17.6.2023
Von Puerto de Vega über den Mirador del Fitu bis nach Ribadesella führt uns dieser Reisetag entlang der wilden Costa Verde durch Berge, Nebel und Küstenlandschaften. Zwischen spektakulären Ausblicken, asturischer Kultur und entspanntem Camperleben entdecken wir eine der schönsten Regionen Nordspaniens.
Ribadesella lernen wir als eine wahres Kleinod an der Costa Verde kennen.
Schwere Wolken hängen über den Bergen des Kantabrischen Gebirges, als wir am 17.06.2023 in Puerto de Vega aufbrechen wollen.
Start in Puerto de Vega und Tipp zur Ausfahrt
Bevor wir starten, gibt uns der nette Rheinländer von nebenan einen wichtigen Tipp, vorgetragen in seinem einzigartigen Dialekt. Auf keinen Fall sollen wir die offizielle Ausfahrt entlang der Straße Acceso a Parking nutzen. Die hätte einen üblen Absatz, an dem selbst wir mit unserem Kastenwagen aufsetzen könnten.
Wir nehmen uns den Rat zu Herzen und müssen so notgedrungen die Calle del Muelle, die schmale Zufahrt entlang des Hafenbeckens, nehmen. Allerdings ist dort die Durchfahrt in unsere Richtung verboten. Egal, Augen zu und durch – jetzt am späten Samstagvormittag ist dort ohnehin kaum jemand unterwegs.
Und tatsächlich begegnet uns niemand bis zum Ende des Hafens, ab dort haben wir dann wieder freie Fahrt.
Fahrt über die A-8 Richtung Mirador d’el Fitu
Wir wollen heute ein gutes Stück nach Osten vorankommen und dabei einen Abstecher in die Berge wagen. Hierzu haben wir uns den Mirador d’el Fitu ausgesucht.
Laut Reiseführer soll dort auf 590 Metern über dem Meer ein Rundblick von der Küste bis zu den Picos de Europa möglich sein.
Über die N-634 erreichen wir schnell die A-8, die Autovía del Cantábrico.
Wir nehmen die Auffahrt beim Autobahnkilometer 465.
Die Autobahnanschlussstellen sind in Spanien übrigens nicht nach ihrer Reihenfolge wie in Deutschland nummeriert, sondern nach dem laufenden Autobahnkilometer, an dem sie sich befinden.
Die nächsten 128 Kilometer werden kurzweilig. Die interessante Strecke windet sich meist zwischen 100 und 200 Höhenmetern entlang der Ausläufer des Kantabrischen Gebirges. Oft kreuzen Gebirgsflüsse wie der Río Esva, Río Gabo oder Río España die Autobahn. Dort gilt es, auf kühnen Brücken steile Schluchten zu überwinden.
Hier und da stellen sich Berge in den Weg, die in Tunneln unterquert werden. Die sind meist nicht sehr lang, außer der Doppeltunnel bei Niévares und Brañaviella.
Beide Teile zusammen sind 3.618 Meter lang.
Wir kommen vorbei an den großen Städten Avilés und Gijón. Bei Avilés steht das große Stahlwerk von ArcelorMittal direkt an der Autobahn, ebenso wie die Schwesterhütte im nicht weit entfernten Gijón.
So gibt es an der Strecke immer ausreichend zu sehen, und die Fahrt bis zur Ausfahrt nach Conceña am Autobahnkilometer 337 vergeht wie im Flug.
Da wir diese Strecke auf einer Autovía und nicht auf einer Autopista zurückgelegt haben, war dieser Abschnitt zudem mautfrei.
Aufstieg über die AS-260 und traditionelle Hórreos
Weiter geht es für uns auf der AS-260 elf Kilometer bergauf. Zunächst noch sachte durch die drei Dörfer Goceña, Gobiendes und Lloroñi. Von Gobiendes aus haben wir kurz einen schönen Blick auf die Küstenlandschaft und das Meer.
Auch dort gibt es Hórreos in den Dörfern. Die traditionellen Kornspeicher, die wir schon in Galicien kennengelernt haben, unterscheiden sich jedoch von ihren Pendants weiter westlich.
Diese hier stehen ebenfalls erhöht auf steinernen Stelzen, die oben mit einer Steinplatte abschließen. Das schützt vor Feuchtigkeit, und Ratten, Mäuse und andere Nager haben keine Chance, an das wertvolle Lagergut zu gelangen.
Allerdings sind die Hórreos hier offenbar ausschließlich aus Holz mit einem Ziegeldach errichtet. Außerdem haben sie hier in Asturien meist einen quadratischen Grundriss.

Wir lassen die Siedlungen hinter uns und fahren weiter bergauf. Hier und da können wir noch einmal bis hinunter aufs Meer schauen, das sich jedoch beginnt, in einem Dunstschleier zu verbergen. Noch können wir die Küstenlinie aber gut erkennen.
Von den kühnen Pedalrittern, die sich den Berg hinaufquälen, halten wir uns möglichst fern. Keinesfalls wollen wir sie aus ihrem Rhythmus bringen.
Ankunft am Mirador d’el Fitu
Dann umgibt uns Wald, und wir erreichen wenig später die Passhöhe auf rund 600 Metern Meereshöhe.
Wir ergattern mit Mühe einen der wenigen Parkplätze und machen uns auf den nicht weiten und gut ausgebauten Weg hinauf zum Mirador d’el Fitu.
Der Aussichtspunkt ist in fünf Minuten erreicht und erweist sich als kühne Betonkonstruktion, die in einer kreisrunden Aussichtskanzel gipfelt.
Oben angekommen, sind wir zunächst enttäuscht. In den letzten Minuten sind die vom Meer kommenden Dunstschwaden bis hier hinaufgezogen und vermiesen uns die Aussicht auf das Meer im Norden und die Picos de Europa im Osten und Süden.
Trotzdem machen wir ein paar Fotos und versuchen, die Aussicht, soweit möglich, zu genießen.
Dann machen wir uns auf den Rückweg. Am Parkplatz angekommen stellen wir fest, dass mehr Gäste mit ihren Autos dort angekommen sind, und wir ein wenig zugeparkt wurden.
So wird unser Start zu einer kleinen Herausforderung. Steffi weist mich ein, wir rangieren ein wenig hin und her und erreichen so wieder die Straße.
Kuh auf der Straße und Tal des Río Sella
Bevor wir bergab wieder richtig Fahrt aufnehmen können, stoppen wir schon wieder. „Da steht eine Kuh in der Flur!“ Eine Mutterkuh stillt in aller Ruhe ihr Kalb mitten auf der Straße. Wir finden das völlig in Ordnung und verharren erst einmal an Ort und Stelle.
Gefühlt zehn Minuten nehmen sich die beiden Zeit. Dann ziehen sie sich an die Leitplanke zurück, und wir können langsam vorbeirollen.
Danach geht es auf kurvenreicher Strecke hinunter nach Arriondas, wo sich der Río Sella und der Río Piloña treffen.
Wir nutzen die Gelegenheit, uns in der kleinen Stadt ein wenig mit Lebensmitteln einzudecken. Diesmal wird der Einkauf etwas größer, und wir werden wohl ein paar Tage damit hinkommen. In Spanien finden wir es immer wieder imposant, wie in jedem einigermaßen gut sortierten Markt die iberischen Schinken in verschiedenen Qualitäten im ganzen Stück den Kunden präsentiert werden.

Von Arriondas aus fahren wir das Tal des Río Sella hinab. Das Tal ist hier schon recht breit und hat mit den engen Schluchten oberhalb von Cangas de Onís, die wir vor einigen Jahren bereisten, wenig zu tun. Dort rücken Gipfel von weit über 1.000 Metern Höhe dicht an das Tal heran.
Noch aber befinden wir uns im Gebirge, wie die meist pyramidenförmigen Gipfel links und rechts des Tals beweisen. Die sind allerdings kaum höher als etwa 500 Meter.
Spätestens als wir die Autovía del Cantábrico unterqueren, wissen wir, dass das Gebirge hinter uns liegt. Der Río Sella ist breiter geworden, und es ist nicht mehr weit, bis er bei Ribadesella in die Biskaya mündet. Und genau dort wollen wir hin.
Stellplatz in Ribadesella und Mittagessen im Wohnmobil
Am westlichen Ortsrand gibt es, leicht erhöht auf einer Terrasse liegend, einen großen Wohnmobilstellplatz.
Wir kommen dort gegen 13:00 Uhr an – die perfekte Zeit für ein Mittagessen.
Kartoffeln vom vorletzten Abend am Praia Arnela wandern in die Pfanne und rösten mit Speck, Eiern, Zwiebeln, Salz, Paprikapulver, Kümmel und Majoran zu leckeren Bratkartoffeln.
Dazu gönnen wir uns als Beilage die leckeren roten Paprika vom Markt in León, die wir am Cabo de Silleiro grillten und in Olivenöl eingelegt hatten.
Als wir satt sind, sind die Kartoffeln alle, aber vom Paprika ist immer noch etwas da.
Kurzerhand kommen dessen Reste zusammen mit Oliven, Schafskäse in unsere „Küchenmoped“. Ein paar mal an der Leine gezogen, und ruck, zuck haben wir noch einen leckeren Brotaufstrich für den Abend.
Für die nächsten Stunden entspannen wir ein wenig.
Mit dem Rad nach Ribadesella und an den Playa Santa Marina
Gegen 18:00 Uhr machen wir uns mit den Rädern auf, um Ribadesella zu erkunden.
Zunächst geht es durch ein Viertel mit modernen Einfamilienhäusern und Wohnanlagen.
Ob dort Menschen dauerhaft leben oder die Quartiere eher als Ferienanlagen dienen, ist schwer auszumachen.
Nach fünf Minuten erreichen wir den Strand von Santa Marina.
Mit seiner Lage in einer geschützten Bucht gilt er als einer der schönsten Strände an der Costa Verde.
Neben dem markanten Bergsporn auf der anderen Seite der Bucht, dem Monte Corberu, mit der Kapelle Ermita de Guía auf seiner Spitze, fällt die lange Paseo de Playa, die Strandpromenade, ins Auge. Sie begleitet den gesamten Playa Santa Marina, vom La Punta’l Pozu bis zum Hafen von Ribadesella.
Direkt an der Promenade fallen uns einige prächtige Villen auf. Wir überlegen, was das für ein Baustil ist, und tippen auf den Beginn des 20. Jahrhunderts.
Es geht so in Richtung Art déco oder Belle Époque – auf jeden Fall sehr beeindruckend.
Geschichte der Villen und der „Indianos“
Wir erfahren später, dass dieser Teil von Ribadesella noch Ende des 19. Jahrhunderts nichts als ein unberührter Strand und ein Feuchtgebiet an der Mündung des Río Sella war.
Mit dem Aufkommen des Badewesens an Europas Stränden wurde man auch bei Ribadesella aktiv und gründete dort ein Meeresbad. Angeboten wurden Bade-, Jod- und Algenkuren.
Das kam bei der zahlungskräftigen spanischen Oberschicht so gut an, dass mancher sich entschloss, sich dort eine Sommerresidenz zu errichten.
Unter den Reichen und Schönen, die da kamen, hatten nicht wenige ihr Vermögen in den spanischen Überseekolonien gemacht. Diese zurückgekehrten „Indianos“ steuerten einige der prächtigsten Bauten bei.
Ganz nebenbei erhielt Ribadesella so einen zweiten Ortsteil. Bis dahin war Ribadesella ein kleiner Fischerort am rechten Ufer des Río Sella – und dorthin fahren wir jetzt. Hierzu müssen wir über die vielbefahrene Puente de Sella.
Altstadt, Hafen und Promenade bis zum Faro
Von der Brücke aus ist der alte Teil von Ribadesella schnell erreicht.
Ein ursprünglicher Fischerort ist er allerdings schon lange nicht mehr.
Gerade an der „Waterkant“ ist auch hier alles auf den Tourismus zugeschnitten.
Statt romantischer Fischerhütten mit Netzen und Reusen davor stoßen wir auf mehrgeschossige Ferienanlagen mit Restaurants und Läden im Erdgeschoss.
Nur die Kutter am Kai zeugen noch vom ursprünglichen Zweck dieses Ortes.

Vom Hafen aus setzt sich die Uferpromenade, die Paseo de la Grúa, bis zum Leuchtturm, dem Faro del paseo de la Guía, fort.
Es ist noch einmal ein schönes Stück Weg bis nach da vorne. Links liegt die Bucht mit dem Playa de Santa Marina, rechts erheben sich die grünen Hänge des Monte Corberu.
Vorne am Leuchtturm angekommen, finden wir eine großzügige Aussichtsterrasse.
Wir bleiben dort ein wenig, denn es gibt einiges zu sehen.
Abendstimmung: Yachten, Surfbrett mit Foil und Ausblick
Denn jetzt wo der Tag beginnt sich zu Ende zu neigen, steuert manche Segelyacht den Hafen von Ribadesella an. Die Besucher sind durchaus international.
Wir erkennen am Heck der Boote britische, französische und portugiesische Flaggen.
Auch ein ganz anderes Wasserfahrzeug dreht dort draußen seine Runden.
Eines der neuen elektrisch angetriebenen Surfboards mit einem Foil, einer Art Tragfläche unter Wasser, ist unterwegs. Der Fahrer hält sich tapfer und geschickt auf der wackligen Konstruktion. Es ist schon erstaunlich, was der Mensch an Kreativität aufbringt, um vermeintliche Grenzen der Physik zu überwinden.
Während ich dem Geschehen auf dem Wasser gebannt folge, nimmt Steffi noch den Weg hinauf zur Mirador de la Grūa auf sich. Auf einem gut ausgebauten Fußweg geht es in Serpentinen gute 50 Höhenmeter nach oben.
Sie wird mit einer wunderbaren Aussicht auf die Bucht von Ribadesella und das Meer belohnt – und mit der Legende der Guía von Ribadesella.
Legende der Guía und Bedeutung der Kapellen
„Guía“ – „Wegweisende“ – gibt es vielfach an der spanischen Biskayaküste.
Gut sichtbar vom Meer stehen die meist kleinen Kapellen an exponierten Orten, meist über dem Meer. So können sie den Fischern und Handelsreisenden den Weg weisen.
Sakral aufgeladen wurden diese Orte mit Legenden von Einsiedlern und Eremiten.
Das machte sie zu potenziellen Wallfahrtsorten, was in der Regel auch einen wirtschaftlichen Nutzen hatte. Historisch nachgewiesene Eremiten gibt es an diesen Orten allerdings nur selten. So ist es auch in Ribadesella.
Aber die Lage passt, und einen sicheren Hafen, zu dem die Guía den Weg weist, gibt es hier schon sehr lange.
Zurück durch Ribadesella und Abend in der Bar
Als Steffi wieder unten angekommen ist, machen wir uns auf den Rückweg.
Vorbei am Hafen geht es noch durch die Gassen von Ribadesella am rechten Flussufer. Der Stadtteil besteht aus bunt gemischten neuzeitlichen Bauten mit zwei bis vier Geschossen.
Bunt gemischt sind nicht nur Fassaden und Baustile, sondern auch das Angebot der Geschäfte im Erdgeschoss der Häuser: Bars, Restaurants, Juweliere, Fahrradverleih, Bäckereien, eine Apotheke, Klamottenläden und vieles mehr haben ihr Angebot in erster Linie auf Touristen ausgerichtet. Das Straßenbild ist nicht mehr ganz frisch, eher ein wenig schmuddelig.
Dann erreichen wir wieder den Fluss und die Puente de Sella. Auf der anderen Seite nehmen wir den Weg, über den wir auch gekommen waren.
Hier hat sich das Bild ein wenig verändert: Die Flut drückt in die Bucht und hat den Strand an einige Stellen verschwinden lassen. Dort plätschern jetzt sachte die Meereswellen an die Flutmauer

Wir meinen, dass wir uns einen kleinen Feierabenddrink verdient haben, und lassen uns vor der kleinen Bar Chiringuito nieder. Wir werden schnell und freundlich bedient, genießen die kühlen Getränke, resümieren den Tag und lassen die Seele baumeln. Die Urlaubskasse müssen wir auch nicht allzu sehr belasten – die vier Getränke sind für unter 20 € zu haben.
Letzter Stopp am Punta Pozu und Abendstimmung
Bevor wir zum Wohnmobil zurückkehren, machen wir noch einen Abstecher zum Punta’l Pozu am westlichen Ende der Bucht von Ribadesella. Die Landspitze ist das Pendant zum Faro del paseo de la Guía, den wir vorhin besuchten.
Von dort haben wir nun noch eine ganz andere Perspektive auf die Bucht von Ribadesella.

Die schweren Wolken, die nun über dem Küstengebirge hängen, stimmen uns ein wenig nachdenklich, was das Wetter in den kommenden Tagen angeht.
So kehren wir zum Wohnmobil zurück.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit sitzen wir noch draußen, gönnen uns eine Rotwein aus dem Rioja und nehmen ein spätes Abendmal mit frischen Baguette und Brotaufstrich den wir heute Mittag kreiert hatten.
Als es Dunkel ist und wir schon im Wohnmobil sitzen stellt sich trotz des großen noch freien Platzangebotes ein Wohnmobil keine zwei Meter neben uns.
Ich kann diese Art von „Kuschelcampern“ und deren Verhalten bis heute nicht verstehen.





















