Freilandmuseum Fladungen und weiter an den Main

Das sensationelle Fränkische Freilandmuseum Fladungen und Dettelbach an der Mainschleife bei Volkach begeistern und an unserem zweiten Reisetag.

Start auf der Hohen Geba

Heute Morgen ziehen noch immer dichte Wolkenfetzen über die Hohe Geba. Nur hin und wieder reißen die Wolken auf und gönnen uns einen kurzen Blick auf den blauen Himmel. Genauso wie in der letzten Nacht, in der wir ab und an Teile der Milchstraße ausmachen konnten.

Unser Ziel soll heute der Main bei Volkach sein. In etwas mehr als einer Stunde könnten wir dort sein. Das wäre aber viel zu schnell für unseren Geschmack. So googeln wir nach einem Zwischenziel für diesen Sonntagvormittag. Wir stoßen auf das Fränkische Freilandmuseum in Fladungen. Also steht unsere erste Station für den heutigen Tag fest.

Der kurze Weg dorthin führt mit einem ständigen auf und ab durch die überraschend schöne Landschaft der Thüringer und der Bayrischen Rhön. Die kleinen Orte am Weg (Geba, Helmarshausen, Weimarschmieden und Brüchs) machen einen gepflegten Eindruck. Sie glänzen mit Fachwerk und Tradition. Die Straßen in der Orten sind hier und da ein wenig eng. Folglich wir lernen die Dimensionen unseres fahrenden Heimes immer besser kennen. Wir kommen schnell und sicher voran.

Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Wir kommen gegen 09:10 Uhr in Fladungen an. Ohne Probleme finden wir einen Parkplatz am ehemaligen Bahnhof von Fladungen. Dort befindet sich das Fränkisches Freilandmuseum. Noch ist es ruhig hier. Offenbar sind wir die ersten Gäste. Im großzügig gestalteten Eingangsgebäude erwerben wir unsere Tickets

Mit den Tickets bekommen wir eine Übersichtskarte und eine Karte mit dem Aufdruck „Die Hütte ist voll“. Die, so meint die freundlich Kassenkraft, sollen wir beim Betreten eines der vielen zu besichtigenden Gebäude an die Türklinke hängen.

Andere Besucher wissen dann, dass das Gebäude besetzt, oder „die Hütte voll“ ist. Ein Signal, dass zum Warten vor der Tür auffordert bis die „Hütte wieder leer“ ist. Eine sehr kreative und pragmatische Lösung für die Herausforderungen der aktuellen Pandemie. Bravo!

Die Hütte ist voll
Die Hütte ist voll

Reßmühle aus Fladungen – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Zunächst führt uns der Weg zur äußere Mühle oder auch Reßmühle. Ihre Besonderheit wird uns erst auf unserem weiteren Weg durch das Fränkische Freilandmuseum Fladungen klar. Die Reßmühle stand schon immer hier. Alle anderen Gebäude des Museums wurden von anderen Orten hierher übertragen.

Die Reßmühle an dieser Stelle hatte drei Vorgänger. Bereits 1570 stand hier eine Wassermühle. Das heute zu bewundernde Gebäude stammt aus dem Jahr 1802. Das oberschlächtige Wasserrad und das Gerinne welches vom Kehlbach abgeleitet ist, befinden sich an der Südseite. Innen erfahren wir einiges über das Handwerk des Müllers. In der Wohnstube wird klar, dass die Müller schon immer einem besonderen Stand angehörten. Der Vergleich zu einem Taglöhnerhaus, macht die sozialen Unterschiede mehr als deutlich.

Wir verlassen die Reßmühle und machen die Hütte für die nächsten Besucher frei.

Das Freilandmuseum ist wie ein Park angelegt, in dem sich verschiedene Hofstellen befinden. Deshalb schlendern weiter und kommen über eine steinerne Bogenbrücke. In Wagenbreite überspannt sie den Laubachgraben. Auch sie wurde hierher übertragen. Sie stammt aus Prölsdorf im Steigerwald.

Weiter geht es durch einen kleinen schmucken Kräutergarten im „Niemandsland“ vor der nächsten Hofstelle. In den Hochbeeten finden wir jetzt Ende August noch ein farbenfrohes Gewirr von Blüten und Insekten.

Die folgende Hofstellen scheinen zu einen Orte zusammengefügt zu sein. Historisch betrachtet ist dies allerdings eine Illusion. Keiner dieser Höfe stand früher in der Nachbarschaft eines Ortes. Jeder stammt woanders her. Der Schwerpunkt ihrer Herkunft lieg allerdings im heutigen Landkries Rhön-Grabfeld. Aber auch Anlagen auch ganz anderen Gegenden Frankens sind hier zu finden.

Hofstelle aus Bahra

Aus unserem Weg kommen wir anschließend vor einem schönen, aber schlichten Fachwerkgiebel zum Stehen. Das dunkle Gebälk und die raue Lehmausfachung stehen auf einem Sockel als Kalksteinen. Die Fenster können mit reich verzierten Schiebeladen gegen Wind und Wetter geschützt werden.

Offenbar hat dieser recht einfache Schutz ausgereicht. Gehört dieser Giebel doch zu einer Hofstelle aus Bahra im Grabfeld, wo die Winter eher mild und trocken sind. Auch hier ist die „Hütte leer“ als wir ankommen. So können wir ohne Wartezeit die erste und zweite Etage besichtigen.

Wir treten unter dem Türbogen hindurch, das Jahr 1748 ausweist.

Unten die Schwarzküche, die Schlafstube und ein beeindruckender Ofen mit gusseisernen Ofenplatten. Oben die gute Stube mit schlichtem Tisch und Stühlen sowie einer umlaufenden Bank.

Hier oben erkennen wir auch, dass sich nicht nur die äußeren Fensterladen mit einem Schiebemechanismus öffnen und schließen lassen. Auch die Fenster selber lassen sich auf diese Art und Weise bewegen.

Bevor wir das Haus verlassen, können wir noch einen Blick auf den niedrigen Laubengang werfen, der der zweiten Etage angegliedert ist. Sicher diente er als Abstellplatz für Manches das nicht in die engen Räume passte. Außerdem konnte man hier gut oben alles Mögliche trocknen was Garten, Feld und Stall hergab.

Vor hier oben hat man auch einen guten Blick auf den bemerkenswert einfach konstruierten aber multifunktionalen Stall vor dem Wohnhaus. Links, unverkennbar durch ein durchbrochenes Herz in der Tür gekennzeichnet, der Abort des Hofes. Daneben drei Boxen, die offenbar der Aufzucht und der Mast von Schweinen dienten. Darüber das Lager für das Brennholz.

All das wurde in den Jahren 1986 bis 1989 hier im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen wiederaufgebaut.

Hofstelle aus Trappstadt – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Gleich nebenan eine Hofstelle aus Trappstadt. Sie ist noch ein wenig älter. Eine Bestimmung der Jahresringe ergab das Baujahr 1724.

Seinerzeit versuchte die Grundherrschaft langfristig ihre Steuereinnahmen zu verbessern. Daher wurde grundlosen Siedlern Land, Baumaterial und eine befristete Steuerfreiheit angeboten. Manche nutzen diese Chance und bauten sich am unbesiedelten Dorfrand eine Existenz auf.

Das Konzept der Hofanlage ist hier ein anderes als nebenan. Dem kombinierten Wohn- und Wirtschaftsgebäude schließt sich in einer Linie die Scheune an. Mensch und Tier lebten unter einem Dach. Dies hatte nicht nur unangenehmen Seiten. Gerade im Winter war die Körperwärme der Tiere sicher einen willkommene Zusatzheizung.

Ansonsten wurde in dem Haus gekocht und konserviert, geschlachtet und gebuttert, geliebt und gewerkelt. Das alles nicht ganz erfolglos. Konnte doch über mehrere Generationen der Grundbesitz des Hofes von 1,7 auf 3.3 Hektar vergrößert werden.

Von dem bescheidenen Wohlstand gibt die „Gute Stube“ eine beredtes Zeugnis. Gemütlich ist es dort. Die Wände sind mit Ornamenten geschmückt, das Vertiko trägt einen Aufsatz mit Spiegel, die Decke ist gefacht. Weißes Leinentuch schmückt den Tisch und durch das doppelte Fenster flutet viel Licht hinein. Eine Petroleumlampe verlängerte sicher so manchen Abend in der dunklen Jahreszeit.

An der Hofstelle finden wir noch ein Bienenhaus und einen Schäferwagen. Beides gehörte ursprünglich nicht zu dem Hof. Das Bienenhaus scheint ein Nachbau einer historischen Vorlage zu sein. Dort kann man manches über das Handwerk der Imkerei erfahren.

Besonders originell ist der blecherne Schäferwagen mit Schlaf- und Feuerstelle. Er ruht auf einem einachsigen Wagen mit einer langen Deichsel. Somit konnte er gut mit einem Zugtieren bewegt werden. An Ort und Stelle gebracht war er dem Schäfer sicher nur ein entbehrungsreiches Heim.

Truchsess-Haus aus Oberhohenried

Nur wenige Meter weiter das Truchsess-Haus aus Oberhohenried. Truchsess, ein Wort wie aus längst vergangenen Zeiten. Mir fällt da die Roman- und Filmtrilogie vom Herrn der Ringe ein. Der Truchsess von Gondor spielt da eine recht unrühmlich Rolle. Aber ein Truchsess in Oberhohenried?

Der Begriff leitet sich vom „Vorgesetzen des Trosses“ ab. Der mittelalterlichen Nachhut eines militärischen Verbandes. Sie für die Versorgung der Truppen zuständig. Später wurde daraus der oberste Aufseher einer höfischen Tafel und noch später der Statthalter eines Grundherren.

Das Truchsess-Haus aus Oberhohenried beherbergte also Jenen der das Sagen im Dorf hatte. Hier wurden die Steuern abgeliefert. Daher hat der Hof auch den Beinamen Zehnthaus.

Der markante Schaugiebel hob das Gebäude von allen anderen im Ort hervor. Wir können dieses Detail leider nur durch ein Gerüst bewundern, das uns sowohl den Blick auf und den Zugang in das Truchsess-Haus verwehrt.

Auffällig ist die, für ein Dorf der damaligen Zeit recht repräsentative Toranlage. Für den Bauern, der hier seinen Zehnt ablieferte wurde klar, dass hier eine Mächtiger wohnte.

Gar nicht herrschaftlich werden vor dem Truchsess-Haus Kinderspiele aus scheinbar längst vergangenen Zeiten präsentiert. Die jüngsten Museumsbesucher können sich dort im Tauziehen, Stelzenlaufen, Ringe trieben und im Reiten des Steckenpferdes üben.

Hofanlage aus Mühlfeld – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Die Hofanlage aus Mühlfeld ist eines der ältesten Gebäude im Museum. Das Wohnhaus dort stammt aus dem Jahr 1684. Noch älter sind Stallanlagen für die Viehhaltung. Sie stammen allerdings nicht aus Mühlfeld. Da sich der ehemalige Vierseitenhof in Mühlfeld in seiner Gesamtheit nicht retten ließ müssen sie nun den Hof ergänzen.

Spezialität des Hofes ist eine funktionsfähige Brandweinbrennerei. „Edle Brände“ werden hier heute noch destilliert. Das Museum hat die Brennereiausrüstung aus Jesserdorf in den Haßbergen übernommen. Dazu gehörte auch ein Brennrecht, welches heute noch Museum nutzt. Die Edlen Destillate aus museumseigenen Obst gibt es im Museumsladen.

Pfarrkirche aus Leutershausen

Lange, lange Zeit hatte Leutershausen bei Bad Neustadt an der Saale keine eigene Kirche. Deshalb war das Leben in dem kleinen Ort seinerzeit schwierig. Alles was des kirchlichen Segens bedurften, konnte in Leutershausen nicht stattfinden. Egal ob es die Taufe, die Hochzeit oder die Beerdigung war. Alles hatte vier Kilometer weiter in Brend, dem heutigen Bad Neustadt stattzufinden. Immer eine gute Stunde Fußmarsch also.

So bemühte sich katholische Gemeinde seit 1743 um Spenden für eine eigene Kirche. 1801 war es dann soweit. Es konnte mit dem Bau einer bescheidenen Kirche im spätklassizistischen Stil begonnen werden.

Die nächsten 190 Jahre war sie der Mittelpunkt der Gemeinde in Leutershausen. Dann wurde sie zu klein und der Wohlstand der 1990er Jahre erlaubte es eine neue, größere Kirche zu errichten. Dadurch entstand ein Glücksfall für das Fränkische Freilandmuseum Fladungen.

Der Bau aus Chor mit Dachreiter und angefügter Sakristei wurde Stein für Stein, Balken für Balken abgetragen und das Interieur gesichert. 1992 begann der Wiederaufbau hier in Fladungen. 1995 konnte die Kirche neu geweiht werden. Eine wirklich schöne Ergänzung des gesamten Bauensembles hier.

Genossenschaftsschäferei aus Hausen – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Nach dem „Kirchgang“ geht es weiter in einen geschäftigeren Teil der Dorfanlage. In der Schafgasse 7 stehen wir vor der Genossenschaftsschäferei aus Hausen. Sie besteht aus einen Haus, in dem der von der Genossenschaft angestellte Schäfer mit seiner Familie das Wohnrecht hatte.

Hinzu kommen ein Schaf- und ein Schweinestall. Im Schafstall kann man noch gut die Notizen auf Kärtchen im Gebälk erkennen. Die waren erforderlich um nach der Demontage hier beim Wiederaufbau alles am rechten Platz einsortieren zu können.

Hofanlage aus Rügheim

Gleich gegenüber der Schäferei steht die Hofanlage aus Rügheim. Sie ist jünger als die bisher besuchten Höfe. Dort wird ein über die Generationen gewachsener neuer Wohlstand sichtbar.

Das Erdgeschoss wurde 1898 nicht mehr als Fachwerk, sondern mit Sandsteinen errichtet. Dazu macht die schwere Kassettentür einen fast herrschaftlichen Eindruck.

Im Haus gibt es so manches Detail, dass von einer neuen Zeit erzählt. Der moderne Eisenofen und die Nähmaschine gehören genauso dazu wie die scheinbar schon industriell gefertigten Möbel.

Interessant sind die im Erdgeschoss freigelegten Schichten früherer Wandgestaltung. Sie belegen, dass dieses Haus seinen Weg wohl in einem Stück hierher fand. Wäre das Erdgeschoss am ursprünglichen Standort abgetragen worden, hätte man die Farbschichten beim Wiederaufbau niemals so perfekt rekonstruieren können.

Die gesamte Anlage zeugt von der wirtschaftlicher Stärke dieses Hofes. Sieben Hektar wurden von dort aus bewirtschaftet. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden wurden Maschinen erforderlich. In der Remise kann man eine kleine Auswahl von ihnen bewundern.

Der Hof erzählt auch von Vertreibung, Evakuierung und Mangel nach dem 2. Weltkrieg. Deshalb gibt es im Dachgeschoss die Sonderausstellung „Armut, Hunger, Bomben und Vertreibung“.

Mieter hatten das Haus damals bezogen. Vier Familien mit insgesamt 15 Personen drängten sich dort. Zeitzeugen berichten in Videointerviews aus dieser Zeit. Wir lernen Folgendes:

  1. Egal wir nah oder fern der Ort ist aus dem Vertriebene, Flüchtlinge oder Evakuierte kommen. Am Ort des Asyls werden sie viele, viele Jahre immer die Fremden sein.
  2. Unsere heutige Zeit ist trotz Flüchtlingskriese und Corona eine Zeit des paradiesischen Wohlstands.

Gemeindebrauhaus aus Alsleben – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Bier war früher Nahrungsmittel, Energiespeicher und eine Möglichkeit Wasser in eine haltbare Flüssigkeit zu verwandeln. Deshalb war der Gerstensaft früher unverzichtbar.

Wohl deswegen finden wir hier auch ein funktionsfähiges historisches Gemeindebrauhaus. Es stammt aus Alsleben bei Trappstadt im Grabfeld.

Dass die Gemeinde Alsleben über ein eignes Braurecht verfügte, war keine Selbstverständlichkeit. Das Bier musste früher aus der nahen Amtsstadt Königshofen bezogen werden. Allerding war die Ware von dort von schlechter Qualität und überteuert. Daher lohnte sich ein langer Rechtstreit, den die Gemeinde Alsleben gewann. Ab 1744 konnte dort eigenes Bier gebraut werden.

Maischebottich, gemauerter Braukessel, Kühlschiff und Malzdarre – alles ist noch in Schuss. Somit können hier jährlich im April 30 Hektoliter Hausbraubier gebraut werden. In Flaschen abgefüllt ist es als leckeres Souvenir im Museumsladen zu haben.

Transformatorenstation aus Brunnhardtshausen

Unsere Exkursion durch die Jahrhunderte ländlichen Lebens führt uns weiter zu an einem von uns hier nicht erwarteten Gebäude. Die Transformatorenstation aus Brunnhardtshausen erzählt von der Elektrifizierung der Rhön.

1920 wurde in Fladungen das Überlandwerk Rhön geründet, dass sich dieser anspruchsvollen Aufgabe widmete. Noch heute ist es als kommunales Unternehmen für die Versorgung von 92.000 Einwohnern verantwortlich. Die Herausforderung damals wie heute ist die Weitläufigkeit der Landschaft und die Zersplitterung der Wohnsiedlungen.

Die Verschindelung der Transformatorenstation aus dem Jahr 1927 zeugt davon, wie eng sich die Erbauer mit den hiesigen Bautraditionen verbunden fühlten.

Elektrischer Strom war damals ein kostbares Gut. Daher diente es zunächst nur der Beleuchtung einiger Wohnräume. Dann wurde er gewinnbringend genutzt. Zunehmend übernahmen neben Traktoren und Dampfmaschinen auch Elektromotoren die schwere Handarbeit in den landwirtschaftlichen Betrieben.

An all die Segnungen, die uns das Leben heute so angenehmen machen und die es ohne Elektrifizierung nicht gäbe, hielten erst viel später in den Dörfern der Rhön Einzug.

Die Transformatorenstation ist übriges nicht das jüngste Gebäude im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen. Eine Telefonzelle der Deutschen Bundespost hält diesen Rekord. Sie wurde aus Bamberg hierher überführt. Auch sie wirkt heute in Zeiten von Internet, Mobiltelefonie und 5G wie aus der Zeit gefallen.

Ölschlagmühle aus Wiesthal – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Wir verlassen nun die das kleine Dorf, zu dem sich hier Gebäude aus verschiedenen Ecken Frankens zusammengefunden haben. Es geht weiter über das Bächlein Streu hinüber zur Ölschlagmühle aus Wiesthal. Sie steht etwas abseits vom Hauptweg.

Von der Streu zweigt ein kleiner Mühlgraben ab. Er versorgt das unterschlächtige Wasserrad mit ausreichend Energie. Somit kann ein Kollergang und ein Pochwerk angetrieben werden. Das hier zuletzt aus Raps und manchmal aus Bucheckern gewonnene Öl wurde als Speiseöl genutzt. Ölmühlen waren vor der Ära des Erdöls aber auch unverzichtbare Lieferanten für Brenn- und Schmiermittel. Auch die Seifen jener Zeit wären ohne die Ölmühlen nicht denkbar gewesen.

Kolonistenhaus aus Waldberg

Das Kolonistenhaus aus Waldberg steht stellvertretend für eine ganz andere Geschichte. 25 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges war die Bevölkerung wieder stark angewachsen. Deshalb konnte so manches Dorf seine Bewohner nicht mehr ernähren.

Daher galt es neues Land zu erschließen und urbar zu machen. Somit zogen zwei Dutzend Männer aus Premich nach Norden, um eine neue Zukunft zu finden.

Nach ganzen vier Kilometern hatten Sie ihr Ziel erreicht. Sie begannen den sogenannten Salzforst zu roden und der Ort Waldberg entstand. Hier sollten nun Milch und Honig fließen. Die Lage am Berghang war strategisch günstig. 40 Höhenmeter über dem im Tal fließenden Kellersbach bot sie lebenswichtiges Wasser und trotzdem Schutz vor Hochwasser.

Alles geschah mit Segen des Erzbischofs und war wohl geregelt. Deshalb erhielt jeder ein Stück Land von 100 mal 75 Metern, um eine eigene Hofstelle zu errichten. Das Wohnhaus hatte mit Giebel voran zur Dorfstraße zu stehen. Scheune und Stall folgten dahinter. Obwohl in Waldberg kein einziges Haus mehr aus dieser Zeit steht, kann man diese Ordnung noch heute gut an der Anordnung der Nachfolgebauten erkennen.

Darüber hinaus durfte jede Hofstelle 12 Hektar Wald roden um das Land in Acker-, Wiesen- und Weideland zu verwandeln.

Das letzte Waldberger Kolonistenhaus wurde von 1990 bis 1997 hier im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen wiederaufgebaut. Das Fachwerk besteht aus solider Eiche. Im Inneren findet man eine Holzwerkstadt in der Alltagsgegenstände gefertigt wurden.

Wohnstallhaus aus Oberbernhards – Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Gleich gegenüber befindet sich das Wohnstallhaus aus Oberbernhards. Was heute wie eine Scheune wirkt, war seinerzeit Wohnstatt für Menschen und ihr Vieh zugleich. Unten war Platz für die Stallungen für Rind, Schwein, Pferd und Kleingetier. Darüber lagen die Wohn- und Schlafstellen der Bewohner.

Daneben das sogenannte Auszughaus. Es entstand erst in den 1950er Jahren und wurde den älteren Hofbewohnern eine Heimat. Heute hat hier das „Brotzeitstübchen“ Einzug gehalten. Es lädt uns zu einer Pause ein. Wir lassen uns den hervorragenden Kuchen, Kaffee und selbstgemachte Limonade schmecken.

Taglöhnerhaus aus Heinrichsthal

Heinrichsthal im Spessart ist heute noch von dichten Wäldern umgeben. So gab es schon damals wenig Ackerland ringsum. 1850 besaß rund ein Drittel der Familien weniger als einen Hektar Land. Daher ging die Armut um und die Menschen mussten sich Taglöhner durchschlagen.

Das Taglöhnerhaus aus Heinrichsthal vor uns wurde vom Schweinehirten errichtet. Er wurde von der Gemeinde angestellt war. Von außen sieht es recht schmuck aus. Der Blick ins Innere zeigt ab er wie entbehrungsreich das Leben hier gewesen sein muss. Die wenigen Räume sind dunkel, klein und niedrig. Die Ausstattung ist spartanisch. Der heute noch genutzte Verschlag für die Hühner zeigt wie wichtig damals die Selbstversorgung war.

Dreiseithof aus Leutershausen- Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Am Taglöhnerhaus aus Heinrichsthal haben wir das Ende des Museumsgeländes erreicht. Also machen wir uns auf den Rückweg. Links vom Weg steht etwas abseits der Dreiseithof aus Leutershausen an.

Es ist eine mächtige Anlage die eine rege Geschäftigkeit ausstrahlt. Immerhin wurden von dort aus einst an die 30 Tagwerke (ca. 10 Hektar) bewirtschaftet. Wohl deshalb sind im Wohnstallhaus, in der Scheune, der Remise und im Schaf- und Pferdestall viele nützliche Utensilien zu besichtigen. Alles war für die Meisterung der täglichen Aufgaben erforderlich.

Sei es die Holzleiter über dem Stall, der Herd oder das Butterfass, der Kochkessel oder die Zinkwanne, die Schweineboxen oder Körbe aus Weide oder Draht. All das war unabdingbar um den Hof am Laufen halten. Folglich ist dort auch ein guter Ort für das Museumspädagosiche Zentrum des Museums.

Interessant fanden wir auch noch das fest geometrisch getrimmte Obstspalier an der Außenwald des Stalls. Hier konnten die Birnen in fast wie im Schlaraffenland geerntet werden.

Gemeinschaftsgefrieranlage aus Nordheim

Als letzte Anlage besichtigen wir die Gemeinschaftsgefrieranlage aus Nordheim.

Eine kleine Rückblende. Landwirtschaftliche Produkte waren schon immer verderbliche Waren. Jahrhunderte lang gab es unterschiedliche Verfahren zur Haltbarmachung von Lebensmitteln. Räuchern, Trocknen oder Einsalzen sind schon seit tausenden Jahr bekannt. All diese Verfahren hatten Vor- und Nachteile.

Folglich war man immer auf der Suche nach Alternativen. Dabei rückte die Kühlung immer mehr in den Fokus der Tüftler. Zunächst wurde im Winter Eis von Seen und Flüssen in sogenannten Eiskellern aufbewahrt und zur Kühlung von Lebensmittel eingesetzt.

Ende des 19. Jahrhundert wurden technische Verfahren entwickelt, um künstliches Eis zu erzeugen. Solche Lösungen konnten zunächst aber nur im industriellen Maßstab eingesetzt werden.

An Kühlschränke oder gar Tiefkühlschränke im privaten Haushalt war noch lange nicht zu denken. Daher versuchte man die komplizierte Technik gemeinschaftlich zu nutzten.

Die Gemeinschaftsgefrieranlage aus Nordheim ist eine großartiges Beispiel hierfür. Sie wurde 1958 errichtet. Der Tiefkühler ist als Karussell mit 16 Sektionen ausgeführt. Jede Sektion hatte 9 Fächer, die in einer Reihe übereinander liegen.

Ein archaisch anmutender der elektrischer Wählschalter steuert das Karussell so, dass eine Reihe von Fächern vor die Tür gedreht wird. So können neun Fächer beschickt, oder deren Inhalt entnommen werden. Vor der Tür steht ein Tritt mit fünf Stufen. Mit ihm kann man auch die oberen Fächer gut erreichen.

Die Anlage wurde bis in das Jahr 2009 genutzt. Demnach auch in Zeiten in denen schon lange Tiefkühlschränke- und truhen in den einzelnen Haushalten gang und gebe waren. Somit ist die Anlage auch ein Beispiel des genossenschaftlichen Zusammenhalts der Dorfgemeinschaft in modernen Zeiten.

Dies war unsere letzte Station im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen. Gegen 12:20 Uhr sind wir wieder am alten Bahnhof. Die drei Stunden vergingen für uns wie im Flug. Das Museum eine sehr sehenswerte Anlage, die man jedem Besucher nur empfehlen kann.

Weiter an den Main

Wir machen uns aus dem Weg und wollen heute noch den Main bei Volkach erreichen. Über die B 285 und der Staatsstraße 2445 folgen wir dem Lauf des Flüsschens Streu bis Bad Neustadt. Dabei begleitet uns eine liebliche Landschaft. Hier und da gibt es größere Siedlungen die mit ihren Gewerbegebieten den Reiz der Landschaft in den Hintergrund treten lassen.

Um Zeit zu sparen wechseln wir bei Bad Neustadt auf die A71. Sie trägt und schnell nach Süden. Daher erreichen wir schon kurz darauf das Autobahndreieck Werntal. Vor hier hat man eine guten Blick auf die Kühltürme des Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. Seit 2015 stillgelegt und seit 2018 im Rückbau wird der Blick auf dieser Landmarke wohl endlich sein.

Wir verlassen die Autobahn und suchen die unmittelbare Nähe des Mains auf der Suche nach einen einem Stellplatz für die nächsten zwei Nächte.

Die in Wipfeld und in Obereisenheim scheinen uns überbelegt zu sein und der in Volkach gefällt uns gar nicht. So versuchen wir unser Glück Escherndorf und in Neues an Berg. Dort haben wir leider auch keinen Erfolg.

Erst in Dettelbach werden wir fündig. Auf dem Wohnmobilstellplatz ist sogar noch in der „ersten Reihe“, direkt am Mainufer, oberhalb der Fähre ein letzter Platz zu finden.

In Dettelbach

Wir machen uns mit den Rädern auf den Ort zu erkunden. Außerdem suchen wir ein gemütliches Restaurant für ein Abendessen. Der Ort erstreckt sich am Nordhang des Mainufers. Die Straßen und Gassen sind durchaus sehenswert. Nur die gastronomischen Möglichkeiten scheinen an diesem Sonntagabend recht begrenzt zu sein.

So landen wir in der Pizzeria La Strada. Zunächst sind wir über diesem Umstand ein wenig enttäuscht. Wir sind eher auf der Suche regionaltypischer Küche. Aber die Crew des La Strada bügelt unseren Bedenken schnell hinweg. Das Essen ist wirklich super. Und als der Kellner auf meinen Wunsch nach einen Pils antwortet „trocken oder halbtrocken“ wird eines klar. Wir sind in einer Weingegend gelandet.

Besonders lecker finden wir den Bachus vom Weingut Kieselsmühle. Ein Betrieb den wir aus unserer Reise noch näher kennen lernen werden.

Mit dem Sonnenuntergang machen wir uns auf den Rückweg zum Wohnmobil. Während sich Steffi in ihren Schaftsack rollt, nutze ich noch einen ein für uns neuen Komfort im Wohnmobil. Wie haben erstmals TV an Bord.

Zwar bin ich kein Fußballfan und habe noch nie ein Stadion zu einem Fußballspiel besucht. Aber im Urlaub kann man schon mal 90 Minuten einem Champions-League-Finale „opfern“.