Cabo de San Augustin – San Andres – El Ferrol

Über Viveiro fahren wir an den einsamen Stand von Xilljo und verbringen hier einen Vormittag unter der Sonne Nordspaniens am türkisen Wasser dieser wunderschönen Bucht. Dann fahren wir hinauf in die Sierra de la Campeleda und finden uns zwischen Bergen, Wolken und Himmel in einer traumhaft schönen Landschaft wieder. Wir besuchen die höchsten Klippen Europas, die Gratia da Herbeira und denn verwunschen wirkenden Wallfahrtsort San Andrés de Teixido. Weiter geht es nach El Ferrol. Nach einer selbstverschuldeten Odyssee auf der Suche nach einem schönen Stellplatz kommen wir erst spät abends am Fußballstadion von El Ferrol zur Ruhe.

Weiter nach Westen auf der Autovia del Cantábrico

 

Heute Morgen werden wir schon um 06:30 Uhr vom Blubbern eines großen Dieselmotors und von Zisch- und Klappergeräuschen geweckt. Die Müllabfuhr ist direkt neben unserm Wohnmobil in Aktion. Das bleibt aber auch der einzige Mangel an unserem sonst so sensationellen Stellplatz am Cabo de San Augustin.

Das Wetter scheint umgeschlagen zu sein. Dichter Nebel hängt über der Bucht, kurz darüber scheinen die ersten Wolken zu beginnen.

Bevor wir aufbrechen, nutzen wir noch die hier angebotenen Möglichkeiten zur Ver- und Entsorgung unseres Mobils. Während wir dabei sind, fährt die Guardia Civil hier oben ihre Streife. 

Wie machen uns nun auf in Richtung Autovia del Cantábrico und nehmen diese bis San Cosme. Auf dem Weg bekommen wir endlich mit, wie die Ausfahrten hier nummeriert sind. Irgendwie scheinen die inflationär zuzunehmen. Wir sind inzwischen bei der Nummer 516. Eine stolze Zahl für die ca. 500 Kilometer seit der Französischen Grenze. Das würde ja jeden Kilometer eine Ausfahrt machen. Das ist natürlich Quatsch. Anders als in Deutschland werden hier die Ausfahrten mit dem laufenden Autobahnkilometern nummeriert. Ich finde das recht praktisch. So hat man immer ein Gefühl dafür, was schon geschafft ist und wie weit man noch muss.

Die Autovia Autovia del Cantábrico hat hier ihren spektakulären Charakter verloren. Das Küstengebirge wird zunehmend flacher und weicht mehr in das Landesinnere zurück.

Viveiro und Xilljo

Wir verlassen bei San Cosme die Autobahn, denn die schwenkt nun nach Süden.  Wir wollen aber weiter westwärts an der Küste entlang. Als nächsten größeren Ort erreichen wir Viveiro. Wir überqueren das große Hafenbecken über die Porta de Carlos V und erreichen kurz darauf Covas. Hier finden wir einen schönen Strand mit Parkmöglichkeit gleich am der Strandpromenade. Das lassen wir uns nicht entgehen. Eine gute halbe Stunde verbringen wir an dem kleinen Praia de Seiramar, sammeln Muscheln und anderes Strandgut und lassen uns auf die eigentümliche Lichtstimmung zwischen Sonnenlicht und Meeresdunst ein.

Bevor es weiter geht, wundern wir uns über viele Fahnen mit der Aufschrift „SOS Praja“ die an den kleinen Häusern und den großen Hotels prangen und dem Besucher einen Hilferuf entgegen schreien. „SOS Praja“ – was mag wohl gemeint sein? Eine kleine Recherche im Netz bringt uns die Erklärung. Der Strand verliert massiv an Sand und das Meer kommt den Häusern hinter der Strandpromenade immer näher. Schuld an der Situation ist wohl menschlicher Einfluss. Baumaßnahmen in Hafen habe den Strömung so verändert, dass diese den Strand nach mit sich nimmt.

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Wir fahren weiter und nun schraubt sich die Küstenstraße hinauf auf die Steilküste. Es ist noch nicht 12:00 Uhr, als wir auf den Abzweig nach Xilljo stoßen. Kurz entschlossen biegen wir rechts ab. Nach wenigen hundert Metern werden wir mit einen tollen Ausblick von der Mirador de Toxoso belohnt. Der Blick geht hinunter auf das Meer, wo vor Viveiro ein Frachter in glitzernder Sonne und Dunst auf Reede liegt.

Die Straße führt wieder hinab zum Meer, immer durch den hier so typischen Eukalyptuswald. Unten in Xillio angekommen werden wir mit dem wunderbaren Playa de Xillio belohnt. Abgesehen von drei Spaziergängern bleiben wir für die nächsten zwei Stunden, die einzigen Badegäste in dieser traumhaften Bucht. Blauer Himmel, türkises Wasser und eine malerische Küste ringsum. Mehr können wir uns nicht wünschen. Nur eine zünftige Höhle fehlt noch zu Glück. Aber auch die ist hier zu finden. Steffi startet eine kurze Erkundung, jedoch ohne entscheidende Ergebnisse.    

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Sierra de la Campeleda

Als es weiter geht, beginnt sich die Wetterlage zu verändern. Enttäuscht müssen wir beobachten, wie sich der leichte Dunst, der heute Vormittag über allem lag, sich nun in eine tief hängende Wolkendecke verwandelt.

Wir tief merken wir sehr bald bei unserer Weiterfahrt. Die Straße entlang der Küste führt hinauf zur Sierra de la Campeleda und wir fahren mitten in die Wolkendecke hinein. Graue Nebelfetzen umgeben uns plötzlich. Alles ist grau und ungemütlich. Zehn Minuten später ist der Spuk wieder vorbei. Wir haben die Wolkendecke nach oben durchbrochen. Vor uns beginnt sich eine Landschaft auszubreiten, wie wir sie noch nicht erlebt haben.

Doch bevor wir diese näher in Augenschein nehmen, biegen wir nochmals ab um dem Cabo Ortegal einem Besuch abzustatten. Der Weg dorthin bietet zunächst die Begegnung mit einem Pferdezüchter, der gerade seine Lieblinge füttert und tränkt. Die raue Landschaft hier oben scheint sich wohl nur sehr bedingt als Weide für die anspruchsvollen Tiere zu eignen.

Rau ist der Landstrich und schön. Wir werden mit Ausblicken über die Gebirgs- und Wolkenlandschaft belohnt, die immer wieder aufreißt und die Sicht bis hinunter aus Meer freigibt.

Am Cabo Ortegal, nach einer kurvenreicher Fahrt auf enger Straße angekommen, bietet sich wieder das gegenteilige Bild. Hier unten in exponierter Lage draußen an Meer steckt alles in nassem Nebel. Trotzdem kann man dem Kap, dem Leuchtturms und der Aussichtsterrasse davor etwas abgewinnen. Immerhin ist dies die Stelle, wo sich ganz offiziell die Biscaya und der offene Atlantik die Hände reichen. Wirklich lohnend ist dieser Abstecher aber nur bei guter Sicht.

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Der weitere Weg auf der Küstenstraße führt uns zu den höchsten Klippen Europas. Hier an der Miradorio de Gratia da Herbeira geht es 612 Meter fast im freien Fall hinunter – atemberaubend. Wir blicken vom Aussichtspunkt, der im strahlenden Sonnenschein liegt, auf ein weißes Wolkenmeer, das sich über die Küste des Atlantischen Ozeans gelegt hat. Die Landschaft liegt nun über der Baumgrenze und bildet eine Art Hochsteppe. Den Rindviehchern hier oben scheint es nicht schlecht gehen. Die alte steinerne Hütte oben auf den  Klippen zeigt, dass das seinesgleichen wohl schon seit Jahrhunderten hier hinauf getrieben wurden. Die auch hier immer häufiger werden Windräder auf der anderen Seite der Straße zeugen von einer anderen, moderneren Zeit.

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San Andrés de Teixido

Von modernen Zeiten wollen wir uns heute aber noch nicht einholen lassen und steuern San Andrés de Teixido an. Auf dem Weg dorthin stoppen wir kurz an der Miradorio de Teixidelo-Cruceiro.  Neben dem Aussichtspunkt auf einer kleinen Bergpyramide mit Gipfelkreuz, der tolle Ausblicke auf die Biscaya und die mächtigen Klippen ringsum bietet, gibt es hier ein kleines Denkmal für den amerikanischen Schauspieler Leslie Howard. Der Darsteller des Ashley Wilkes in dem Filmklassiker „Vom Winde verweht“ kam 1943 hier in der Nähe, beim Abschuss eines Zivilflugzeuges durch die Deutsche Luftwaffe, ums Leben.

In San Andrés de Teixido angenommen, spazieren wir in ein Dorf, das aus der Zeit gefallen scheint. Das Zentrum, des an den Hang geklebten Ortes, ist die von außen schlicht wirkende Wallfahrtskirche. Nicht nur das sehenswerte Interieur ist von Bedeutung. Eine Legende rangt sich um diese heilige Stätte. Versäumt man es im Laufe seines Lebens hier her zu kommen, läuft man Gefahr, nach seinem Ableben hier in Klippen über dem Meer als Eidechse oder Wiesel hausen zu müssen. Eine nur für die schöne Jahreszeit halbwegs verlockende Vorstellung. Aber wir haben dieses Schicksal ja nun von uns abgewendet. Interessant ist aber mit welchen Tricks man versuchte Pilger hier her zu locken. In Zeiten vor der Aufklärung nahmen viele Zeitgenossen diese Legende sicher als bare Münze.  

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Um unseren Besuch in San Andrés des Teixido abzurunden, besuchen wir noch dem örtlichen Friedhof. Wir treffen so auf einen Stück Alltagskultur Spaniens, das sich komplett von dem unterscheidet, was auf Friedhöfen in Deutschland zu finden ist.

Bei unserem Weg zurück zum Auto durch die einzige Gasse des Ortes uns fällt noch auf, dass San Andrés zwar aus der Zeit gefallen scheint, die modernen Zeiten in Form touristischer und religiös angehauchter Vermarktung durchaus Einzug gehalten haben. Läden und Stände mit esoterischen und religiösen Devotionalien bestimmen hier die Szene.

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El Ferrol

Uns führt die Küstenstrasse nun hinunter nach El Ferrol. 

Nachdem Weg entlang der Küste, der nur wenige Abzweige hatte und das navigieren so ein Kinderspiel war, wird das Straßennetz von El Ferrol zur echten Herausforderung. Nach einer kleinen Odyssee über Kreisverkehre, Anwohner- und Schnellstraßen, können wir den auf Werbetafeln immer präsenten Carrefur-Markt nicht finden. Nach 30 Minuten Irrfahrt landen wir praktisch wieder dort, wo unsere kleine Odyssee begann – am Ortsrand von El Ferrol. Hier besuchen wir nun einen Gadis-Markt. Auch der bietet reiches Lebensmittelsortiment mit dem wir unsere Vorräte ergänzen. Angenehm fallen die zahlreichen regionalen Produkte auf. Vielfältige Käse-, Wurst- und Schinkensorten und natürlich Wein von der spanischen Atlantikküste und aus dem Kantabrischen Gebirge sind in den den Regalen zu finden. Daneben aber auch das globale Einerlei aus Häusern wie Unilever oder Nestle.

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El Ferrol weißt auch einen Stellplatz für Wohnmobile aus. Wir entnehmen der Stellplatz-App jedoch Attribute wie „am Ende der Schellstrasse“ oder „Großparkplatz am Fußballstadion“. Das finden wir nicht so attraktiv und beschließen trotz der nun schon fortgeschrittenen Stunde unser Glück draußen am Meer zu versuchen.

Also fahren wir hinaus  zum Cabo Prior. Dort angekommen stellen wir fest, dass man hier zwar über Nacht stehen könnte. Vertrauen kann dieser einsame Schotterplatz direkt am Leuchtturm bei uns aber nicht erwecken. Der weiter im Land an einer Meeresbucht gelegene Campingplatz Camping as Cabazas liegt noch im Winterschlaf und ist geschlossen. 

So fahren wir nun doch an das Fussballstadion von El Ferrol zurück und stellen fest: Lass Dich nicht von den Beschreibungen einer Stellplatz-App verwirren. Schau den Platz einfach an, wenn Du in der Nähe bist, bevor Du etwas vermeintlich Besseres suchst. Wir fanden es hier zwischen

einem Park und dem Stadion gleich an einem Fluss gar nicht so schlecht.

 

272 Kilometer von Ortiguera nach El Ferrol
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