12.6.2023 Heute geht des entlang den Rias de Baixas von von Punta do Castro nach Cabo Silleiro. Die wilde und teilweise dicht besiedelte Fjordlandschaft erinnert uns ein wenig an unsere Reisen nach Norwegen vor vielen Jahren.
Eine kühle Nacht und ein unerwartetes Erwachen
Die Kühle des gestrigen Abends wurde wohl von einer Regenfront herangeschoben. Diese erreicht uns mitten in der Nacht. Ein leiser Regen streichelt zart unsere Ohren und unterbricht die Nachtruhe im Wohnmobil hin und wieder. Auch einige ruppige Böen pfeifen ums Auto. Gegen fünf Uhr kehrt wieder Ruhe ein, und wir können den Schlaf wieder in vollen Zügen genießen.
Gegen 7:30 Uhr weckt uns dann erneut Regen, der ans Auto prasselt – allerdings nur an den Hecktüren. Kurz darauf verstummt das Geräusch, nur um etwa 30 Sekunden später wieder aufzuflammen. Dieser Vorgang wiederholt sich ständig. Seltsam – was ist das nur? Nach zehn Minuten müssen wir der Sache auf den Grund gehen. Ich quäle mich aus dem Bett und schaue draußen nach. Das Rätsel ist schnell gelöst.
Das Rätsel der Rasensprenger
Bei der Umwandlung der alten Konservenfabrik in die heutige kleine Freizeitanlage mit Parkplatz hat man offenbar keine Kosten gescheut. Wie aus dem Nichts haben sich Rasensprenger aus ihren Versenkungen im Boden erhoben und verrichten ihr lebensspendendes Werk für den Rasen, die noch jungen Bäume und Hecken ringsum. Sinnvollerweise nutzt man hierzu die kühlen Morgenstunden, anstatt das teure Nass später am Tag den Strahlen der südeuropäischen Sonne preiszugeben.
Um den Geräuschpegel im Auto zu senken und den Wasserfontänen ihren vorbestimmten Weg freizugeben, parken wir kurz um und wählen einen Platz, der von den Wasserstrahlen nicht betroffen ist. Da das Rätsel nun gelöst ist und wir wissen, dass weder Gefahr noch Ungemach drohen, dösen wir noch ein wenig dem Vormittag entgegen. Ich nutze die Zeit, um die Ereignisse der letzten Tage zu notieren und die Tracks mit den zurückgelegten Strecken zu sichern.
Dann folgen Morgentoilette und Frühstück. Auch die allgemeine Wettersituation verbessert sich in dieser Zeit. Die Wolkendecke löst sich ein wenig und gibt einige Stücke azurblauen Himmel frei. Das ermutigt uns, diesen Ort noch ein wenig zu erkunden.
Mit dem Fahrrad durch die Dünen zur Illa Insua Primeira
Also machen wir die Räder fertig. Direkt durch die flachen Dünen führt ein Holzdamm nach Westen. Der ist auch mit den Rädern gut zu bewältigen. Kaum ein Mensch ist jetzt schon unterwegs. Die Bucht wird westlich von uns durch einen Damm und zwei Brücken geteilt, die hinaus zu einer kleinen Insel führen. Diese soll unser erstes Ziel sein.
Auf der Insua Primeira angekommen, finden wir uns gegen 10:30 Uhr auf einem Eiland wieder, das eigentlich nur eine Ansammlung von Felsen ist, die das Meer in Jahrtausenden rundgeschliffen hat. Weiter draußen im Meer liegen weitere Inseln dieser Art. Von unserem Standort aus haben wir einen wunderbaren Blick über den südlichen Teil der Baxía Arousa, der zweiten tief ins Land reichenden Trichterbucht dieser Gegend.
Draußen im Wasser schwimmen große Körbe, in denen Miesmuscheln heranwachsen. Weiter hinten, im Dunst, liegt die gegenüberliegende Küste der Baxía Arousa mit vorgelagerten kleinen Inseln wie der Illa de Rúa, auf der wir mit dem Fernglas den gleichnamigen Leuchtturm ausmachen können. Manche Teile der Gewässer der Baxía Arousa sind als Meeresschutzgebiete ausgewiesen. Davon profitieren auch Meeressäuger wie Schweinswale und Delfine.
Die Illa de Cortegada und ihre vorgelagerten Gewässer gehören sogar zum Parque Nacional Marítimo-Terrestre das Illas Atlánticas de Galicia. Ganz hinten ragt der Monte Gaiás 613 Meter hoch über dem Meer auf. Seine Silhouette mit den gleichmäßig und sanft abfallenden Hängen lässt uns vermuten, dass dies wohl ein erloschener Schichtvulkan ist.
Neben der schönen Aussicht lädt ein kleiner Strand zwischen den Felsen der Insua Primeira zum Baden ein. Dazu ist es uns heute aber noch zu kühl. So brechen wir wieder auf, um den Hafen von Aguiño zu erkunden. Der liegt nur wenige Minuten mit dem Rad entfernt. Entlang des Praia do Robalo gelangen wir dorthin.

Der Hafen von Aguiño – kein Schmuckstück, aber authentisch
Dort angekommen, erkennen wir, dass er kein Schmuckstück an Galiciens Küste ist. Geschützt vom Damm zur Insua Primeira, von dem wir gerade kommen, und zwei Molen, die weiter innen liegen, ist er vielmehr ein zweckmäßiger Hafen für die hiesigen Fischer. Nebenan befindet sich eine kleine Werft, deren ganzer Stolz ein alter Turmdrehkran ist, der den gesamten Ort überragt.
Es gibt nur wenige Liegeplätze für kleine Boote an zwei Stegen. Daher dümpelt eine ganze Menge Boote der Freizeitskipper, festgemacht an Bojen, draußen im Hafenbecken. Die wenigen Liegeplätze für größere Kutter an der Westmole sind offenbar den Fischern vorbehalten.
Auch die in vielen Küstenorten so belebte Hafenstraße führt hier eher ein bescheidenes Dasein. Eine Bar, ein Restaurant und ein kleiner Lebensmittelmarkt – das war’s. Auch ein Fischladen ist nicht auszumachen, auf den wir dort an der Küste ein wenig gehofft hatten. Immerhin hat man sich bemüht, mit ordentlich gestalteten Rasenflächen, Palmen und Gehwegen links und rechts der Straße dem Ort ein freundlicheres Erscheinungsbild zu geben.
Dazu gehört auch das Monumento O Mariñeiro. Es zeigt zwei Fischer, die in einer Nussschale von Boot ihrer schweren und gefährlichen Arbeit nachgehen. Gekleidet mit schwerem Ölzeug und einem Südwester auf dem Kopf hieven sie ein schweres Netz aus der rauen See.
Eine verfallene Muschelreinigungsfabrik und der Rückweg
Wir fahren noch ein Stück weiter, soweit es der Weg direkt an der Küste zulässt. Viel kommt allerdings nicht mehr – nur die Ruine der alten Muschelreinigungsfabrik von Aguiño. Sie erfüllte ihre Funktion, bis zu 7,2 Tonnen Muscheln am Tag von Sedimenten zu befreien, bis 1993. Damit war sie seinerzeit die größte Anlage dieser Art in Europa. Danach setzte der Verfall ein.
Teilen des Daches beraubt, siecht die Halle vor sich hin. Die gitterförmigen Fenster entbehren des Großteils ihrer Glasscheiben. Nur ein Street-Art-Künstler hat sich bemüht, mit einem Graffito ein wenig Leben an die traurige Fassade zu zaubern.
Es geht nun auf 11:30 Uhr zu, und wir treten den Rückweg an. Außer der tollen Lage an der Baxía Arousa hat Aguiño nichts zu bieten, was uns hier noch einen Tag halten würde. Also treten wir den Rückweg zum Wohnmobil an. In der Hafenstraße statten wir dem kleinen Lebensmittelmarkt einen kurzen Besuch ab und nehmen Baguette, Brötchen, eine schwarze Wassermelone und ein paar Paprika mit.
Eine erfrischende Dusche an der Baxía Arousa
Kurz vor dem Wohnmobil entdecken wir eine Süßwasserdusche. Sie gehört zum Inventar des Badestrandes gleich nebenan. Die Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. Wir vermeiden es nach Möglichkeit, die Dusche im Wohnmobil zu benutzen. Zwar ist sie für einen Kastenwagen überraschend groß, aber es ist immer ein wenig Räumerei erforderlich, um sie in Betrieb zu nehmen.
Außerdem wollen wir mit unserem neuen Schätzchen pfleglich umgehen. Dazu gehört auch, allzu hohe Luftfeuchtigkeit im Wohnmobil zu vermeiden. So springen wir kurz in die Fluten der Baxía Arousa, um uns danach unter die Dusche zu stellen und abzuseifen. Lange halten wir uns dabei nicht auf – die Wassertemperatur in der Bucht und die unter der Dusche laden keineswegs zu längerem Verweilen ein.
Anschließend nehmen wir uns noch ein wenig Zeit, auf der Bank nebenan Platz zu nehmen und das Panorama draußen in der Bucht zu genießen.
Weiterfahrt entlang der Rías Baixas
Zurück am Auto verladen wir die Fahrräder und machen alles für die Weiterfahrt bereit. Gegen 12:50 Uhr starten wir schwungvoll, nur um ein paar Hundert Meter wieder zu halten. Mal wieder sind die Hecktüren nicht geschlossen. Und während Steffi nach hinten geht um das Malheur zu beseitigen entdecke ich schräg gegenüber die Bar de Praia. Die hat sicher schon bessere Zeiten gesehen. Diesen Eindruck macht zumindest die Fassade und das eingefallene Gebäude nebenan.
Ich kann mit vorstellen, dass zu den Zeiten als die nun abgerissen alte Fischfabrik noch blühte, die Geschäfte dort noch besser gingen. Vielleicht kehrten dort die Angestellten ein, nachdem sie die Schicht hinter sich gebracht hatten.
Zunächst nehmen wir nun die AC-305 und damit die Route entlang der nördlichen Küste der Baxía Arousa. Die Orte dort tragen klangvolle Namen wie Santa Uxía de Ribeira, Palmeira, A Pobra do Caramiñal, Escarabote und Boiro.
Die Gegend ist dicht besiedelt, und die Küstenorte scheinen ineinander überzugehen. Alle sind durchaus sehenswerter als Aguiño und auch deutlich mehr auf Tourismus eingestellt. Die Straße verläuft abwechslungsreich – mal direkt an der Küste, mal über kleine Hügel und vorbei an kleinen Häfen, die offenbar eher den Sportbooten eine sichere Bleibe bieten.
Kurz vor A Proba do Cramiñal macht der Himmel was wir schon seit unserer Abfahrt erwartet hatten. Die dicken Wolken senden einen Schauer von dem sich die Leute in A Proba do Cramiñal kaum beeindrucken lassen. Denn Sie wissen wie wechselhaft hier das Wetter ist. Und siehe da, so schnell wie der Regen kam, geht er auch wieder.
Am Praia Xardín in Boiro legen wir eine kleine Rast ein. Eine Plattform über dem Strand bietet eine sehenswerte Aussicht über die kleine Bucht von Boiro mit dem Cabo de Cruz und Aldea de Arriba gegenüber. Rechts von und die Waterkant von Perlato. Gegen 13:45 Uhr geht es weiter. Hinter Boiro führt unsere Route kaum noch am Wasser entlang. Wir wechseln auf die Autovía Barbanza, die auf einer flachen Brücke die breite Mündung der Ría de Arousa überquert.
Es geht vorbei an Rianxo und hinauf in die Wälder und Hügel hinter der Küste, wo Seekiefern und besonders Eukalyptusbäume dominieren. Bei Catoira verlassen wir die Autobahn wieder, um möglichst nah an der Küste der Baxía Arousa zu bleiben. Auf der AC-553 geht es hinunter zur Mündung des Río Ulla. Die Ponte de Catoira bringt uns auf die andere Seite. Rechts neben der Fahrbahn gibt es einen Steg für Fußgänger und Radfahrer, die dank eines durchgehenden Daches kühlen Schatten genießen.
Über Catoira und O Carril
Auf der anderen Seite erwartet uns die Stadt Catoira und dann ein Streckenabschnitt bis nach O Carril, den wir weniger attraktiv finden. Nur die hohe Brücke der Schnellbahnstrecke von Santiago nach Vigo, die Punta do Prado, die den nördlichsten Arm der Baxía Arousa überquert, ist ein gewisser Hingucker.
Gegen 14:30 Uhr erreichen wir O Carril. Wir halten am Ortseingang an der Alto de Rosa. Von der Wendeschleife aus hat man einen guten Blick hinüber auf die Illa de Cortegada. Sie ist unbewohnt und gehört, wie oben schon erwähnt, zum Nationalpark Islas Atlánticas de Galicia. Bei Ebbe kann man das Eiland übrigens über einen Gezeitendamm auch zu Fuß erreichen.
Wir überlegen, wie es für heute weitergehen soll. Angesichts der langen Etappen der letzten Tage beschließen wir, nicht weiter die Küsten der Rías Baixas abzufahren. Bis zu deren Ende am Cabo Silleiro liegen noch rund 140 Kilometer vor uns. Große Abschnitte davon führen durch dicht besiedelte und bergige Gegenden. Da wir heute aber nicht wieder den ganzen Tag im Auto sitzen wollen, beschließen wir, die Strecke möglichst stark abzukürzen.
Fahrt zum Cabo Silleiro
Wir fahren zur nächsten Anschlussstelle der Autoestrada do Atlántico, die wir um 14:40 Uhr erreichen. Damit sind wir nun auf der mautpflichtigen AP-9 nach Süden in Richtung Vigo unterwegs. Die Strecke ist interessant und kurzweilig, führt sie doch durch das schöne Hinterland der galicischen Küste.
Gegen 14:50 Uhr erreichen wir Pontevedra und damit auch das nordöstliche Ende der Ría de Pontevedra, der dritten der Trichterbuchten der Rías Baixas. Keine 15 Minuten später geht es dann über die beeindruckende Ponte de Rande über den Estreito de Rande, den letzten Ausläufer der Ría de Vigo, der letzten großen Trichterbucht hier an der Küste.
Auf der anderen Seite angekommen haben wir einen schönen Blick auf Palmás. Der malerisch gelegene Küstenort erstreckt sich vom Ufer der Ria de Vigo bis hoch in den Hügel über der Stadt. Vor dem Hafen liegen wieder viele künstliche Insel in denen leckere Meeresfrüchte heranreifen.
Damit haben wir auch den Großraum Vigo erreicht. Dort ist alles eng bebaut, und die Autobahn schlängelt sich in einem östlichen Bogen um die Stadt. Um die Anwohner nicht zu stören und dem Gelände gerecht zu werden, verschwindet die Autobahn an zwei Stellen in Tunneln unter der Erde. Wir wechseln auf die VG-20 und kurz danach auf die AG-57 und kommen so auf flotten Autobahnen bis kurz vor Baiona.
Dann verlassen wir die Autobahn, die uns übrigens an drei Stationen einen Wegezoll abverlangte – 12,40 Euro insgesamt. Für etwa 70 Kilometer auf der Autobahn ein stolzer Preis, wie wir finden.
Am Ziel: Der Faro und die Batería Militar de Cabo Silleiro
Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Tagesziel, dem Cabo Silleiro. Als Platz für die Nacht haben wir uns den Parkplatz hoch oben am Faro de Cabo Silleiro ausgesucht. Natürlich verpassen wir, warum auch immer, die eigentlich gut ausgeschilderte Auffahrt am Kreisverkehr. Also fahren wir noch anderthalb Kilometer an der Küste entlang, bis wir eine Möglichkeit zum Wenden finden. Dann die gleiche Strecke zurück – diesmal machen wir es richtig.
Im Kreisverkehr geht es an der ersten Ausfahrt scharf rechts ab. Von dort führt eine Asphaltstrecke, mehr Pfad als Straße, hinauf zum Leuchtturm. Nach etwa 600 Metern bergauf haben wir den Leuchtturm und eine Höhe von 68 Metern über dem Meer erreicht. Was für ein wundervoller Ort. Es ist 15:42 Uhr.
Den Nachmittag verbringen wir bei toller Aussicht über das Meer und hinunter zum Cabo Silleiro mit Kochgeschäften. Zunächst kommen leckere Paprika vom Markt in León auf den Grill. Wir wollen die Haut abbrennen und die Pimientos dann in Olivenöl einlegen. Unser neuer Gasgrill, den wir erst zum zweiten Mal im Einsatz haben, meistert die Aufgabe bravourös. Die von der verbannte schwarzen Haut befreiten Paprikas marinieren wir mir feinsten Olivenöl. Das Ganze wird einer einer unseren bewähren Tupper-Dosen verstaut.
Auch die Süßkartoffeln, die wir ebenfalls auf dem Markt in León erstanden hatten, sollen verarbeitet werden. Die steckt Steffi kurzerhand in den Schnellkochtopf, den wir eigens für das Wohnmobil gekauft haben. Das Modell aus polnischer Produktion haben wir gewählt, weil es keine der üblichen Stielgriffe besitzt und so besser in die große Geschirrschublade passt. Grill und Topf sind eine ideale Kombination, um die Knollen schnell zu garen. Nach dem „Druck auf dem Kessel“ ist, drehen wir den Grill auf kleinste Flamme, und nach zehn Minuten ist die Sache erledigt – wohl auch, weil wir einen kleinen Windschutz gebastelt haben.
Nach dem Garen auf dem Grill gilt es in unserer Freiluftküche noch manches für heute Abend und die nächsten Tage zuzubereiten. So entstehen noch ein Kartoffelsalat und Buletten auf Vorrat aus dem dem Hackfleisch das in dem Aldi in Léon in unseren Einkaufskorb wanderte. Damit verbringen wir zwei weitere Stunden.
Abendstimmung am Kap
Unser Standplatz, der am frühen Nachmittag noch recht einsam war, bekommt nun mehr und mehr Besucher. Meist sind es Einheimische, die mit ihren Autos hier hinaufkommen, um den herannahenden Abend über dem Meer zu genießen. Manche sind nach fünf Minuten wieder verschwunden, andere verweilen deutlich länger. Vielleicht ist auch eine Agave mit ihrer absurd hoch aufragenden Blüte direkt vor uns ein Grund, hier heraufzukommen.
Andere fahren noch weiter hinauf. Direkt über uns macht die Straße eine scharfe Kehre und führt hinauf zur Batería Militar de Cabo Silleiro. Die alte Artilleriestellung aus den 1940er-Jahren mit ihren fünf Geschützbunkern und den verfallenen Unterkünften ist heute ein Lost Place. Sie wurde Ende des letzten Jahrhunderts endgültig aufgegeben, ist aber heute ein Anziehungspunkt für Schaulustige und Geschichtsinteressierte.
Wir aber schauen weniger hinauf, sondern lieber hinaus aufs Meer. Aus Richtung Vigo kommend verlässt gerade das Kreuzfahrtschiff Silver Moon die Ría de Vigo. Bald wird sie nach Norden abdrehen, um entlang der spanischen Küste Kurs auf Bilbao zu nehmen – das können wir jedenfalls der Internetseite vesselfinder.com entnehmen.
Andere Schiffe liegen im Schutz der der Ría de Vigo vorgelagerten Inseln Illa de San Martiño mit dem Faro de Cíes und Illa de Monteagudo mit dem Faro do Caba de Bicos auf Reede und warten auf ihre Einfahrt nach Vigo.
Von unserem Standort aus wirken die beiden Inseln wie eine. Mit einem Blick durch den Feldstecher wird aber deutlich, dass es sich um zwei Eilande handelt, die aus unsere Blickrichtung hintereinander liegen. Davon wie gefährlich diese Gewässer für die Schifffahrt sind, zeugt der Farol da Agoeira auf einer Felsenkuppel die vor der Illa de San Martiño nur wenige Meter aus dem Wasser ragt.
So gibt es da draußen heute Abend manches zu beobachten. Dazu gehört auch das Spiel der Wolken am Himmel. Diese verdichten sich jedoch mehr und mehr und lassen leider keinen ungestörten Blick auf den Sonnenuntergang zu. Schade – vielleicht beim nächsten Mal.

Eine Nacht voller Summen
Als die Dämmerung einbricht beginnt der Leuchtturm seine Lichtblitze hinaus auf’s Meer zu schicken. In Rhythmus von 15 Sekunden sind es hier drei Blitze in weißem Licht. Zwei erfolgen kurz hintereinander und nach einer kurzen Pause kommt der Dritte. Und während wir beginnen diesem Takt zu folgen, starten Schwärme von Mücken eine erbarmungslose Angriffswelle auf uns. Wir flüchten ins Auto und müssen feststellen, dass die Invasion dieser unangenehmen Insekten schon weit in das Innere des Autos vorgedrungen ist. Also erst einmal alle Schotten dicht!
Denn wir lernen: Die Insektengitter an Türen und Fenstern bieten keinen verlässlichen Schutz vor den kleinen Quälgeistern. Während uns einige Exemplare piesacken, beginnen wir das Abwehrgefecht, das in einem kleinen Massaker ausartet. Alle erwischen wir jedoch nicht. So nerven uns während der Nacht die in hohen Tönen heransummenden Anfluggeräusche dieser Blutsauger, die es schaffen, uns im Schlaf den einen oder anderen Tropfen roten Lebenssaftes abzuringen. Keine schöne Nacht!


























