Abends in Drusenheim

Bad Langensalza – Drusenheim

Aufbruch zu unserer Wohnmobilreise nach Frankreich und Spanien im September 2019. Wir übernehmen unser Wohnmobil und Bad Langensalza. Dann machen wir uns auf den Weg Richtung Südwesten. Die Autobahnen führen uns durch das Hessische Bergland, vorbei an Frankfurt am Main und entlang der westlichen Seite des Rheintals in das französische Drusenheim.

Aufbruch in Bad Langensalza

Heute, am 30.08.2019 können wir endlich aufbrechen. Gegen 13:00 Uhr treffen wir bei unserem Wohnmobilverleih in Bad Langensalza ein. Jetzt, spät in der Saison, ist hier kaum Betrieb. Somit nimmt man sich sofort Zeit für uns.
Nach ca. 45 Minuten isi das Auto und dessen Benutzung erklärt, die vorhandenen Mängel notiert und das Fahrzeug an uns übergeben. Trotz den schon späten Sommers sind die Temperaturen hoch (32°C) und Schatten ist hier, wo das Mobil steht, knapp. Dadurch wird das Einräumen von Küchenausrüstung, Geschirr, Lebensmitteln, Klamotten, Fahrrädern, Elektro- und Elektronikkram, Fotoausrüstung, Reiseliteratur, Campingmöbeln und sonstigen Utensilien durchaus eine anstrengende Sache.

Gegen 15:00 Uhr haben wir es geschafft und verlassen schweißgebadet den Hof des Erlebnisfachmarktes im Thüringischen Bad Langensalza. Das Personal war wie immer sehr freundlich und kompetent. Was das Auto hergibt wird sich noch zeigen. Der Tacho steht bei der Abfahrt auf 14.373 km.

Wir werden mit einem Bürstner Ixeo 726d auf einem Citroen-Fahrgestell unterwegs sein. Das Motor ist für uns eine Premiere, alles andere fühlt sich an, wie der von uns schon oft genutzte Fiat Ducato.

Die Reise beginnt mit einem Stau auf der B247 direkt am Erlebnisfachmarkt. Wenn das mal keine schlechtes Omen ist. Die Zeit im Stau gibt uns aber die Gelegenheit nochmal kurz auf die vier Wochen zu schauen, die nun vor uns liegen.

Wie im Frühjahr des letzen Jahres soll es nach Spanien gehen und auch in dem Jahr haben wir vier Wochen Zeit. Wir haben uns nochmal für eine Reise auf die Iberische Halbinsel entschieden, weil Spanien für uns nach nur einer Reise noch lange nicht entdeckt ist. Ähnliches gilt für Frankreich, welches wir allerdings schon zweimal besuchen konnten.

Unsere Reiseroute für dieses Jahr

Wir wollen uns treiben lassen und haben nur wenige feste Ziele, die wir unbedingt besuchen wollen. Hierzu gehört die Chapelle Norte Dame du Haut oberhalb von Ronchamp bei Belfort. Nach den vielen gotischen Kathedralen und barocken Kirchen in Frankreich wird es Zeit für eine Ikone der Moderne. Die Picos de Europa und Cordoba sind die einzigen Ziele die wir uns für Spanien vorgenommen haben. Letztlich steht für den 17. September ein fester Termin in Toulouse für uns an. Hier wird unsere Tochter Paula unsere kleine Reisecrew verstärken.

Durch die Hessischen Mittelgebirge

Unten im Stadtzentrum von Bad Langensalza lassen wir den ersten Stau der Reise hinter uns und biegen ab auf die B84 Richtung Eisenach. Uns gut bekanntes Thüringer Terrain begleitet unsere nun flüssige Fahrt. Nur in Behringen gebietet uns eine enge Umleitung ein wenig Zurückhaltung bei unserem zügigen Vorankommen. Südlich vorbei am Nationalpark Hainich erreichen wir die A4, die uns nun nach Westen bringen wird.

Anfänglich lässt sich dass auch gut an. Im Hessischen Bergland zwischen dem Werratal und dem Kirchheimer Dreieck kommen uns aber erste Zweifel an dem Aggregat, dass und bis nach Andalusien bringen soll. Am Berg überholt uns ganz locker auf der rechten Fahrbahn ein 30-Tonner. Trotz der nominell 13 PS mehr als der Ducato 150 kommt uns der Citroen in dieser Fahrsituation ein wenig müde vor. Na mal sehen, wie sich das weiterentwickelt.

Hinter dem Kirchheimer und dem Hattenbacher Dreieck sind des die Landschaften vom Knüllgebirge, Kellerwald, Vogelsberg, Wetterau und Taunus die uns links und rechts der Autobahn begleiten. Es geht vorbei an Alsfeld, Gießen, Bad Nauheim und Bad Homburg. Es ist Paradox: Wir kennen diese Landschaften und Städte nicht. Dabei liegen sie fasst vor unserer Haustür. Dennoch wir machen uns auf in das 2.400 km entfernte Cordoba um Neues zu entdecken.

Vorbei an Frankfurt am Main

Nach ca. 200 Kilometern erreichen wir die Rhein-Main-Ebene und dass Höhenprofil unseren Route wird wesentlich ruhiger. Dafür nimmt der Verkehr im Großraum Frankfurt enorm zu. Die Spitzen am Horizont bilden nun nicht mehr die Gipfel der Mittelgebirge sondern die Skyline von Frankfurt. Jetzt, beim weichen Licht eines schönen Spätsommernachmittages, ist diese Kulisse sehr schön anzuschauen. Es sind in erster Linie die Türme der Banken und Bürogebäude die wie Nadelspitzen in den Himmel ragen. Commerzbank-Tower, Deutsche Bank I und II, Maintower, Messetrum, Trianon oder Westentstraße 1 sind einige ihrer mehr oder weniger schillernden Namen.

Nicht alle dieser Bauten scheinen architektonisch auf der Höhe der Zeit zu sein. Kein Wunder, immerhin wurden die genannten zwischen 1984 und 1999 eröffnet und haben damit schon zwischen 20 und 35 Jahre „auf dem Buckel“. Die Planungen für diese Wolkenkratzer dürften noch wesentlich älter sein.

Stilistisch und räumlich setzt sich von allem der EZB-Tower ab, der fast solitär aus der Stadtlandschaft zu ragen scheint. Ein schönes architektonisches Symbol für die europäische Idee wie ich finde.

Aber noch anderes spielt sich am Himmel ab. Wir kommen in Richtung des Flughafens. Die A5 führt direkt am östlichen Ende der Start- und Landbahnen 07C/25C (Start- und Landebahn Center) und 07R/25L (Start- und Landebahn Süd) vorbei.

Frankfurt ist nach dem Passagier-Aufkommen der viertgrößte Flughafen in Europa. Dementsprechend eng getaktet sind die Landungen der Jets hier. Und wir auf der A5 können dieses Spektakel fast (Kopf)Hautnah miterleben. Große Passagierjets unterschiedlicher Typen und aus aller Herren Länder scheinen im Minutentakt quer über die Autobahn zu schweben und dann Richtung Westen zu verwinden.

Weiter über den Rhein

Für uns geht es weniger spannend weiter Richtung Mannheim. Das hat nicht nur mit dem schwindenden Unterhaltungswert am Himmel zu tun. Nein, es ist der nächste Stau der uns inne halten lässt. Offenbar sind wir im vorabendlichen Berufsverkehr in diesen Großraum gerutscht. Hinzu kommt, dass die A57, die uns nun die Richtung weißt, nur noch vierspurig ist.

Wie aus dem nichts steht der Verkehr. Viele PKW um sind uns herum, kaum ein Laster. Aus das spricht sehr für die Diagnose „Berufsverkehrskollaps“. Von einer Rettungsgasse zunächst keine Spur. Nach fünf Minuten Stau ziehe ich unsere fahrende „Wohnkutsche“ nach rechts auf den Standstreifen. Und siehe da, die hinter uns stehenden folgen dem Signal. Alle fahren brav nach rechts auf den Standstreifen und die Rettungsgasse ist gebildet. Auch die vor uns stehenden folgen nun diesem Beispiel.

Wenig später biegen wir auf die A6 ab und der Verkehr beginnt wieder zu fließen. Auf der Rheinbrücke erhaschen wir einen Blick auf die Anlagen der BASF in Ludwigshafen. Immerhin der Stammsitz des größten Chemieunternehmens der Welt und wohl eine der verblieben Industrie-Ikonen in Deutschland neben Volkswagen, Daimler, E.On, BMW und Siemens. Nicht schön anzuschauen aber sehr beeindruckend.

Hinter Ludwigshafen auf der der A65 wird es dann eher gemütlich in der Landschaft. Rechts von uns, einige Kilometer entfernt, erhebt sich der Pfälzer Wald. Direkt links und rechts vor uns wächst Wein, Obst und Gemüse der Saison. Dabei Zaubern die Rotkohl- und Maisfelder rote und grüne Tupfer in die Landschaft.
Diese Farbtupfer sind frisch und kräftig, da hier im weiten Rheintal nichts von der Trockenheit des zu Ende gehenden Sommers zu spüren ist.

Weiter nach Frankreich bis nach Drusenheim

An der Raststätte Pfälzer Weinstraße tanken wir nach 340 km das erste mal. Eigentlich wäre das bei einer Reichweite von ca. 750-800 km pro Tankfüllung noch nicht nötig. Trotzdem steuern wir die Zapfsäule an. In Frankreich wird der Sprit deutlich teurer sein. Bis zu 1,64 € werden an den Autobahntankstellen pro Liter verlangt. Ca. 45 Liter fließen in den Tank bevor wir die Reise fortsetzen.

Noch ca. 70 km nach Drusenheim, unserem heutige Ziel. Über diese Strecke gibt es nicht viel zu berichten. Außer, das die A75 die wir auf der französischen Seiten nutzen mautfrei ist. Das ist auf den Autobahnen unseres westlichen Nachbarn durchaus eine Seltenheit, aber in grenznahen Räumen durchaus üblich.

Bei Rountzenheim verlassen wir die Autobahn und steuern über Soufflenheim nach Drusenheim. Drei Orte mit „heim“ im Suffix und das in Frankreich. Diese Häufung kommt nicht von irgendwo her. Das Elsaß war früher schon immer ein Zankapfel zwischen Frankreich und Deutschland. Oder positiver formuliert: ein gemeinsamer Grenzraum zwischen zwei großen europäischen Kulturnationen. Das ist es auch heute noch und dieser Umstand ließ Land und Leute hier vielleicht so aufblühen.

Alle Orte auf dieser Strecke strahlen uns regelrecht an. Gewerbegebiete, gepflegt Ortsmittelpunkte, eine Symbiose aus deutscher Fachwerkarchitektur und französischer „Balkongeländerschmiedekunst“ prägen die Ortsbilder. Sehr, sehr schön!

Dann erreicht wir den schon im letzten Jahr von uns genutzten Stellplatz direkt am Rhein am Rand von Drusenheim. Und ich behaupte noch immer, dass man kaum woanders näher am Rhein stehen kann als hier.

Drusenheim

Wir verbringen hier zunächst einen sehr schönen Abend. Auf einer Bank auf dem Deich lassen wir uns ein kleines Abendessen und eine Flasche Wein schmecken und beschließen: AB JETZT IST URLAUB. Leider können wir auf unserer Bank nicht lange verweilen. Das liegt nicht an der nun langsam einbrechenden Dunkelheit. Es ist ein Geschwader von Stechmücken. Die kommen wohl von der Moder, einen Flüßchen, das hier in der Gegend in den Rhein mündet und so seinem Namen alle Ehre macht.

Die frühe Dunkelheit ist ein Nachteil unserer späten Reisezeit im Jahr. Die Sonne ist jetzt, Ende August, viel zu früh verschwunden. Ein Umstand, der uns in den nächsten Wochen begleiten wird.

Da wir diesen schönes Stellplatz schon im letzten Jahr besuchen durften, hier nur ein Link , der mehr über diesen Ort erzählt.

Hier noch unsere Tagesstrecke von 408 km

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