Costa Calida

Costa Calida

Entlang der Costa Almeria und der Costa Calida geht noch Norden in Richtung Cartagena und dem Cabo de Polas. Wir streifen dabei die Naturparadiese Parque natural de Cabo Cope y Puntas de Calnegre und Sierra la Muela. Dabei erkunden wir die Bucht von Mazarrón und stoßen oft auf Spuren des Unwetters der letzten Nacht.

Das so befürchtete Unwetter hat uns diese Nacht nur gestreift. Die Nacht war zwar stürmisch und es hat ordentlich geregnet. Der Platz, auf dem wir stehen ist in wenig aufgeweicht. Sonst ist aber nichts weiter passiert. Trotzdem war unsere Flucht gestern hier auf den Parkplatz ein Stück oberhalb des Strandes sicher kein Fehler gewesen.

Nach dem Frühstück fahren wir nochmal zurück zum Castillo de Macenas und zum Rambla Macenas. Auch dort ist nichts weiter passiert, das Rambla liegt trocken, nicht einmal Pfützen haben sich dort gebildet und das mächtige Kastell am Strand trotzte dem diesem Sturm wie schon vielen anderen in den letzten Jahrhunderten.

Auf der Küstenstraße geht es nun Richtung Norden. In wenigen Minuten erreichen wir Mojácar. Hier scheint die scheint die Urlaubssaison noch nicht beendet zu sein. Ein kleiner Strom von Urlaubern pilgert bewaffnet mit Badeutensilien aus den Hotels, Appartementhäusern und Pensionen hinunter zum Strand. Wir rollen unter den Palmen der Strandstrasse weiter nach Garrucha.

Playa Venta del Bancal
Playa Venta del Bancal

Einkauf in Garrucha

Aus dem letzten Jahr kennen wie hier einen Supermercada. Eigentlich müssten wir nicht dringend einkaufen. Aber durch diese Markt zu gehen macht einfach Spaß. Kein Vergleich zu den heimischen REWE-, Globus-, Lidl- oder „WieauchimmerMärkten“. Dort wo Einheitsware einfallslos aber immer verkaufsfördernd präsentiert wird. Wo regionale Produkte noch immer schwer zu finden sind und wo das Schweinefleisch kriminell billig ist.

Hier im Supermarkt in Garrucha ist alles viel freundlicher und heller. Statt enger Regalschluchten findet man hier Flanierwege durch die bunte Warenwelt. Es gibt weniger hohe Regale so dass man sich eher wie auf einem Marktplatz fühlt. Besonders beeindruckt ist das Angebot von frischen regionalen Produkten. Sei es der Schinken der frisch von der Keule iberischer Schweine geschnitten wird oder die wunderbar aussehenden Porterhouse-Stücken in der Auslage des Metzgers.

Delikates im Garrucha
Delikates im Garrucha

Ein wenig Fisch

Frischer Fisch und Meeresfrüchte gibt es hier in vielfältigster Form. Muscheln unterschiedlichster Arten glänzen feucht und gut sortiert in offenen Kisten. Besonders lecker scheint uns die Kiste mit den „Morralla de Lonja“. Wir identifizieren Petermännchen, kleine Doraden, Drachenköpfe, verschiedene Meerbrassen, Garnelen und manches andere mehr.

Das Etikett in der Kiste gibt uns Auskunft was wir hier vor uns haben. Die kleine Gesellen wurden mit dem Schleppnetz gefangen und wurden gestern hier in Garrucha angelandet. Es handelt sich um Frischfisch aus dem westlichen Mittelmeer.

Morralla de Lonja bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „Müllfisch“. Eine denkbar unpassende Übersetzung. Bildet diese Mischung doch die ideale Grundlage für eine kräftig-delikate Bouillabaisse. Ein kulinarischer Luxus, den wir uns aber leider nicht gönnen. Für uns zwei würde sich der Aufwand nicht lohnen. Es wäre auch nicht gut sie im Wohnmobil zuzubereiten – der Gerüche wegen. Die Möglichkeit draußen zu kochen haben wir leider nicht.

Tomaten auf Reisen

Ein Detail hier stimmt uns dann sich noch sehr nachdenklich. Im Gemüseregal liegen Tomaten mit der Herkunft Niederlade/Belgien und schimmern uns blass entgegen. Die mussten einen Weg von ca. 2.200 Kilometer hinter sich bringen, um in dieses Regal zu gelangen. Dabei liegt nur 70 Kilometer von hier entfernt das größte Gemüseanbaugebiet Europas. Und die Tomaten von dort liegen auch gleich nebenan. Aber offenbar kann man es sich nicht leisten die LKW-Flotten leer durch Europa düsen zu lassen – und sei es nur in eine Richtung. Vielleicht war aber auch das Kaliber 57-67 Millimeter im Mare de Plastico gerade nicht verfügbar. Ein Wahnsinn!

Nachtrag: Der Import von Tomaten aus Spanien nach Mitteleuropa kann ökologisch durchaus Sinn machen. In den Wintermonaten, dann wenn in Mitteleuropa die Gewächshäuser für eine erfolgreiche Ernte aufwendig geheizt werden müssen schlägt die spanische Importtomate die niederländischen, belgischen und deutschen Produkte ökologisch um Längen. Aber eben nur in den Wintermonaten.

Beneluxtomaten in Spanien
Beneluxtomaten in Spanien

Costa Almeria

Seitdem wir gestern bei Carboneras auf das Mittelmeer stießen, befinden wir uns übrigens an der Costa Almeria. Sie ist eine von den wohl mehr oder weniger willkürlich benannten 12 Küstenabschnitten am Mittelmeer zwischen Cadiz im Südwesten und Girona im Nordosten Spaniens. Manche dieser Namen sind bescheiden gewählt und tragen einfach den Namen des Hauptortes wie die Costa des Valencia oder die Costa Almeria. Andere Namen haben einen Ursprung der wohl eher einem Marketing-Ansatz entspringt. Die Costa Brava, die Costa Blanca und natürlich die Costa de Sol gehören dazu.

Wir habe nun noch ca. 40 Kilometer an der Costa de Almeria vor uns, die wir auf der ausgenommen schönen Küstenstraße AL-7107 zurücklegen. Am Playa Cristal legen wir einen Stopp ein. Dort gibt es eine großzügige Parkbucht und man hat einen schönen Blick über der Küste. Wir nehmen den steilen aber gut ausgebauten Weg hinunter zum Wasser. Auf dem letzten Meter bis zum Strand mit groben Kies gilt es ein wenig über die Klippen zu kraxeln.

Ich nehme ein kurzes Bad in der Dünung die vom Sturm der letzten Nacht geblieben ist. Trotz des grauen Himmels ist die Luft warm und das Wasser angenehm.

Dann geht es weiter der Küste entlang nach Águilas. Die Straße verläuft nun ohne spektakuläre Windungen oder andere Sehenswürdigkeiten durch eine karge Landschaft. Wir kommen schnell voran. Bei San Juan de los Terreros verliert die Strecke weiter an Reiz. Wir umfahren den Ort landeinwärts auf einer modernen Umgehungsstraße. Auch Àguilas lassen wir links liegen.

Costa Calida

Mit Águilas haben wir nun auch die Costa Calida erreicht. Ihrem ihrem Namen „Warme Küste“ macht sie heute allerdings keine Ehre. Dafür wird die Landschaft wieder interessanter. Auf der RM-D14 umfahren wir den Parque natural de Cabo Cope y Puntas de Calnegre. Der Naturpark schützt einen 17 Kilometer langen Küstenabschnitt. Zu seinen Bewohner gehören neben der Schwarzen Schildkröte manch andere Reptilien. Laufkröten sind hier ebenso heimisch wie verschiedene Eidechsenarten und Iberische Skinke.

Die Straße führt uns nun ein wenig Richtung Inland, weg von der Costa Calida. Es geht hinauf in das kleine Küstengebirge und plötzlich versperrt uns ein Steinschlag den Weg. Offenbar eine Folge des Unwetters der letzten Nacht. Das hat hier wohl doch stärker getobt. Ein gelbes Auto der Straßenmeisterei kreuzt auf und nimmt diesen Schaden auf. Wir können das kleine Hindernis gut umfahren werden kaum aufgehalten.

Die RM-D20 führt durch eine malerische Landschaft mit vielen Windungen weiter landeinwärts bis über die AP-7, die Autopista Mediterranéo, hinweg. Wir wollen aber mit Macht zurück an die Costa Calida. Wenige Kilometer weiter ergibt sich hierzu die Gelegenheit. Durch das grüne Tal des Rambla de Remonete geht es wieder Richtung Küste. Das fruchtbare Stück Land mit fetter schwerer Erde wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Neben Äckern und Gemüsebeeten gibt es auch hier die obligatorischen Gewächshäuser.

Wir werden kurz aufgehalten. Der Traktor eines Bauern räumt die Straße von den Resten einer kleinen Schlammlawine. Die hat sich wohl letzte Nacht Ihren Weg hier in das Tal gebahnt. Dann erreichen wir Puntas de Calnegre. Von dort aus führt die schmale Straße direkt an der Küste entlang. Einen Badeplatz für Rast am Strand finden wir aber leider nicht.

Costa Calida - Ein kleine Schlammlawine verschwindet
Ein kleine Schlammlawine verschwindet

Dann geht es mitten hindurch zwischen großen Gewächshäusern. Die Landarbeiter, meist junge kräftige Kerle verbringen am Straßenrand verschwitzt ihre Mittagspause. Eine Szene die uns an Bilder der Landarbeiter auf den Felder der großen Adelsgüter im Norddeutschland Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnern. In welcher Art von Schnitterkasernen werden wohl diese armen Teufel ihre freie Zeit und die Nächte verbringen?

Puerto de Mazarrón an der Costa Calida

Wieder treibt uns die einzig möglich Straße nach Cartagena ein wenig landeinwärts bevor wir die Bucht von Mazarrón erreichen. Die ist mit den Orten Puerto de Mazarrón, Isla Plana, San Girnes und La Azohia modern ausgebaut und versucht offenbar von den „Segnungen“ des Badetourismus zu profitieren. Allerdings ist das nur ein minimaler Vorgeschmack von dem, was uns an Touristenburgen weiter nördlich an der Costa Blanca erwarten wird. Wir nutzen den leeren Strand der Nachsaison, um einen kleine Pause einzulegen.

Noch ein kleiner Tankstopp und dann geht es weiter Richtung Cartagena. Wieder führt die Straße hinauf in die Berge. Diesmal in die Sierra la Muela. Die Berge hier sind ein weiteres kleines Naturparadies an der Costa Calida. Habichtsadler und Wanderfalken sind dort genauso heimisch wir die Kleinfleck-Ginsterkatze oder der Algerische Igel. Die beiden Letzteren stammen eigentlich aus Afrika. Aber sie scheinen sich auch hier wohl zu fühlen. Vielleicht auch weil der nordafrikanische Sandarakbaum sein Weg hierher gefunden hat.

Auf dem Weg nach oben kommen wir an der schönen Mirador Cuestas del Cedacero auf ca. 250 Metern über dem Meer vorbei. Vor hier aus hat man einen großartigen Blick Richtung Südwesten.

Costa Calida - Mirador Cuestas del Cedacero
Mirador Cuestas del Cedacero

Cartagena – Hauptstadt der Costa Calida

Dann erreichen wir Cartagena, die zweifellos wichtigste Stadt an der Costa Calida. Bei unsere Durchfahrt umfängt uns das fragwürdige Flair einer modernen spanischen Großstadt (215.000 Einwohner). Die Leute hier leben vom Hafen, einer Erdölraffinerie und dem Tourismus. Auch einer der wichtigsten spanischen Marinehäfen (Arsenal) hat hier seinen Standort. Der Marinestützpunkt der Armada Española geht auf das Jahr 1731 zurück und ist der für das Mittelmeer zentrale Hafen der spanischen Seestreitkräfte.

Der dichte Verkehr, die engen und belebten Straßen – auch gerne in der zweiten Reihe parkende PKW und Transporter behindern unser Vorankommen. So sind wir froh Cartagena wieder verlassen zu können und machen uns auf der RM-12 auf den Weg zum Cabo de Palos.

Gabo de Polas – östlicher Zipfel Costa Calida

Hier finden wir direkt unter dem Felsen des Cabo de Polas einen großzügigen Parkplatz, der gegen eine geringe Gebühr einen ruhigen Abend verspricht. Über uns wacht der beachtliche Leuchtturm oben auf der mächtigen Klippe. Die kleine Bar Chiringuito „El Faro“ gleich nebenan versüßt uns ein wenig den frühen Abend.

Wir haben dort eine großartigen Blick über eine 20 Kilometer lange Nehrung. Sie trennt das Mittelmeer von dem landeinwärts gelegenen Mar Menor fast vollständig ab. Nur durch zwei künstliche und schiffbare Kanäle und ein natürliches Gatt kann das Mar Menor sein Wasser mit dem Mittelmeer austauschen. Am nördlichen Ende der Nehrung geht die Costa Calida übrigens in die weitaus bekanntere Costa Blanca über. Dort warten Alicante und Benidorm, zwei Hotspots des spanischen Badetourismus. Die Nehrung ist ebenfalls dem Massentourismus geopfert worden. Die Silhouetten der Betonburgen reihen sich aneinander soweit das Auge reicht. Kein lohnender Abstecher für uns.

Gegen 20:00 Uhr verlassen wir die Chiringuito „El Faro“ und lassen im Womo die Nacht auf uns zukommen. Als es dunkel wird, wird es auch zunehmend ungemütlich. Ein heftiger Sturm aus Richtung Nordost, von den Baleraren kommend, ist aufgezogen. Böen mit 10 bis 11 Windstärken treffen unser Wohnmobil von der Breitseite. Es schüttelt und rüttelt uns. Das Mobil droht noch lange nicht umzustürzen, aber in einen tiefen und ruhigen Schlaf werden wir so nicht verfallen.

Ohne auf die Einteilung der Parkplatzparzellen zu achten, drehen ich das Auto um 90 Grad. Der Sturm drückt nun nur noch auf das Heck des Wagens. So gelingt uns doch noch der Übergang in eine ruhige Nacht.

Hier noch unsere Tagestrecke

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