Drusenheim – Chapelle Notre-Dame du Haut – Orcines

Drusenheim – Chapelle Notre-Dame du Haut – Orcines

Heute geht es tief nach Frankreich hinein. Einen ersten Höhepunkt unserer Reise gönnen wir uns in Ronchamp bei Belfort und besuchen die Chapelle Notre-Dame du Haut. Ein Meisterwerk des Architekten Le Corbusier. Weiter geht es nach Südwesten. Vichy bringt für uns als Wohnmobilisten die erste Enttäuschung der Reise mit sich. Zuflucht finden wir spät am Tag in Orcines, am Fuß des Puy de Dome.

Wir werden früh wach an diesem Samstag in Drusenheim am Rhein. Nachdem wir gestern Abend vor den Angriffen eines Stechmückengeschwaders in unser Wohnmobil ausgewichen waren, fanden wir schnell zur Nachtruhe. Nun, gegen 7:10 Uhr sind wir wieder auf den Beinen. Wir sind eben noch lange nicht im „Urlaubsmodus“ angekommen.

Der Tag begrüßt uns zu dieser frühen Stunde mit einem klaren Himmel und der gerade über dem anderen Rheinufer aufgehenden Sonne. Kurz gesagt schöne Aussichten für den Tag, der uns ein ganzes Stück auf unserem Weg weiterbringen soll.

Tief nach Frankreich soll es hineingehen. In ein oder zwei Tagen wollen wir die Atlantikküste bei Bordeaux zu erreichen. Als Station auf dem Weg haben wir bisher nur die Chapelle Notre-Dame du Haut in Ronchamp bei Belfort auf unserem Plan. Romanische Kathedralen und barocke Kirchen haben wir in Frankreich schon reichlich besucht. Deshalb ist es an der Zeit ein Werk der Moderne zu besuchen. Ansonsten wollen wir uns in Richtung Westen treiben lassen.

Rheinufer Drusenheim
Morgens am Rhein

Entlang des Rhein-Tals und der Vogesen

Stellplatz Drusenheim
Vor dem Start in Drusenheim

Nach unserem ersten und ausgiebigen Frühstück auf dieser Reise machen wir uns gegen 7:50 Uhr auf den Weg. Wir haben uns dafür entschieden, in diesem Jahr die A35 auf der französischen Seite des Rheintals zu nutzen. Eine Entscheidung die wir nicht bereuen. Es fährt sich hier so viel entspannter als auf den deutschen Autobahnen. Drei Dinge tragen dazu bei. Weniger Fahrzeuge begleiten uns als wir, das von der A5 auf der deutschen Seiten kennen. Die Autobahn ist einem sehr guten baulichen Zustand, wie wir es von den meisten Autobahnen in Frankreich kennen. Und letztlich bin ich davon überzeugt, dass das Tempolimit von 130 km/h wesentlich zu unserem entspannten dahingleiten beiträgt.

Deshalb lassen wir auf freier Strecke unseren Tempomaten bei 115 km/h einrasten und rollen den nächsten vier Wochen Freiheit entspannt entgegen.

Bald ist Straßburger Münster als erste große Landmarke links von uns ausgemacht. Der gewaltige Bau überragt das ganze Stadtgebiet und bleibt bei unserer westlichen Umfahrung von Straßburg die bestimmenden Dominate links des Weges.

Hinter Straßburg schmiegt sich die A35 Richtung nach Westen an den Ostabhang der Vogesen. Deshalb rücken plötzlich andere Landmarken in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. Mächtigen Burgen thronen auf den Bergen. Spesburg, Bernstein, Ortenburg, Ramstein und Königsburg lauten die Namen der zu Stein gewordenen Geschichte des Mittelalters. Alles Punkte die auf den Routenplan einer unserer nächsten Reisen gehören.

Weiter geht es vorbei an Colmar, dieser wunderbaren Fachwerkstadt, die uns vor zwei Jahren mit ihren sensationellen kulinarischen und kulturellen Schätzen so begeistert hat.

Bis nach Ronchamp

Es ist gegen 09:30 Uhr, als wir die A35 verlassen und bei Muhlhouse auf die A36 Richtung Südwesten abbiegen. Bevor wir in Belfort die Autobahn verlassen, ist an der Gare de Fontaine-Larivire die erste Mautgebühr unserer Tour fällig. Mit 4,50 € für die folgenden 33 km sind ein recht moderater Einstieg in diesen Kostenblock unserer Reise.

Wir verlassen die Autobahn bei Belfort. Dann verfahren wir uns ein wenig in Bavilliers. Deshalb haben wir die Gelegenheit einen besonders schönen Aspekt urbaner kleinstädtischer Kultur in Frankreich zu bewundern. Dekore von Blumen und Stauden schmücken Plätze, Brücken, Laternen und andere öffentliche Orte. Die Farbenpracht ist gewaltig. Welke Stellen oder gar Unkraut sind in den floralen Arrangements nicht zu entdecken. Alles ist super gepflegt und zaubert wunderbare Farbtupfer in die ohnehin schon schönen Ortsbilder. Wunderbar!

Wir folgen weiter der D619 und erreichen gegen 14:40 Uhr Ronchamp. Nur noch durch das enge Viadukt, das die Bahnstrecke Belfort nach Vesoul unterquert. Dann geht es steil hinauf auf den Colline de Bourlémont. Für unser Wohnmobil ist der Anstieg schon eine kleine Herausforderung. Hier nun schlägt sich die Citroen-Maschine allerdings tadellos.

Oben angekommen erwartet uns ein großzügiger kostenfreier Parkplatz unter schattigen Bäumen.

Chapelle Notre-Dame du Haut

Wir brauchen noch 3 Minuten bergan zu Fuß und stehen dann vor der Porterie, dem Torhaus, einem modernen Besucherzentrum, das erst seit 2011 zu der Anlage gehört. Hier erhalten wir unsere Tickets für acht Euro pro Person und können nun das Gelände bei bestem Wetter erkunden.

Schnell wird klar, dass man hier oben auf dem Colline de Bourlémont einen ganz besonderen Ort findet. Dies fand sicher auch Le Corbusier. Erst nachdem er diesen Ort persönlich besucht hatte, nahm er diesen Auftrag, trotz voller Auftragsbücher und eines vergleichsweise geringen Budgets an. Aber auch die großen gestalterischen Freiheitsgrade, die ihm die Bauherren einräumten, mögen seine Entscheidung befördert haben.

Innenansichten – Chapelle Notre-Dame du Haut

Die Chapelle Notre-Dame du Haut ganz oben auf dem Berg ist für uns so etwas was wie einen architektonische Offenbarung. Das Thema „Kirche“ wird hier auf ganz andere Art und Weise interpretiert als wir das aus traditionellen Gotteshäusern kennen.

Ja auch hier gibt es eine Art Kirchenschiff, eine Kanzel, Seitenkapellen und Fenster, die das eintretende Licht zu einem wichtigen Gestaltungsmittel werden lassen.

Die Kanzel ist aber ein spröder kantiger Balkon, der einen formalen Kontrast zu all den kaum fassbaren runden und fließenden Formen hier darstellt.

Die drei Seitenkappelen sind schmale turmartige Gebilde, in die das Licht, von großen weit oben sitzenden Oberlichtern kommend, eine ganz besondere Atmosphäre zaubert. Massive Betontische, geschmückt mit einem schlichten Kruzifix, einer Kerze und einer heiligen Schrift dienen hier als Altar.

Das Kirchenschiff der Chapelle Notre-Dame du Haut weitet nach Osten zum Hauptaltar hin seine Raumhöhe. Von West nach Ost fällt der gewölbte Boden ab und die Decke hebt sich. Dadurch bildet sich ein großer Prospekt mit Sternen hinter dem Altar. In dessen optischen Mittelpunkt steht ein sehr kleines Detail. In dem einzigen nach Osten gerichteten Fenster steht eine Marienfigur. Nur die von außen einfallenden Lichtstrahlen lassen die Madonna schwach erleuchten.

Von der Südseite des Innenraums kommend, bricht sich das strahlende Sonnenlicht seine Weg. 26 Fenster oder besser gesagt Öffnungen unterschiedlichster Größe und Farbe lassen es herein. Die Wirkung ist einmalig. Licht und Schatten können ein ganz besonderes Spiel entfalten. So entsteht eine einmalige Stimmung in dem recht kleinen Kirchenraum für 200 Gläubige, der aber viel größer wirkt.

Leider ist hier das Fotografieren verboten. Deshalb können wir Euch leider vom inneren der Chapelle nur schriftlich berichten.

Außenansichten – Chapelle Notre-Dame du Haut

2.000 und mehr Gläubige können allerdings den Wallfahrten zur Chapelle Notre-Dame du Haut beiwohnen. Die Ostseite der Kapelle ist so konzipiert, dass sie im Rücken des inneren Hauptaltars an der östlichen Wand zu einer großen Freilichtbühne wird.

Leider fehlt mir die Fantasie, um zu beschreiben an was mich die Chapelle von außen erinnert. Das liegt vielleicht daran, dass die unterschiedlichen Blickwinkel ganz unterschiedliche Assoziationen ermöglichen. Ein Pilz mit weißen Stiel und grauen Hut könnten man denken. Eine Schiff in hohen Wellen, einen geheimnisvolle Fabrik mit dicken Schornstein? Der Möglichkeiten gibt es viele.

Neben der Kirche hat Le Corbusier hier drei weitere Gebäude errichtet. Das Haus des Kaplans, das Pilgerhaus und die Friedenspyramide gehören zu seinen Werken hier oben. Ein separater Glockenturm oder besser eine Art Aufhängung seht ein wenig westlich der Kapelle trägt drei Glocken. Diese kleine Erweiterung von 1975 wurde von Jean Prouvé – ebenfalls ein französischer Architekt und Designer der Moderne – entworfen.

Wikipedia berichtet jedem Interessierten viel Interessantes und Wissenswertes über diese ganz besondere Kirche.

Das Pilgerhaus an der Chapelle Notre-Dame du Haut

Das Pilgerhaus entstand als erstes Gebäude hier oben. Es diente zunächst den Arbeitern, die mit dem Bau der Kapelle beschäftigt waren, als Unterkunft. Hier gefallen uns die klaren Linien, die konsequente Nutzung des Baustoffes Beton auch im Bereich des Mobiliars und die satten Farben, die den Räumen einen fröhlichen Charakter geben. Die nach Süden gerichteten großen Panoramafenster bieten einen tollen Blick ins Tal. Nach Norden hin gibt es nur eine kleine Öffnung. Sie ermöglicht den Blick auf die Kapelle aus einer Art Froschperspektive.

In der Ausstattung und Komfort eher spartanisch spiegelt es wohl den Zeitgeist seiner Entstehungszeit (1955) wider. Dafür entspricht es aber bestens den eher asketischen Ansprüchen eines Pilgers auf seinem Weg.

Kloster Sankt Klara

Im Jahr 2012 hat sich in dem 2011 abgeschlossenen Gebäudekomplex westlich der Kapelle siedelten sich die Klarissen von Besançon an. Der Trägerverein, die AONDH hatte sich an den Orden gewandt. Die Schwestern hatten den Wunsch einen neuen Ort für ihr Leben und ihre Gebete zu finden. So fand das Kloster Sankt Klara seinen Weg hierher. Dadurch ergibt sich hier eine besondere Symbiose von lebendigen Glauben und moderner Architektur. Das Klostergelände kann von Besuchern begangen werden. Die Schwester habe immer ein gutes Wort und ein Lächeln für die Gäste parat. Das Oratorium des Klosters kann besichtig werden. Es wurde von Renzo Piano entworfen.

Nach unserer kleinen Stippvisite bei den Klarissinnen, verlassen die Chapelle Notre-Dame du Haut. Beim Abstieg zum Parkplatz müssen wir nochmal das Torhaus passieren. In dem kleine uns gut Sortieren Shop finden noch ein zwei Souvenirs den Weg in Steffis kleinen Rucksack.

Weiter in Richtung Clermont-Ferrad

Gegen 12:45 Uhr starten wir den Motor und machen uns auf den weiteren Weg. Von der groben Richtung her soll es heute noch nördlich vorbei am Zentralmassiv möglichst weit Richtung Bordeaux gehen. Daher nehmen wir den schnellsten Weg zurück auf die A36. Dieser folgen wir, vorbei an Besançon und Dole bis zur A6. Von dort geht es nach Süden bis nach Chalon wo wir auf die Mautfreie N80 wechseln. 24,60 Euro habe wir heute damit für 195 genutzte Autobahnkilometer gezahlt.

Wir fahren weiter tapfer Richtung Südwesten. Steffi übernimmt zwischendurch das Steuer und die nächste Tankfüllung wird fällig. Das Tanken ist hier etwas umständlich. Man muss sich erst an der Kasse für einen wählbaren Betrag (15, 50, 75, 100 Euro) entscheiden und diesen auch zahlen. Erst dann wird die Tanksäule freigegeben. Nicht so recht wissend welche Betrag unserem aktuellen Tankinhalt am besten entspricht, entscheide ich mich für 75 Euro. Dadurch bleiben nach dem Schließen des Tankdeckels leider 15 bis 20 Liter Luft in unserem Tank.

Gegen 16:20 Uhr haben wir für heute ca. 520 km auf dem Tacho und wir entscheiden wir uns die Kilometerjagd für heute zu beenden. Schließlich haben wir Urlaub. Vichy, der (einst?) mondäne Kurort ist nicht weit weg und campercontact.de weißt hier auch einen Stellplatz für uns aus. Laut unseren Navi ist dieses Ziel in ca. einer Stunde zu erreichen. Dann bliebe noch ausreichend Zeit für einen Kurspaziergang und einer ersten Abendessen in einen französischen Restaurant. So ist unser Entschluss schnell gefasst.

Auf den Weg nach Vichy ist die Landschaft eher einsam. Die Dörfer sind eher Weiler, die wenigen größeren Orte und Städtchen am Weg tragen Namen wie Le Donjon, Lapalisse, Périgny oder Magnet. In Richtung Süden, hin zum Zentralmassiv wir die Gegend immer hügliger. Am Himmel braut sich Ungemach zusammen.

Vichy und weiter an den Puy de Dome

Als wir Vichy erreichen stehen wir etwas ernüchtert vor dem Ort an dem Stellplatz sein sollte. Hier ist alles im Umbau. Die Landschaftsarchitekten sind offenbar gerade dabei bei ihr Können unter Beweis zu stellen. Uns wird nicht klar wo wir hier die nächste Nacht verbringen können. Als Alternative gäbe es zwar gleich drei Campingplätze in der unmittelbaren Nachbarschaft. Aber die sind heute für uns keine wirkliche Alternative. So verlassen wir Vichy etwas enttäuscht. Wir haben aber den festen Vorsatz auf den nächsten Stellplatz die Reise für heute zu beenden.

So fragen wir wieder campercontact.de und navigieren nach Le Cheix. Der Stellplatz liegt schön ruhig am Ortsrand, gleich neben eine Sportplatz. Nur mit der Ruhe klappt es heute nicht so. Offenbar ist ein Schützenfest angesagt, dementsprechend zerreißen Schüsse die Stille. Der Stellplatz ist wohl aus gleichem Anlass an diesem Wochenende gesperrt.

Der Platz in Saint-Bonnet-prés-Riom erweist sich als innerstädtischer Parkplatz, der und nicht so recht gefällt. Außerdem ist hier kaum noch ein Platz für uns übrig.

Wir nähern uns nun immer mehr der vergangenen Vulkanlandschaft der Auvergne, die sich nun am Horizont abzeichnet.

Im Hintergrund die Auvergne
Im Hintergrund die Auvergne

Wir beschließen wir uns nicht mehr auf campercontact.de zu verlassen. So entscheiden wir an den Puy de Dome zu fahren. Wir wissen von unserer Reise 2017, dass es dort einen großen Parkplatz gibt. Und eine Fahrt mit der Panoramabahn morgen früh auf den höchsten Berg im Zentralmassiv scheint und eine verlockende Aussicht zu sein.

So nehmen wir nochmal 30 Kilometer unter die Räder und kommen gegen 19:30 Uhr am Puy de Dome an. Wir folgen den Schildern auf den Parkplatz für Busse und Wohnmobile nur um festzustellen, dass das Übernachten hier nicht gestattet ist. Na ja, drei Plätze hintereinander angesteuert, die irgendwie nicht funktionierten. Das hatten wir bisher noch nicht.

Wir beenden den Tag in Orcines

Also noch ein paar Kilometer zurück und den Stellplatz in Orcines angeschaut. Und hier klappt es endlich. Der scheinbar nigelnagelneue Platz ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Einen unteren Bereich gleich neben einigen Tennisplätzen und eine etwas höher gelegene Terrasse. Die ist ein wenig abgelegen von den Sportanlagen. Wir entscheiden und für diesen Teil des Platzes.

Eine gute Entscheidung wie wir gleich merken werden. Wir räumen die Campingmöbel für ein Abendessen in der einsetzenden Dämmerung nach draußen. Unser Mahl wir von fernen, dumpfen, rhythmischen Schlagen eine Tennismatches begleitet. Auf dem unteren Teil des Platzes, gleich bei den Tennisplätzen muss sich diese akustische Attacke wesentlich stärker auswirken. Zehn Minuten nach dem ersten Aufschlag startet unten auf dem Platz der Motor einen Wohnmobils, um die relative Ruhe in der Nähe unseres Wohnmobils aufzusuchen.

Wir sitzen noch eine wenig draußen und resümieren den Tag. Dabei blicken wir etwas besorgt in den Himmel, der eben noch von einem leichten Wetterleuchten aus Richtung Osten illuminiert wurde. Hoffentlich kein vorschnelles Ende des Sommers.

Stellplatz Orcines
Stellplatz Orcines

Hier noch unsere Tagesstrecke von 664 km

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