Cité Carcassonne

Cité Carcassonne

Heute entdecken wir die Cité von Carcassonne, die größte Festungsanlage Europas. Dabei streifen wir durch die mittelalterlichen Gassen und besichtigen das Château Comtal und die Basilique Saint-Nazaire. Dann geht es weiter an das Mittelmeer, an den Strand zwischen Agde und Séte.

Nach dem sehr schönen Sommerabend am Canal du Midi in Le Ségala soll es nun heute ans Mittelmeer gehen. Direkt am Weg liegt Carcassonne mit seiner mittelalterlichen Burgstadt. Die Cité Carcassonne ist wohl die berühmteste Burganlage Frankreichs und dementsprechend ein Besuchermagnet, der auch uns heute anzieht.

Wir brechen in Le Ségalsa gegen 09:45 Uhr auf und nehmen zunächst die D 6113 auf der wir dem Lauf des Canal du Midi bis nach Bram folgen. Dann wechseln wir auf die A 61 und oh Wunder, eine Mautgebühr bleibt uns hier erspart. Nach 20 Kilometern auf der Autobahn erreichen wir einen Rastplatz mit dem vielversprechenden Namen „Aire du Belvédére da la Cité“.

Ein erster Blick auf Carcassonne

Dieser Name scheint Programm zu sein. Hier verläuft die Autobahn hoch über der Flussebene des L’Aude der von den Pyrenäen kommend unten im Tal Carcassonne durchfließt. Von hier oben haben wir einen schönen Blick auf die Stadt, im Vordergrund die riesige Festung.

Aire du Belvédére da la Cité
Aire du Belvédére da la Cité

Sie ist mit vielen Superlativen bedacht worden. „Beeindruckendste mittelalterliche Festung in Europa“ titelt unser Beadeker Reiseführer. „Welterbe der Menschheit“ verlieh die UNESCO. France.fr listet die Cité von Carcassonne unter den 10 wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Frankreich. Damit befindet sie sich in Gesellschaft mit dem Mont Saint-Michel, den Schlössern an der Loire oder dem Papstpalast von Avignon.

Bei aller Wertschätzung wissen wir aber schon jetzt, dass nicht alles original sein wird, was wird dort finden unten werden. Die einstmals mächtige und noch heute von zwei Ringmauern umgebene Festung verlor Mitte des 15. Jahrhunderts ihre militärische Bedeutung. Damit war sie dem Verfall preisgegeben. So waren viele der 52 Türme Anfang des 19. Jahrhunderts auf Hälfte ihrer Höhe eingefallen.

Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts besann sich die in einer Blüte stehende Kulturnation dieses Erbes. Ein Herr Namens Violett-la-Duc begann 1843 auf Initiative des obersten französischen Denkmalschützers mit der Rekonstruktion der Anlage. Dabei kam wohl auch manches mittelalterliche Klischee des 19. Jahrhunderts zum Tragen und anderes wurde vielleicht historisierend verklärt.

Nichtsdestotrotz schaffte es die Cité auf der Liste des UNESCO Welterbes und ist auf jeden Fall sehenswert.

Die Cité Carcassonne

Wir beginnen unseren Besuch auf dem Parkplatz für Busse und Wohnmobile, der ca. 650 Meter östlich dem Haupttor liegt. Etwas näher dran gibt es mehrere große Parkplätze für PKW.

Schon der Anblick vom Weg zum Haupttor ist gewaltig.

Carcassonne -  Porte Narbonnaise
Carcassonne – Cité

Die zwei Mauern

Mit Zinnen bewehrt liegt der niedrigere erste Mauerring vor uns. Ein romanisches Tor führt hindurch. Dahinter ragen die drei gewaltigen Türme der Porte Narbonnaise auf. Sie führt durch den zweiten viel höheren Mauerring.

Der schmalere Mittelturm, unter dem das schmale Tor liegt, rückt dabei zurück. Die viel mächtigeren Verteidigungstürme links und rechts des Tores rücken dafür keilförmig nach vorn. Von ihnen ließen sich die Flanken der heranstürmenden Truppen, die es bis zwischen die Mauer geschafft hatten, hervorragend bekämpfen,

Ähnliche Vorsprünge finden sich bei allen Türmen beider Mauerringe. Sollten es die Angreifer tatsächlich die erste Mauer überwunden haben, fanden Sie dort eine tödliche Zone vor. Das freigeräumte Gelände dort bietet weder Deckung noch Möglichkeiten zur Flucht. Man war so den Verteidiger schutzlos ausgeliefert.

Wir überwinden diesen „Todestreifen“ unbehelligt und betreten die Cité durch die „Porte Narbonnaise“ Gleich rechts nur wenige Meter nördlich steht der Tour du Tréseau, der Schatzturm.

Carcassonne - Tour du Tréseau
Carcassonne – Tour du Tréseau

Seinem ursprünglichen Zweck entsprechen sind seine Mauern stark und die Zugänge und Fenster eher schmal. Gold, Geld und Geschmeide fand man hier jedoch nicht. Hier war lange das Archiv der Cité untergebracht. Und ein im Verteidigungsfall nicht zu unterschätzender Schatz wurde hier deponiert. Hier befand sich das Weinlager für die Verteidiger. Mitten in dem achteckigen Raum im Erdgeschoss mit seinen gotisch anmutenden tiefen Fensternischen befindet sich die Öffnung einer Zisterne. Heute nutzt eine Künstlerin der Raum als Verkaufsgalerie.

Carcassonne - Tour du Tréseau, Zisterne
Carcassonne – Tour du Tréseau, Zisterne

Durch die Gassen von Carcassonne

Dann betreten wir die eigentliche Festungsstadt und merken schnell, dass wir nicht nur in einer interessanten historischen Kulisse gelandet sind. Hier finden wir auch eine der für Frankreich so typischen, perfekt organisierten Tourismusmaschinen wie wir sie auch auf dem Mont Saint Michel, in Conquest und Cordes sur Ciel oder in den Mauern der Küstenfestung von Concarneau kennen lernen konnten.

Dicht drängen sich die Menschen in den engen Gassen. Fremdenführer aller denkbaren Idiome mächtig, ziehen Reisegruppen aus aller Herren Länder hinter sich her. Kunstgewerbe und Souvenirs in erstaunlicher Vielfalt werden an fast jeder Ecke angeboten. Bars und Restaurant reichen Erfrischungen aller Art an diesem hochsommerlichen Vormittag. Viele der hunderte von Freisitzen der Restaurants sind schon besetzt.

Uns aber steht es nicht danach dem touristischen Malstrom durch die Gassen der Cité weiter zu folgen. Dort wo sich die Rue de Grand Puits, die Rue Porte d’Aude und Rue Viollet le Duc treffen, biegen wir nach rechts ab und stehen plötzlich auf dem Vorhof des Château Comtal. An den westlichen inneren Mauerring gelehnt umgibt das Château im Norden, Osten und Süden eine hohe Mauer mit weiteren acht mächtigen Türmen. Davor liegt ein breiter und tiefer Graben, der von einer romanisch anmutenden Bogenbrücke überspannt wird.

Porte de l’Est – Château Comtal

Bevor man diese überwinden kann, um in das heiligste der Cité zu gelangen, wird jedoch ein „Wegzoll“ fällig. 21 Euro zahlen wir für drei Personen. Studenten finden hier keinen Rabatt. Dafür kann man mit dem Ticket am Tag der ersten Nutzung mehrfach in das Château zurückkehren. Eine gute Lösung für alle, die sich mit Geschichte und Architektur innerhalb der Mauern ein wenige länger befassen möchten und zwischendurch in einem der vielen Restaurants der Cité Entspannung und ein gutes Essen finden wollen. Ein ausgeklügelter Tourismusbetrieb eben dieses Carcassonne.

Château Comtal

Die sieben Euro pro Person enthalten neben einem übersichtlichen Flyer mit Lageplan auch einen Audioguide in Deutsch, den wir gerne nutzen.

Bei unserem Rundgang lernen wir die meisten Gebäude der Burganlage kennen. Bergfried, Palas, Mauern und Wehrgänge liegen aus unserem Weg. Der Audioguide gibt uns interessante Hinweise und erzählt manches über die architektonischen Glanzleistungen die man in der Burg finden kann.

Der Rundgang im Château Comtal

Wir beginnen im Querhaus, welches sich als Palas von Ost nach West zwischen den Mauern des Château Comtal erstreckt. Das Hauptexponat hier ist ein beeindruckenden Modell des historischen Carcassonne mit dem Château Comtal. Eine Schulklasse lauscht gerade aufmerksam der Führerin, die begeistert von der Anlage berichtet. Die begleitenden Lehrer scheinen eher abwesend zu sein. Es ist sicher nicht ihr erster Besuch hier.

Château Comtal

Im Palas führt uns eine Treppe nach oben auf das Niveau des Wehrganges oben auf der Stadtmauer. Vorbei den dem Raum, in dem in einer Schleife ein elfminütiger Film über Carcassonne läuft, führt der Rundgang nun hinaus auf die Krone der Mauer und einmal um die ganze Anlage. Sehr beeindruckend. Auf dem Weg liegen 10 Wehrtürme (inkl. Bergfried und Aussichtsturm), hölzerne Wehrgänge, Zinnen und steinerne Schießscharten. Von hier oben findet man immer wieder tolle Übersichten über Burganlage und hinunter auf Carcassonne.

Am Ende der Runde, an der westlichen Mauer erwartet uns der Wohnpalast und der Bergfried mit seinen sehenswerten und repräsentativen Sälen. Sie sind den verschiedenen Bauepochen und -stilen der Burg gewidmet. Gotischer Saal, romanischer Saal, antiker Saal, Gewölbesaal und der Saal Pierre Embry bergen manche Kleinodien aus den verschiedenen Bauepochen.

Damit ist der Rundgang durch das Château Comtal für uns fast beendet. Wir steigen wieder hinab in den Burghof und erinnern uns an unseren Besuch im Alcázar de Segovia. Ebenfalls die prägende Burganlage des Landes und ebenfalls ein UNESCO-Welterbe. Beide Anlagen gegeneinander aufzuwiegen wäre jedoch wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Das Château Comtal erreicht in keiner Weise die Pracht es Interieurs des Alcázar de Segovia. Dafür steht das Gesamtensemble innerhalb der großen Mauer Carcassonne dem historischen Segovia kaum nach. Allerdings erinnert Carcassonne doch eine wenig mehr an ein touristisches Disneyland mit mittelalterlichen Einschlag.

Weiter durch das alte Carcassonne

Wir stürzen uns noch in wenig in dieses turbulente Treiben. Die riesigen Freisitze der Restaurant am Place Marcou sind nun, zu besten Mittagszeit voll besetzt. Auf der Rue de Plö schlendern wir zum Place Saint-Nazaire. Hier steht die Bischofskirche von Carcassonne, die beeindruckende Basilique Saint-Nazaire.

Hier rasten wir ein wenig und bewundern die prächtigen Farbspiele der gotischen Fenster in der westlichen Apsis und in der Rose über dem Hauptportal.

Dann setzen wir unseren Weg fort. Place Auguste-Pierre Pont, Rue Saint-Louis und Rue Porte d’Aude – auch hier das Bild, welches die Cité von Carcassonne heute so prägt. Es scheint, als ob auch hier jeder Quadratmeter für das touristische Geschäft optimiert ist. Restaurants, Bistros und Bars in großer Zahl. In den verbleibenden Lücken werden Kunsthandwerk aller Couleur und Souvenirs aller Art angeboten.

Über die Rue Cros Mayrevielle finden wir den Weg zurück zum zur Porte Narbonnaise mit seinen gewaltigen Drillingstürmen. Nach dem wir auf diesem Weg die Cité verlassen haben werfen wir noch einen Blick zurück und sind froh diesen wehrhaften Ort in einer so friedlichen Zeit als gern gesehener Gast besuchen zu können.

Porte Narbonnaise

Weiter ans Mittelmeer

Zurück am Wohnmobil machen wir uns auf den Weg nach Osten Richtung Mittelmeer. 130 Kilometer liegen nun vor uns. Ziel ist lange Nehrung mit dem wunderbaren Sandstrand, die zwischen Agde und Séte den Étang de Thau vom Mittelmeer trennt.

Über den Weg gibt es nicht viel zu berichten. Zunächst geht es auf der A61 flott in Richtung Osten. Später bei Narbonne biegen wir auf die A9 ab. Dort sehen wir in der Ferne die Silhouette der Kathedrale St. Just. Hoch erhebt sie sich über die Stadt. Keine Wunder, ist mit 41 Metern doch der höchste gotische Chor in ganz Frankreich. Trotzdem wirkt der Bau irgendwie wie „abgehackt“. Das liegt daran, dass der ganze Kirche lediglich auf dem Chor besteht.

Als wir in A9 über die Ausfahrt Agde verlassen, liegen seit Carcassonne 94 Autobahnkilometer hinter uns. An der Mautstation hinter der Ausfahrt werden dafür 13,80 Euro fällig.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Aire Camping-Car Étang de Thau. Der Name ist ein wenig irreführend. Der Stellplatz liegt viel näher am Strand des Mittelmeers am Étang de Thau. Letzteren kann man zu Fuß oder mit dem Rad nur mit eine erheblichen Umweg erreichten. Zwischen dem Stellplatz und dem See verläuft auf der Nehrung eine TGV-Strecke und die nächsten Bahnübergänge sind einige Kilometer entfernt.

Der Meeresstrand hingegen ist schnell erreicht. Der Stellplatz liegt direkt hinter den Dünen.

Wir parken neben einem Britten ein der gerade die letzte Folge von Bernhard Cornwells Uhtred-Saga in der Hand hat. Ich meine zu ihm, dass dies ein spannendes aber auch einer sehr blutiges Buch wäre. Mit typisch englischen Humor gibt er zurück, dass Letzteres das Werk erst zu einem guten Buch macht.

So sind sind sie halt die Briten.

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