Von der Costa Blanca nach Zaragoza
Jungfrauen auf Pfeilern

Von der Costa Blanca nach Zaragoza

Heute geht es nach Norden in Richtung der Pyrenäen. Zaragoza werden wir auf den Weg auf jeden Fall besuchen.

Wir sind früh auf den Beinen heute am Sonntag dem 15. September 2019. Weiterhin liegt ein grauer Himmel über uns. Das Wetter insgesamt scheint sich aber beruhigt zu haben. Die Stürme und sintflutartigen Regenfälle der letzten Nächte haben sich verzogen. Auch das Spektakel des Wetterleuchtens, erzeugt von tausenden Blitzen über dem Meer gab es diese Nacht nicht. Oder wir haben wir es hier oben in Benissa, ca. 8 Kilometer von der Küste entfernt, nur nicht sehen können?

Über Valencia Richtung Aragón

Nach der üblichen Morgenprozedur machen wir uns auf den Weg Richtung Zaragoza. Da bis zur Hauptstadt der Region Aragón mehr als 400 Kilometer vor uns liegen, wollen wir konsequent die Autobahnen nutzen. Vor Valencia allerdings empfiehlt das Navi nicht die westliche Umfahrung der berühmten Hafenstadt auf der A-7. Wir sollen besser auf der vierspurigen und gut ausgebauten V-31 durch die Stadt fahren.

Ein Plan der gut aufgeht. Jetzt am Sonntagmorgen um 08:40 Uhr ist kaum ein Auto unterwegs. Das Navi leitet uns zuverlässig auf dem Straßenring östlich vom Zentrum vorbei nach Norden. Nach gerade einmal 10 Minuten ist Valencia durchquert und wir finden uns auf der autobahnähnlichen V-21 wieder. Die verläuft hier eine kurze Strecke direkt am Strand des Mittelmeeres. Spektakulär türmt sich die noch immer mächtige Dünung im flacher werdenden Wasser zu hohen Wellen auf. Von Gischt umtost schlagen die Brecher auf den kilometerlangen Sandstrand.

A-23 die Autovia Modéjar

15 Kilometer weiter bei Sagunt, biegen wir auf die A-23 Richtung Zaragoza ab. Zwischen der Sierra de la Calderona links von und der Serra d’Espadá rechts von uns folgt die Autobahn nun im Wesentlichen dem Tal des Rio Palancia. Dabei geht es stetig bergauf bis wir nach weiteren 55 Kilometern 1.000 Metern über dem Meer erreicht haben.

Von hier an liegt eine gewaltige Hochfläche vor uns. Sie führt uns in die autonome Region Aragón. Wir werden nun zwischen 800 und 1.200 Metern über dem Meer unterwegs sein. Erst 280 Kilometer weiter wird uns unser Weg langsam hinab in das Tal des Ebro nach Zaragoza auf 200 Meter Meereshöhe führen.

Bis dahin sind wir auf der A-23, der Autovia Mudéjar unterwegs. Vor einigen Jahren noch im Bau kann man die Strecke heute durchgehend bis nach Zaragoza und weiter bis nach Huesca befahren. Weitere Abschnitte in Richtung Sabiñánigo sind fertiggestellt, im Bau oder in der Planung. Ein schneller, aber einsamer Weg von der Costa Blanca hinauf in die Pyrenäen.

Und einsam scheint es hier wirklich zu sein. Nur ab und an sind kleine Orte links und rechts der Strecke auszumachen. In der Ferne immer wieder Gebirgsketten, die aus der weiten vertrockneten Ebene hinausragen.

Ein nettes Detail ist uns an dieser modernen Straße aufgefallen. Die Brücken ziert ein uraltes arabisches Ornament. Unter den Durchfahrten der Brücken in beiden Richtungen hängt ein achtstrahliger Stern im Mudéjar-Stil. Eine schöne Reminiszenz an der Namen dieser Autobahn und die Vergangenheit dieses Landstriches.

Autovia Mudéjar
Autovia Mudéjar

Flieger bei Teruel

Kurz hinter Teruel, der größten Stadt am Weg, dann so etwas wie eine moderne Fata Morgana. Mitten in der steppenartigen Landschaft stehen an die vierzig oder auch fünfzig große Flugzeuge. Wir erkennen aus der Ferne Baureihen von Boeing und Airbus. Es sind Maschinen von Fluglinien aus aller Welt die hier stehen. Wir können der Kranich der Lufthansa und den markanten Schriftzug von Etihad ausmachen. Air Berlin ist genauso vertreten wie viele kleine uns nicht bekannte Airlines. Manche Maschinen sind in reines weiß gehüllt und verbergen so ihre Besitzer.

Später erst erfahren wir, was es mit dieser Ansammlung fliegender Hightech auf sich hat. Die Airlines parken hier nicht benötigtes Fluggerät. Die „Plataforma Aeroportuaria Teruel“ ist auch Umschlagplatz für Maschinen, die ihren Besitzer wechseln. Manches Fluggerät wird hier aber auch ausgeschlachtet und abgewrackt. Das Klima der Gegend hier ist für diese Zwecke ideal. Kühl und trocken das ganze Jahr über. Ohne großartige Konservierungsbemühungen können die Flieger hier längere Zeit unbeschadet stehen.

Und es sind Milliardenwerte die hier auf eine neue Nutzung warten oder auf ihr Ende warten. Ein Beitrag der Tagesschau aus dem Jahr 2017 erzählt die Geschichte dieses ungewöhnlichen Ortes.

Weiter nach Zaragoza

Für uns geht es weiter durch das einsame Argagón. Zweimal auf dem Weg von Sagunt nach Zaragoza legen wir eine Rast ein. Die erste um 10:00 Uhr noch vor Teruel auf der „Area de descarso de San Augustin“ an der Ausfahrt 63. Die Anlage ist schön gelegen und bietet manch interessanten Ausblick in die Ferne. Außerdem liegt sie unmittelbar der der Grenze zwischen den Regionen Valencia und Aragón. Moderne Skulpturen in Beton begrüßen uns hier in der Region Argaón.

Der zweite Halt dann gegen 11:40 Uhr für einen Tankstopp an der Rast- und Tankstelle an der Ausfahrt 202. Wie eine Oase der Moderne erscheint der nüchterne Gebäudekomplex hier oben auf über 1.000 Metern Meereshöhe. Ringsum nur riesige Felder, die jetzt Mitte September abgeerntet sind und in trostlosen Gelb- und Ockertönen daliegen.

Dann wird die Strecke wieder ein wenig interessanter. Die A-23 schlängelt sich nun durch einen kleinen Gebirgszug und beginnt dann den Abstieg hinunter nach Zaragoza an den Ufern des Ebro.

Zaragoza

Gegen 12:30 Uhr erreichen wir das Autobahnkreuz Zaragoza südlich der Stadt. Von dort aus gelangen wird auf geraden Weg hinunter in das Stadtzentrum und an den Ebro, den wir auf der Puente de Nuestra Señora del Pilar überqueren. Nun beginnen wir mit der Parkplatzsuche, die sich wie üblich mit einen Wohnmobil in der Nähe des Zentrums einer spanischen Großstadt als schwierig erweist. Schließlich finden wir etwas abseits in der Avenida José Atarés ein Plätzchen. Bis zum Stadtzentrum sind es ca. zwei Kilometer, so dass wir lieber die Fahrräder benutzen.

Entlang dem linken Ufers des Ebro geht es so zum Stadtzentrum. Zunächst steuern wir die alte Puente de Piedra an. Nicht weit von hier münden zwei Flüsse in den Ebro. Von Süden aus dem Iberischen Gebirge kommt der Rio Huerva. Aus den Pyrenäen von Norden fließt der Gâllego heran. Eine solche Konstellation führt meist dazu, dass sich der Fluss, der das Wasser aufnimmt, verbreitert und flacher wird.
Eine ideale Stelle für eine Furt. Die lenkte wohl alte Handelswege hier entlang und der Flussübergang wurde zur Keimzelle einer Stadt.

Später gab es dann Brücken. Die aus der Römerzeit wurde 826 oder 827 zerstört. Unter Abderramán II wurde sie 839 neu errichtet. Die heute existierende Brücke stammt aus dem Jahr 1440 und trägt auf einer Spur noch immer zuverlässig Bus- und PKW-Verkehr über den Ebro. Von hier hat man einen großartigen Blick aus die gewaltige Basilica de Nuestra Señora de Pilar.

Basilica de Nuestra Señora de Pilar - Zaragoza
Basilica de Nuestra Señora de Pilar

Basilica de Nuestra Señora de Pilar

Der Name der größten barocken Kirche Spaniens ist wörtlich zu nehmen. Basilika der Jungfrau Maria auf dem Pfeiler. Der Legende nach soll hier am 2. Januar des Jahres 40 n. Chr. dem Apostel Jacobus dem Älteren auf einer Säule die Jungfrau Maria erschienen sein. Um den Pfeiler, der mit einer Statuette der Jungfrau Maria mit Kind gekrönt ist wurden über die Jahrhunderte verschiedenen Kirchen errichtet. Beginnend mit einer bescheidenden romanischen Basilika aus dem Jahr 1118, über einen gotischen Bau bis hin zu der heutigen gewaltigen barocken Basilika, die 1754 vollendet wurde, nahm die Größe des Baues, die Pracht der Ausstattung und das Maß der Verehrung dieses Ortes ständig zu.

Die Senora auf dem Pfeiler

Der ganze Aufwand hat seinen Grund. Die Gnadenfigur auf dem Pfeiler gilt immerhin als die Schutzheilige Spaniens und der übrigen spanischsprechenden Welt. Damit ist sie immerhin über 570 Millionen Menschen in 23 Ländern „zuständig“. Wir konnten die Maria mit dem Kind bewundern, den Pfeiler allerdings nicht. Dieses goldene Juwel ist an den meisten Tagen von einem Mantel bedeckt. Nur am 2., 12. und 20. jeden Monats zeigt sich der Pfeiler in seiner Pracht.

Nuestra Señora de Pilar - Basilica de Nuestra Señora de Pilar - Zaragoza
Nuestra Señora de Pilar

Weiter durch die Basilika

Die Basilika kann von Ihren Ausmaßen mit Ihren großen Schwestern in Burgos, Toledo, Sevilla und Santiago des Compostela durchaus mithalten. Allein sie ist in ihrem barocken Stil doch eher eine Halbschwester und Sie ist keine Kathedrale, also kein Bischofssitz. Dies tut dem Gebäude und dessen Attraktivität aber keinen Abbruch. Das Hauptschiff und die beiden Seitenschiffe sind einfach riesig, Gut wäre hier auch Platz für eine fünfschiffige Anlage gewesen. 11 Kuppeln gliedern das Dach. Sie sind jochweise angeordnet und wechseln sich zwischen den Seitenschiffen und dem Hauptschiff ab. Hinzu kommen vier Türme, die an den Ecken des rechteckigen Grundrisses aufragen.

Im Inneren findet man einen Feuerwerk an barocker Pracht. Allerdings muss sich der Fotofreund hier sensibel verhalten und sein Tun möglichst diskret verbergen. Fotografieren ist Inneren nicht erwünscht und der Wachdienst verfolgt argwöhnisch jeden Versuch der Motivauswahl und Fokussierung durch Okular und Objektiv. Wie in letzter Zeit aber immer öfter zu beobachten bleiben Bilderjäger mit dem Handy jedoch unbehelligt.

Die Innenstadt von Zaragoza

Nachdem wir die Basilica de Nuestra Señora de Pilar verlassen haben bewundern wir noch ein wenig den gewaltigen Plaza de Nuestra Señora de Pilar. Über 400 Meter lang und fast 50 Meter breit erstreckt sich der Platz zwischen der Fuente de la Hispanidad (Quelle der spanischen Welt) im Westen und dem Plaza de la Seo mit der Catedral del Salvador im Osten. Ein stattliches Ensemble von prächtigen Gebäuden säumt diesen großartigen Platz.

In den Gassen der Altstadt von Zaragoza

Dann finden wir den Weg in die Gassen der Altstadt und sind wirklich überrascht. Mit den Fahrrädern kommen wir hier nicht durch. Hunderte von Passanten sind unterwegs. Jede Bar, jedes Restaurant ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Leben einer Großstadt pulsiert hier ungehemmt und dass an einem gewöhnlichen Sonntag gegen 13:00 Uhr.

Nur mit Mühe finden wir gegen 14:00 Uhr für uns vor einer Bar noch ein Plätzchen und werden exquisit mit einem Imbiss und einem Cocktail bedient. Dann, gegen 14:30 Uhr ist der „Spuk“ auf einen Schlag vorbei. Die Gassen leeren sich, die Bars und Restaurants lassen die Rollläden herunter und wir fühlen uns plötzlich ein wenig allein. Was ist bloß geschehen?

Erst viel später erfahren wir, was sich hier fast jeden Sonntag abspielt. Zwischen 12:00 Uhr und 14:30 Uhr gehen die Spanier in Familie ausgiebig essen. Dann geht man zum zweiten Teil des sonntäglichen Familienrituals über. Mann besucht die Großeltern oder andere Verwandtschaft.

Durch die Calle de Alfonso und über die Puente de Santiago

Wie nehmen die Räder und schlendern noch ein wenig durch die Altstadt. In der recht feinen Calle de Alfonso I. finden wir dann noch einen Viandas-Store, der heute geöffnet hat. Viandas ist einen Kette von Läden, die edle regionale Produkte aus Spanien anbieten. Würste, Schinken, Weine, Olivenöle, Käse und vieles andere mehr findet man hier. Die Kette ist hauptsächlich in Spanien vertreten, es gibt aber auch Stores in Bordeaux, Paris und London. Trotz der saftigen Preise gönnen wir uns einige Kleinigkeiten und machen uns dann auf den Weg zurück zum Wohnmobil.

Auf der Puente de Santiago halten wir nochmal kurz und genießen einen letzten Blick auf die Silhouette der Altstadt.
Dann geht es mit dem Wohnmobil weiter Richtung Norden. Wir nehmen mit dem Ziel Huesca wieder die A-23. Über diese 70 Kilometer gibt es nicht viel zu berichten. Nur das sich in der Ferne vor uns langsam die südlichen Ausläufer der Pyrenäen am Horizont abzeichnen.

Puente de Santiago - Zaragoza
Puente de Santiago – Zaragoza

Der Abend in Huesca

In Huesca irren wir ein wenig durch die Stadt, bevor wir den schattigen Stellplatz in der Nähe des Stadions und des Sportpalastes finden. Der Platz ist schon gut gefüllt als wir eintreffen. Auf eine Besichtigung der Altstadt verzichten wir. Wie haben heute über 500 Kilometer auf dem Tacho und sind ein wenig „Knülle“. So verbringen wir den Abend im Wohnmobil mit Lesen, dem sortieren von Bildern und Reiseerinnerungen und den Leckereien aus dem Viandas-Store.

Währenddessen füllt sich der Stellplatz bis auf die letzte Parzelle. Offenbar ist Huesca ein beliebter Stopp auf der Transitstrecke zwischen Spanien und Frankreich. Und heute am Sonntag ist sicher auch eine beliebter Rückreisetag.

Wir nehmen gedanklich so langsam Abschied von Spanien. Morgen geht es über die Pyrenäen nach Frankreich.

Menü schließen