutz ausgereicht. Gehört dieser Giebel doch zu einer Hofstelle aus Bahra im Grabfeld, wo die Winter eher mild und trocken sind. Auch hier ist die “Hütte leer” als wir ankommen. So können wir ohne Wartezeit die erste und zweite Etage besichtigen.

Wir treten unter dem Türbogen hindurch, das Jahr 1748 ausweist.

Türsturz

Unten die Schwarzküche, die Schlafstube und ein beeindruckender Ofen mit gusseisernen Ofenplatten. Oben die gute Stube mit schlichtem Tisch und Stühlen sowie einer umlaufenden Bank.

Hier oben erkennen wir auch, dass sich nicht nur die äußeren Fensterladen mit einem Schiebemechanismus öffnen und schließen lassen. Auch die Fenster selber lassen sich auf diese Art und Weise bewegen.

  • Giebel - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Hofstelle - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Fenster aussen - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Webstuhl - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Schwarzküche - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Wohnstube - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Fenster innen - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Eisenofen - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Laubengang - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • der Abort - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Stall - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Stall - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Stallbox - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Bevor wir das Haus verlassen, können wir noch einen Blick auf den niedrigen Laubengang werfen, der der zweiten Etage angegliedert ist. Sicher diente er als Abstellplatz für Manches das nicht in die engen Räume passte. Außerdem konnte man hier gut oben alles Mögliche trocknen was Garten, Feld und Stall hergab.

Vor hier oben hat man auch einen guten Blick auf den bemerkenswert einfach konstruierten aber multifunktionalen Stall vor dem Wohnhaus. Links, unverkennbar durch ein durchbrochenes Herz in der Tür gekennzeichnet, der Abort des Hofes. Daneben drei Boxen, die offenbar der Aufzucht und der Mast von Schweinen dienten. Darüber das Lager für das Brennholz.

All das wurde in den Jahren 1986 bis 1989 hier im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen wiederaufgebaut.

Hofstelle aus Trappstadt – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Gleich nebenan eine Hofstelle aus Trappstadt. Sie ist noch ein wenig älter. Eine Bestimmung der Jahresringe ergab das Baujahr 1724.

Seinerzeit versuchte die Grundherrschaft langfristig ihre Steuereinnahmen zu verbessern. Daher wurde grundlosen Siedlern Land, Baumaterial und eine befristete Steuerfreiheit angeboten. Manche nutzen diese Chance und bauten sich am unbesiedelten Dorfrand eine Existenz auf.

Das Konzept der Hofanlage ist hier ein anderes als nebenan. Dem kombinierten Wohn- und Wirtschaftsgebäude schließt sich in einer Linie die Scheune an. Mensch und Tier lebten unter einem Dach. Dies hatte nicht nur unangenehmen Seiten. Gerade im Winter war die Körperwärme der Tiere sicher einen willkommene Zusatzheizung.

Ansonsten wurde in dem Haus gekocht und konserviert, geschlachtet und gebuttert, geliebt und gewerkelt. Das alles nicht ganz erfolglos. Konnte doch über mehrere Generationen der Grundbesitz des Hofes von 1,7 auf 3.3 Hektar vergrößert werden.

Von dem bescheidenen Wohlstand gibt die “Gute Stube” eine beredtes Zeugnis. Gemütlich ist es dort. Die Wände sind mit Ornamenten geschmückt, das Vertiko trägt einen Aufsatz mit Spiegel, die Decke ist gefacht. Weißes Leinentuch schmückt den Tisch und durch das doppelte Fenster flutet viel Licht hinein. Eine Petroleumlampe verlängerte sicher so manchen Abend in der dunklen Jahreszeit.

  • Wohnstube - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Hofstelle - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Küchenutensilien - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Küchenherd - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Fränkisches Bienenhaus - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Fränkisches Bienenhaus - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Schäferwagen - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

An der Hofstelle finden wir noch ein Bienenhaus und einen Schäferwagen. Beides gehörte ursprünglich nicht zu dem Hof. Das Bienenhaus scheint ein Nachbau einer historischen Vorlage zu sein. Dort kann man manches über das Handwerk der Imkerei erfahren.

Besonders originell ist der blecherne Schäferwagen mit Schlaf- und Feuerstelle. Er ruht auf einem einachsigen Wagen mit einer langen Deichsel. Somit konnte er gut mit einem Zugtieren bewegt werden. An Ort und Stelle gebracht war er dem Schäfer sicher nur ein entbehrungsreiches Heim.

Truchsess-Haus aus Oberhohenried

Nur wenige Meter weiter das Truchsess-Haus aus Oberhohenried. Truchsess, ein Wort wie aus längst vergangenen Zeiten. Mir fällt da die Roman- und Filmtrilogie vom Herrn der Ringe ein. Der Truchsess von Gondor spielt da eine recht unrühmlich Rolle. Aber ein Truchsess in Oberhohenried?

Der Begriff leitet sich vom “Vorgesetzen des Trosses” ab. Der mittelalterlichen Nachhut eines militärischen Verbandes. Sie für die Versorgung der Truppen zuständig. Später wurde daraus der oberste Aufseher einer höfischen Tafel und noch später der Statthalter eines Grundherren.

Das Truchsess-Haus aus Oberhohenried beherbergte also Jenen der das Sagen im Dorf hatte. Hier wurden die Steuern abgeliefert. Daher hat der Hof auch den Beinamen Zehnthaus.

Der markante Schaugiebel hob das Gebäude von allen anderen im Ort hervor. Wir können dieses Detail leider nur durch ein Gerüst bewundern, das uns sowohl den Blick auf und den Zugang in das Truchsess-Haus verwehrt.

Auffällig ist die, für ein Dorf der damaligen Zeit recht repräsentative Toranlage. Für den Bauern, der hier seinen Zehnt ablieferte wurde klar, dass hier eine Mächtiger wohnte.

  • barockes Tor - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Truchsess-Haus - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Gar nicht herrschaftlich werden vor dem Truchsess-Haus Kinderspiele aus scheinbar längst vergangenen Zeiten präsentiert. Die jüngsten Museumsbesucher können sich dort im Tauziehen, Stelzenlaufen, Ringe trieben und im Reiten des Steckenpferdes üben.

Hofanlage aus Mühlfeld – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Die Hofanlage aus Mühlfeld ist eines der ältesten Gebäude im Museum. Das Wohnhaus dort stammt aus dem Jahr 1684. Noch älter sind Stallanlagen für die Viehhaltung. Sie stammen allerdings nicht aus Mühlfeld. Da sich der ehemalige Vierseitenhof in Mühlfeld in seiner Gesamtheit nicht retten ließ müssen sie nun den Hof ergänzen.

Spezialität des Hofes ist eine funktionsfähige Brandweinbrennerei. “Edle Brände” werden hier heute noch destilliert. Das Museum hat die Brennereiausrüstung aus Jesserdorf in den Haßbergen übernommen. Dazu gehörte auch ein Brennrecht, welches heute noch Museum nutzt. Die Edlen Destillate aus museumseigenen Obst gibt es im Museumsladen.

  • Wohnstall - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Pferdestall - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Wohnhaus - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Wohnhaus Detail - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Brennerei - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Stall - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Pfarrkirche aus Leutershausen

Lange, lange Zeit hatte Leutershausen bei Bad Neustadt an der Saale keine eigene Kirche. Deshalb war das Leben in dem kleinen Ort seinerzeit schwierig. Alles was des kirchlichen Segens bedurften, konnte in Leutershausen nicht stattfinden. Egal ob es die Taufe, die Hochzeit oder die Beerdigung war. Alles hatte vier Kilometer weiter in Brend, dem heutigen Bad Neustadt stattzufinden. Immer eine gute Stunde Fußmarsch also.

So bemühte sich katholische Gemeinde seit 1743 um Spenden für eine eigene Kirche. 1801 war es dann soweit. Es konnte mit dem Bau einer bescheidenen Kirche im spätklassizistischen Stil begonnen werden.

Die nächsten 190 Jahre war sie der Mittelpunkt der Gemeinde in Leutershausen. Dann wurde sie zu klein und der Wohlstand der 1990er Jahre erlaubte es eine neue, größere Kirche zu errichten. Dadurch entstand ein Glücksfall für das Fränkische Freilandmuseum Fladungen.

Der Bau aus Chor mit Dachreiter und angefügter Sakristei wurde Stein für Stein, Balken für Balken abgetragen und das Interieur gesichert. 1992 begann der Wiederaufbau hier in Fladungen. 1995 konnte die Kirche neu geweiht werden. Eine wirklich schöne Ergänzung des gesamten Bauensembles hier.

  • Pfarrkirche St. Bartholomäus - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Nordseite - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Südseite - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Genossenschaftsschäferei aus Hausen – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Nach dem “Kirchgang” geht es weiter in einen geschäftigeren Teil der Dorfanlage. In der Schafgasse 7 stehen wir vor der Genossenschaftsschäferei aus Hausen. Sie besteht aus einen Haus, in dem der von der Genossenschaft angestellte Schäfer mit seiner Familie das Wohnrecht hatte.

Hinzu kommen ein Schaf- und ein Schweinestall. Im Schafstall kann man noch gut die Notizen auf Kärtchen im Gebälk erkennen. Die waren erforderlich um nach der Demontage hier beim Wiederaufbau alles am rechten Platz einsortieren zu können.

  • Genossenschaftsschäferei aus Hausen - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Schafsgasse 7 - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Schafstall - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Schafstall Detail - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Schafstall Detail - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Hofanlage aus Rügheim

Gleich gegenüber der Schäferei steht die Hofanlage aus Rügheim. Sie ist jünger als die bisher besuchten Höfe. Dort wird ein über die Generationen gewachsener neuer Wohlstand sichtbar.

Das Erdgeschoss wurde 1898 nicht mehr als Fachwerk, sondern mit Sandsteinen errichtet. Dazu macht die schwere Kassettentür einen fast herrschaftlichen Eindruck.

Im Haus gibt es so manches Detail, dass von einer neuen Zeit erzählt. Der moderne Eisenofen und die Nähmaschine gehören genauso dazu wie die scheinbar schon industriell gefertigten Möbel.

Interessant sind die im Erdgeschoss freigelegten Schichten früherer Wandgestaltung. Sie belegen, dass dieses Haus seinen Weg wohl in einem Stück hierher fand. Wäre das Erdgeschoss am ursprünglichen Standort abgetragen worden, hätte man die Farbschichten beim Wiederaufbau niemals so perfekt rekonstruieren können.

Die gesamte Anlage zeugt von der wirtschaftlicher Stärke dieses Hofes. Sieben Hektar wurden von dort aus bewirtschaftet. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden wurden Maschinen erforderlich. In der Remise kann man eine kleine Auswahl von ihnen bewundern.

Der Hof erzählt auch von Vertreibung, Evakuierung und Mangel nach dem 2. Weltkrieg. Deshalb gibt es im Dachgeschoss die Sonderausstellung “Armut, Hunger, Bomben und Vertreibung”.

Mieter hatten das Haus damals bezogen. Vier Familien mit insgesamt 15 Personen drängten sich dort. Zeitzeugen berichten in Videointerviews aus dieser Zeit. Wir lernen Folgendes:

  1. Egal wir nah oder fern der Ort ist aus dem Vertriebene, Flüchtlinge oder Evakuierte kommen. Am Ort des Asyls werden sie viele, viele Jahre immer die Fremden sein.
  2. Unsere heutige Zeit ist trotz Flüchtlingskriese und Corona eine Zeit des paradiesischen Wohlstands.
  • Hofanlage aus Rügheim - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Eingangstür Wohnhaus - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Wohnbereich - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Schlafzimmer - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Wandoberflächen - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Videochroniken - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Innenhof - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Dreschmaschine - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Traktorenpark - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Gemeindebrauhaus aus Alsleben – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Bier war früher Nahrungsmittel, Energiespeicher und eine Möglichkeit Wasser in eine haltbare Flüssigkeit zu verwandeln. Deshalb war der Gerstensaft früher unverzichtbar.

Wohl deswegen finden wir hier auch ein funktionsfähiges historisches Gemeindebrauhaus. Es stammt aus Alsleben bei Trappstadt im Grabfeld.

Dass die Gemeinde Alsleben über ein eignes Braurecht verfügte, war keine Selbstverständlichkeit. Das Bier musste früher aus der nahen Amtsstadt Königshofen bezogen werden. Allerding war die Ware von dort von schlechter Qualität und überteuert. Daher lohnte sich ein langer Rechtstreit, den die Gemeinde Alsleben gewann. Ab 1744 konnte dort eigenes Bier gebraut werden.

Maischebottich, gemauerter Braukessel, Kühlschiff und Malzdarre – alles ist noch in Schuss. Somit können hier jährlich im April 30 Hektoliter Hausbraubier gebraut werden. In Flaschen abgefüllt ist es als leckeres Souvenir im Museumsladen zu haben.

  • Gemeindebrauhaus aus Alsleben - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Innenansicht - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Maischebottich - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Gärbecken - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Innenansicht - Fränkische Freilandmuseum Fladungen
  • Presse - Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Transformatorenstation aus Brunnhardtshausen

Unsere Exkursion durch die Jahrhunderte ländlichen Lebens führt uns weiter zu an einem von uns hier nicht erwarteten Gebäude. Die Transformatorenstation aus Brunnhardtshausen erzählt von der Elektrifizierung der Rhön.

1920 wurde in Fladungen das Überlandwerk Rhön geründet, dass sich dieser anspruchsvollen Aufgabe widmete. Noch heute ist es als kommunales Unternehmen für die Versorgung von 92.000 Einwohnern verantwortlich. Die Herausforderung damals wie heute ist die Weitläufigkeit der Landschaft und die Zersplitterung der Wohnsiedlungen.

Die Verschindelung der Transformatorenstation aus dem Jahr 1927 zeugt davon, wie eng sich die Erbauer mit den hiesigen Bautraditionen verbunden fühlten.

Elektrischer Strom war damals ein kostbares Gut. Daher diente es zunächst nur der Beleuchtung einiger Wohnräume. Dann wurde er gewinnbringend genutzt. Zunehmend übernahmen neben Traktoren und Dampfmaschinen auch Elektromotoren die schwere Handarbeit in den landwirtschaftlichen Betrieben.

An all die Segnungen, die uns das Leben heute so angenehmen machen und die es ohne Elektrifizierung nicht gäbe, hielten erst viel später in den Dörfern der Rhön Einzug.

Die Transformatorenstation ist übriges nicht das jüngste Gebäude im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen. Eine Telefonzelle der Deutschen Bundespost hält diesen Rekord. Sie wurde aus Bamberg hierher überführt. Auch sie wirkt heute in Zeiten von Internet, Mobiltelefonie und 5G wie aus der Zeit gefallen.

Ölschlagmühle aus Wiesthal – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Wir verlassen nun die das kleine Dorf, zu dem sich hier Gebäude aus verschiedenen Ecken Frankens zusammengefunden haben. Es geht weiter über das Bächlein Streu hinüber zur Ölschlagmühle aus Wiesthal. Sie steht etwas abseits vom Hauptweg.

Von der Streu zweigt ein kleiner Mühlgraben ab. Er versorgt das unterschlächtige Wasserrad mit ausreichend Energie. Somit kann ein Kollergang und ein Pochwerk angetrieben werden. Das hier zuletzt aus Raps und manchmal aus Bucheckern gewonnene Öl wurde als Speiseöl genutzt. Ölmühlen waren vor der Ära des Erdöls aber auch unverzichtbare Lieferanten für Brenn- und Schmiermittel. Auch die Seifen jener Zeit wären ohne die Ölmühlen nicht denkbar gewesen.

  • Ölschlagmühle aus Wiesthal
  • Mühlsteine
  • Schlagwerk
  • Wasserrad
  • Getriebe
  • Ölschlagmühle aus Wiesthal

Kolonistenhaus aus Waldberg

Das Kolonistenhaus aus Waldberg steht stellvertretend für eine ganz andere Geschichte. 25 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges war die Bevölkerung wieder stark angewachsen. Deshalb konnte so manches Dorf seine Bewohner nicht mehr ernähren.

Daher galt es neues Land zu erschließen und urbar zu machen. Somit zogen zwei Dutzend Männer aus Premich nach Norden, um eine neue Zukunft zu finden.

Nach ganzen vier Kilometern hatten Sie ihr Ziel erreicht. Sie begannen den sogenannten Salzforst zu roden und der Ort Waldberg entstand. Hier sollten nun Milch und Honig fließen. Die Lage am Berghang war strategisch günstig. 40 Höhenmeter über dem im Tal fließenden Kellersbach bot sie lebenswichtiges Wasser und trotzdem Schutz vor Hochwasser.

Alles geschah mit Segen des Erzbischofs und war wohl geregelt. Deshalb erhielt jeder ein Stück Land von 100 mal 75 Metern, um eine eigene Hofstelle zu errichten. Das Wohnhaus hatte mit Giebel voran zur Dorfstraße zu stehen. Scheune und Stall folgten dahinter. Obwohl in Waldberg kein einziges Haus mehr aus dieser Zeit steht, kann man diese Ordnung noch heute gut an der Anordnung der Nachfolgebauten erkennen.

Darüber hinaus durfte jede Hofstelle 12 Hektar Wald roden um das Land in Acker-, Wiesen- und Weideland zu verwandeln.

Das letzte Waldberger Kolonistenhaus wurde von 1990 bis 1997 hier im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen wiederaufgebaut. Das Fachwerk besteht aus solider Eiche. Im Inneren findet man eine Holzwerkstadt in der Alltagsgegenstände gefertigt wurden.

  • Holzschuhmacherwerkstatt
  • Holzschuhmacherzeug
  • Wohnstube

Wohnstallhaus aus Oberbernhards – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Gleich gegenüber befindet sich das Wohnstallhaus aus Oberbernhards. Was heute wie eine Scheune wirkt, war seinerzeit Wohnstatt für Menschen und ihr Vieh zugleich. Unten war Platz für die Stallungen für Rind, Schwein, Pferd und Kleingetier. Darüber lagen die Wohn- und Schlafstellen der Bewohner.

Daneben das sogenannte Auszughaus. Es entstand erst in den 1950er Jahren und wurde den älteren Hofbewohnern eine Heimat. Heute hat hier das “Brotzeitstübchen” Einzug gehalten. Es lädt uns zu einer Pause ein. Wir lassen uns den hervorragenden Kuchen, Kaffee und selbstgemachte Limonade schmecken.

  • Wohnstallhaus aus Oberbernhards
  • Wohnhaus
  • Innenhof

Taglöhnerhaus aus Heinrichsthal

Heinrichsthal im Spessart ist heute noch von dichten Wäldern umgeben. So gab es schon damals wenig Ackerland ringsum. 1850 besaß rund ein Drittel der Familien weniger als einen Hektar Land. Daher ging die Armut um und die Menschen mussten sich Taglöhner durchschlagen.

Das Taglöhnerhaus aus Heinrichsthal vor uns wurde vom Schweinehirten errichtet. Er wurde von der Gemeinde angestellt war. Von außen sieht es recht schmuck aus. Der Blick ins Innere zeigt ab er wie entbehrungsreich das Leben hier gewesen sein muss. Die wenigen Räume sind dunkel, klein und niedrig. Die Ausstattung ist spartanisch. Der heute noch genutzte Verschlag für die Hühner zeigt wie wichtig damals die Selbstversorgung war.

  • Tagelöhnerhaus aus Heinrichsthal
  • Tagelöhnerhaus aus Heinrichsthal
  • Küche
  • Die gute Stube
  • elektrisch Licht

Dreiseithof aus Leutershausen- Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Am Taglöhnerhaus aus Heinrichsthal haben wir das Ende des Museumsgeländes erreicht. Also machen wir uns auf den Rückweg. Links vom Weg steht etwas abseits der Dreiseithof aus Leutershausen an.

Es ist eine mächtige Anlage die eine rege Geschäftigkeit ausstrahlt. Immerhin wurden von dort aus einst an die 30 Tagwerke (ca. 10 Hektar) bewirtschaftet. Wohl deshalb sind im Wohnstallhaus, in der Scheune, der Remise und im Schaf- und Pferdestall viele nützliche Utensilien zu besichtigen. Alles war für die Meisterung der täglichen Aufgaben erforderlich.

Sei es die Holzleiter über dem Stall, der Herd oder das Butterfass, der Kochkessel oder die Zinkwanne, die Schweineboxen oder Körbe aus Weide oder Draht. All das war unabdingbar um den Hof am Laufen halten. Folglich ist dort auch ein guter Ort für das Museumspädagosiche Zentrum des Museums.

Interessant fanden wir auch noch das fest geometrisch getrimmte Obstspalier an der Außenwald des Stalls. Hier konnten die Birnen in fast wie im Schlaraffenland geerntet werden.

  • Dreiseithof aus Leutershausen
  • Stall
  • Wohnstube
  • Herd
  • Butterfass
  • Birnenspalier

Gemeinschaftsgefrieranlage aus Nordheim

Als letzte Anlage besichtigen wir die Gemeinschaftsgefrieranlage aus Nordheim.

Eine kleine Rückblende. Landwirtschaftliche Produkte waren schon immer verderbliche Waren. Jahrhunderte lang gab es unterschiedliche Verfahren zur Haltbarmachung von Lebensmitteln. Räuchern, Trocknen oder Einsalzen sind schon seit tausenden Jahr bekannt. All diese Verfahren hatten Vor- und Nachteile.

Folglich war man immer auf der Suche nach Alternativen. Dabei rückte die Kühlung immer mehr in den Fokus der Tüftler. Zunächst wurde im Winter Eis von Seen und Flüssen in sogenannten Eiskellern aufbewahrt und zur Kühlung von Lebensmittel eingesetzt.

Ende des 19. Jahrhundert wurden technische Verfahren entwickelt, um künstliches Eis zu erzeugen. Solche Lösungen konnten zunächst aber nur im industriellen Maßstab eingesetzt werden.

An Kühlschränke oder gar Tiefkühlschränke im privaten Haushalt war noch lange nicht zu denken. Daher versuchte man die komplizierte Technik gemeinschaftlich zu nutzten.

Die Gemeinschaftsgefrieranlage aus Nordheim ist eine großartiges Beispiel hierfür. Sie wurde 1958 errichtet. Der Tiefkühler ist als Karussell mit 16 Sektionen ausgeführt. Jede Sektion hatte 9 Fächer, die in einer Reihe übereinander liegen.

Ein archaisch anmutender der elektrischer Wählschalter steuert das Karussell so, dass eine Reihe von Fächern vor die Tür gedreht wird. So können neun Fächer beschickt, oder deren Inhalt entnommen werden. Vor der Tür steht ein Tritt mit fünf Stufen. Mit ihm kann man auch die oberen Fächer gut erreichen.

Die Anlage wurde bis in das Jahr 2009 genutzt. Demnach auch in Zeiten in denen schon lange Tiefkühlschränke- und truhen in den einzelnen Haushalten gang und gebe waren. Somit ist die Anlage auch ein Beispiel des genossenschaftlichen Zusammenhalts der Dorfgemeinschaft in modernen Zeiten.

  • Wahlschalter
  • Karrusselanlage
  • Zugang zum Karrussel
  • Schneemann
  • Gemeinschaftsgefrieranlage aus Nordheim

Dies war unsere letzte Station im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen. Gegen 12:20 Uhr sind wir wieder am alten Bahnhof. Die drei Stunden vergingen für uns wie im Flug. Das Museum eine sehr sehenswerte Anlage, die man jedem Besucher nur empfehlen kann.

Weiter an den Main

Wir machen uns aus dem Weg und wollen heute noch den Main bei Volkach erreichen. Über die B 285 und der Staatsstraße 2445 folgen wir dem Lauf des Flüsschens Streu bis Bad Neustadt. Dabei begleitet uns eine liebliche Landschaft. Hier und da gibt es größere Siedlungen die mit ihren Gewerbegebieten den Reiz der Landschaft in den Hintergrund treten lassen.

Um Zeit zu sparen wechseln wir bei Bad Neustadt auf die A71. Sie trägt und schnell nach Süden. Daher erreichen wir schon kurz darauf das Autobahndreieck Werntal. Vor hier hat man eine guten Blick auf die Kühltürme des Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. Seit 2015 stillgelegt und seit 2018 im Rückbau wird der Blick auf dieser Landmarke wohl endlich sein.

Wir verlassen die Autobahn und suchen die unmittelbare Nähe des Mains auf der Suche nach einen einem Stellplatz für die nächsten zwei Nächte.

Die in Wipfeld und in Obereisenheim scheinen uns überbelegt zu sein und der in Volkach gefällt uns gar nicht. So versuchen wir unser Glück Escherndorf und in Neues an Berg. Dort haben wir leider auch keinen Erfolg.

Erst in Dettelbach werden wir fündig. Auf dem Wohnmobilstellplatz ist sogar noch in der “ersten Reihe”, direkt am Mainufer, oberhalb der Fähre ein letzter Platz zu finden.

In Dettelbach

Wir machen uns mit den Rädern auf den Ort zu erkunden. Außerdem suchen wir ein gemütliches Restaurant für ein Abendessen. Der Ort erstreckt sich am Nordhang des Mainufers. Die Straßen und Gassen sind durchaus sehenswert. Nur die gastronomischen Möglichkeiten scheinen an diesem Sonntagabend recht begrenzt zu sein.

So landen wir in der Pizzeria La Strada. Zunächst sind wir über diesem Umstand ein wenig enttäuscht. Wir sind eher auf der Suche regionaltypischer Küche. Aber die Crew des La Strada bügelt unseren Bedenken schnell hinweg. Das Essen ist wirklich super. Und als der Kellner auf meinen Wunsch nach einen Pils antwortet “trocken oder halbtrocken” wird eines klar. Wir sind in einer Weingegend gelandet.

Besonders lecker finden wir den Bachus vom Weingut Kieselsmühle. Ein Betrieb den wir aus unserer Reise noch näher kennen lernen werden.

Mit dem Sonnenuntergang machen wir uns auf den Rückweg zum Wohnmobil. Während sich Steffi in ihren Schaftsack rollt, nutze ich noch einen ein für uns neuen Komfort im Wohnmobil. Wie haben erstmals TV an Bord.

Zwar bin ich kein Fußballfan und habe noch nie ein Stadion zu einem Fußballspiel besucht. Aber im Urlaub kann man schon mal 90 Minuten einem Champions-League-Finale “opfern”.

Der Beitrag Freilandmuseum Fladungen und weiter an den Main erschien zuerst auf Zugvogel - ein Reiseblog.

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