Narbonne und weiter an den Lac Laouzas

Abschied vom Mittelmeer

Am 13. September nehmen wir Abschied vom Mittelmeer. Frühstück, dem Meer Tschüss sagen und das Wohnmobil ver- und entsorgen. Dann brechen wir am Aire de Camping-Car Ètang de Thau auf. Es geht über Agde zunächst in Richtung Bèziers, wo wir auf die Autobahn 9 wechseln. Schon 32 Kilometer weiter, an der Ausfahrt Narbonne-Ost verlassen wie Autobahn wieder. Wir wollen Narbonne mit seiner unvollendeten Kathedrale besuchen.

Narbonne

Die Straße hinunter in die Stadt ist nicht nur gute ausgebaut, sondern aus gut beschildert. So können wir gelassen an jedem Kreisverkehr und jeder Abbiegung dem Schild „centre historique“ folgen. So kommen wir nahe an die Altstadt heran. Mit einer Parkmöglichkeit für ein Wohnmobil sieht es dort allerdings schlecht aus. Die im Stadtplan verzeichnete Parkanlage „Parking Narbonne Cathédrale“ stellt sich als Parkhaus heraus. Das ist wegen seiner Einfahrtshöhe keine Alternative für uns.

Wir drehen eine Runde in der inneren Altstadt und werden auch dort nicht fündig. Entweder sind die Plätze besetzt und die wenigen freien Plätze sind zu kurz für uns, Auch etwas weiter weg von der Altstadt, am Bahnhof und entlang der Bahngleise haben wir keine Chance. So biegen wir am Canal de la Robine zum Qaui de Lorraine. Es geht unterhalb der Bahnstrecke hindurch und siehe da, kaum 500 Meter weiter tut sich eine ausreichend große Parklücke für uns auf.
Wir stehen dort unter hohen Pappeln, gleich neben dem malerisch am Kanal gelegenen Fußweg. Der Wird uns in das einen Kilometer entfernte Stadtzentrum bringen.
Von Land her ziehen bedrohlich dunkle Wolken auf. Mals sehen ob wir trockenen Fußes durch Narbonne kommen werden.

Canal de la Robine - Narbonne
Canal de la Robine

Auf dem Weg zur Kathedrale St-Just-St-Pasteur kommen wir an dem modernen Bau der Mediathek von Narbonne vorbei. Vor dem Bau aus Glas, Stahl und Beton haben die Bürger von Narbonne André Malraux, einem der großen französischen Intellektuellen der Neuzeit ein besonderes Denkmal gesetzt.

 André Malraux - Narbonne
André Malraux
Kathedrale St-Just-St-Pasteur

Bald danach haben wir die Kathedrale St-Just-St-Pasteur erreicht. Wir betreten das Gelände über die sogenannten Bischofsgärten und stehen direkt vor der nie vollenten Vierung der Kathedrale. Hinter diesen Mauern befindet sich der Hof von Saint-Eutrope. Darüber ragt der südliche Glockenturm hoch auf. Steil müssen wir von hier aus hinaufschauen, um seine Spitze ausmachen zu können. Auf dem Weg in den Chor kommen wir am Kreuzgang vorbei.

Dann betreten wir den Chor. Wir sind von den Proportionen überrascht. Das mag an der enormen Höhe des Raumes liegen. Mit 43 Metern ist er einer der höchsten in Frankreich. Die fehlende Aussicht vom Chor au in eine Vierung und in ein dahinter liegendes Kirchenschiff verstärkt den Eindruck noch. Die Kathedrale St-Just-St-Pasteur ist ein Unikum unter den französischen Kathedralen. Denn nur der musterhaft im Stil der Rayonnant-Gotik errichtete Chor wurde 1332 vollendet.

Die unvollendete Kathedrale

Der Chor stand damals am Rand von Narbonne, direkt an der Stadtmauer. Die sollte für Fertigstellung St-Just-St-Pasteur versetzt werden. Man brauchte den Platz für das Querschiff und das Langhaus, das sich über neun weitere Joche erstrecken und sich in nordwestlicher Richtung an die Vierung anschließen sollte. Als 1337 der Hundertjährige Krieg ausbrach verweigerten sich die Konsuln von Narbonne die Stadtmauer zu versetzten. 1355 wurde Narbonne dann tatsächlich belagert. Nun war klar, die Stadtmauer bleibt, wo sie war.
Die Folgen des Hundertjährigen Krieges, der Pestausbruch von 1348 und die Abnahme der wirtschaftlichen Bedeutung Narbonnes durch die Verlandung des Hafens waren Gründe dafür, dass die Kathedrale nicht vollendet wurde. Zu Beginn des 18. Jahrhundert und in der Mitte des 19. Jahrhundert erfolgten erneute Versuche die Kathedrale zu vollenden. In dieser Zeit entstanden die Fragmente des Querschiffes, des heutigen Hof von Saint-Eutrope.

Während der französischen Revolution wurde das Erzbistum von Narbonne aufgelöst. St-Just-St-Pasteur verlor der Rang einer Kathedrale und ist seitdem eine Pfarrkirche.

Das Interieur

Im Binnenchor sind neben dem Hauptaltar das Chorgestühl und die Orgel besonders sehenswert. Der Altar wir von einem gewaltigen Aufsatz gekrönt. Er wird von sechs Säulen aus rotem Marmor getragen, Die Orgel ist eine der bedeutendsten in Frankreich. Die 68 Register werden über fünf Manualen und einem Pedal gespielt.

Fünf im Chorumgang und je vier an den Seiten. Sie bergen manches Kleinod. Wie die Statur der „Gottesmutter von Afrika“ oder das Denkmal von Jean Seigneuret de la Borde in der St. Josephs Kapelle. Prächtig auch der Gobelin mit dem Bildnis von Paulus und Petrus.

Entlang des Wandelganges um den Chor reihen sich 13 Kapellen aneinander. Je vier in den an den Seitengängen und 5 hinter der Chorapsis.

In der Kapelle der Muttergottes von Bethlehem dominiert künstlerisch die 1.80 Meter hohe Alabasterstatue der Jungfrau mit dem Kind (Unsere Liebe Frau von Bethlehem) aus dem dritten Viertel des 14.Jahrhunderts. Aber auch das steinerne polychrome Altarbild aus dem 13. Jahrhundert, welches erst 1847 wiederentdeckt wurde, ist interessant.

Anderes hat die Jahrhunderte nicht überstanden. Die Heiligenfiguren hinter der Apsis im Chorumgang sind verschwunden, andern wurden die Köpfe abschlagen. Sicher Folgen der Bilderstürmerei, die im Zuge der französischen Revolution landauf und landab verbreitet war.

Während wir die Kathedrale besichtigen, wird die Luft dort drinnen immer unerträglicher. Schwülwarm und feucht ist es. Offenbar hat das Wetter, deren Vorboten bei unserer Ankunft in Narbonne die dunklen Wolken am Horizont waren, die Stadt nun erreicht, Und richtig, als wir wieder nach draußen treten liegen regenschwere Wolken über Narbonne. Ein erster Schauer hat das Straßenpflaster benetzt.

Am Rathausplatz

Wir gehen hierunter zum Rathausplatz. Hier finden wir ein bemerkenswertes Bauensemble aus unterschiedlichsten Architekturepochen. Mitten auf dem Platz befindet sich eine aufwendig befestigte Grube mit den Abmaßen von ca. neun mal sechs Meter, Sie ist an die zwei Meter tief. Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass man ein trocken gefallenes Wasserbecken vor sich hat,
Aber weit gefehlt. Die großen Steine aus Basaltpflaster am Grund stammen aus der römischen Epoche von Narbonne und gehören zur Via Domitia. Die alte Römerstraße verband Italien mit Spanien.

Gegenüber ein viergeschossiges Gebäue in prächtigem Jugendstil. In goldenen Lettern prangen auf dem Fries über der oberen Fensterreihe die Worte „AUX DAME DE FRANCE“ – DEN DAMEN VON FRANKREICH. Es war der Slogan eines leider nicht mehr existierendes Kaufhauses aus den besseren Zeiten das Handels in den französischen Innenstädten.

Gegenüber dem ehemaligen Kaufhaus, in unserem Rücken ragt mächtig die Gotik des 13. und 14. Jahrhunderts auf. Es sind die drei Türme des Bischofspalastes, der sich unmittelbar an die Kathedrale und den Kreuzgang anschließt. Zwischen den beiden größeren Türmen ergebt eine Fassade die erst 1840 in Stil der Neogotik errichtet wurde. Dort befindet sich seitdem das Rathaus von Narbonne.

Im Tympanon über dem Eingang zum Rathaus wird an Narbonne als Hafenstadt erinnert. Eine Rolle die der Stadt allerdings schon vor Jahrhunderten verloren ging, Der einst blühende Hafen war über einen Kanal (30 Meter breit und 3 Meter tief) mit der Lagune des Lacus Rubresus verbunden. Die reichte bis ans Meer. Der Hafen und die Lage an der Via Domitia machten Narbonne zu einer reichen Hagenstadt. Im 14. Jahrhundert änderte jedoch der Fluss Aude seinen verlauf. Damit war der Kanal von seiner Wasserversorgung abgeschnitten und Hafen sowie Kanal verlandeten.

Heute ist des Ètang de Bages, so heißt die Lagunge heute, ca. vier Kilometer von Stadtzentrum entfernt.

Weiter durch Narbonne

Wir unternehmen noch einen kleinen Rundgang durch die engen Höfe des Bischofspalastes um dann noch die Markthalle von Narbonne besuchen. Hierzu nehmen wir den Weg über die schöne Promenade des Barques die entlang des Canal de la Robine verläuft. Die Passerelle des Barques führt uns über den Kanal. Bei der Markthalle angekommen müssen wir leider feststellen, dass jetzt gegen 13:00 Uhr die letzten Stände gerade leergeräumt werden und die Markthalle gleich schließen wird. Schade!

Canal de la Robine

So machen wir uns auf den Rückweg zum Wohnmobil. Wir nehmen den Fußweg entlang des Canal de la Robine.
Der Canal de la Robine beginnt 10 Kilometer oberhalb von Narbonne am Fluss Aude. Er wurde 1686 ausgebaut, um Narbonne über einen Schifffahrtsweg wieder an das Meer anzuschießen.
Der Kanal umgeht die Lagune zunächst an ihrer östlichen Seite. Dank schlängelt er sich über die Landzungen, die den Ètang des Bages und den Ètang de l’Aryolle voneinander trennen, Nach ca. weiterem 24 Kilometern mündet er so bei Port-la-Nouvelle in das Mittelmeer.
1787 wurde der Canal de la Robine über den Canal de Jonction mit dem Canal du Midi verbunden. Nun konnte man von Narbonne aus auf dem Wasserweg im Binnenland auch den Atlantik erreichen.
Seine wirtschaftliche Bedeutung hat der Canal de la Robine mit dem Aufkommen des modernen Schienen- und Autoverkehrs schon lange verloren. Heute ist er ein Eldorado für Sport- und Freizeitskipper.

Wir finden, dass der Fußweg am Canal de la Robine in Narbonne auf jeden Fall einer kleinen Erkundung Wert ist. Es geht hindurch unter die breite Pont des Marchands, die über uns mit den mittelalterlichen Häusern der Händler überbaut ist. Dann führt ein Steg über die Schleusenanlage und das Wehr an die andere Seite des Kanals. Nun verlassen wir das Stadtzentrum und der Weg am Wasser wird einsamer. Bald haben wir das Wohnmobil erreicht.

Fahrt zum Lac de Laouzas

Gegen 14:00 Uhr verlassen wir Narbonne. Es geht auf der D 607 in Richtung Norden. Wir wollen morgen irgendwo möglichst ruhig in der Natur, am besten an einem See in den Bergen stehen, Ich muss leider einen Tag „Auszeit vom Urlaub“ nehmen und von 09:00 – 16:00 Uhr an einem Online-Meeting mit meiner Firma teilnehmen. Und wenn ich schon meinen Urlaub kurz unterbrechen muss, will ich das wenigsten mit einem möglichst schönen Blick in die Natur machen.

Daher haben wir uns als Ziel die einsamen Berge des Hohen Languedoc ausgesucht. Dort gibt es zwei Seen, die die Bergbäche La Vébre und L’Agoût aufstauen. Der Weg dorthin ist unspektakulär, aber nicht reizlos. Es geht über die Ebene des fruchtbaren Schwemmlands der Flüsse Aude und Cesse. Auf den fruchtbaren Äckern an der Straße überwiegt der Weinbau. Hier und da gibt es auch Getreidefelder. Manche Flächen liegen brach da und schein hier und da schon zu verbuschen. Immer wieder ragen bewaldete Hügel aus der Ebene. Die Straße überquert die Aude und schlängelt sich durch Marcorignan und Saint-Marcel-sur-Aude, wo wir an einem Aldi-Markt in der nähe des Ortsausganges halten, um eine wenig unsere Lebensmittel zu ergänzen.

Daher haben wir uns als Ziel die einsamen Berge des Hohen Languedoc ausgesucht. Dort gibt es zwei Seen, die die Bergbäche La Vébre und L’Agoût aufstauen. Der Weg dorthin ist unspektakulär, aber nicht reizlos. Es geht über die des fruchtbaren Schwemmlandebene der Flüsse Aude und Cesse.
Auf den fruchtbaren Äckern an der Straße überwiegt der Weinbau. Hier und da gibt es auch Getreidefelder. Manche Flächen liegen brach da und scheinen hier und da schon zu verbuschen.
Immer wieder ragen bewaldete Hügel aus der Ebene. Die Straße überquert die Aude und schlängelt sich durch Marcorignan und Saint-Marcel-sur-Aude, wo wir an einem Aldi-Markt in der Nähe des Ortsausganges halten, um eine wenig unsere Lebensmittel zu ergänzen.

Am Lac de Laouzas

Die Weinfelder an der Straße weichen immer mehr weiten brachen Flächen mit Gräsern, Büschen und ersten kleinen Bäumen. Dann erreichen wir die Wälder des Languedoc. Durch eine einsame Mittelgebirgslandschaft geht es nun bergauf und bergab weiter zum Lac Laouzas.

Als wir gegen 18:00 Uhr dort ankommen finden wir schnell einen freien Stellplatz über dem Seeufer. Der Wohnmobilstellplatz gehört zu einem größeren Freizeitgebiet am Nordufer des Sees, Neben dem Wohnmobilstellplatz gehören ein Campingplatz, eine große Ferienhaussiedlung, Restaurants und ein Freibad unten am See dazu.

Das alles begibt sich aber gerade in den Winterschlaf. Kaum ein Urlauber ist noch auszumachen. Am Freibad werden die Badeinseln und Bojen gerade aus dem Wasser geholt. Die Saison hat hier wohl gerade ihr Ende gefunden. Nur hier am Wohnmobilstellplatz ist noch einigermaßen Betrieb, Dazu gehört auch, das gegen 19:00 ein Auto mit einer netten Dame auftaucht. Aus dem Wagen heraus kassiert sie ganz „old scool“ die Stellplatzgebühren für zwei Nächte in bar, 14,60 Euro werden dafür fällig. Ein kleines hastig bekritzeltes Formular ist unser Beleg dafür.

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