Zwölf Apostel

Altmühltalradweg von Pappenheim nach Eichstätt.

Heute erkunden wir den Altmühltalradweg. Von Pappenheim geht es über Solnhofen und Breitenfurt nach Eichstätt.

Ein fantastischer Spätsommermorgen begrüßt uns am 26. August 2020 auf unserem Stellplatz in Pappenheim. Beste Voraussetzung, um die schon gestern Abend gedanklich geplante Tour entlang des Altmühtalradwegs nach Pappenheim in Angriff in Angriff zu nehmen.

Aufbruch in Pappenheim – Altmühtaladweg

Aufbruch in Pappenheim
Aufbruch in Pappenheim

Kurz nach 10:00 Uhr brechen wir auf und lassen es gemütlich angehen. Gerade einmal 35 Kilometer Wegstrecke liegen vor uns. Das sollte uns ausreichend Zeit für Entdeckungen links und rechts des Weges geben.

Der erste kleine Hingucker erwartet uns noch in Pappenheim. In dem kleinen Park gleich hinter dem Schwimmbad strebt seit Ostern 2007 eine Weidenkirche gen Himmel. Sie ist die einzige ihrer Art in Bayern und wurde von 100 jungen Christen der evangelische Kirche in Bayern errichtet. Die Weiden wachsen an einem Metallgerüst, das der Konstruktion die notwendige Stabilität verleiht.

Ob Radler oder Spaziergänger, allen bietet die Weidenkirche an einem sonnigen Tag wie heute kühlen Schatten und Ruhe in einer spirituellen Umgebung.

Für uns geht es nun vorbei am Bahnhof Pappenheim. Von hieraus verläuft der Altmühltalradweg in einen grünen Tunnel unter Baumkronen direkt am Fluss. Nach ca. einem Kilometer erreichten wir den kleinen Ort Zimmern, wo die Altmühl ihren Lauf um 180 Grad von Norden nach Süden wendet. Wir überqueren das Flüsschen und flogen dieser jähen Wendung in Richtung Süden.

Ein tiefes Tal hat die Altmühl hier in das Gebirge geschnitten. Um die 80 Meter ragen die Berge links und rechts auf. Als nächsten Ort erreichen wir Solnhofen. Zunächst eine für uns recht ruhiges Örtchen. Wir überqueren die Altmühl und in der Nähe des Bahnhofs. Dort wird es deutliche belebter.

Solnhofen – Bürgermeister-Müller-Museum – Altmühtalradweg

Einerseits befindet sich hier das Bürgermeister-Müller-Museum mit seiner weltberühmten Fossiliensammlung. Anderseits machen sich von hier aus offenbar auch viel Gäste zu Fuß auf, zur nicht weit entfernten „Aktivmühle“.

Solnhofen erlangte durch einen Fossilienfund Weltgeltung unter den Paläontologen. Im Solnhofner Plattenkalk wurde das versteinerte 7. Exemplar des Urvogel, des Archaeopteryx gefunden. Es gilt als eines der am besten erhaltenen. Das Bürgermeister-Müller-Museum, das wir unter Corona-Konformen Bedingungen (mit Mund-Nasen-Bedeckung) besuchen, widmet sich aber nicht nur dem Urvogel.

Archaeopteryx by Ryan Somma CC BY-SA 2.0

PaläoZoo

In der unteren Etage des Museums wird ein ganzer „PaläoZoo“ präsentiert. Es geht durch fünf Räume, die versteinerte Tiere und Pflanzen des offenen Meeres, der küstennahen Gewässer, der Lagunen und Inseln präsentieren. Ein gesonderter Raum ist natürlich den Flugsauriern und den Urvögeln gewidmet.

Von dem was wir hier sehen, sind wir schwer beeindruckt und begeistert. Die Präparate sind sensationell gut aufbereitet. Man könnte meinen, dass sich die Schildkröte gerade durch den feuchten Schlamm am Ufer eines urzeitlichen Sees schiebt, auf der Suche nach einem sonnigen Plätzchen.

Und all diese Tiere lebten vor 163 bis 145 Millionen Jahren! Da war der Urkontinent Pangäa gerade auseinandergefallen und heute bekannte Kontinente begannen sich herauszubilden und ihren Platz auf der Erdkugel zu finden. Solhofen muss zu dieser Zeit eine maritimes Küstenparadies mit tropischen Klima gewesen sein.

Steinwelten

In der oberen Etage des Museums, in der Abteilung „Steinwelten“ erfährt man Manches über die Beziehung der Menschen zum Solnhofner Stein. Wie nutzen Kunsthandwerker und Künstler den Stein? Warum und wie wird der Stein heute noch industriell abgebaut? Wie entsteht aus einem für den Laien kaum erkennbaren Fossilienfund ein Präparat von ungeahnter Schönheit und Detailtreue?

Wir sind sehr zufrieden mit unserem Besuch hier und machen uns nach ca. einer Stunde im Museum wieder auf den Weg. Als nächsten Hotspot am Altmühltalradweg erreichen wir nicht weit hinter Solnhofen die Aktivmühle.

Weiter Richtung Eichstätt – Altmühtalradweg

Ob Kanuverleih, Campingplatz, Wildwasser-Kurse, Zimmervermittlung oder geführte Kanutouren – das touristischen Angebote und die Freizeitmöglichkeiten der Aktivmühle sind vielfältig. Und offenbar wird es sehr gut angenommen. Eine Vielzahl von vorwiegend jungen Leuten tummelt sich auf dem Gelände, Die Parkmöglichkeiten für PKWs sind alle belegt. Sicher empfiehlt es sich bei dem Andrang hier, die Kanus vorzubestellen, als spontan hier aufzutauchen.

Die zwölf Apostel am Altmühltalradweg

Für uns aber geht es flott weiter. Kurz hinter der Aktivmühle weitet sich da Tal in einem weiten Bogen. Vor uns am Gleithang der Altmühl bereitet sich eine große Wiese aus. Auf der anderen Seite am Prallhang eine seltsame Felsenwelt aus Kalkgestein. „Die zwölf Apostel“ nennt der Volksmund diese besondere geologische Formation.

Zwölf Apostel

Von Wind, Regen und Eis aus dem Kalkstein herausgeschält stehen sie dort drüben. 12 mehr oder weniger voneinander getrennte Kalksteintürme. Nicht verwunderlich, dass sich der frühe Volksglaube so seine Gedanken machte: Wie kamen die seltsamen Gebilde wohl dorthin? In bildungsferneren Epochen war die Deutung mit den versteinerten Aposteln sicher legitim. Die katholische Kirche nahm diese sicher gerne auf. Heute wissen wir alle natürlich mehr über die Prozesse von Erosion und Akkumulation und erfreuen uns einfach an dem originellen Bild in der Landschaft.

Über Altendorf und Hagenacker nach Dollnstein und Breitenfurt auf dem Altmühltalradweg

Dann geht es für uns weiter. Die nächsten Kilometer macht die Altmühl dramatische Wendungen in ihrem Lauf. Mehrfach wendet sie sich um 180 Grad, läuft erst nach Ost, dann nach West, dreht sich nach Süden, um kurz darauf wieder nach Norden zu streben. Der Altmühltalradweg bleibt stehts in Ufernähe. So geht es für uns über die malerischen Dörfer Altendorf und Hagenacker weiter bis nach Dollnstein. An dem kleinen Steg am linken Altmühlufer legen wir eine kleine Rast ein. Wir hängen unsere Füße in das herrlich kühle Flusswasser. Welch eine Erfrischung!

Dollnstein am Altmühltal-Radweg
Dollnstein

Der kleinere aber durchaus sehr schöne Teil von Dollnstein liegt auf dieser Flussseite. Hinter der Stadtmauer verbergen sich schmucke Häuser. Die Kirche Sankt Peter und Paul strahlt in gleißenden Weiß mit roter Kappe. Der Gasthof zum Kirchenschmied lädt zu einen kühlen Getränk ein. Wir verzichten lieber, für pandemische Zeiten ist es uns dort einfach viel zu voll.

Der nächsten landschaftliche Höhepunkt ist der Burgsteinfelsen auf halben Weg zwischen Dollnstein und Breitenfurt. Markant steht der Fels in der Landschaft. Er schließt nach Süden hin einen kleine Höhenzug ab, um den sich hier die Altmühl in einem weiteren 180-Grad-Bogen windet.

Burgsteinfelsen am Altmühltal-Radweg
Burgsteinfelsen

Breitenfurt – Altmühtalradweg

Wir erreichen Breitenfurt und finden den der Brücke einen kleine Aufsteller. Er weist dem Weg zum hiesigen Freibad mit Imbiss. Wir gehen gerne darauf ein. Es ist jetzt 12:45 Uhr und damit Zeit für eine kleine Mittagspause. Also rüber auf die andere Flussseite. Dort führt ein schmaler Pfad direkt am Ufer entlang zum Freibad. Eine schöne und gepflegte Anlage haben die Breitenfurter hier. Das Bad wird an den Wochenenden sicher auch ein Magnet für die Badelustigen aus der Umgebung sein. Eine riesige Liegewiese zeugt jedenfalls von Kapazitäten für viele Gäste.

Jetzt jedoch an einem Mittwoch um die Mittagszeit ist hier nicht viel los. Ein netter Herr managt als One-Man-Show den Einlass zum Bad sowie den Imbiss. Wir versorgen uns mir Pommes und Hot-Dogs und finden am Rand der Liegewiese einen Tisch an einem schattigen Plätzchen für uns.

Von hier aus haben wir einen schönen Blick auf den Fluss. Immer wieder kommen die Kajaks und Kanus auf ihrem Weg in Richtung Eichstätt vorbei. Nach kurzer Zeit gesellt sich der Herrn von Imbiss zu uns. Er nimmt am Tisch nebenan Platz, um sein sicher wohlverdientes Mittagessen einzunehmen.

Nach kurzer Zeit beginnt er den Kurs der Booten zu kommentieren, die unter der Brücke auftauchen. Mit einem verschmitzten Lächeln auf dem Lippen kann er zielsicher voraussagen, welches der Kajaks und Kanus in Kürze mit dem Ufer kollidieren werden.

Offenbar gibt es im Bereich der Brücke eine tückische Strömung. Je nachdem wie man diese ansteuert, nehmen die Freizeitkapitäne einen guten Weg oder sie krachen unweigerlich an das Linke Ufern mit seinem Schatten spendenden Gebüsch.

Immer dann, wenn seine Prognose aufgeht, scheint der Herr von Imbiss ein wenig der Schadenfreude verfallen zu sein. Aber was solls. Ein Laster haben wir ja alle.

Der Strömung entkommen - Altmühltal-Radweg
Der Strömung entkommen

Letze Etappe nach Eichstätt – Altmühtalradweg

Hinter Breitenfurt beruhig sich der Flusslauf. Die Altmühl wird zunehmend breiter und träger. Manches Stück erscheint uns auch seltsam gerade zu verlaufen, als ob der Mensch hier regulierend in den Flusslauf eingegriffen hat.

Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Ziel. Es geht über Obereichstätt und Rebdorf. Letzteres ist schon ein Ortsteil von Eichstätt. Dort haben wir einen tollen Blick auf die Willibaldsburg die hoch oben über Eichstätt auf einem imposanten Felssporn thront. Dort gibt es neben einer Burgschänke die offenbar auch in Nöten ist (Beitrag aus dem Donaukurier im Jahr 2019) auch das Jura-Museum und ein Museum für Ur- und Frühgeschichte. All das werden wir uns wohl ansehen, wenn wir mal wieder in der Gegend sind.

Willibaldsburg Eichstätt - Altmühltal-Radweg
Willibaldsburg Eichstätt

Eichstätt

Uns aber treibt es durch die schöne Flussaue und die Parks von Eichstätt weiter zu einer unspektakulären und gleichzeitig sehr erfrischenden Attraktion der alten Bischofsstadt. Die Mündung des Kapellenbachs in die Altmühl wurde zu einem schattigem Kneipp-Paradies verwandelt. Gerne werfen wir die Sandalen beiseite uns tauchen bis zu den Waden in das empfindlich kühle Nass. Eine gute halbe Stunde verbringen wir hier, bevor wir mit neuer Energie aufbrechen, die Stadt zu erkunden,

Eichstätts Altstadt ist sehr gut erhalten. Die üblichen Bausünden des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg hatten hier keinen Chance. Eichstätt ist weitgehend unversehrt durch die Krieg gekommen. So können wir durch eine beeindruckende Altstadt wandeln. Die Bürgerhäuser, Kirchen und Domherrenhäuser erstrahlen in barocken Glanz. Der Dom Mariä Himmelfahrt, den wir nur zu gern besichtigt hätten, ist wegen Bauarbeiten leider geschlossen.

Diese kleine Enttäuschung verarbeiten wir in im Garten des Café Paradies. Hier strecken wir ein wenig die Beine aus und genießen den Blick auf der schöne Gebäudeensemble rund um den Marktplatz.

Dann ist es Zeit aufzubrechen. Wir wollen rechtzeitig am Bahnhof sein. Von dort aus wollen wir die Rückfahrt nach Pappenheim mit der Regionalbahn antreten. Also geht es mit den Rädern wieder hinunter zur Altmühl. Der Herzogsteg führt uns auf die andere Seite des Flusses.

Am Franz-Xaver-Platz dann ein ganz anderes Bild der Stadt. Stahl, Glas und Beton umgeben uns. Der Barocker Glanz von eben scheint plötzlich mindestens einen Kontinent entfernt zu sein. Hier erhebt Eichstätt plötzlich den Anspruch der Moderne. Welch ein Kontrast zu der Welt auf der anderen Flussseite.

Auch der Bahnhof von Eichstätt wird gerade in Glas gekleidet und ist damit auch eine Baustelle. Dem Zugverkehr tut das jedoch keinen Abbruch. So können wir mit unseren Rädern die Regionalbahn 16 Richtung Treuchtlingen besteigen.

Zurück nach Pappenheim

Nach einer Station hat die Nebenstrecke vom Bahnhof Eichstätt Stadt die von Ingolstadt kommende Hauptstecke erreicht. Die Bahn wechselt die Richtung und rollt in Richtung Treuchtlingen.

Für uns wird die kurze Fahrt bis Pappenheim zum Rückblick auf unseren heutige Tour. Mit oft schönen Aussichten auf das Altmühltal mit dem Altmühltalradweg geht es vorbei an Breitenfurt, Dollnstein und Hagenacker. Ein Tunnel, der eine weite Flussschleife abschneidet verwehrt uns den Blick auf Altendorf. Dann geht es vorbei an den 12 Aposteln und der Aktivmühle, Der Zug hält kurz in Solnhofen. Ein kleiner Tunnel noch, er schneidet die enge Flussschleife bei Zimmer ab, und schon ist Pappenheim erreicht.

Vorbei am der Weidenkirche und dem Freibad geht es wieder zu Wohnmobil. Nach selbst kochen ist uns nicht zumute. Immerhin haben wir Urlaub, Und das wir in Pappenheim nichts Besseres kennen, machen wir uns auf den Weg zum Landgasthof zum Grünen Baum. Es wir genauso schönen Abend wie gestern.