Samos – Santiago de Compostella – Punta do Castro

11.06.2023
Santiago de Compostela und später die Atlantikküste sind heute unser Ziel.

Frühstück am Río Sarria in Samos

Heute Morgen stehen wir unter den schattigen Bäumen am Río Sarria in Samos, einem Ort östlich von Lugo. Er liegt in der Landschaft Sierra de Oribo und direkt an einer Variante des Jakobswegs, die von Triacastela kommend zum hiesigen Benediktinerkloster und weiter nach Sarria führt.

Der schattige Platz direkt am Fluss verleitet uns zu einem langen Frühstück draußen vor dem Womo. So kommen wir bei bestem Wetter erst gegen 10:40 Uhr vom Platz. Das Hotel A Veiga am Ortsausgang zeugt davon, dass der kleine Ort mit seinem großen Kloster ein beliebtes Reise- und Pilgerziel ist.

  • Rio Sarria in Samos
  • Stellplatz in Samos

Durch das Tal des Río Sarria Richtung Sarria

Auf der LU-633 geht es einige Kilometer durch das malerische Tal des Río Sarria. Auch einige Pilger mit schweren Rucksäcken, Laufstöcken oder Pilgerstäben und breiten Sonnenhüten sind schon auf dem Weg nach Santiago de Compostela unterwegs. Sie nutzen den schmalen Pfad, der auf diesem Abschnitt immer wieder von der rechten auf die linke Straßenseite wechselt. In dichter Folge weisen Schilderkombinationen – aus dem Zeichen für „Achtung Fußgänger“, einer stilisierten gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund und dem blauen Schriftzug Camino de Santiago auf gelbem Grund – auf die Pilger hin und mahnen Autofahrer zur Vorsicht.

Am Camino de Santiago
Am Camino de Santiago

Nach etwas mehr als zwei Kilometern verlässt uns der Río Sarria und vollzieht nördlich von uns eine große Schleife. Für uns geht es einige Dutzend Höhenmeter hinauf. Oben angekommen erstreckt sich eine kleine Hochfläche, die vorwiegend als Wiesen- und Weidefläche genutzt wird. Der erste Grasschnitt des Jahres liegt in langen Reihen zum Trocknen – unter einer Sonne, die gerade beginnt, ihre Kraft zu entwickeln.

Dann geht es wieder hinunter zum Río Sarria. Unten angekommen überquert die Straße den Fluss, der nun nach Süden mäandert, um nach einer weiteren Wendung nach Norden auf Sarria zuzufließen. Die Straße allerdings nimmt den direkten Weg dorthin.

Sarria: Startpunkt vieler Pilger

Als wir die Stadt am Río Sarria erreichen, haben wir bei der Durchfahrt nicht gerade den Eindruck, in einem Kleinod am Jakobsweg gelandet zu sein. Moderne, seelenlose Häuser ragen bis zu sechs Geschossen hoch auf und bilden fast so etwas wie eine Straßenschlucht.

Allerdings gibt es auch das historische Sarria unterhalb einer alten Festung. Dort führt der Jakobsweg durch die enge, von alten Häusern gesäumte Rúa Maior mit ihren zahlreichen Pilgerherbergen. Außerdem ist Sarria für Pilger ein besonderer Schlüsselort: Es gilt die Regel, dass derjenige als anerkannter Pilger zu Santiago zählt, der die letzten 100 Kilometer nach Santiago zu Fuß oder die letzten 200 Kilometer mit dem Fahrrad oder dem Pferd zurückgelegt hat. Da Sarria gut mit dem Zug von Madrid aus zu erreichen ist, ist die Stadt ein sehr beliebter Startpunkt für Pilger, die ihre „Pflichtkilometer“ in wenigen Tagen absolvieren wollen.

Von Sarria nach Portomarín: Hochebene, Wälder und Stausee

Wir verlassen Sarria in westlicher Richtung. Auf der gut ausgebauten LU-633 kommen wir nun flott voran. Auf die Pilger müssen wir dort zunächst keine Rücksicht nehmen – deren Route verläuft erst einmal einige Kilometer südlich von uns. Es geht sanft etwa 150 Höhenmeter hinauf. Oben, auf 612 Metern, kreuzt der Jakobsweg die Straße und verläuft bis zum Río Miño nun rechts von uns.

Wir haben nun eine wellige Hochebene erreicht. Die Straße schlängelt sich durch Wiesen, kleine Ackerstücke und Wälder, die – jetzt Mitte Juni – noch in sattem Grün stehen. Wir kommen durch das wenig beschauliche Paradela, dem ein recht schöner Streckenabschnitt hinunter zum Río Loio und zum Río Miño folgt.

  • Stausee von Belesar
  • Stausee von Belesar
  • Stausee von Belesar
  • Stausee von Belesar

Unten angekommen stehen wir nicht am Ufer eines munter dahinfließenden Gebirgsflusses, sondern am Stausee von Belesar. Die Anlage bändigt – als erste und größte von fünf Stauanlagen am Río Miño – die früheren Hochwasser des Flusses und dient außerdem der Stromerzeugung. Ob die Turbinen an der rund 32 Kilometer flussabwärts gelegenen Staumauer aus dem Jahr 1963 angesichts des niedrigen Wasserstands auf vollen Touren laufen, ist fraglich.

Nach einer kurzen Pause geht es für uns weiter. Die Ponte de Portomarín trägt uns über den Stausee ans andere Ufer. So fahren wir direkt auf den gleichnamigen Ort zu, der sich auf einem Hügel über dem Stausee erhebt.

Ponte de Portomarín

Portomarín: Umgesetzte Kirchen und ein Ort mit Geschichte

Dass uns die Häuser am Hang recht neuzeitlich vorkommen, hat einen einfachen Grund: Das alte Portomarín ging bei der Flutung des Stausees in dessen Wassern unter. Das neue Portomarín wurde oben auf dem Monte do Cristo errichtet. Nur Weniges aus der alten Zeit fand den Weg hinauf. Umgesetzt wurden die Kirchen San Nicolás und San Pedro, der Palast des Grafen Maza aus dem 16. Jahrhundert sowie ein Bogen der mittelalterlichen Brücke von Portomarín. Letzteren unterqueren wir am Kreisverkehr gleich am anderen Ufer.

  • Porto Marin
  • Treppe auf den Bogen der mittelalterlichen Brücke

Mit uns war übrigens wieder so mancher Pilger auf der Brücke: Hier sind die LU-633 und der Pilgerweg wieder eins.

Über Guntín nach Santiago: N-547 und A-54

Während die meisten Pilger die Treppe hinauf zum historischen Brückenbogen erklimmen, um in den Ort zu gelangen, biegen wir links ab, um unserem heutigen ersten Etappenziel näherzukommen. Mit denen, die Portomarín schon wieder verlassen haben, müssen wir uns den nächsten Kilometer der Straße teilen. Also gilt: noch vorsichtiger fahren als sonst und Rücksicht nehmen.

Dann ist die N-540 erreicht. Sie bringt uns einige Kilometer nach Norden, weg vom Jakobsweg. Bei Guntín biegen wir nach Westen auf den N-547 ab. Was folgt, ist eine wenig aufregende Landschaft und Städtchen wie Palas de Rei, Melide oder Arzúa, bei deren Durchfahrt uns nicht der Wunsch überkommt, dort länger verweilen zu wollen.

Palas de Rei

Gegen 12:50 Uhr geht es dann auf die Autovía Santiago – Lugo, die A-54. Sie bringt uns direkt an den Stadtrand von Santiago de Compostela, den wir kurz nach 13:00 Uhr erreichen.

Ankunft in Santiago de Compostela: Parkplatzsuche und Radtour in die Altstadt

Wie schon bei unserem ersten Besuch dort im Jahr 2018 gestaltet sich die Parkplatzsuche als kleine Herausforderung. Mit der für uns inzwischen unentbehrlichen App Park4Night können wir unseren Camper aber gegen 13:30 Uhr an einem schattigen Platz in der Rúa de José María Suárez Núñez abstellen. Von hier ist es mit dem Rad nicht weit zur Catedral de Santiago de Compostela und zum Praza do Obradoiro – dorthin, wo Sehnsüchte und Wünsche, Erwartungen und Ängste, Gedanken und … an einem Punkt kumulieren. Dort wollen wir hin.

Durch die Altstadt zur Kathedrale

Schnell sind die Räder vom Träger genommen, Kamera und Portemonnaie eingepackt – und dann wird in die Pedale getreten. Das geht die ersten anderthalb Kilometer recht gut. Dann erreichen wir die Porta Faxeira und die Rúa do Vilar, also die historische Kernstadt von Santiago. Die finden nicht nur wir interessant: Viele Touristen fluten die enge Straße. Da uns kein Verkehrszeichen die Einfahrt mit dem Fahrrad verbietet, rollen wir im Schritttempo weiter und erreichen gegen 14:15 Uhr die Catedral de Santiago de Compostela.

Rúa do Vilar, Santiago de Compostela

Diesmal können wir sie über die große Freitreppe unter der Fachada de Platerías betreten. Dieser Teil der Fassade ist der älteste an der Kathedrale, romanisch geprägt, und stammt aus dem 12. Jahrhundert.

In der Kathedrale: Vierung, Altar und Botafumeiro

Das Innere der Kathedrale erleben wir nicht wesentlich anders als im Jahr 2018 – nur, dass diesmal das Baugerüst, das seinerzeit unter der Vierungskuppel hing, verschwunden ist und wir nun das komplette Raumerlebnis der großartigen Vierung genießen können. Auch der Blick auf den Hauptaltar ist nicht mehr gestört.

Allerdings können wir diesmal nicht an die Reliquien des Heiligen Jakob herantreten; der Umgang dorthin ist gesperrt. Trotzdem bleibt viel zu entdecken: der Hauptaltar in seiner vollen Pracht, die Orgel mit ihren mächtigen Posaunen, die weit in das Mittelschiff ragen, das Botafumeiro – die gewaltige Weihrauch-Laterne, die an besonderen Feiertagen an einem langen Seil durch die Kirche pendelt –, das mächtige Langhaus und natürlich die Stimmung hier. Sie schwankt zwischen touristischer Neugier und Pilgern aus aller Welt – und der Demut der Gläubigen, die den Weg von nah und fern hierher fanden.

  • Mittelschiff - Kathedrale Santiago de Compostela
  • Hauptaltar - Kathedrale Santiago de Compostela
  • Hauptaltar - Kathedrale Santiago de Compostela
  • Heiliger Jakobus - Kathedrale Santiago de Compostela
  • Figurengruppe Baldachin - Kathedrale Santiago de Compostela
  • Engel trägt den Baldachin - Kathedrale Santiago de Compostela
  • Orgeltrompeten - Kathedrale Santiago de Compostela
  • Vierungskuppel - Kathedrale Santiago de Compostela
  • Pendelseil der Botafumeiro - Kathedrale Santiago de Compostela
  • Botafumeiro - Kathedrale Santiago de Compostela

Wir genießen das Geschehen eine Weile und verlassen die Kathedrale nicht, ohne dass Steffi dem Museumsshop vorher einen Besuch abgestattet hat. Dann geht es hinüber zum Praza do Obradoiro.

Praza do Obradoiro: Ankommen, Feiern, Abschiednehmen

Auf dem großen Platz zwischen der Universität von Santiago, dem Pazo de Raxoi, dem berühmten Hotel Parador im ehemaligen königlichen Palast und der gewaltigen Westfassade der Kathedrale feiern Gruppen von Pilgern ihre Ankunft in Santiago – und damit das Ende ihres Weges zum Heiligen Jakob. Nur wenige werden noch bis nach Finisterre, dem „Ende der Welt“ weit draußen an der Atlantikküste, weiterziehen.

Egal, aus welcher Richtung sie kamen: aus Westen über die Pyrenäen auf dem berühmten Camino Francés oder dem weniger bekannten Camino del Norte an der Küste der Biskaya entlang, aus dem Süden durch die Mitte Portugals auf dem Camino Portugués, von Sevilla auf der Vía de la Plata oder aus Südosten quer durch Spanien auf dem Camino de Levante. Für die Ankömmlinge aus aller Herren Länder ist dies hier sicher der Höhepunkt der Reise – den sie mit einem großen Happening begehen.

Es wird gesungen, umarmt, fotografiert, manche tanzen ein wenig, Wasserflaschen werden ein letztes Mal geleert, Sonnenhüte und Kopfbedeckungen aller Art in die Höhe geworfen. Andere haben die schweren Wanderschuhe abgelegt und genießen es, barfuß auf dem Praza do Obradoiro zu stehen. Wieder andere sind in sich versunken und scheinen innerlich über dem Platz zu schweben. Manche auf dem Weg geschlossene Freundschaft wird die nun anstehende Trennung der Wanderer überdauern.

  • Plaza das Praterias - Santiago de Compostela
  • Praza do Obradoiro  - Santiago de Compostela
  • Praza do Obradoiro  - Santiago de Compostela
  • Praza do Obradoiro  - Santiago de Compostela
  • Praza do Obradoiro  - Santiago de Compostela

Wir bedauern ein wenig, dass wir uns dieser Herausforderung nicht gestellt haben. Zunächst war es die fehlende Reisefreiheit in der DDR, später haben wir uns – auch aus wirtschaftlichen Gründen – zu sehr auf unsere beruflichen Verpflichtungen konzentriert. So nehmen wir ein wenig wehmütig Abschied von diesem wunderbaren Ort.

Rückweg durch die Rúa de Franco: Menschenmassen und Schieben statt Fahren

Für den Rückweg zum Wohnmobil nehmen wir die Route über die Rúa de Franco. Auf dem Fahrrad haben wir dort keine Chance. Tausende scheinen unterwegs zu sein und füllen die enge Straße fast vollständig aus. Also gilt es für uns zu schieben.

Es geht vorbei an Restaurants und Herbergen, an Souvenirgeschäften, die auch manche spirituelle Devotionalien anbieten, an Galerien, Kunsthandwerksgeschäften und anderen Gewerben, die sich komplett auf Touristen und Pilger eingestellt haben.

Rúa de Franco - Santiago de Compostela

Hinter der Rúa de Franco können wir wieder aufsatteln und sind recht schnell zurück am Wohnmobil. Die „Effi“ steht unversehrt am gleichen Ort wie vor zwei Stunden. Wir sind wie immer ein wenig erleichtert, dass in der Zeit unserer Abwesenheit nichts passiert ist – liest man doch hier und dort von Einbrüchen und Diebstählen.

Weiter Richtung Küste: Von Santiago nach Noia

Gegen 16:30 Uhr starten wir in Santiago mit dem Ziel, ans Meer hinauszufahren. Wohin genau? Das wird sich ergeben. Wir nehmen die AC-543 nach Noia. Von dort aus wollen wir versuchen, an der Küste einen möglichst malerischen Platz für die Nacht am Meer zu finden.

Die rund 40 Kilometer bis zur Küste verlaufen recht ereignislos. Zunächst geht es durch moderne Städtchen im Speckgürtel von Santiago wie Bertamiráns oder O Milladoiro. Dann wird die Landschaft noch recht schön und abwechslungsreich.

Noia und die Ría de Muros e Noia: Auftakt der Rías Baixas

In Noia angekommen überqueren wir die Ponte do Campo das Rodas und damit den Río Traba und den Río Tállara, die hier in Noia zusammenfließen, um sich dann gemeinsam in die Ría de Muros e Noia zu ergießen. Sie ist für uns die erste der Rías Baixas an der Westküste Galiciens.

Diese schmalen, tief ins Land reichenden Meeresbuchten sind nach der Eiszeit aus überfluteten Flusstälern entstanden und prägen die Küstenlandschaft von hier bis fast an die portugiesische Grenze – eine Gegend, die wir morgen erkunden wollen. Zunächst gilt es jedoch, einen Stellplatz für die kommende Nacht zu finden. Hierzu haben wir uns die Gegend um Aguiño ausgesucht. Das Küstenstädtchen liegt an der südlichen Spitze der Halbinsel Barbanza, die die Ría de Muros e Noia von ihrer südlichen Nachbarin, der Ría de Arousa, trennt.

Von Noia nach Aguiño: Dörfer, Küstenblicke und die Halbinsel Barbanza

Hinter Noia führt die Straße mehr oder weniger nah an der Küste entlang. Die Gegend ist eng besiedelt. Auf den nächsten 15 Kilometern bis nach O Porto do Son reiht sich Ortschaft an Ortschaft. Sie liegen meist, wie etwa Borio, etwas erhöht über dem Meer und scheinen bislang von Massentourismus verschont geblieben zu sein. Die Straße gibt nur hier und dort einen Blick auf das heute stahlblaue Meer frei.

Borio
Borio

Das geht so bis Porto do Son, von wo wir einige Kilometer etwas näher ans Meer kommen. Dann führt uns die AC-550 ins Innere der Halbinsel Barbanza.

Stellplatzsuche bei Punta do Falcoeiro: Erst Enttäuschung, dann Glück am Praia do Castro

In Aguiño angekommen biegen wir zunächst nach rechts in Richtung Punta do Falcoeiro, der eigentlichen Südspitze der Halbinsel. Dort wies die App Park4Night seinerzeit zwei Standorte aus, die uns interessant erschienen. Vor Ort erweisen sich beide Locations als Enttäuschung: Sie liegen links und rechts der Factoría López Soto – offenbar eine Fischfabrik, die ihre Vorgänger weiter unten in der Stadt abgelöst hat.

Also zurück nach Aguiño. Dort finden wir direkt an der Küste an der Punta do Castro und neben dem Praia do Castro einen kleinen Parkplatz direkt am Meer, der auch für unseren Camper geeignet ist. Wir haben einen wunderbaren Blick auf das Meer, kleine Inseln und die Ufer auf der anderen Seite der Ría de Arousa. Muschelkörbe liegen draußen vor der Küste.

Abend am Meer: Área deportiva de Castro Castiñeiras und ein Ort im Wandel

  • Área deportiva de Castro Castiñeiras
  • Área deportiva de Castro Castiñeiras
  • Área deportiva de Castro Castiñeiras
  • Área deportiva de Castro Castiñeiras
  • Área deportiva de Castro Castiñeiras
  • Área deportiva de Castro Castiñeiras
  • Área deportiva de Castro Castiñeiras
  • Área deportiva de Castro Castiñeiras

Dort, wo wir stehen, sieht alles recht neu aus. Der Parkplatz wurde offenbar vor nicht allzu langer Zeit neu angelegt. Bäume und Hecken im Umfeld scheinen ebenfalls erst vor Kurzem angepflanzt worden zu sein. Der Weg hinunter zum Wasser ist neu – genauso wie die Sitzgelegenheiten am Wegesrand. Nur die Ruine eines alten Hauses und eine breite Rampe, die ins Wasser führt, wirken deutlich älter. Wurden hier früher die Schätze des Meeres angelandet und in den verfallenden Gebäuden mit den markanten Kacheln als Zierde verarbeitet?

Den Rest des Tages verbringen wir auf unserer „Campingmöbelgarnitur“ vor dem Wohnmobil, genießen den Abend am Meer und versuchen, mehr über diesen Ort herauszufinden. Und tatsächlich: Hier sah es vor nicht allzu langer Zeit noch ganz anders aus. Google Earth zeigt für diesen Ort eine Satellitenaufnahme vom 28.07.2011. Soweit erkennbar, sind dort zwei Baumaschinen wohl mit Abrissarbeiten an einem alten Industriegebäude befasst – genau dort, wo sich heute ein begrünter Hügel gleich neben dem Parkplatz erhebt. Google Earth bezeichnet diesen Ort als „Área deportiva de Castro Castiñeiras“.

Eine Websuche führt zur Seite der La Voz de Galicia, einer der größeren Zeitungen Spaniens. In der Onlineausgabe vom 14.04.2013 wird berichtet, dass man das Gelände der alten Konservenfabrik Fábrica de conservas Castiñeira umgestalten will. Jahrelang waren die Ruinen gleich neben dem Praia do Castro ein Schandfleck in der Landschaft. Für 1,2 Millionen Euro sollte dort eine Freizeit- und Sportanlage entstehen. Das durchaus sehenswerte Ergebnis dieser Anstrengungen bietet uns heute einen Platz für einen schönen Abend am Meer – und einen Stellplatz für die Nacht. Danke an alle Beteiligten dafür.

Später am Abend: Regeln, Rücksicht und Camper-Kultur

Als wir mit unseren Recherchen fertig sind, wird es draußen überraschend empfindlich kühl. Also: ab ins Wohnmobil. Später kommen noch zwei andere Wohnmobile und stellen sich in die erste Reihe des Parkplatzes – zum Meer hin. Wir waren nicht so dreist, waren doch diese Plätze eindeutig für PKW ausgewiesen. Und diese Plätze hat im Laufe des Abends auch so mancher Einheimische genutzt.

Wir finden, man sollte als Gast in einem fremden Land die Regeln achten. Aber manche Camper sehen das wohl anders.