Bédoin – Vogüé

Das Wetter am Mont Ventoux zeigt sich heute von seiner schlechten Seite. Der Gipfel ist in den Wolken verschwunden. Wir verzichten daher auf die Erkundung des „Bergs des Windes“. Wir fahren an die Ardéche und genießen die Ausblicke über diesen grandiosen Canyon. Zunächst durch einen Wolkenbruch verzögert, erkunden wie den wilden Fluss mit dem Paddelboot und haben einen riesigen Spaß dabei. Die Bootstour führt uns auch unter der berühmte Pont d’Arc hindurch. Den Tag beenden wir in Vogüé, einem der schönsten Dörfer Frankreichs.

Wir fahren nicht auf den Mont Ventoux

Der Tag beginnt mit einer Enttäuschung. Der Gipfel des Mont Ventoux ist in den Wolken verschwunden. Der Wetterbericht lässt für die nächsten Stunden auch nichts besseres erwarten. So verzichten wir auf die Fahrt hinauf. Viele andere Gäste auf dem Wohnmobilstellplatz in Bédoin sehen das aber anders. Rennräder, Mountainbikes und Motorräder werden bereit gemacht. Jetzt wird klar, warum der Stellplatz in dem an sich recht verschlafenen Ort so gut besucht ist. Der Mont Ventoux ist eben eine Legende und die Meisten lassen sich auch nicht vom schlechten Wetter abschrecken. Sie wollen am Berg Ihre Grenzen erfahren.

Uns steht angesichts der immer tiefer kriechenden Wolken der Sinn nach anderen Dingen. Da Steffi heute Geburtstag hat, soll der Tag auch ganz ihr gehören. So setzt sie als nächstes Ziel auf unsere Reiseroute.  In das Tal der Ardèche  wird uns unser Weg heute führen. Eine ausgezeichnete Wahl wie sich herausstellen sollte.

Bevor wir weiterfahren, kommt aber noch ein Wohnmobilist aus Belgien auf uns zu. Er deutet auf seinen Wagen, der uns gegenüber steht. Es ist auch ein Malibu. Auch ein 460er wie wir ihn fahren. Nur in der voll integrierten Variante. Interessiert fragt er nach unserer provisorischen Stromversorgung. Das Kabel habe wir durch die Beifahrertür gelegt, da bis heute kein Strom im Auto ankommt, wenn wir die Anschlussdose außen an der Wohnkabine nutzen.

Er berichtet von gleichen Erfahrungen mit seinem Malibu. Bei ihm hat erst der Austausch des zentralen Steuergerätes für die Bordelektronik der Wohnkabine den Fehler beheben können. Interessant!

An der Ardèche 

Wir brechen in Bédoin um 10:20 Uhr auf und erreichen um 11:30 Uhr Pont-Saint-Espirt an der Mündung der Ardéche in die Rhône. Hier setzte ich Steffi in der Ortsmitte ab. Sie will ein wenig Bargeld abheben. Ich habe die Hoffnung sie kurz darauf wieder einzusammeln. Einmal um den Block fahren, dann sollten wir uns wieder treffen, so dachte ich mit das. Aber aus einmal um den Block fahren, wurde eine Stadtrundfahrt. Einbahnstraßen, Baustellen und ein kleiner Stau verhinderten meine schnelle Rückkehr. Erst nach 20 Minuten war ich wieder an Ort und Stelle. Steffi wartete schon ungeduldig am Straßenrand.

Eine halbe Stunde nach dieser kleinen Episode stehen wird am ersten Aussichtspunkt hoch über dem Tal der Ardèche, dem Le Ranc Pointu. Entlang der Straße D 290 folgt nun ein spektakulärer Aussichtspunkt auf den anderen. Alles haben Namen, die ihrer malerischen Lage und den grandiosen Ausblicken gerecht werden: Grand Belvedere, Balcon la Rouvière, Balcon la Maladrerie, Belvédère les Templiers, Balcon de Gournier oder Balcon des Gorges usw. 

Wir können an fast allen dieser Aussichtspunkte anhalten. Die Parkmöglichkeiten sind gut ausgebaut und die Zahl der Besucher hält sich in Grenzen. Es ist eine grandiose Landschaft die sich bei schönstem Wetter unter uns ausbreitet. 300 Meter tief hat sich die Ardèche in das Kalksteingebirge geschnitten. Die weit ausgreifenden Flussschleifen ergeben immer neue Perspektiven und Aussichten auf den wilden Fluss unten im Tal. Die statt grünen Wälder unter blauen Himmel mit einigen weißen Wolken machen die Postkarten-Kulisse perfekt.

Besonders schön sind die Aussichtspunkte über der alten Templerburg die weit unter uns, doch hoch über der Ardéche thront. 

Unter auf dem Fluss ziehen bunte Paddelboote ihre Bahnen flussabwärts oder rasten in der Mittagssonne auf einer der zahlreichen Sandbänke.

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Auf der Ardèche

Das will ich auch!!! – verkündet Steffi und wir machen uns auf die Suche nach einem Bootsverleih. Am Camping di Midi haben wir Glück. Als wir gegen 13:40 Uhr dort ankommen, ist für uns die kurze Tour von acht Kilometern noch zu haben. Für die längere Tour über 23 Kilometern von hier bis nach Saint-Martin-d’Ardèche hätte man allerdings schon am Vormittag starten müssen.

Also lassen wir uns die kurze Tour erklären. Zunächst wird man mit dem Auto in das 8 Kilometer flussaufwärts gelegene Vallon-Pont-d’Arc gebracht. Das Kajak ist dabei auf einem Anhänger mit von der Partie. In Vallon-Pont-d’Arc ist das der Start der Tour. Ziel ist der Platz Camping de Midi, an dem wir unser Wohnmobil zurücklassen können. Für die Strecke können wir uns soviel Zeit lassen wie wir wollen, nur bis zur Dämmerung sollten wir wieder zurück sein. Alles in allem kostet der Spaß in einen Zweier-Kajak 40 Euro. Das finden wir fair und schlagen bei diesem Handel gerne ein. 

Erster Versuch an der Ardèche

Wir parken das Wohnmobil auf einer großen Kiesterrasse unten am Ufer der Ardéche, die zum Campingplatz gehört.

Der ist übrigens sehr schön und kommt auf die Liste der möglichen Ziele bei späteren Reisen.

Wir wurden gebeten uns um 14:00 Uhr an der Kanustation des Campingplatzes einzufinden. So ziehen uns kurz um, denn das Vergnügen wird sicher ein feuchtes werden und sind pünktlich am Treffpunkt. Zu uns hat sich noch eine Familie aus Süddeutschland gesellt, die das gleiche Abenteuer wagen will.

Dann fährt auch schon unser Chauffeur mit einem altersschwachen Fiat-Kleinbus vor. Er zeigt bedeutungsvoll zum Himmel, an dem gerade sehr sehr dunkle Wolken aufziehen. Wir entscheiden, dass wir den möglichen Regen nicht scheuen. Schließlich sind wir nicht aus Zucker. Die kleine Familie an unsere Seite ist gleicher Meinung und so wagen wir gemeinsame das Abenteuer auch bei dunklen Vorzeichen. 

Der Anhänger mit den zwei Kajaks wird angekoppelt, Paddel und wasserdichte Fässer in den Fiat verladen und wir steigen ein. Kaum haben wir den Campingplatz verlassen, fallen die ersten Tropfen vom Himmel. Unterwegs wird der Regen immer heftiger, einiges davon gelangt durch die nicht mehr vollständig schießende Schiebetür des Fiats in das Wageninnere. Der Fahrer ist bester Laune und nimmt die vielen Kurven routiniert und in beeindruckender Geschwindigkeit. Es wird eine lustige Fahrt. Angekommen an der Einsatzstelle in Vallon-Pont-d’Arc hat sich der Regen zu einem Sturzbach verstärkt. Wenn wir jetzt aussteigen würden, könnten wir uns auch gleich unter einen Wasserfall stellen. Das will unser freundlicher Chauffeur auf keinen Fall zu lassen.

Er erklärt uns, das er uns zurück zu Campingplatz fahren würde. Wenn der Regen nachlässt, gebe es einen neuen Versuch und diese zusätzliche Tour ist selbstverständlich im Preis enthalten. Nur die Kajaks will er nicht wieder mit zurück nehmen. So springt er hinaus in den Wolkenbruch um den Anhänger abzukoppeln. Bis auf die Haut durchnässt kommt er zurück ins Auto und chauffiert und zurück. 

Zweiter Versuch auf der Ardèche

Gegen 15:30 Uhr startet der zweite Versuch. Bei noch leichtem Regen sitzen wie wieder in dem betagten Fiat, neben mir auf der Bank nun die Mutter der Familien die auch diesen zweiten Versuch wagen will. 

Fahrkünste

Der Weg über den Campingplatz windet sich steil bergan in mehreren Kurven vom Ufer des Flusses bis hinauf zur Straße. Unser Fahrer nimmt die Kurven beschwingt hinauf bis zum Ausgangs des Platzes. Dort stopp er abrupt. Er scheint irgendwas vergessen zu haben. Er legt den Rückwärtsgang ein und steuert das Gefährt ohne einen Blick nach hinten, mit traumwandlerischer Sicherheit in einen Affenzahn wieder hinunter. Ich und meine Nachbarin tauschen sorgenvolle Blicke. Aber alles geht gut.

Der Fahrer spring aus dem Wagen, verschwindet in einem Gebäude und ist nach zwei Minuten wieder an Bord. Was er hier noch zu erledigen hatte bleibt und ein Rätzel. Vor seinen Fahrkünste kann man aber nur den Hut ziehen. Jetzt geht es aber endgültig zur Einsatzstelle.

Die Ardéche hinab

Dort angekommen erweist sich die Ardéche als wilder Fluss. So etwas haben wir noch nicht befahren. Wir sind durchaus erfahrende Paddler, die mehrere tausend Kilometer hinter sich haben und mit Wind und Wellen vertraut sind. Über die Müritz bei Sturm und die Sohlschwellen der oberen Spree haben wir mit unserem Faltboot aus Pouch schon erfolgreich bewältigt.

Aber das hier ist etwas ganz anderes. Die Ardéche reißt uns wortwörtlich mit sich. Gegen den Strom fahren? Keine Chance! Der starke Regen von heute Nachmittag hat dem Wasser noch einiges mehr an Kraft verliehen. Nach fünf Minuten geraten wir in die erste Scherwelle und sind bis auf die Haut durchnässt. Wir fühlen uns aber sicher in den Plastikkajak und haben einen riesen Spaß. In der nächsten Welle taucht das Boot vorne tief ein und Steffi verschwindet bis zum Bauch in den Fluten. Sie jauchst vor Vergnügen. Dann wird das Wasser ruhiger wir können einen Blick auf die tolle Landschaft ringsum werfen. 

Dann fordern wieder einige Katarakte unsere Aufmerksamkeit. Da wir das Revier nicht kennen, räubern wir immer wieder über große Felsen im Wasser und können nicht immer den Kurs halten. Dann drehen wird uns halt um 360 Grad. Es ist ein riesiger Spaß für uns. Kurz vor dem Ende der Tour fahren wir durch die Pont-d’Arc, einem natürlich entstandenen Felsbogen. Als sich die Ardéche immer tiefer in das Kalksteingebirge grub und auf unterschiedlich harte Schichten im Gestein traf, konnte dieses Wunder der Natur entstehen.

Kurz danach ist die Tour leider schon zu Ende. Wir sind begeistert. Steffi meint, so etwas Verrücktes hat sie zu ihrem Geburtstag noch nicht erlebt.

 

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Vogüé

Gegen 17:30 Uhr stecken wir wieder in trockenen Klamotten und setzen unsere Fahrt fort. Eine Stunde später finden wir in Vogüé einen kostenfreien Stellplatz für die Nacht.

Es war ein Blick in unseren Michelin Reiseatlas, der uns auf diesen kleinen malerischen Ort aufmerksam machte. Vogüé ist dort mit einen Stern ausgezeichnet, und somit als sehenswert bewertet. Und tatsächlich, bei unserem Abendspaziergang durch Vogüé treffen wir auf einen Ort, der in seiner Grundstruktur sicher schon vor 500 oder 600 Jahren nicht anders aussah. Über den engen Gassen, die die uralten Gebäude durchziehen thront das Château de Vogüé. 

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Abendessen in der Domaine Lou Capitelle

Der Ort soll vom Tourismus leben, schreibt Wikipedia. Das mag sicher stimmen, aber nicht heute Abend. Die Restaurants und Bars sind allesamt geschlossen. Schade und dabei suchen wir doch einen Platz an dem wir Steffi’s Geburtstag standesgemäß feiern können. 

Während wir unten an der Ardéche an der Insel im Fluss vorbeikommen. auf der die Reste der alten Mühle stehen, sehe ich auf der anderen Seite des Flusses auffällig viele Autos parken.

Um diese offensichtlich letzte Chance für ein Abendessen zu nutzen, laufen hinüber auf die andere Seite der Ardèche. Hier finden wir eine große Hotel- und Appartementanlage die sich offenbar auf Pauschal- und Busreisen spezialisiert hat. 

Die freundliche Dame an der Rezeption bedauert uns mitteilen zu müssen, dass das Haus kein öffentliches Restaurant hat. Mit einem Augenzwinkern meint sie aber, dass sie da vielleicht was machen könnte. Sie verschwindet in Richtung des Speisesaals und ist fünf Minuten später mit einen strahlenden Lächeln wieder bei uns. Nun sei alles klar meint sie, nun könne sie uns das Abendmenü und einen Platz Restaurant anbieten. Dabei entschuldigt sie sich dann noch, dass wir nur zwischen drei Menü-Variationen wählen könnten. Das Hammer ist dann aber der Preis. Gerade mal 34 Euro müssen wir für das Drei-Gang-Menü für zwei Personen berappen. Die Getränke (2 Falschen Wein, Limonade und Wasser) sind dabei inklusive. 

Und das was uns dann aufgetischt wurde, war wirklich sehr lecker. So wurde es für uns ein Abend, an den wir uns doch noch mit der Gastronomie in Vogüé versöhnen konnten. Dank an die Domaine Lou Capitelle.

Das letzte Licht des Tages begleitet uns dann auf dem Rückweg zum Wohnmobil und zeigt das malerische Vogüé noch einmal in einer ganz anderen Stimmung.  

Tagesroute

144 Kilometer von Bédoin nach Vogüe
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