Maraña – Picos de Europa – Aguliar de Campoo

Aufbruch in Maraña

Heute haben wir und den Luxus geleistet mal richtig auszuschlafen und zu trödeln. Ein Morgen hier an der Albergué la Parada in Maraña bei diesem tadellosen Wetter ist einfach sensationell. Wir überlegen in aller Ruhe wie wir den Tag gestalten wollen. Weiter nach Leon oder Burgos oder doch noch ein wenig in dieser wilden Natur bleiben? Das schöne Wetter fordert uns geradezu auf, lieber noch ein wenig die Picos de Europa zu bereisen. Gesagt, getan.

Vor der Abfahrt gegen 10:30 Uhr machen wir an der Versorgungsstation der Alberue La Parada noch unser Mobil fit. Dann starten wir zu einer Tour durch die südlichen Picos de Europa. Zuerst geht es zurück durch das liebliche Tal des Rio de Maraña. Weidewirtschaft ist hier angesagt. Rinder und Pferde tummeln sich auf grünem Gras unter blauen Himmel. Mitten hindurch fließt der kleine Rio Maraña.

Mehr Bächlein als Fluss strömt er dem Emblase de Riaño entgegen, an dessen Nordufer wir wenig später auf CL-635 entlangfahren. Hier kamen wir gestern schon vorbei.

Emblase de Riaño

Der riesige Stausee ist jetzt, Anfang September fast leer. Seit Jahren sinken hier wohl die Pegelstände. Ein Artikel im Netz aus dem September 2017 berichtet wie dramatisch die Lage hier ist. Wegen der stetig zurückgehende Niederschläge in Nordspanien haben die Flüsse ein Drittel ihres Wasser verloren. Entsprechend gering ist die Auslastung der Talsperren.

Der Emblase de Riaño wurde zur Stromerzeugung und zur Bewässerung der Tierra de Campos, einem riesigen Landwirtschaftsgebiet zwischen Leon und Valladolid errichtet. Aufgaben, denen die Anlage wegen des Wassermangels nicht mehr vollständig gerecht werden kann.

Folgen für die Umwelt

Schon unter der Franco-Diktatur begonnen, wurde erst am 31. Dezember 1987 mit dem Anstauen des Rio Elsa und seiner Nebenflüsse begonnen. Es war der letzte Tag an dem dies möglich war. Danach hätte eine EU-Richtlinie die Fertigstellung des Projektes wegen der zu starken Eingriffe in die Umwelt verhindert. Der Stausee war aus ökologischen Gründen stark umstritten.

Die Proteste wegen der einschneidenden Folgen für Natur und die Menschen in der Region waren so heftig, dass letztendlich das Militär das Gebiet sichern musste, um eine Fertigstellung der Anlage zu ermöglichen. Neun Dörfer und Weiler verschwanden. Nur von zweien sind Reste erhalten, die aber heute auch verlassen sind. 2.230 Hektar wunderschöner Landschaft wurden überstaut und bieten bei den niedrigen Wasserständen einen traurigen Anblick. Ein hoher Preis für den „Fortschritt“

Es geht weiter

Wir biegen hier nach ab und folgen der N-625 bis zum Abzweig der LR-2711, die uns nach Posada de Valedón bringen soll. Von hieraus geht es weiter bergan. Fünf Kilometer hinter dem Abzweig erreichen wir das Puerto de Pandérruedas auf 1.463 Metern über dem Meer. Hier gibt es eine Hochalm die als Rastplatz umgestaltet wurde. Ein wirklich schöner Ort mit großartigen Aussichten auf den Bergwelten nördlich und östlich von uns.

Posada de Valdeón

Dann führt uns die Straße wieder hinunter in das Tal des Rio Cares. Hier finden wir den wohl am schönsten gelegenen Ort in den Picos de Europa. Posada de Valdeón ist von einer traumhaften Bergkulisse umgeben. Der Ort selbst und die Bergmassive nördliches des Ortes werden such den Rio Cares geteilt.

Der Ort wagt den Spagat zwischen Ursprünglichkeit und den Anforderungen eines sanften modernen Tourismus. Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang durch die malerischen Gassen und Straßen. Häuser mit Holzbalkonen, uralte hölzerne Getreidespeicher und die Iglesia de Santa Eulalia sind die Markenzeichen dieses beschaulichen Bergdorfes. Im Gegensatz dazu steht die mächtige moderne Sporthalle vor der schroffen Kulisse der Kalkgipfel der Picos de Europa.

Gegen 12:15 Uhr brechen wir wieder auf und bedauern es, mit unserem Wohnmobil nicht weiter Richtung Norden bis zu dem kleinen Weiler Caín des Valdeón fahren zu können. Dort dürfen nur PKWs hinauf. Für uns ist dieses letzte Stück Straße hinauf in das Herz der Picos de Europa leider tabu.

Hinüber nach Portilla de la Reina

So halten wir uns nach Südosten und nehmen die LE-2703. Nach wenigen Kilometern führt die gute ausgebaute Straße oberhalb von Santa Marina de Valdeón vorbei und bietet einen großartige Ausblick auf den pittoresk gelegenen Ort und weiter auf die Gipfel der Picos de Europa im Norden. Wir folgend der Straße weiter 25 Kilometer bis Sie auf die N-621 stößt.

Unterwegs legen wir noch einen Stop am Puerto de Pandetrave auf 1.566 Höhenmetern ein. Der beschert uns nochmal eine etwas andere Perspektive auf die Picos des Europa und eine Begegnung mit einen schwäbisch palavernden Pärchen zu Rad. Beide um die vierzig und sehr sportlich. Respekt, dass die den Weg hier hinauf als Pedalritter gemeistert haben. Nur seine in Schwäbisch vorgetragenen Regieanweisungen, um sie in die richtige Position für einen Schnappschuss vor seine Kamera zu rücken, sind in der Stille hier oben recht nervig.

Nun geht es bergab. Die Straße folgt dem Rio Puerma, einen kleinem Gebirgsbach, der von hier oben recht konsequent sein Bett in südliche Richtung ins Gebirge gegraben hat. Unterwegs läuft eine Staffel von Bikern von hinten auf. Wir wollen den Jungs auf ihren starken Maschinen nicht den Spaß an dieser kurvigen Strecke nehmen und fahren bei der nächsten Gelegenheit rechts ran. Ein Geste, die uns viele anerkennende Handzeichen der vorbeirollenden 32 Motorradpiloten einbringt.

Wir erreichen kurz danach das kleine Nest Portilla de la Reina und biegen nach Westen auf die N-621 ab.

Am Monumento Al Oso

Wieder dem Tal eines Baches folgend geht es nun wieder bergauf. Diesmal ist es der Arroyo del Naranco der uns begleitet, bis wir auf 1.599 Metern die Puerto de San Glorio erreichen. Hier zweigt die schmale CA-893 zum Parkplatz unterhalb des Monumento Al Oso ab.

Da das Wetter über den Picos de Europa noch immer traumhaft schön ist, wagen wir die Fahrt hinauf. Hier oben am Collado de Llesba ist des ganz wunderbar. Wieder sind es Rindviecher, die hier oben auf den grünen Matten der Almen weiden. Manch Gipfel in unmittelbarer Nähe verdeckt die Aussichten auf die ferner gelegenen Bergkulissen der Picos des Europa. Trotzdem ergeben sich interessante Perspektiven.

Etwas weiter oben am Fuß des Peñas de la Horcada Cimera steht das Denkmal für Al Oso, dem Bären. Sicher eine Reminiszenz an die Bären der Picos de Europa, die noch heute durch die Berge streichen. Wir bekamen leider keinen zu Gesicht.

Unser Aufbruch hier oben gestaltet sich ein wenig kompliziert. Der kleine Parkplatz hier oben ist nun voll besetzt und wir haben Mühe unser großes und wenig wendiges Wohnmobil auszuparken.

Weiter nach Potes

Auf der Fahrt hinunter entdecken wir eine der für diese Gegend typischen Sennhütten. Aus Kalkstein errichtet, erinnern Sie ein wenig die Iglus des Inuit.

Sennhütte beim Collado de Llesba - Picos de Europa
Sennhütte beim Collado de Llesba

Wieder an der Hauptstraße angekommen wenden wir uns nach Westen. Über viele Kilometer geht es durch eine schöne Berglandschaft wieder hinab. Hier und da sind es Serpentinen, die uns hinunterführen. Ein Herausforderung für unsere Bremsen. Wir erreichen einen wunderschön gelegenen und neu angelegten Rastplatz oberhalb von Villaverde. Neben einer großartigen Aussicht bietet er uns die Gelegenheit ein kleines spätes Mittagessen zuzubereiten.

Rast - Picos de Europa
Rast – Picos de Europa

Es geht auf 15:00 Uhr zu als wir weiterfahren. Es geht jetzt immer weiter hinunter. Kurz vor La Vega erreichen wir das Tal des Rio Quiviesa, das und bis nach Potes bringt. Damit haben wir die Welt des Hochgebirges zunächst einmal verlassen. In Potes nutzen wir die Gelegenheit im örtlichen Lupa-Markt unsere Vorräte ein wenig zu ergänzen. Morgen ist Sonntag und da wird es eher schwierig etwas einzukaufen.

Potes - Picos de Europa
Potes – Picos de Europa

Die letzte Etappe in den Picos de Europa

Gegen 15:50 Uhr starten wir dann zur letzten Etappe für heute. Es geht nun nach Süden durch dichte Wälder entlang des Rio Bullón. Und noch einmal windet sich die Straße in Serpentinen hinauf auf 1.315 Meter zur Mirador de Piedraluengas. Nochmal legen wir eine Stop ein und genießen einen letzten Blick auf die nun schon fern liegen Gipfel im zentralen Massiv der Picos de Europa. Wir finden das sich der lange Abstecher durch die Picos de Europa sehr gelohnt hat und der Tag gut investiert war.

Von der Mirador de Piedraluengas geht es weiter nach Süden, noch immer durch eine Berglandschaft, die sich jedoch zu verändern beginnt. Das satte Grün der Wälder und Wiesen weicht nach und nach. Es wird deutlich trockener hier in den südlichen Ausläufern der Picos de Europa. Vorbei am Emblase de le Requejada erreichen wir Cevera de Pisuerga.

Ab hier nun ändert sich die Landschaft radial. Die dichten Wälder sind abgeernteten Getreidefeldern gewichen. Als schroffen Gipfeln sind sanfte Hügel geworden. Enge in den Fels geschnittene Flusstäler sind nicht mehr auszumachen. Wir sind in Kastilien angekommen.

Aguilar de Campoo

Als nächste Stadt erreichen wir Aguilar de Campoo. Eine riesige Klosteranlage macht uns neugierig. Und das Kloster Santa Maria la Real mit seiner Stiftskirche der Iglésia Santa Maria la Mayor sind wirklich sehenswert.

Leider haben wir es versäumt jene Infotafeln zu fotografieren, die zeigen, wie es hier vor Jahrzehnten aussah. Mehr eine Ruinenlandschaft als ein halbwegs intaktes Kloster waren hier zu finden. Umso bemerkenswerter ist das, was wir bei unserem Besuch hier vorfanden.

Gegen 18:20 Uhr verlassen wir diesen schönen Ort und finden am südlichen Rand von Aguilar de Campoo einen Stellplatz für die Nacht. Die Lage hier zwischen dem Río Pisuegra und dem kommunalen Kindergarten ist nicht gerade malerisch, aber zweckmäßig genug für eine Nacht.

Hier noch unsere 188 Tageskilometer