Eine Katze, Klöster, Sterne und Textilien im Dreiländereck

Anreise nach Jonsdorf

Das  freie Wochenende  führt uns ins Zittauer  Gebirge.  Die Anreise am 07.04.2017 war  alles andere  als vielversprechend. Dauerregen auf der A4 vom Hermsdorfer Kreuz bis kurz hinter Dresden. Danach zwar kein Regen mehr aber grauer Himmel, tief hängende dichte Wolken und 8.5 °C. Keine schönen Aussichten für das Wochenende. Gegen 19.00 Uhr Ankunft im Kurort Jonsdorf.

Bis zu unserer Buchung in der hiesigen Dammschenke hatten wir noch nie was vom dem gar nicht so kleinen  Ort gehört. Oybin, nebenan, ja das ist schon eher ein Begriff, wegen des bekannten Klosters auf dem Oybiner Berg.  
Jonsdorf glänzt  mit einem Ortsbild das von den zahlreichen Umgebindehäusern geprägt  ist. Sehr sehr schön. Unser Quartier,  die Dammschenke ist eines von Ihnen.  

Rückblickend betrachtet haben wir uns für das  richtige Quartier entschieden. Großes Zimmer mit  Blick ins Grüne und natürlich auf zwei prächtige Umgebindehäuser. Eines davon beherbergt die örtliche Bäckerei. Kein Backshop nein, hier konnten wir ab 4.00 Uhr am nächsten Morgen die Rührmaschine leicht säuseln hören,  ohne das uns diese unseren Schlaf beendet hätte.  Dafür war wohl eher, die für uns ungewohnte, nächtlichen Stille dieses Ortes verantwortlich.

Auch kulinarisch ist die Dammschenke voll auf der Höhe. Zweimal Frühstück und zweimal ein gemütliches Abendessen waren für uns sehr in Ordnung.  Die Gaststube  befindet sich im Erdgeschoss des Hauses der vom „Umgebinde umgeben“ ist  und einen Teil des Obergeschosses trägt. Man sitzt ein einem Raum aus jahrhundertealten Eichenbohlen mit den typischen gekreuzten kleinen  Fenstern. Ein wenig dunkel vielleicht, aber sehr gemütlich.
Gerne hätten wir am Samstag auch den kleinen Wellnessbereich genutzt. Dieser ist jedoch so klein, dass er von zwei Personen vor uns „wegreserviert“ war. Schade. 

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Burg Oybin

Am  Samstag wollten wir natürlich den bekannten Berg Oybin mit Burg und Kloster erkunden. Wir finden in der Ortsmitte von Oybin einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Aufstieges, der mit einer Treppenpassage beginnt. Vorbei an der Bergkirche gelangt man auf einen schönen Platz, von dem aus sich verschiedene Aufstiegsvarianten anbieten. Wir entscheiden uns für den Weg durch die so genannte Ritterschlucht.  Noch ist es still hier.

Wir sind wohl mit die ersten Besucher heute. Gehört die Schlucht uns heute morgen ganz alleine? Nein nicht ganz, ein Verfolger hat sich auf den Weg gemacht. Vierbeinig, fleischfressend und getigert.  Später an der Kasse berichtet man uns, dass dieses Tier quasi zum Burginventar gehört und die Vorliebe hat in den frühen Morgenstunden die Bewegungsmelder der Alarmanlage der Bergkirche auszulösen, so wie heute. So haben die Museumsmitarbeiter oft schon vor Beginn der Schicht Ihren Spaß.
Die Ritterschlucht endet an einem kleinen Platz, der das Ende der Ritterstraße bildet. Für diejenigen die nicht gut zu Fuß sind, ist Anfahrt mit dem Auto bis hierher eine gute Alternative um den Aufstieg deutlich abzukürzen. So hat man schon mehr als die Hälfte der Höhe geschafft die es zu erklimmen gilt. 

Vor hier aus noch ca. 50 Meter bergan, durch das erste Burgtor und man hat die Kasse mit dem kleinen Museumsshop erreicht.

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Eine weitere kleine Wegstrecke aufwärts und man hat das zweite Burgtor erreicht. Dahinter erstreckt sich die Burgruine Oybin. Neben tollen Aussichten bietet diese eine museale Exposition, die gut macht ist und Lust auf mehr macht. 

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Kloster Oybin

Nach der interessanten Burganlage ist Ruine des Klosters mit Ihrer mächtigen Kirche einfach nur spektakulär. Besonderes Highlight: Teile des Hauptschiffes der Kirche, viele Meter hoch, sind aus dem Sandstein des Oybiner Berges herausgeschlagen worden.  

Es ergeben sich immer neue Sichten auf die Kirche und Klosteranlage. Der Friedhof neben der Kirche gibt des Ort noch eine ganz besondere Stimmung. 

Informationen aus erster Hand über die gesamte Anlage findet Ihr auf der Website von Burg und Kloster Oybin.

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Bergkirche Oybin

Nach ca. anderthalb Stunden verlassen wir den Berg wieder. Es ist jetzt ca. 11:00 Uhr und viele Besucher kommen nun auf den Berg. Von Menschen freie Sichtachsen und Blicke auf die beeindruckende Architektur sind kaum noch möglich. Offenbar haben die ersten Reisebusse aus Deutschland und Tschechien Ihre Gäste auf den Berg entlassen.
Für den Abstieg wählen wir nun die Treppe die uns auf direkten Weg zu der schon bei Aufstieg passierten Bergkirche bringt. Ein Bau, der entstand, als Burg und Kloster schon längt Ruine waren. Ein Besuch dieser Kirche lohnt aber um so mehr, als das diese die Lage am Berg architektonisch geschickt nutzt. Das Kirchenschiff erstreckt sich über einen vielleicht um 10° abfallenden Felsen, der den Grund für ein Kirchengestühl bietet das einer Theatersituation ähnelt. So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen. Hinzu kommt ein durchaus sehenswertes Interieur.

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Kloster Marienthal

Wir verlassen Oybin und fahren nach Zittau und an die Neiße. Kloster Marienthal ist unser Ziel. Im Jahr 2010, nach einer gerade abgeschlossenen Sanierung, vom Hochwasser der Neiße schwer gebeutelt, erstrahlt die Anlage heute im neuen Glanz.  Der Besuch lohnt auf jeden Fall, bietet jedoch „nur“ den Spaziergang über oder imposante Barocke Anlage und den Besuch der Klosterkirche und des Klosterladens. Die Schwestern des seit hier über 700 Jahren ansässigen Zisterzienserinnenordens treten den Besucher gegenüber kaum in Erscheinung.  

Die Internetseite des Klosters berichtet mehr über die Geschichte und die Faszination dieses Ortes.

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Herrnhut

Wir machen uns auf in das ca. 25 km entfernte Herrenhut. Eigentlich wollen wir nur etwas über die Herrnhuter Sterne erfahren. Wir lernen aber auch vieles über die Herrnhuter Gemeinde die sich hier aus eher reformatorisch geprägten Flüchtlingen der Hussitenkriege bildete. Der Sächsische Graf Nikolaus Ludwig Zinzendorf bot den Flüchtlingen 1722 hier Aufnahme an. Eine Tugend, die manch sächsischem Bürger heutiger Tag offenbar abhanden gekommen ist. 

In der Schauwerkstatt in der man  vieles über diese raffiniert gefalteten Sterne erfahren kann, erwerben wir ein in Handarbeit gefertigtes Exemplar das man für einen recht stolzen Preis nur hier erwerben kann. Die Blick auf die geschickten Hände der jungen Damen lässt jedoch die Mühen erkennen die den Preis rechtfertigen. Zur Werkstatt gehört auch ein Bistro, in dem wir lecker essen konnten.

Deutsches Damast- & Frottiermuseum in Großschönau

Unsere Letzte Stadion soll heute das Deutsche Damast- & Frottiermuseum in Großschönau sein. Eine ganz andere Welt. Historische Webstühle, Mustervorlagen und wertvolle historische Damaste werden hier präsentiert.
Man erfährt wie Damast gewebt wurde und warum dieser Stoff so ungemein teuer war. Beeindruckend auch der künstlerische Gehalt vieler Stoffmuster.

Ganz witzig ist Kollektion von Frotteehandtüchern aus DDR-Zeiten. Hier kommt so mache Erinnerung auf, was HO und Konsum früher angeboten haben und dann seinen Weg in unsere Wäscheschränke fand.

Ein Besuch hier lohnt sich auf jeden Fall. 

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Den  Tag beenden wir bei einem leckeren Abendessen in der Dammschenke. Ich leiste mir den Karasek-Spieß. Herr Karasek, seines Zeichens Räuberhauptmann vor 200 Jahren, war wohl eine Art Robin Hood der Oberlausitz. Er nahm es den Reichen und gab es den Armen. Er endete wie so mancher mir einer solchen Biografie am Galgen.

Insofern, ist die Art wie mein Abendessen angerichtet ist ein wenig makaber. Zumal der Gehängte hier auch noch geröstet wurde. Aber was soll’s, lecker war es trotzdem. 

Der Karasek-Spieß

 

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