Pappenheim- Notizen aus der touristischen Provinz

Heute sagen wir dem Main Adieu und wechseln auf den Weg an die Altmühl. Dort steuern wir zunächst Treuchtlingen an und wechseln weiter nach Pappenheim. Wir lernen was es heißt, in der touristischen Provinz angekommen zu sein.

Auf an die Altmühl

Nach unserem schönen Tag gestern am Main fällt unsere Wahl für den nächsten Etappenort auf das Altmühltal. Ein Paradies für Wanderer, Radler und Paddler. Damit lockt zumindest die aktuelle Website des Naturparks Altmühltal Gäste in diese Region.

Lange vor unserem Frühstück und dem Aufbruch in Richtung Süden hat die Fähre an der Anlegestellte in Dettelbach, gleich vor unserem Standplatz, wacker den Betrieb wieder aufgenommen. Mehrfach ist sie heute schon ans andere Mainufer übergesetzt. Den zuverlässig tuckernden Diesel werden wir fast vermissen.

Fähre Dettelbach
Fähre Dettelbach

Nach dem Frühstück starten wir. Unsern Weg in Altmühltal gestalten wir bewusst etwas aufwendiger als nötig. Via den Autobahnen A3, A7 und A6 könnten wir in ca. 1,5 Stunden in Treuchtlingen sein. Dort verengt sich das Tal des Altmühl und beginnt sich in vielen Windungen durch den Muschelkalk der Fränkischen Alp zu schneiden.

Über die Frankenhöhe

Wir aber verlassen die A7 jedoch schon bei Gollhofen und wechseln auf die Bundesstraße 13. Wir durchfahren die Frankenhöhe deren Keupergestein die Altmühl entspring. Es geht bergan und bergab durch kleinere Ortschaften. Wir erreichen Ansbach und sind von dem historischen Stadtzentrum überrascht. Weiter geht es auf der B 13 in Richtung Altmühlsee. Oben von der Straße haben wir einen tollen Blick über den Stausee. Der Campingplatz, das Seezentrum und eine Flachwasserzone mit vielen Inseln machen den See zu einen Magnet für die Vogelwelt und für Touristen. Dabei ist dieses Kleinod noch gar nicht so alt. Erst 1985 begann die Flutung des See nach 11-jähriger Bauzeit.

Hinter Gunzenhausen wechseln wir auf die Staatsstraße 2230, die uns auf dem kürzesten Weg nach Treuchtlingen führt. Kurt vor Treuchtlingen haben wir einen interessanten Blick hinüber zum Örtchen mit dem Namen „Graben“. Der Ortsname hat einen bemerkenswerten historischen Hintergrund.

Wie der Ortsname schon sagt gibt es dort einen Graben. Gegraben wurde der schon vor über 1.200 Jahren. Seinerzeit versuchte man hier, unter der rigiden Herrschaft vom Karl dem Großen, das Schwarze Meer und die Nordsee mit einer Wasserstraße zu verbinden. Hierzu war ein schiffbarer Graben zwischen der der Schwäbischen Rezat und der Altmühl erforderlich. Ein Unterfangen das letztendlich scheitern musste. Aber noch heute sind hier oben auf der europäischen Wasserscheide Reste des „Fossa Carolina“ zu entdecken,

Wir überqueren die Altmühl in Treuchtlingen. In dem „staatlich anerkannten Erholungsort mit Heilquellenbetrieb“ ist alles recht quirlig. Viele Menschen sind rund um das Stadtzentrum und im Kurpark mit der Altmühl-Therme unterwegs. Gleich neben der Therme finden wir den modern eingerichteten großen Stellplatz für Wohnmobile. Frisch aufgeschotterte Parzellen zeugen von einer kürzlichen Erweiterung.

Hier findet der Wohnmobilist alles, was das Herz begehrt. Stromanschlüsse, ein Sanitärgebäude und eine Station zum Ver- und Entsorgen. Die Parzellen sind teilweise durch kleine Hecken voneinander getrennt. Sehr schön alles, nur ein wenig zu voll, zu turbulent und zu groß für unseren Geschmack.

Pappenheim

So fahren wir weiter nach Pappenheim und finden in der Nähe des Freibades (eines der größten in Bayern) am Rand vom Volksfestplatz (P4) einen kostenfreien Stellplatz. Wir stehen unter Linden die kühlen Schatten spenden. Ein Stromanschluss ist auch in Reichweite und mit 0,50 €/kWh auch bezahlbar.

Gut gelaunt und ein wenig hungrig machen wir uns mit den Rädern auf, um die kleine Stadt mit langer Geschichte zu erkunden. Dabei hoffen wir auf einen Imbiss oder auf die Gelegenheit zu einem verspäteten Mittagessen. Es ist schon 13:30 Uhr als wir aufbrechen.

Nach kurzem Weg ins „Zentrum“ und einer Runde um der inneren Stadtkern, scheint uns hier alles „verrammelt“ zu sein. Dabei sind einige Menschen unterwegs. Viele davon mit dem Rad. Die sind wohl Durchreisende auf dem Altmühltal-Radweg. Die Geschäfte am Platz allerdings scheinen zu dieser Tageszeit nur wenig Interesse an dieser Kundschaft zu haben. Fast allen Türen sind verschlossen.

Die einzigen die jetzt ihre Pforten für die Gäste geöffnet haben, sind die freundlichen Mitarbeiter in der Tourist Information im „Europäischen Haus“ und die fleißigen Geister im Café der Bäckerei Lehner.

Da wir aber mehr als ein Stück Kuchen oder ein Eisbecher brauchen, kommt uns eine Informationstafel der Burg Pappenheim wie gerufen. Da wirbt man mit musealen Highlights und mit einer Burgschänke. Wie wunderbar denken wir uns. Zwar macht uns das Wort hinter dem Bindestrich (Imbiss mit Automaten) ein wenig skeptisch aber wir sehen es positiv. Sicher gibt es neben der gemütlichen Burgschänke noch einen ergänzenden Automaten für die ganz Eiligen.

Pappenheim - Die Burg lockt
Pappenheim – Die Burg lockt

Burg Pappenheim

Für uns jedenfalls ist das Angebot verlockend genug, um die 30 Höhenmeter mit dem Rad auf hol in Angriff zu nehmen. Ein wenig außer Atem am Eingang zum Burggelände angekommen, erleben wir die erste Enttäuschung. Auch hier hängt die gleiche Werbetafel wie unten in der Stadt. Nur ist hier der Hinweis auf die Burgschänke mit dem Glückseligkeit verheißenden Automaten abgeklebt. Schade!

Da wir aber nun schon mal hier oben sind, wollen wir wenigsten unseren Hunger nach kulturellen Höhepunkten und spannenden historischen Episoden stillen.

So begeben wir uns in das Empfangsgebäude. Zur Begrüßung werden wir von der Dame am Empfang mit scharfen Ton darauf hingewiesen, dass wir uns in den in Pandemie-Zeiten üblichen Meldezettel einzutragen hätten. Der liegt jedoch ein wenig versteckt unter einer Dachneigung. Wäre er wie in diesen Tagen üblich, gleich neben dem Eingang platziert gewesen, wären wir gerne selbständig und ohne den scharfen Befehl unserer Pflicht nachgekommen.

Wir lösen bei der noch immer wenig freundlichen Dame Tickets für zwei Personen und machen uns auf dem Weg, die imposante Burganlage zu erkunden. Als wir durch das Tor der Vorburg in den Burghof kommen, glimmt in Sachen Burgschänke und verspätetes Mittagessen doch noch einmal Hoffnung bei uns auf. Ein geöffneter beleuchteter Gastraum mit rustikalem Mobiliar steht dem Besucher offen. Davor lädt Gartengestühl in schattiger Lage den darbenden Besucher der Burg förmlich zum Verweilen ein. Nur die guten Geister die Speis und Trank darbieten sucht man vergebens.

Links die verlassene Burgschänke
Links die verlassene Burgschänke

Eine museale Enttäuschung

Auch manche der musealen Höhepunkte bleiben uns hier oben verwehrt. Wappensaal und Burgkapelle sind verschlossen, der Bergfried nicht zu besteigen. Auch das Zeughaus mit Standesamt und historischer Ausstellung ist für die Besucher geschlossen.

Um weitere Enttäuschungen zu vermeiden, verzichten wir auf den Weg hinunter zum Natur- und Jagdmuseum, dem Stadttor und dem Augustinerkloster.

Das was man erkunden kann, ist von minderer Qualität. Im „Historischen“ Museum erschlagen Informationsstafeln mit bleiernen Textwüsten den Besucher. Im Nebenraum kämpft ein Schlachtendoirama verzweifelt um Aufmerksamkeit der Besucher.

Gegenüber spielt ein Röhrenmonitor von geschätzt 1980 mit der Unterstützung eines Videorecorders aus gleicher Zeit eine zweifelhafte Geschichte des Rittertums ab. Ganz analog bittet dabei ein Infoschild um Verständnis dafür, das nach dem Ende des Filmchens 30 Minuten für das zurückspulen erforderlich sind. Willkommen im 21. Jahrhundert liebe Museumsmacher von Burg Pappenheim.

Geöffnet ist noch die „Folterkammer“ mit allerlei Werkzeug zum maletrieren des menschlichen Körpers. Welche feines Gesellschaftsbild des Mittelalters doch hier gezeichnet wird.

„Verschnarchter“ als hier kann man ein Museum wohl kaum gestalten.

Das viele Räume geschlossen sind, mag der aktuellen Corona-Situation geschuldet sein. Das man dies aber besser lösen kann, haben wir im Freilichtmuseum in Fladungen eindrucksvoll erleben können. Dort waren alle Höfe und Häuser zur Zufriedenheit der vielen Gäste auch von innen zu bewundern.

Wir verlassen den Ort recht enttäuscht. Dazu müssen wir aber wieder durch das Empfangsgebäude. Auf diesem Weg hätten wir der Fachkraft hinter dem Tresen gerne noch diese und jene Frage zur Geschichte der Burg und zu den Ausstellungen gestellt. Die Dame hinter Tresen und Coronaschutzwand ist jedoch so in ein offenbar privates Telefonat vertieft, dass wir uns einfach nicht trauen, sie aus ihrem seligem Palaver zu reißen.

Schade für Pappenheim!

Bäckerei Lehnert

Wieder am Markt angekommen kämpfen noch immer die tapferen Damen der Bäckerei Lehnert um die Rettung des touristischen Images von Pappenheim und das leibliche Wohl seiner Besucher.

Es gibt großes an Angebot an leckeren selbstgemachten Kuchen und anderen Backwaren. Das Imbissangebot ist zwar von der Stange, aber das macht nichts. Denn wir werden satt und die Damen des Hauses machen Ihre Sache gut, charmant und zauberhaft.

Mit Geduld und Fleiß arbeiten sie die Schlange ab, die sich vor der offenbar recht neuen Konditorei gebildet hat. Wer an den Tischen unter den Schatten spendenden spenden Schirmen im Außenbereich nicht mehr unterkommt, findet sein Plätzchen drinnen.

Rettung in der Bäckerei Lehnert
Rettung in der Bäckerei Lehnert

Während der übrige Ort irgendwie ausgestorben erscheint, ist die Bäckerei Lehnert eine Art Rettungsinsel, auf die sich alle darbenden Besucher Pappenheims an diesem Nachmittag retten können.

Anschließend ziehen wir uns ins Wohnmobil zurück. Es steht im Schatten und bei der glühenden Spätsommersonne ist es eine Wohltat nun ein wenig zu dösen,

Landgasthof zum grünen Baum – Pappenheim

Zum Abendessen suchen wir den „Landgasthof zu Grünen Baum“ auf. Um dorthin zu gelangen nehmen wir wieder die Fahrräder. Der „Grüne Baum“ liegt am anderen Ende des kleinen Städtchens. So geht es nochmals durch den schon wieder (oder noch immer?) verschlafenen Stadtkern, der an sich recht hübsch ist.

Eine Brücke führ uns über die Altmühl. Hier gibt es eine schöne Kneipp-Anlage. An heißen Sommertagen sicher eine Wohltat für die Pedalritter auf dem Altmühltal-Radweg. Dann geht es noch ein wenig bergan, und wir haben den „Grünen Baum“ erreicht.

Auf den Rat der netten Damen in der Tourist Information vom Nachmittag hatten wir einen Tisch für zwei reserviert. Das war ein wertvoller Rat. Denn der Biergarten hier ist mikroskopisch klein. Gerade vier Tische finden Platz und nur dank unserer Vorbestellung können wir einen davon ergattern.

Eigentlich sollte man sich an einem so schönen Sommerabend ja eher etwas Leichtes zum Abendessen gönnen. Da wir aber gerade noch so in Franken sind – einige wenige Kilometer weiter schon beginnt Oberbayern – muss es entgegen aller Vernunft ein Fränkisches Schäufele sein. Und der „Grüne Baum“ zeigt sich von seiner besten Seite. Die Tochter des Hauses kredenzt uns eine sehr köstliche Version dieses regionalen Klassikers.

So wird es ein wirklich schöner Abend, den wir erst nach dem Einbruch der Dunkelheit beenden. Wie lassen uns wieder hinunterrollen. Es geh vorbei an der Kneipp-Anlage, über die Brücke der Altmühl und durch das nun erst recht ausgestorbene alte Zentrum von Pappenheim,

Wieder am Volksfestplatz angekommen grüßt die Burg Pappenheim hell angestrahlt vom Burgberg. Ein versöhnlicher Anblick beendet so unseren Tag.