Route des Grandes Alpes

Route des Grandes Alpes

Die Route des Grandes Alpes vom Lac Léman (Genfer See) bis zum Mittelmeer war bei der Planung unserer Reise durch Südfrankreich im September 2021 die einzige Konstante. Sofern die Großwetterlage für eine Reise über 21 Pässe des westlichen Alpenbogens geeignet war. Denn vier oder fünf Tage bei Nebel oder Regen durch die französischen Alpen zu kurven schien uns wenig attraktiv zu sein. Alles was danach kam, wollten wir dem Zufall überlassen.

Schon am Tag unsere Anreise an den Lac Léman war das Wetter jedoch ganz hervorragend. Und die Vorhersage für die kommenden Tage versprach beste Wetterbedingungen. So nahmen wir am 5. September 2021 die Route des Grandes Alpes mit dem Wohnmobil in Angriff.

Um es gleich vornweg zu sagen: Wir erlebten schönste Tage in den großartigen Panoramen der französischen Alpen. Dabei überwanden wir 17 Bergpässe mit teilweise atemberaubenden Ausblicken. Die Landschaften und Orte zwischen den Bergübergängen ließen uns immer wieder staunen. Aber wir haben die Route des Grandes Alpes nicht vollständig absolviert. Am letzten Tag, der uns über die Seealpen führte, mussten bzw. wollten wir auf zwei Alternativrouten ausweichen. So wird dieser Artikel nicht von den Pässen Col de la Cayolle, Col de Valberg, Col de la Couillole sowie Col de Turini und Col de Castillion berichten können. Wie es dazu kam, erfahrt Ihr im letzten Teil dieses Berichtes.

Unser Track auf der Route des Grandes Alpes mit Abstechern und nicht gefahrenen Abschnitten

5. September 2021 – Thonon bis Le Reposoir – Route des Grandes Alpes

Über die ersten Pässe bis Cluses – Route des Grandes Alpes

Wir starten unsere Reise entlang der Route des Grandes Alpes am 5. September 2021 am Plage Champ de l’Eau in Corzent am Lac Léman (Genfer See). Das schöne Wetter, welches uns gestern Abend einen großartigen Sonnenuntergang über dem See bescherte, hat sich gehalten. Daher genießen wir noch ein wenig die klare Luft hier am See und die Wärme der morgendlichen Sonnenstrahlen.

Plage Camp de l'Eau - Corzent
Plage Camp de l’Eau – Corzent

Um zum eigentlichen Startpunkt der Route des Grandes Alpes zu gelangen, müssen wir einen Ort weiterfahren. In Thonon-les-Bains beginnt die D 902, die bis Cluses an der Arve die erste Etappe der Route des Grandes Alpes bildet. Die Straße folgt dabei dem Lauf der Dranse die in Thonon-les-Bains in den Genfer See mündet. Der Bergfluss entspring im Schweizer Kanton Wallis nur ca. 45 Kilometer von hier. Wir folgen er Departementstraße von Thonon aus nach Süden. So geht es für uns in die Chabalais-Alpen. Sie erheben sich am Ufer der Lac Léman und reichen bis an das Tal der Arve im Süden.

Über den Col de Let Gets

Zunächst geht es durch einen dichten Wald nur sachte bergan. Rechts unter uns rauscht der Fluss. Wir legen einen kurzen Stop ein, um diese erste Stimmung an der Route des Grandes Alpes mit der Kamera einzufangen.

Dranse - an der Route des Grandes Alpes
Dranse

Nach ca. 15 Kilometern könnten wir eine erste Attraktion besichtigen. Links von uns liegen die Gorges Pont du Diable, die Schluchten an der Teufelsbrücke. Zu schlecht sind allerdings die Bewertungen über in diese Sehenswürdigkeit im Internet. Deshalb verzichten wir auf eine Begegnung mit dem Beelzebub.

Ein wenig später erreichen wir Saint-Jean-d’Aulps, den ersten größeren Ort an der Route des Grandes Alpes. Ging es bisher an der Dranse durch dichten Wald, so lichtet dieser sich nun. Somit werden immer öfter Blicke auf ein noch sanftes Bergpanorama frei.

Ein wenig später und ca. 280 Höhenmeter über Saint-Jean-d’Aulps erreichen wir den ersten von 21 Pässen auf der Route des Grandes Alpes – den Col des Gets. Mit unseren Erwartungen an einen einsamen Bergpass, gesäumt von Almen und Berggipfeln liegen wir hier vollkommen falsch. Le Gets ist ein respektabler Wintersportresort auf 1.172 Metern Höhe. Nicht nur im Ortskern entlang der Hauptstraße reihen sich Hotels und Restaurants aneinander. Auch oben an den Berghängen über dem Ort bieten verschiedenste Chalets dem Gast Unterkunft.

Let Gets - Routes des Grandes Alpes
Let Gets

Taningnes

Von Let Gets geht es hinunter Taningnes. Am Ortsrand fällt uns ein seltsames Depot mit gebrauchten Verkehrsmitteln auf. Ausrangierte Seilbahnkabinen stapeln sich auf dem Gelände. Die Firma Taninges Télécabines haucht den gebrauchten Schmuckstücken neues Leben ein. Man kann sie mieten oder zu Dekorationsobjekten umarbeiten lassen. Auf der Website von Taninges Télécabines kann man mehr hierzu erfahren – was es nicht alles gibt.

Und Tanignes hat noch eine weitere Überraschung für uns. Vor uns fährt ein kleiner Korso von Oldtimern durch die Ortsmitte. Natürlich ist hier in Frankreich der legändere CV11, der berühmte Gangster-Citroen mit von der Partie. Das ist nicht weiter verwunderlich. Das der aus unzähligen Filmen bekannten „Verbrecherkarre“ allerdings ein Trabant 601 aus Zwickau folgt, ist aber eher eine Überraschung für uns. Himmelblau und glänzend aufpoliert tuckert er vor uns her.

Über den Col Châtillion-sur-Cluses

Tanignes liegt unten im Tal des Giffre. Um Cluses zur erreicht geht es nochmal bergan. Oben in Châtillion-sur-Cluses angekommen bemerken wir gar nicht, dass wir nun schon den zweiten Pass auf der Route des Grandes Alpes passieren. Kein Wunder, ist er 742 Metern Höhe doch kaum der Erwähnung wert.
Von Châtillion-sur-Cluses geht es dann hinunter nach Cluses. Die kleine Industriestadt mit ihren mehr als 16.000 Einwohnern füllt den ganzen Talkessel links und rechts der Arve aus. In Cluses wird uns mit einem Blick auf unserer Michelin-Atlas klar, dass wir uns ganz in der Nähe des höchsten Bergmassives in Europa befinden. Chamonix und der Mont Blanc sind gerade einmal 45 Straßenkilometer entfernt.

Cluses - Route des Grandes Alpes
Cluses

Nach Chamonix

Wenn Du uns dorthin und auf eine der höchsten Seilbahnstationen Europas folgen willst, nutze diesen Link.

Bis Le Reposoir – Route des Grandes Alpes

Nach unserer Rückkehr aus Chamonix biegen wir südlich der Stadt nach Süden auf die Departementstraße 4 ab. Schon am Ortsrand von Cluses geht es tüchtig bergan. In Blancy macht die Straße eine weitere Kehre von fast einhundertachtzig Grad und gibt einen letzten Blick auf Stadt an der Arve frei.

Damit haben wir die Chabalis-Alpen verlassen und steigen nun in den Bornes-Alpen hinauf.

Die Straße führt uns durch einen dichten Mischwald bergan. Link von uns, 200 Meter tiefer im Tal fließt ein Bergbach, der Foron du Responsir. Weiter oben folgt die Straße seinem Flussbett und der Wald weicht zurück. Als wir dann gegen 18:00 Uhr Reposoir erreichen, finden wir dass es an der Zeit ist, unsere erste Etappe auf der Route des Grandes Alpes zu beenden. Schön, dass es in Reposoir einen kleinen Wohnmobilstellpatz mit einer Entsorgungsstation gibt.

Zugvogel Stellplatztipp

Unsere Tagesstrecke

Route des Grandes Alpes
Route des Grandes Alpes

6. September 2021 – Le Reposoir bis Bessans – Route des Grandes Alpes

Als wir uns am 06.09.2021 gegen 08:30 Uhr dem neuen Tag entgegenblicken, liegt Le Reposoir noch im kühlen Schatten der Chaîne du Reposoir. Die Bergkette auf der östlichen Seite des Ortes reicht steil bis auf 2.100 Meter hinauf. Noch versperrt sie der Sonne den Weg zu uns. Dafür erstrahlt im Westen der Kamm der Chaîne di Bargy auf der gegenüberliegenden Seite des Ortes schon in ihrem gleißenden Licht. Wie die schartige Klinge eines alten riesigen Schwertes ragt die Kette von Gipfeln aus Kalkstein über die Baumgrenze hinaus.

Le Reposoir - Route des Grandes Alpes
Wohnmobilstellplatz in Le Reposoir

Col de la Colombière – Route des Grandes Alpes

Als wir eine Stunde später aufbrechen füllt die Sonne nun das ganze Tal aus. Von Reposoir aus führt die D 902, die Route de Colombière, über einige enge Kehren steil bergauf Zum Col de la Colombière. Ein erster kurzer Stopp gibt uns die Gelegenheit einen Blick zurückzuwerfen. Unter uns das zerklüftete Tal des Foron. Weit hinten im Dunst die Gipfel der östlichen Chabalais-Alpen.

Route de la Colombière - Route des Grandes Alpes
Route de la Colombière

Gegen 10:00 Uhr erreichen wir den Col de la Colombière auf 1.618 Metern Meereshöhe. Hier parken schon viele Autos. Offenbar nutzen viele den Col de la Colombière als Ausgangspunkt für Wanderungen in die schroffen Bergwelten links und rechts des Passes. Bei Ihrer Rückkehr werden einige froh über die Gastfreundschaft im Restaurant La Colombière sein. Noch hat es seine Türen geschlossen, die Sonnenschirme auf der Terrasse sind noch zugeklappt und die Plastikstühle warten aufgestapelt oder an den Tischen lehnend auf die Gäste. Für den der eher an den spirituellen Vorzügen dieses Ortes interessiert ist, für den gibt es etwas abseits gelegen eine kleine Kapelle aus scheinbar neuerer Zeit.

Der Col de la Colombière gehörte schon oft zum Programm der Tour des France. Zweiundzwanzig Mal führte die Tour zwischen 1960 und 2018 dort hinauf. Obwohl es einer der leichteren Bergpässe im Tour-Programm ist, waren manche Fahrer sicher froh, als das große Steinkreuz am Scheitelpunkt der Straße die bevorstehende Abfahrt ankündigte.

Col d la Colombière - Route des Grandes Alpes
Steinkreuz am Col d la Colombière

Col des Aravis – Route des Grandes Alpes

Vom Col de la Colombière fahren wir weiter nach Süden hinunter auf 900 Meereshöhe. Dort liegt Grand Bornand. In dem Wintersportort macht regelmäßig der Biathlon-Weltcup Station. Von Grand Bornand geht wieder bergan. Zunächst über den kleinen Berg zwischen den Bergflüssen Le Borne und Le Nom. Oben liegt der kleine Ort Saint-Jean-de Sixt. Den gleichnamigen Pass bemerkt man kaum. Dann geht es über La Cluzas hoch hinauf zum Col des Aravis. Über diesen Pass quert die Departementstraße 909 die Chaîne des Aravis. Ein breiter Bergsattel schneidet sich dort tief in das ca. 25 Kilometer lange Bergmassiv. Die Chaîne des Aravis erstreckt sich westlich des Mont-Blanc-Massivs vom Südwest nach Nordosten bis kurz vor Cluses.

Oben am Pass ragen die Gipfel hoch auf. Links von uns im Norden reihen sich wie eine Wand der Pointe de la Blonnière (2.369 m), der Dent du Châtelet (2.356 m) und der Pointe de Merdassier (2.323 m) über den saftigen Almen aneinander. Rechts von uns im Süden sind es der Pointe de Aravis (2.325 m) und die Aiguille des Boderean (2.492 m) die die Landschaft überragen. Vor uns in weiter Ferne erhebt sich über dem nahen grünen Nadelwald die weiße Kappe des Mont-Blanc. Ihm nähern wir uns nun aus Richtung Westen.

Ansonsten gibt es dort das Übliche an einem touristisch erschlossenen Gebirgspass in den französischen Voralpen. Reichlich Parkplätze, ein Imbiss, drei Restaurants und eine Kapelle. Schon ist sie fertig die Touristenattraktion auf 1.498 Meter Meereshöhe.

Durch das südliche Mont-Blanc-Massiv – Route des Grandes Alpes

Dann geht es auf der D 909 über La Giettaz hinunter nach Flumet. Das kleine Dorf Giettaz (ca. 400 Einwohner) wird vom Massif de Balme und dem schroffen Gipfeln der Ètale-Gruppe überragt. Dahinter geht der Ort in das bewaldete Tal der L’Arrondiene über. Ab hier verdecken uns Wald und Flusstal die Aussicht.

Unten in Flumet ist es Zeit zu tanken. Daher biegen wir kurz auf die D 1212 in Richtung Ugine ab. Am Ortsrand finden wir eine Tankstelle. Allerdings müssen wir hier mehrere Kreditkarten ausprobieren, bis sich ein Schwall von Diesel in unseren Tank ergießen kann. Dann geht es zurück zur Ortsmitte. Dort führt eine schmale Bogenbrüche über die L’Arly, die tief unter uns zu Tal plätschert. Die L’Arly ist die Grenze zwischen den Bornes-Alpen und dem südlichen Mont-Blanc-Massiv. Vom Tal geht es in vier sehr engen Kehren wieder hinauf. Oben weicht der Wald und wieder weitet sich der Blick über Almen, Gipfel und Weiler links und rechts unseres Weges.

Les Saisles

Bald erreichen wir Les Saisles. Der Ort begrüßt uns mit einem großen, grau geschotterten Parkplatz, auf dem wir eine kurze Rast einlegen. Von hier aus werfen wir einen letzten Blick auf die Chaîne de Aravis. Weiter vorne im Ort sticht die moderne Architektur der Chapelle Notre-Dame-de-Haute Lumière hervor. Ansonsten ist der Ort zu dieser Jahreszeit recht seelenlos. Die einsam im Wind baumelnden Gondeln des Sesselliftes direkt über der Straße sind ein Sinnbild dafür. In den schneereichen Wintermonaten wird hier sicher sehr viel mehr los sein. Für uns ist der Ort auf unserer Tour entlang der Route des Grandes Alpes nicht ohne Bedeutung. Denn hier befindet sich mit dem Col des Saisies (1.650 Meter über dem Meer) der nächste Pass auf der Tour.

Von Les Saisles geht es hinunter nach Beaufort in das Tal des Baches Dorinet. Es ist erstaunlich wie tief sich auch ein vermeintlich kleiner Bach über die Jahrmillionen in das Gelände gegraben hat. In der Ferne vor uns erhebt sich das Mont-Blanc-Massiv, dem wir uns immer noch von Westen her nähern. Der Gipfel des weißen Riesen wird heute von Cumulus-Wolken gestreichelt.

Tal des Dorinet - Route des Grandes Alpes
Tal des Dorinet

Weiter bis zum Lac de Roselend

Der Abfahrt nach Beaufort folgt sogleich der Anstieg zum Col du Méralliet. Zunächst ist Steigung der Route de Rose, der wir nun folgen, moderat. Folgt die Straße doch dem Tal des Bergflüsschens Doron bis auf eine Höhe von 1.050 Metern. Dort überquert eine Brücke den Fluss und die Straße führt in engen Kehren weitere 600 Höhenmeter hinauf. Dann ist mit dem Col du Méralliet (1.605 m), der nächste Pass auf der Route des Grandes Alpes erreicht. Kurz danach weichen die Bäume zurück und geben den Blick auf den Lac de Roselend frei. Hier wird seit 1960 die Doron von zwei Pfeilerstaumauern und einer Bogenstaumauer aufgestaut. Das Bauwerk ist insgesamt 804 Meter lang und 150 Meter hoch.

Am Lac de Roselend – Route des Grandes Alpes

Wir fahren an das nördliche Ufer und haben auf dem Weg dorthin einen schönen Blick auf den 2.360 Meter hohen Roche du Vent. Rechts von uns im Süden die beeindruckende Felswand des Roc du Bioley. Dahinter das mächtige Massif du Mont. Die Gipfel dort oben reichen bis auf fast 3.000 Meter hinauf.

Dann kommen wir an der Chapelle de Roselend vorbei. Sie thront auf einem markanten Bergvorsprung über dem See. Mit ihrem spartanischen Glockenturm und den aus groben Felssteinen gesetzten Mauern macht sie den Eindruck recht alt zu sein. Den Baustil könnte man als romanisch einordnen. Sie ist aber viel jüngeren Datums. Seit 1962 steht sie hier und ist eine Reminiszenz an die alte Kapelle im Weiler Roselend, der mit Stau der Doron in den Fluten verschwand.

Wir halten an der Brücke, die die D 925 über das Bergflüsschen Nant des Lautarets führt. Die Nant des Lautarets ist einer von neun natürlichen Zuflüssen, die den Stausee speisen. Wichtiger für den Wasserhaushalt des Sees sind aber die unterirdischen Kanäle, die Wasser aus weiter entfernten Gegenden heranführen. Um die 30 Kilometer ist das System der Zuleitungsstollen lang. Unten im Tal der Isére nahe Albertville wird das Wasser in elektrische Energie umgesetzt. Dazu stürzt es durch eine ca. 15 Kilometer lange gewaltige Druckleitung ca. 1.200 Meter zu Tal. Im Wasserkraftwerk La Bathie trifft es auf 6 Turbinen, die in der Lage sind, 550 MW elektrische Energie zu erzeugen.

Wir fahren weiter und erhaschen oberhalb des Sees den schönsten Blick über den Lac de Roselend inklusive seiner Staumauer auf der anderen Seeseite.

Cormet de Roselend – Route des Grandes Alpes

Nun geht es auf der Route du Cormet in Richtung Cormet de Roselend, dem nächsten Pass an der Route des Grandes Alpes. Auf den Weg dort hinauf haben wir nochmal einen großartigen Blick auf den Roche du Vent. Dann weitet sich der Blick. Eine grandiose Landschaft liegt nun vor uns. Die Baumgrenze lieg nun unter uns und alpine Matten bedecken den Fels. Am Cormet de Roselend (1.968 m) ist der Schild mit dem Hinweis auf den Pass mit einigen Aufklebern aus der Heimat seiner Besucher geschmückt. Ein fahrender Händler bietet dort oben kulinarische Spezialitäten und manchen Kitsch aus der Savonie an. Wir vertreten uns in wenig die Füße bevor wir weiterfahren.

Weiter auf der Route du Cormet

Ist der Abstieg vom Cormet de Roselend zunächst noch moderat, so windet sich die Straße ein wenig später in ersten Serpentinen zu Tal. Dann geht es entlang des wilden Flussbettes des Torrent des Glacier weiter. Der Wildbach schiebt Sand und Schotter zu Tal. Immer wieder teilen Sandbänke den Lauf des Flusses. Nach jedem Hochwasser wird es hier wohl ein wenig anderes aussehen. Dann stürzt der Torrent des Glacier in eine enge Klamm. Dort kann die Straße ihm nicht mehr folgen. Sie weicht von seinem Ufer und schlänget sich abseits über 10 enge Kehren zu Tal. 300 Höhenmeter tiefer treffen wir bei einem einsam gelegenen Gehöft wieder auf den Bach. Hier auf 1.180 Meter über dem Meer finden wir eine Informationstafel, die uns überrascht. Der Torrent des Glacier ist hier oben als Angelgewässer ausgewiesen.

Die Regeln allerdings sind streng. Nur von März bis September dürfen die Petrijünger hier auf die Jagd nach edlen Salmoniden gehen. Nur einen Fisch mit der Mindestgröße von 23 Zentimetern darf der Angler pro Tag entnehmen. Wider- und Mehrfachhaken sind verboten. Das ist schon die höhere Schule des Angelns. Außerdem ist die Sache nicht ganz risikolos. Ganz besonders wird auf die Gefahr rasch ansteigender Wasserpegel gerade im Frühjahr hingewiesen. Für uns ist das Angeln dort keine Option. Weder haben wir die Angelausrüstung mit dabei, noch besitzen wir die erforderliche Berechtigung. So geht unsere Jagd nach den Pässen entlang der Route des Grandes Alpes weiter. Zwei besonders bekannte wollen wir heute noch erreichen.

Nach Val d’Isére – Route des Grandes Alpes

Somit geht es für uns weiter hinunter nach Bourg-Saint-Maurice. Wir streifen den Wintersportort nur an seinem nördlichen Rand. Dort biegt die D 902 nach Südosten ab und nimmt den Namen Route de Val d’Isére an. Ein deutlicher Fingerzeig auf unser nächstes Ziel. Von der Wildheit der Landschaft oben am Cormet de Roselend ist hier unten nichts mehr zu sehen. Die Isére hat dort ein breites Tal geschaffen. Wir kommen gut voran. Bei Sainte-Foy-Tarantaise schwenk die Isére nach Süden und die Straße folg ihr. Dann erreichen wir die Barrage du Chevril. Die gewaltige Bogenmauer (180 Meter hoch) staut dort die Isére zur Tignes-Talsperre auf (französisch Lac du Chervle).

Eng ist es dort, wo sich die D 902 nun einen Weg zwischen dem Seeufer und den steil ansteigenden Bergen suchen muss. Sie verkriecht sich über lange Abschnitte am Seeufer unter einer Galerie aus Beton und Stahl. Sie soll die Reisenden vor Steinschlag und Lawinen schützen. Dann fahren wir an La Daille vorbei. Dort finden meist Mitte Dezember die berühmten alpinen Weltcuprennen von Val d’Isére statt. Zunächst sind die Herren mit den eher technischen Disziplinen Slalom und Riesenslalom daran. Eine Woche später rasen dann die Damen mit Abfahrt und Super-G zu Tal.

Val d‘ Isére

In Val d’Isére ist heute nicht viel los. Kein Wunder, lebt der Ort doch vom Schnee und Wintersport. An Beides ist jetzt Anfang September noch nicht zu denken. Das Ortszentrum kommt uns irgendwie wie aus der Retorte vor. Die großen modernen Bauten links und rechts der Hauptstraße beherbergen Hotels, Pensionen, Restaurants, Sportgeschäfte, Boutiquen und manches mehr was der moderne Wintertourist in einer exklusiven, international bekannten Destination erwartet.

Was in Val d‘ Isére auffällt sind die Hausfassaden. Meist sind sie mit Natursteinen aus der Region oder mit Holz verkleidet. Die Balkone, Fenster oder Dächer scheinen einen einheitlichen Stil zu waren. Ein erfreuliches Bild gegenüber den üblichen französischen Winterurlaubsfabriken in den Alpen, der Auvergne oder den Pyrenäen die meist mit Fassaden aus Beton, Glas und Stahlblech „glänzen“.

Val d' Isére  - Route des Grandes Alpes
Val d‘ Isére

Wir verlassen Val d’Isére und bleiben weiterhin auf der D 902. Nun trägt die Straße den Namen Route de l’Iseran. Nach wie vor folgt ihre Trasse der Isére, die irgendwo hoch über uns auf fast 3.000 Meter Meereshöhe dem Glacier des Sources de l’Isére entspringt. Bis dahin kann die Straße dem nun munteren Bergbächen natürlich nicht folgen. Kurz hinter dem Örtchen La Fornet nimmt die Straße von der Isére Abschied und beginnt den Aufstieg zum Col de Iséran (2.770 m). Auf dem Weg hinauf versperren zunächst noch einzelne Baugruppen die Sicht. Dann schlägt die Straße einen Bogen um einen Felsvorsprung. Darauf thront die in Beton gegossene Bergstation der Kabinenseilbahn von Fornet. Weiter oben dann ergeben sich immer wieder großartige auf das Val de Isére und die gegenüberliegende Berggruppe mit der Aiguille du Dome.

Col de l’Iseron – Route des Grandes Alpes

Am Col de l’Iseran angekommen sind die Ausblicke weniger spektakulär. Zu steil ragen die Gipfel von Signal de l’Iséran im Norden und Pointe des Lessibéres im Süden auf. Die Aussichten nach Norden und Süden sind uns so verstellt. Wir verweilen trotzdem dort oben ein wenig. Viele Motorradfahrer zieht es mit ihren Bikes hier hoch. Kein Wunder, ist der Col de l’Isére doch der höchste zu befahrende Pass in Europa. So ein Superlativ schreibt man sich natürlich gerne in sein Roadbook.

Wir werfen einen Blick in Richtung Val de Isére. Unter uns liegt der Lac de l’Ouillette. Der offenbar künstliche angelegte See dient wohl auch als Wasserspeicher für die Skipisten an der Seilbahn Leissieres Express. Diese Vermutung treibt mir ein Runzeln auf die Stirn. Kunstschnee vermag hier oben sicher die Wintersportsaison zu verlängern. Allerdings sind die Schneekanonen extreme Energiefresser. Ein Energieverbrauch der in Zeiten des Klimawandels sicher kritisch zu besprechen ist. Und je wärmer es wird, des so kürzer werden die Wintersportsaisonen. Die müssen dann mit immer mehr Kunstschneetagen verlängert werden. Merkt Ihr etwas … Und warum muss man zu Ostern eigentlich noch Ski fahren???

Im Sommer allerdings soll der Lac de l’Ouillette ein wunderbarer Ort für ein Picknick sein.

Ansonsten ist heute hier oben nicht viel los. Der Souvenirladen, untergebracht in dem markenten Steinhaus auf der Passhöhe ist geschlossen. Die wenigen Gäste scheinen sich im Aufbruch zu befinden. Unangenehm scharfe und kühle Böen fegen über den Pass. Wir spielen kurz mit dem Gedanken die Nacht dort oben zu verbringen. Platz wäre dort genug. Dann aber entscheiden wir uns für die Weiterfahrt.

Hinunter ins Tal der L’Arc

Wir verlassen den Col de l’Iséran mit ein wenig Wehmut. Haben wir doch hier schon das Dach unserer Urlaubsreise erreicht. Dabei sind wir gerade erst vier Tage unterwegs und unsere Tour soll noch über drei Wochen dauern. Von nun an wird es in Richtung Mittelmeer auf der Route des Grandes Alpes tendenziell eher bergab gehen.

Uns das gleich mal ganz gewaltig. Vom Col de l’Iséran bis ins Tal der Arc bei Bonneval-sur-Arc geht es 979 Höhenmeter hinunter. Auf einer Strecke von 13 Kilometern ist das ein durchschnittliches Gefälle von 7,5 %. Unsere Bremsen werden unten in Bonneval-sur-Arc gut durchgewärmt ein.

Der Weg ins Tal bietet großartige Ausblicke. Zunächst haben wir freien Blick auf die Gipfel rund um den L’Albaron. Wie eine gewaltige Mauer aus Felsen und Eis steht die Gebirgsgruppe in ca. neun Kilometer Entfernung vor uns. Bis über 3.600 Meter Höhe ragen die Berge dort hinauf. Für den Verkehr mit dem Auto oder der Bahn scheint diese Barriere unüberwindbar zu sein. Und tatsächlich. Weder versucht eine Straße den Weg hinauf, geschweige denn ist ein Pass auszumachen, der auf die italienische Seite führt. Respektvoll umgehen die internationalen Verkehrstrassen das gewaltige Bergmassiv nördlich (kleiner St. Bernhardt) uns südlich (Col du Mont Cenis) von hier.

Unser Weg hinab folgt inzwischen dem Wildbach La Lente. Bis in 2.300 Meter Höhe haben die Menschen versucht hier heimisch zu werden. Das erste Haus oberhalb von Bonneval-sur-Arc ist Zeugnis dafür. Offenbar scheint das Ansinnen aber gescheitert zu sein. Verlassen liegt der Hof heute da.

Die letzten Kilometer hinunter führen durch das Tal des Le Lente. Kurz vor Bonneva-sur-Arc haben wir einen letzten Blick auf das Bergmassiv um den L’Albaron, Nun noch näher vor uns, wirkt es unnahbarer denn je.

Weiter bis Bessans – Route des Grandes Alpes

In Bonneval-sur-Arc biegen wir nach Südwesten ab und folgen nun dem Lauf der L’Arc. Über die wenigen Kilometer bis zu unserm Tagesziel gibt es nicht viel zu berichten. Nur ein uns noch unbekannter Baustil fällt uns auf. Zuerst an einer verfallenden Hütte am Straßenrand. Wände und Dach sind ganz aus Felsgestein konstruiert. In Bonneval und Bessans können wir beobachten, dass sich auch die Bauherren von heute diesen Stil zu eigen machten.

Wir finden in Bessans, gleich an der Straße einen Stellplatz für die Nacht. Steffi unternimmt noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort. Gleich neben der Kirche entdeckt sie ein Arma-Christi-Kreuz. Die ikonografischen Symbole, mit denen das Kreuz versehen wurde, erzählen von der Passion Christi. Als sich Steffi auf den Weg zurück zum Wohnmobil macht, senkt sich die Sonnen hinter der Pointe des Triece und taucht Bessans in einen tiefen Schatten. Kaum ist die Sonne verschwunden macht sich hier auf 1.740 Meter Höhe eine unangenehme Kühle breit. Deshalb ziehen wir uns ins Wohnmobil zurück und blicken auf einen erlebnisreichen Tag zurück.

Zugvogel Stellplatztipp

Unsere Tagesstrecke

7. September 2021 – Bessans bis Le Lauzet-Ubaye – Route des Grandes Alpes

Start in Bessans

Es ist kühl heute Morgen auf dem Wohnmobilstellplatz am „Stade International De Biathlon De Haute Maurienne Vanoise“ in Bessans. Gerade einmal vier Grad Celsius zeigt unser Bordthermometer. Noch steht die gerade aufgegangene Sonne hinter dem Hauptkamm der Alpen. Und noch wirft der Albaron seinen Schatten auf Bessans an der L’Arc.

Ein wenig später jedoch, unser Frühstück liegt hinter uns, erstrahlt der Platz im gleißenden Sonnenlicht unter stahlblauen Himmel. Zeit für uns, uns auf den Weg für eine weitere Etappe auf der Route des Grandes Alpes zu machen.

Wohnmobilstellplatz Bessans - Route des Grandes Alpes

Col de Madleine – Route des Grandes Alpes

Kaum haben wir Bessans auf der D 902 verlassen stehen wir schon auf dem nächsten Pass der Route des Grandes Alpes. Würde hier nicht ein Schild auf den 1.746 Meter hohen Col de Madleine hinweisen, hätten wir ihn kaum bemerkt. Die L’Arc wird hier in einen engen Canyon gepresst. Die Straße kann so dem Flussufer nicht mehr folgen und muss über den Berg ausweichen. Gerade mal 100 Höhenmeter mussten wir überwinden, um hier hinaufzugelangen. Wir stoppen kurz. Der Blick zurück Richtung Bessans lässt ersten Dunst erkennen, den die Sonne aus dem Tal zieht. Vor uns in Richtung Val Cenis ist die Sicht offenbar klar.

Weiter geht es. Als nächstes erreichen wir Lanslevillard und Lanslebourg-Mont-Cenis. Dort vereint sich die D902 in die D 1006. Die kommt von der italienischen Seite vom Mont-Cenis-Pass hier herunter. Hinter Lanslebourg-Mont-Cenis verläuft die Straße Richtung Westen. Vor uns ragt als mächtiger Solitär der 3.697 Meter hohe Dent Parrachèe auf. Dabei mach er seinen Namen alle Ehre. Wie eine überdimensionaler Haifischzahn ragt er aus der Landschaft. In Val des Cenis biegt die Straße nach Süden ab.

Im Tal des L’Arc

Die D 1006 folgt weiter dem Lauf der L’Arc. Zunächst ist das Tal noch recht weit. Der noch immer junge Bergfluss häuft Sand- und Schuttbänke auf, verschiebt sie immer wieder ändert nach jedem Hochwasser seinen Lauf ein wenig.

Fort Victor-Emanuell – Route des Grandes Alpes

Dann aber gräbt sich die L’Arc immer tiefer ins Gebirge ein. Sie verläuft nun weit unter uns in einer engen Schlucht. Auf der anderen Seite wird plötzlich ein mächtiger Bau sichtbar.

Das Fort Victor Emanuell seht seit 1818 dort drüben auf dem Bergsporn. Es bildet das Zentrum eines ganzen Komplexes von Verteidigungsanlagen. Die Barrière de l’Esseillon wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zu Schutz Savoyens erreichtet. Es galt hier die Durchgänge an der L’Arc zwischen Frankreich und Savoyen abzuriegeln. Nördlich und südlich von hier machen das Massiv Vanoise und das Massiv Ceres den Übergang unmöglich. Da hier aber mehrere Straßen von West nach Ost führen, waren gleich mehrere Verteidigungsanlagen erforderlich, um alle Durchgänge abriegeln zu können.

Die südlichste von ihren können wir einen Kilometer weiter näher in Augenschein nehmen. An Redoute Marie Therese gibt es einen Parkplatz. Von hier aus unternehmen wir einen kleinen Spaziergang, um die Anlage genauer in Augenschein zu nehmen. Leider ist das Fort, jetzt am frühen Vormittag noch geschlossen.

Ab Modane wir das Tal der L’Arc mehr und mehr zur internationalen Verkehrsader. Zunächst gesellt sich die Trasse der Mauriennen-Stecke, der Bahnlinie zwischen Culoz und Modane zu uns. Sie führt hier weiter in das Westportal des Mont-Cenis-Tunnel, durch den die Bahnlinie weiter in Richtung Turin führt.

Dann kommt noch die Autobahn A 43 hinzu. Sie führt durch den über 13 Kilometer langen Frejus-Tunnel ebenfalls aus Richtung Italien hier in das Tal des L’Arc. Somit wir es nun eng hier.

Die internationalen Verkehrsverbindungen stoßen immer öfter an ihre Kapazitätsgrenzen. Entlastung soll bis 2029 der in Planung befindliche, 52 Kilometer lange Mont-Cenis-Basistunnel bringen. Als Teil der Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke Lyon-Turin sollen Passagiere und Fracht den Alpenhauptkamm dann unterqueren.

Col du Télegraphe – Route des Grandes Alpes

Wir folgen dem Tal noch bis Saint-Michelle-de-Maurienne. Dann biegen wir nach Süden auf die auf die D 902, die Route de Galibier ab.

Steil geht es über viele Kehren und Kurven 871 Höhenmeter hinauf. 7,1 % Steigung sind so im Durchschnitt zu meistern. Heute Morgen stellen sich viele Pedalritter dieser sehr sportlichen Herausforderung. Wir überholen sie im weiten Abstand oder tuckern auch mal ein paar hundert Meter hinter ihnen her, wenn es der Gegenverkehr nicht anders zulässt.

Das lässt uns Zeit hier und da einen letzten Blick zurück in das Tal der L’Arc zu werfen.

Auf der Passhöhe des Col du Télegraphe angekommen warten viele Radler, die den Pass schon erklommen haben. Sie verschnaufen dort und begrüßen mit großem Hallo weitere Fahrer bei ihrer Bergankunft. Sie gratulieren sich einander und sind Stolz auf die sportliche Leistung.

Neben den Radfahrern ist eine überdimensionale Strohfigur angetreten, um die Gäste hier oben willkommen zu heißen. Sie stellt einen Geher oder Walker dar. In anderen Jahren waren es andere Sportler die dort oben aus Stroh gebunden am Weg standen. Mal war es ein Skifahrer mal waren es natürlich Radfahrer in unterschiedlichsten Posen. Eine schöne Tradition wir finden.

Vom Col du Télegraphe führt die Straße nun hinunter nach Valloire im Tal der Valloriette. Das Skigebiet „Galibier Thabor“ mit 83 Skipisten von insgesamt 150 km Länge, die von ca. 35 Skiliften erschlossen sind mach den Ort zu einem Eldorado für Wintersportler. Die Gemeinde erstreckt sich vom Tal der L’Arc (700 Meter) bis zu den drei Gipfeln des 3514 m hohen Aiguilles d’Arves. Der Ort selbst liegt auf 1.417 Meter Höhe. Dort beginnt der Anstieg zum fünfthöchsten asphaltierten Pass der Alpen – der Route du Galibier.

Route du Galibier

Der Col de Galibier ist auch eine der schwersten Bergprüfungen im Repertoire der Tour des France. Von Valloire geht es 17 Kilometer nur bergan. Die durchschnittliche Steigung von 6,9 % steigert sich auf dem letzten Kilometer bis auf 10%. Dabei muss man bedenken, dass die Fahrer vorher schon die Anstrengungen hinauf zum Col du Télegraphe meistern mussten.

Zunächst beginnt es noch recht sachte. Die Straße folgt zunächst dem Lauf des Baches Valloirette die hier munter zu Tal plätschert. An der ersten Kehre, kurz hinter dem einsam gelegenen Berggasthof Plan Lachat ist es damit allerdings vorbei.

Der Straße überquert hier den Bach und nimmt von ihm Abschied. Steil schwingt sie sich nun hinauf in eine fantastische Bergwelt. Da sind zunächst die Rochers de la Grande paré direkt über dem Gasthof. Wie die Zähne es gigantischen Sägeblattes zieht sich die Kette von Feldnadeln von Nord nach Süd. Die Waldgrenze liegt schon lange unter uns. Nur dünne alpine Matten bedecken die Bergflanken aus grauem Kalkschotter. Je höher wird kommen, umso mehr treten Schutt und Fels zu Tage. Ein paar Serpentinen weiter oben haben einen schönen Blick zurück in das Tal von Vallorie.

Es geht immer höher. Beim nächsten Stopp stehen wir vor der Pointe du Vallon. Im Gegensatz zu den Rochers de la Grande paré hat er eine fast sanfte Form. Irgendwie erinnert er mich an die Schären Skandinaviens. Ein Blick zurück lässt uns einen Radfahrer anfeuern der von hieraus noch ca. 500 Höhenmeter bis zum Col du Galibier vor sich hat. Sollte er unten in Saint-Michelle-de-Maurienne an der L’Arc gestartet sein, hat er hier schon 1.500 Höhenmeter hinter sich.

Les Grange du Galibier

Anderthalb Kilometer weiter bietet sich ein nächster Stopp an. An den Les Granges du Galibier wird Käse aus der Region der Savonie angeboten. Das wollen wir und nicht entgehen lassen. Als wir aussteigen meint Steffi, dass ich Kreditkarten ruhig im Auto lassen könnte. Hier oben in der Einsamkeit wird sicher keine Kartenzahlung möglich sein. Doch da liegen wir falsch. Als nach der Verkostung und der Auswahl ans Zahlen geht, sind die Geldkarten gerne gesehen. Die Satellitenschüssel rechts an der alten Feldscheune macht es wohl möglich. Anderthalb Kilo feinster Bergkäse drei unterschiedlicher Sorten wandern für knapp 40 Euro in unsere Einkaufstüte. Da werden wir einige Tage Freude dran haben.

Nun sind es noch 5 Kilometer bis zum Col du Galibier. Einen Kilometer vor dem Gipfel kommen wir am Nordportal des Galibier-Tunnels vorbei. Eine Abkürzung auf die wir gerne verzichten. Viel lieber wollen wir oben am Pass halten und das Bergpanorama genießen.

Col du Galibier – Route des Grandes Alpes

Oben auf dem Col du Galibier angekommen müssen wir feststellen, dass heute bei diesem prächtigen Wetter hier oben der Teufel los ist. Autos, Motoräder und Wohnmobile haben alle Parkmöglichkeiten belegt. Wegen der schmalen Straße hier oben ist das Warten auf einen freien Platz keine Option. Also fahren wir über den Pass und finden 200 Meter weiter unten einen Parkplatz auf groben Schotter. Das Einbiegen auf diesen Parkplatz ist wegen der steilen Einfahrt ein wenig knifflig. Kurz scharrt ein größerer Stein an unserem Fahrgestell dann haben wir unsere Parkposition erreicht. Wir schnappen und die Kameras und das Fernglas und machen uns auf den Rückmarsch hinauf zum Pass.

Von dort oben sind die Aussichten atemberaubend schön. In Norden reicht der Blick bis zum Mont-Blanc, der inzwischen über 90 Kilometer Luftlinie von uns entfernt ist. Im Südwesten ragt die 4.102 Meter hohe Barre des Écrins über dem Felslabyrinth der Dauphiné-Alpen auf. Links davon geht der Blick in das weite Tal der Guisane, die uns heute noch bis nach Briançon begleiten. wird.

Gäste am Col du Galibier

Neben den großartigen Aussichten sind natürlich auch die Menschen hier oben interessant. Heute lassen sich in drei Gruppen einteilen. Da sind zunächst die Radfahrer, die sich zurecht stolz auf ihre Leistung auf dem Rennrad vor dem Passschild ablichten oder ablichten lassen. Steffi leistet auch hier gerne Hilfestellung. Die zahlenmäßig größte Gruppe sind die Biker, die nach dem Rausch der Fahrt durch schier unzählige Kurven und Kehren in großartiger Landschaft hier nun ihre PS-starken Maschinen abgestellt haben. Ihrer Helme entledigt, die Jacken der schweren Ledermonturen geöffnet stehen sie nun hier oben und bestaunen das grandiose Panorama.

Dann sind da noch die Autofahrer wie wir. Ob im gewöhnlichen PKW, im Oldtimer oder im Wohnmobil hier heraufgekommen. Alles genießen das sensationell schöne Wetter in einer außergewöhnlichen Bergwelt.

Nur Wanderer sind kaum auszumachen. Sie meiden wohl den Trubel hier am Col du Galibier, der durchaus nicht nur positive Seiten hat. Das beweist der eine oder andere Müllhaufen dort oben.