Bodensee – Hegau – Donaueschingen

Bevor wir den Bodensee wieder verlassen, nutzen wir wunderbaren Vormittag für eine kleine Radtour. Von Bodman aus soll es um die nordwestliche Bucht des Bodensee, dem Überlinger Sees bis nach Überlingen gehen. So brechen wir bei strahlendem Spätsommerwetter am Wohnmobilstellpatz Bodman auf.

Mit dem Rad nach Überlingen

Gleich hinter den letzten Häuser von Bodman erstreckt sich ein breites Ried. Aufgeschwemmt wurde es von der Stockacher Ach. Seitdem 19. Jahrhundert wird das einst sicher sumpfige Land als Streuwiese bewirtschaftet.

Aus der Not geboren schnitten Sie Bauern hier das Gras. Stroh als Einstreu für ihre Viehställe war im Voralpenland selten. Ganz nebenbei schufen sie durch die regelmäßige Mahd einen einzigartigen Naturraum von besonderer Schönheit. Die Verbuschung wurde gestoppt. Seltene Pflanzen fanden einen neue Heimat. Die hier aufgestellte Infotafel erzählt von blauen Meeren aus sibirischen Schwertlilien im Mai und Juni. Im August werden diese von den lilapurpurnen Teppichen des Kantenlauchs abgelöst.

Der ufernahe Weg quert hier die Stockacher Ach mit einer kleinen Brücke für Fußgänger und Radfahrer. Hier mündet das von der Schwäbischen Alp kommende Gebirgsflüsschen in den Bodensee. An der Mündung ist ein kleiner Aussichtspunkt installiert worden. Die Aussicht von dort nach Osten ist recht ansehnlich.

Dann erreichen wir das nördliche Seeufer und wenden uns mit der Bundestraße und der Bahnlinie Richtung Westen. Über den Radweg, der von hier aus über Ludwigshafen und Sipplingen nach Überlingen führt, kann man geteilter Meinung sein. Einerseits ist er super ausgebaut. Oft geht es auf feinstem Asphalt in Richtung Überlingen. Kaum gibt es Steigungen, die unsere Fahrt bremsen. Notwendige Querungen von Bundestraße oder Bahnlinie sind als großzügige Brücken oder Unterführungen gestaltet. Die Landschaft mit vielen Ausblicken auf die nordwestliche Buch des Bodensees ist wunderbar.

Andererseits teilt sich der Radweg seine Trasse hier am Bodensee mit der vielbefahrenden Bundesstraße 31 und der Bodenseegürtelbahn. Der dichte Straßenverkehr trübt das Naturerlebnis schon ein wenig. Nur in Ludwigshafen und Sipplingen verlässt der Radweg die Bundesstraße. Dort führt er durch die seeseitigen Ortsteile. Auch hinter Sipplingen können wir für einige wenige hundert Meter dem Verkehrslärm entfliehen. Dort führt der Weg durch alte Streuobstwiesen. Die fast reifen Äpfel leuchten und verlockend an.

Der Goldbacher Stollen

Dann erreichten wir Goldbach. Heute ist der Ort ein Stadtteil von Überlingen. Er birgt ein Geheimnis aus der jüngeren Geschichte. Der beschauliche Ort liegt im Wesentlichen oben über uns. Auf dem Berghang der hinauf zum Aussichtspunkt Eglisbohl reicht. Hier unten an der Bahnhofstraße führt ein Stollen in der Berg. Er wurde nicht vor Jahrhunderten zur vornehmen Aufgabe der Gewinnung von Erzen anderen Schätzen angelegt. Nein, er ist wesentlich jüngeren Datums und seine Entstehung mit dem schlimmsten Kapitel der neueren deutschen Geschichte verbunden.

Am 28. April 1944 war Friedrichshafen am Bodensee mit seiner Schlüsselindustrie (Zahnräder und Getriebe) zum wiederholten Mal Ziel alliierter Luftangriffe. Daher beschloss man die Produktion unter die Erde zu verlegen. So begann man Anfang Mai 1944 hier in Goldbach eine Stollensystem in der Berg zu treiben. 700 KZ-Häftlinge kamen dabei zum Einsatz. Mehr als ein Drittel von ihnen (243) wurde bei den Bauarbeiten getötet. Vorkehrung zu Ihren Schutz bei den Arbeiten unter und über Tage ab es nicht. Die Arbeitsbedingungen waren mörderisch, wie bei vielen ähnlichen „Projekten“ der damaligen Zeit. Neben den Zahnrädern und Getrieben von ZF Friedrichhafen sollen hier auch Motoren von Maybach und Jagdflugzeuge von Dornier produziert werden. Dazu kam es aber nicht mehr. Im April 1945 wurden die Arbeiten eingestellt. Die französische Armee war da bei ihrem Vormarsch nicht mehr aufzuhalten. Heute erinnert die Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen an dieses Kapitel Geschichte am Bodensee.

Der Abraum aus den Stollen wurde übrigens gleich unter uns am Ufer des Bodensees abgekippt. Gerade ist die die Umgestaltung dieses Geländes in den letzten Zügen. 2021 wird hier die Baden-Württembergische Landesgartenschau stattfinden.

Überlingen und zurück nach Bodman

Dann haben wir die Seepromenade und den Landungsplatz Überlingen erreicht. Dies ist ein ganz wunderbarer Ort am Bodensee. Menschen promenieren am See entlang. Fahrtgastschiffe landen oder legen grade ab. Auf dem Seen ein wunderbarer Korso von Booten aller Art. Motoren, Muskelkraft oder der Wind treiben sie an. Strahlender Sonnenschein kitzelt jetzt zur Mittagszeit unsere Nasen aus Richtung Süden. Südöstlich von uns, vor dem gegenüberliegenden Seeufer liegt die Insel Mainau. Gestern konnten wir sie leider nur begleitet von dicken Regenwolken besuchen konnten. Wir nutzen die Gelegenheit und gönnen uns eine kleine Stärkung im „Paganini“, einem der vielen Restaurants hier unten am Landungsplatz Überlingen.

Dann geht es auf gleichen Weg zurück in Richtung Bodman. Unterwegs legen wir eine kleine Pause in dem kleinen Park am Seeufer im Sipplingen ein. Wir sind bei dem schönen Wetter sehr in Versuchung Abkühlung in den Fluten den Bodensees zu suchen. Leider müssen wir widerstehen. Weder ein Handtuch noch Badeklamotten gehören heute zu unserem Tourengepäck.

Bodman am Bodensee

Als wir wieder in Bodman ankommen radeln wir noch bis an das östliche Ortsende. Dabei geht es über die Kaiserpfalzstraße und die Seestraße. Die Kaiserpfalzstraße erinnert daran, dass das Bodman im Mittelalter eine große regionale Bedeutung hatte. Mit seiner Kaiserpfalz war Bodman damals der zentrale Orte im Bodenseeraum. Heute zieht es hier keine Kaiser und Könige her. Dafür bevölkern Ausflügler und Touristen den Ort. Besonders schön und sehenswert ist die Gegend um die Seestraße. Hier lässt es sich wunderbar flanieren. Mehrere Restaurants, deren Freisitze einen schönen Blick auf den See freigeben, laden zu einer Rast ein. An den vielen Stegen liegen die Boote der Freizeitskipper vertäut und dümpeln vor sich hin. Draußen auf dem See ziehen Segler und Motorboote ihre Bahnen. Stundenlang können man hier dem Trieben zuschauen oder einfach nur seinen Gedanken nachhängen.

Für uns geht es aber zum Wohnmobil zurück. Dort packen wir unsere Sachen zusammen. Anschließend machen wir uns auf den Weg in Richtung Schwarzwald. Unser Ziel für heute soll Donaueschingen sein. Dabei wollen wir uns etwas Zeit nehmen und durch das Hegau fahren. Wir sind neugierig auf die Kegelberge, die durch Vulkanismus entstandenen Wahrzeichen dieses Landstrichs. So fahren wir nicht in Richtung Autobahn, sondern vertrauen auf unterschiedliche Kreis- Landes- und Bundesstraßen.

Vom Bodensee über das Hegau nach Donaueschingen

So geht es zunächst in Richtung Westen nach Singen. Dort angekommen können wir der industriell geprägten Stadt nicht viel abgewinnen. Nur stockend bewegen wir uns durch die Stadt. Bundes- und Landesstraße sind dem Verkehrsaufkommen zum beginnenden Feierabend offenbar nicht immer gewachsen. Als wir Singen auf der L 191 Richtung Norden verlassen, grüßt rechts von uns der Hohentwiel, der erste Kegelberg an unserer Route. Er beleibt nicht der einzige. Wie an einer Perlenschnur ziehen sich der Hohenkrähen, der Mägdeberg, der Hohenwehn und der Neuhewen an unserer Route entlang. Etwas weiter im Westen erhebt sich der Hohenstoffeln. Er ist mit 842 Metern zwar nicht der höchste, aber sicher das mächtigste Massiv unter der Vulkanbergen hier in der Hegau.

Die Grundlagen für dieses Landschaftsbild wurden bereits vor 14 Millionen Jahren gelegt. Heftiger Vulkanismus begann die Gegend zu erschüttern und rund ein Dutzend Vulkane entstanden. Das Land verschwand unter bis zu 100 Meter starken Tuffsteinablagerungen.

Am Hegaublick

Auf unserem Weg Richtung Schwarzwald windet sich die Straße hinter Engen hinauf auf 792 Meter. Hier oben entlang läuft die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau. Außerdem hat man einen großartigen Blick nach Südosten zum Bodensee dessen Wasser in der Ferne zu glitzern scheint. Allerdings hat die Gunst dieser Lage auch die hiesige Gastronomie für sich entdeckt und den größten Teil der Ausblicks zugebaut. Will man nicht in das Restaurant Hegaublick einkehren, bleiben nur rechts und links schmale Korridore für einen Blick in die Ferne.

Über den weiteren Weg nach Donaueschingen ist nicht viel zu berichten. Nach unserer Abfahrt hinunter ins Donautal gelangen wir über die Bundestraße 31 und die Kreisstraße über Pfohren in die Stadt, in der sich Brisach und Brig zur Donau vereinigen. Nicht weit vom Zusammenfluss beider Flüsse entfernt finden wir Rand des Freizeitzentrums mit Freibad und Sportanlagen den hiesigen Wohnmobilstellplatz, wo wir den Tag beenden.

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