Von Nájera geht es heute quer durch Kastilien nach Léon. Unterwegs stetten wir der großartigen Kathedrale von Burgos einen Besuch ab.

Aufbruch in Nájera

Nach den üblichen Morgenroutinen brechen wir in Nájera am 09. Juni 2023 um 09:57 Uhr auf. Das Tagesziel heute soll León, die alte Hauptstadt des gleichnamigen ehemaligen Königreichs, sein. Bis dorthin sind es rund 300 Kilometer. Für die Fahrt werden wir also um die dreieinhalb Stunden brauchen. So bleibt bis heute Abend also ausreichend Zeit, um unterwegs noch etwas zu entdecken. Mal sehen, was der Weg für uns bereithält.

Entlang der Autovía del Camino de Santiago

Schnell ist die Autovía del Camino de Santiago erreicht, die uns zügig nach Westen bringt. Die Sonne steht schräg hinter uns, und noch trübt keine Wolke den Himmel. Bald umgeht die Autobahn in einem nördlichen Bogen Santo Domingo de la Calzada, und wir wechseln dort auf die Nationalstraße.

Santo Domingo de la Calzada – wieder so ein klangvoller Name aus dem Reisebericht von Hape Kerkeling. Und viele weitere folgen heute noch: Castildelgado, Villamayor, Belorado, Tosantos oder Villafranca.

Begegnung mit den Pilgern

Nun kommen wir auch den Pilgern näher. Unsere Route ist keine Autobahn mehr. Teilweise wird sie zur Autovía ausgebaut, an anderen Abschnitten bleibt sie eine alte zweispurige Fernstraße. Gerade dort verläuft der Camino oft direkt an der Straße. So können wir die Caminos gut beobachten, ohne den Wanderern zu nahe zu kommen.

Meist luftig bekleidet mit T-Shirt und Shorts, bunten Rucksäcken aus modernen Geweben – die heute die traditionell lederne Pilgertasche ersetzen – und mit guten Wanderschuhen, sind sie in Richtung Westen unterwegs. Eine Kopfbedeckung darf auf keinen Fall fehlen: Hut, Mütze, Cap oder Tuch.

Viele entlasten Knie und Hüften mit modernen Wanderstöcken. Manche jedoch sind noch mit dem schweren, mannshohen hölzernen Pilgerstab unterwegs. Die abwechslungsreiche Landschaft und die dichte Abfolge von Städten und Dörfern macht den Camino auf diesem Abschnitt für sie kurzweiliger. Trotzdem bleibt es eine gewaltige körperliche Herausforderung, die Strecke zu bewältigen.

Der schwere Weg der Pilgerer

Gerade als es auf Burgos zugeht, wird es anspruchsvoll. Für die Pilger geht es hinauf auf eine Passhöhe von 1.150 Metern, die an der Puerto de La Pedraja erreicht wird. Dort oben ist es recht einsam. Zwischen Villafranca Montes de Oca und dem kleinen Flecken San Juan de Ortega liegen 12 Kilometer schwieriger Wegstrecke, ohne dass das nächste Ziel in Sichtweite wäre.

Ankunft in Burgos

Unser erstes Zwischenziel für heute soll Burgos und seine sensationelle gotische Kathedrale sein. Diese hatten wir zwar vor zwei Jahren schon einmal besucht, aber wir empfinden es als Frevel, dieses Wunderwerk gotischer Architektur nicht erneut zu bestaunen, wenn wir schon so nah vorbeifahren.

Von den nördlichen Ausläufern der Sierra de la Demanda, die wir auf der N120 überqueren, geht es hinunter in das gewaltige kastilische Hochland. Der erste große Stadtmarke in der Landschaft ist Burgos, die alte Krönungsstadt der Könige von Kastilien. Heute ist sie eine moderne Großstadt mit etwa 180.000 Einwohnern.

Der Weg ins Zentrum

Kaum haben wir den Ortseingang passiert, ragen links und rechts der N120 moderne Wohnblöcke mit bis zu acht Geschossen in die Höhe. Auch in Richtung Stadtzentrum wird es kaum gemütlicher. Erst als wir auf der Suche nach einem Parkplatz die Avenida del Arlanzón entlangfahren, wandelt sich das Bild ein wenig. Dort stehen einige kommunale Zweckbauten wie das Fußballstadion Coliseum Burgos, ein Schwimmbad und der Sportpalast.

Auf der anderen Straßenseite fließt der Río Arlanzón, an dessen beiden Ufern ein Park kühlen Schatten spendet. Dort finden wir eine der wenigen freien Parklücken in der Nähe des historischen Stadtzentrums.

Im Schatten der Kathedrale

Kaum ausgestiegen, schwingen zwei Arbeiter ungestüm ihre Motorsensen, um dem Bewuchs am Bordsteinrand den Garaus zu machen. Schon fliegen – angetrieben von den sich rasend drehenden Sensenköpfen – kleine Kiesel durch die Luft und schlagen in unseren Camper ein. Hoffentlich bleibt der ohne Glas- oder Lackschäden.

Um Zeit zu sparen und unsere Knie zu schonen, nehmen wir die Fahrräder und fahren die knapp drei Kilometer bis zur Kathedrale im Zentrum. Der Weg durch den Park am Río Arlanzón ist angenehm kühl und schattig, und gegen 12:20 Uhr erreichen wir die alte Puente Santa María – und damit auch den Arco de Santa María.

Arco de Santa Maria

Die Kathedrale von Burgos

Der gewaltige Torbogen war einst Teil der Stadtmauer und ist heute eines der Wahrzeichen von Burgos. Wir schließen die Räder in der Nähe an und betreten den Plaza del Rey San Fernando, einen der beiden zentralen Plätze der Stadt. An seiner Nordseite steht eine der schönsten und größten gotischen Kathedralen Spaniens: die Catedral de Santa María.

Die Doppeltürme über dem Westportal ragen 88 Meter in die Höhe. Das mächtige Südportal mit seiner vorgestellten Treppe dominiert den Platz. Die Kathedrale steht leicht erhöht und wirkt dadurch noch eindrucksvoller. Wir blicken gewissermaßen aus der Froschperspektive auf das Bauwerk, dessen Errichtung bereits 1221 begann.

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Ein Wiedersehen mit Geschichte

Über die Kathedrale, deren künstlerische Wurzeln unter anderem auch in Deutschland liegen, hatten wir bereits in einem Beitrag aus dem Jahr 2019 berichtet. Viel hat sich seitdem nicht verändert – außer, dass die damals laufenden Restaurierungsarbeiten im Chorumgang nun abgeschlossen sind. Dieser Teil der Kirche, nun von Gerüsten und Planen befreit, erstrahlt in neuem Glanz.

Das folgende kleine Album mit Bildern aus dem Jahr 2023 soll den Beitrag von damals ergänzen.

Fast zweieinhalb Stunden hält uns dieses Wunderwerk der spanischen Gotik in seinem Bann: mit dem riesigen Kirchenschiff und Chor, den vielen Nebenkapellen, der gewaltigen Vierung, den großen und gleichzeitig filigranen Altären, dem beeindruckenden Retabel am Hauptaltar, der Orgel mit den großen spanischen Trompeten, den reich ausgestatteten Kuppeln, dem zweigeschossigen Kreuzgang und den Schatzkammern mit ihren Kleinodien.

Ein Besuch, den wir – trotz der Wiederholung – keinesfalls bereuen. Wir möchten ihn jedem Geschichts-, Kunst- und Architekturinteressierten ans Herz legen.

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Platzregen und Weiterfahrt

Als wir kurz vor 15:00 Uhr wieder auf den Plaza del Rey San Fernando hinaustreten, ist dieser wie ausgestorben. Gerade war ein ordentlicher Platzregen über Burgos niedergegangen. Für uns eine Wohltat – er hat die Hitze dieses frühen Junitages etwas heruntergekühlt.

Plaza del Rey San Fernando – Burgos

In der vom Staub befreiten Luft fahren wir zurück zum Wohnmobil. Wir sind erleichtert, dass dort alles in Ordnung ist. Bei unseren Ausflügen in die Städte des Südens bleibt immer ein mulmiges Gefühl: Ist nach unserer Abwesenheit noch alles unversehrt? Besonders jetzt, da EFFI uns gehört und wir nicht – wie in den Vorjahren – mit einem Mietmobil unterwegs sind.

Auf nach León

Gegen 15:20 Uhr starten wir in Burgos mit dem Tagesziel León. Gute 180 Kilometer liegen vor uns, die wir in rund zweieinhalb Stunden zurücklegen wollen. Wir nutzen die neue A-231, die jedoch noch nicht vollständig ausgebaut ist.

Pilgern werden wir wohl kaum begegnen – der Jakobsweg verläuft bis León meist abseits unserer Strecke, zum Teil bis zu 15 Kilometer südlich, etwa zwischen Burgos und Carrión de los Condes.

Durch die kastilische Weite

Unsere Fahrt führt durch die weite Landschaft Kastiliens. Aus Westen ziehen weitere schwere Regenwolken auf, und hier und da fällt ein Schauer. Eine kleine Abwechslung bietet sich hinter Villaherreros, wo wir die Autobahn verlassen müssen. Das Teilstück vor uns ist noch im Bau, also weichen wir für einige Kilometer auf die Nationalstraße 120 aus.

Regenwolken über Kastilien

Ankunft in León

Mitten in der Einsamkeit biegen wir an der Ausfahrt am Kilometer 218 nach Norden ab. Über die Nationalstraße 601 und die Autobahn A-60 gelangen wir an den östlichen Stadtrand von León – der alten Hauptstadt des Königreichs León.

Hier präsentiert sich León als moderne Großstadt. Ein riesiges Einkaufszentrum, moderne Wohn- und Zweckbauten, unter anderem der Universität von León, säumen unseren Weg. Bevor wir den Stellplatz an der Avenida de la Universidad ansteuern müssen wir unsere Lebensmittel ergänzen.

Hierzu steuern wir den Aldi-Markt in der der Calle José María Suárez Gonzáles an. 29 Artikel vom Mineralwasser bis zum Olivenöl vom dunklen Tomaten bis zum frischen Hackfleisch wandern für 81,15 € in unseren Einkaufswagen.

Dann geht es zu Stellplatz. Die neue Bitumenfläche liegt leicht erhöht über dem benachbarten Parkplatz. Die Lage ist nicht sonderlich schön, aber zentrumsnah. Die Ausstattung ist modern und zweckmäßig – ein Vorteil, den offenbar auch andere schätzen: Gegen 17:00 Uhr erwischen wir einen der letzten freien Stellplätze.

Abendstimmung in der Altstadt

Ein wenig wollen wir noch die Altstadt erkunden. Mit den Rädern geht es hinauf zu der von einer mächtigen Stadtmauer aus dem Mittelalter umgebenen Altstadt. Schnell erreichen wir vom Arco de la Cárcel, einem der historischen Stadttore, über die engen Gassen den Plaza de Regla mit der Catedral de León.

Eine Besichtigung ist heute allerdings nicht mehr möglich – die letzten Besucher verlassen gerade das Gebäude, neue werden nicht mehr eingelassen. So nehmen wir unseren kleinen Ausflug als Appetithappen für den morgigen Vormittag. Mit den Rädern fahren wir wieder hinunter zum Wohnmobil, sichten die Bilder, die heute in der Catedral de Burgos entstanden sind, und beenden den Tag mit einem Abendessen aus eigener Küche.

Der Zugvogel

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