14.06.2023
Wohnmobilreise Galicien Atlantikküste: Auf dieser Etappe unserer Spanienreise geht es von Muxía über Laxe bis zum Playa Arenal bei Pedra do Sal. Wir berichten von der Fahrt entlang der galicischen Küste, von Einkaufsmöglichkeiten unterwegs, abgelegenen Stränden, anspruchsvollen Zufahrten und einem traumhaften Stellplatz mit Blick auf den Atlantik. Der Reisebericht liefert praktische Eindrücke für Camper, zeigt Highlights der Costa da Morte und gibt Einblicke in das Reisen mit dem Wohnmobil durch Nordwestspanien.
Nach dem Frühstück bekommen wir heute Besuch. Das Paar aus der Schweiz, dessen Wohnmobil von einem fahrerflüchtigen Spanier ein wenig demoliert wurde, klopft an unsere Tür. Sie bedanken sich mit einer Flasche Rotwein für unsere Aufmerksamkeit von gestern Nachmittag.
Wir hatten beobachtet, wie ihr Wohnmobil von einem ausparkenden Fahrzeug beschädigt wurde. Anschließend beging der Verursacher Fahrerflucht. Wir hatten das Kennzeichen des Übeltäters notiert und die beiden auf den Schaden aufmerksam gemacht.
Wir reden ein wenig über das Woher und Wohin und wünschen den beiden dann eine gute Weiterreise.
Auch für uns muss es weitergehen. Um 10:33 Uhr fahren wir ab. Zunächst müssen wir einkaufen. Wir müssen dringend unsere Vorräte an Mineralwasser und Brot ergänzen. Vorn in Muxía finden wir leider kein Lebensmittelgeschäft, bei dem wir parken könnten. Also geht es weiter in Richtung Ortsausgang.
Dort gibt es an einem Parkplatz eine Versorgungsstation für Wohnmobile. Wir nutzen die Gelegenheit und tanken Trinkwasser. Dann geht es auf die Strecke und wir verlassen das sympathische Muxía um 10:50 Uhr.
Auf der AC-440 wollen wir uns in Richtung Osten möglichst nah an der Küste halten. Zunächst geht es gut hundert Höhenmeter hinauf in das Küstengebirge, das die Landschaft hier prägt. Wir kommen durch Orte wie Os Muiños, Villar de Sobremonte oder Quintàns. Die Landschaft ist kurzweilig, die Orte beschaulich – nur ein Lebensmittelgeschäft ist nicht auszumachen.
Die Straße biegt nach Norden ab und führt uns hinunter nach Porto de Cereixo an der Ría do Porto, die als schmale Trichterbucht tief ins Land reicht. Doch auch hier können wir keine Einkaufsmöglichkeit finden.
Wir versuchen unser Glück in Richtung O Espírito Santo de Camelle. In dem kleinen, malerisch gelegenen Fischerort gibt es aber nur enge Straßen, einen Hafen und eine Bar – keine Einkaufsmöglichkeit. Also zurück nach Ponte do Porto.
Auf dem Weg dorthin gibt unser Fahrzeug das Zeichen, dass es nach AdBlue verlangt. Nun wollen wir nicht weiter umherirren und befragen unser Navi. Die Auskunft unserer elektronischen Helferlein lautet, dass es im 15 Kilometer entfernten Küstenort Laxe zwei Eroski-Märkte geben soll.
Der Weg dorthin führt weiter durch meist bewaldete Hügel des Küstengebirges, dann in einem weiten Bogen durch das Tal von Traba, einer breiten Flussniederung, die intensiv landwirtschaftlich genutzt wird und zum Meer hin mit der Lagune und dem Strand von Traba abschließt.
Kurze Zeit später erreichen wir Laxe. In der Avenida Cesáreo Pondal finden wir den kleinen Citymarkt, in dem wir alles finden, was wir für die nächsten Tage benötigen. Neben Wasser und Brot nehmen wir noch etwas Käse, eine dunkle Melone, ein paar frische Champignons und eine Packung Cerveza Estrella Galicia mit. Letzteres ist ein durchaus respektables Bier aus der Region.
Als wir Laxe gegen 12:20 Uhr verlassen, kommen wir an einer kleineren Tankstelle vorbei. Wunderbar – da können wir gleich das Problem mit dem AdBlue lösen. Außerdem lassen wir 75 Liter Diesel in unseren Tank fließen und sind mit den Verbrauchswerten der letzten Tage ganz zufrieden.
Seit León haben wir 780 Kilometer auf dem Tacho, sodass wir bei knapp unter 10 Litern auf 100 Kilometer liegen.
Um 12:30 Uhr geht es weiter. Die Sonne steht hoch und die Temperatur liegt bei etwa 20 °C. Wir beschließen, uns ein ruhiges Plätzchen an einem einsamen Strand zu suchen.
Mit einem Blick auf die Karte entscheiden wir uns für den Praia de Rebordelo bei Taboído. Das ist nicht allzu weit, doch der Weg dorthin ist mit einigen Hindernissen verbunden. Zunächst finden wir die Abfahrt zum Strand Taboído nicht und fahren weiter auf der Küstenstraße in der Hoffnung, eine Alternative zu finden. Auf den nächsten Kilometern bis A Traba ist dies jedoch ein hoffnungsloses Unterfangen. Die Küste ist hier dicht bebaut, lauschige Plätzchen am Wasser sind nicht auszumachen.
Wir entscheiden uns umzudrehen und nutzen für das Wendemanöver die Repsol-Tankstelle in der Calle Bergantiños in Traba. Vielleicht können wir die Abfahrt zum Praia de Rebordelo doch noch finden.
Wieder in Taboído angekommen, entdecken wir den Abzweig noch immer nicht. Von einer Kreuzung in der Ortsmitte zweigt jedoch eine Straße ab, die eigentlich in Richtung Strand führen müsste. Wir biegen rechts ab.
Die Straße führt hinauf in den am Hang gelegenen Teil von Taboído. Vorbei an den letzten Häusern schlängelt sich die Gasse, Mauern und Zäune begrenzen den Weg. Mehr als ein Kastenwagen sollte dort nicht entlangfahren.
Aus der Gasse wird ein schmaler asphaltierter Waldweg, der durch einen Forst mit Seekiefern und Papyrus führt. Noch immer geht es bergan bis auf 83 Meter über NN. Der Weg ist nun so eng, dass eine Begegnung mit Gegenverkehr nur schwer zu meistern wäre. Dann geht es tendenziell wieder bergab.
Die letzten 500 Meter vor dem Ziel werden jedoch zur Herausforderung: Auf dieser kurzen Strecke geht es noch einmal 55 Höhenmeter nach unten – sicher an die 15 % Gefälle. Der schmale Weg und die Erwartung eines eventuell entgegenkommenden Autos lassen uns recht unruhig werden. Der Parkplatz unten soll klein sein, und wenn er besetzt ist, kann man wohl nicht wenden. Dann müssten wir rückwärts den Berg wieder hinauf. Allein die Aussicht darauf, später wieder hinaufzukommen, finden wir noch schlimmer.
Unten angekommen müssen wir noch einigen Schlaglöchern ausweichen, stellen aber fest, dass sich der Weg auf jeden Fall gelohnt hat. Zwar ist dies nicht der Praia de Rebordelo, sondern der Praia das Vasca – aber das ist uns egal.
Die kleine Bucht mit feinem Sandstrand ist traumhaft gelegen, und wir sind ganz allein. Wir bleiben dort eine Weile, baden, liegen in der Sonne und genießen den Blick hinaus in die Bucht, auf die Berge und auf den Praia de Blarés gegenüber.
Zu lange wollen wir jedoch nicht bleiben. Dieser Ort ist auch in der von uns genutzten App Park4Night verzeichnet. Andere Camper berichten davon, dass dieser Platz gern von Einheimischen genutzt wird und später am Tag ein reges Kommen und Gehen angesagt ist.
Angesichts des steilen Anstiegs, der uns auf dem Rückweg auf schmalem Weg bevorsteht, wollen wir den „Kommenden“ lieber nicht begegnen. So brechen wir eine halbe Stunde später wieder auf.
Ein wenig gespannt sind wir, wie sich unsere Effi am steilen Hang schlagen wird. Doch sie zieht uns ungerührt im zweiten Gang den Berg wieder hinauf. Wir sind froh, als wir oben angekommen sind.
Unten in Taboído wieder angekommen, biegen wir nach links ab und fahren die uns schon bekannte Strecke bis Ponteceso. Dort biegen wir falsch ab und landen erneut in Traba, wo wir wieder an der Repsol-Tankstelle in der Calle Bergantiños stehen. Sollte uns jemand vor einer Stunde hier schon bemerkt haben, wird er uns wohl als verhaltensauffällig einstufen.
Wir nehmen in Ponteceso nun die Straße nach Malpica de Bergantiños, das wir gegen 14:20 Uhr erreichen. Die Stadt draußen am Meer ist keine Schönheit und damit auch keine Adresse für uns, wenn es um einen Stellplatz für die nächsten zwei Nächte geht.
Morgen wollen wir einen Tag Pause einlegen – möglichst an einem schönen Platz am Meer. Also befragen wir Park4Night und finden dort den Platz am Praia de Arnela bei Pedra do Sal. „Sehr schöne Aussicht auf das Meer, Ruhe, kleiner Strand“ ist dort vermerkt.
Was wollen wir mehr? Und das Ganze liegt keine 50 Kilometer Fahrtstrecke von uns entfernt.
Um möglichst schnell dorthin zu kommen, empfiehlt unser Navi, weiter ins Landesinnere zu fahren und dort ein Stück die mautpflichtige AG-55 zu nehmen.
Gesagt, getan. Also geht es auf der gut ausgebauten AC-418 flott voran. Bei Carballo fahren wir auf die AG-55, und die folgenden 44 Kilometer kosten uns 0,85 € Mautgebühr.
Um 15:00 Uhr erreichen wir A Imende und biegen kurz vor Pedra do Sal rechts in Richtung Strand ab. Die asphaltierte Strecke reicht nicht ganz bis an den Stellplatz, aber mit vorsichtiger Fahrweise kommt man auch auf den letzten 300 Metern gut ans Ziel.
Dieser Ort ist ganz wunderbar und genauso, wie in der Stellplatz-App beschrieben: „Sehr schöne Aussicht auf das Meer, Ruhe, kleiner Strand“.
Wir sind glücklich und noch die einzigen Camper hier. Wir beziehen einen Platz am Wegesrand mit einmaliger Aussicht auf das Meer. Genau vor uns ragt ein felsiges Riff ins Wasser, das von den Wellen heute nur leicht gestreichelt wird. Davor eine Gras- und Staudenmatte, die bei näherem Hinsehen eine verblüffende Farbenpracht entfaltet – und dahinter das weite, weite Meer.
In unserem Fall der offene Atlantik, denn die Biscaya beginnt erst am Cabo Ortegal, etwa 80 Kilometer Luftlinie von uns in Richtung Ostnordost.
Wir läuten so etwas wie einen Urlaub vom Urlaub ein. Seit unserem Zwischenstopp in Montalivet vor 9 Tagen sind wir jeden Tag gefahren – an die 1.800 Kilometer insgesamt. Unterwegs gab es unzählige Erlebnisse, und es wird Zeit, dass wir uns einen Tag Ruhe gönnen.
Wir beginnen mit einem verspäteten Mittagessen mit Bratkartoffeln, die Steffi wie immer wohlschmeckend in der Pfanne zaubert. Steffi erkundet das Riff vor uns und geht später am Playa Arenal gleich nebenan baden. Ich halte die Stellung, schaue hinaus aufs Meer, lese einen Krimi aus der Reihe des dänischen Erfolgsautors Jussi Adler-Olsen rund um Kommissar Carl Mørck und sein schräges Team und treibe ein paar Fotostudien.
Später gesellt sich ein zweiter Camper zu uns, ein dritter – ein VW T4 mit Allradantrieb – hat das Privileg, sich weit oben in die Klippen zu stellen, ohne auf dem unwegsamen Terrain einen Achsbruch zu riskieren.
Den Abend mit einem sensationellen Sonnenuntergang genießen wir mit Käse, Oliven und der Flasche Rotwein, die uns die beiden Schweizer Camper heute Morgen überreicht hatten.
Übrigens können wir von unserem Standort beobachten, wie das Kreuzfahrtschiff Amarza Journey A Coruña verlässt – dasselbe Schiff, das wir vor drei Tagen vom Cabo Silleiro aus beobachten konnten, wie es in die Ría de Vigo einfuhr.
Den nächsten Tag, den 16.06.2023 sind wir mal nicht auf Achse. Wir verbummeln den Tag einfach bei bestem Wetter an diesem genialen Ort.
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