Vogüé – Grottes de Choranche – Jons

Von der Ardéche geht es heute zunächst in den Vercors. Das Karstgebirge am westlichen Rand der Alpen bietet eine zerklüftete Landschaft mit den tiefen Schluchten und mächtigen Kalksteinfelsen, die die Erosion in Jahrmillionen freigelegt hat. Wir fahren durch die Gorges da la Bourne und erkunden die Grotte von Choranche. Eine Phantastische Welt aus Wasser, Höhlen, Stalagmiten, Stalagtiten und Stalagnaten nimmt und hier gefangen. Wir schauen kurz in Pont-en-Royans vorbei und fahren dann noch bis nach Jons bei Lyon.

Reiseplanung in Vogüé

Heute ist der 23. Mai 2018, ein Mittwoch der mit ein wenig Wehmut beginnt. Heute wird es der letzte Tag auf unserer Reise sein, dem wir komplett in Frankreich verbringen können. Am Samstag um 09:00 Uhr müssen wir das Auto wieder in Ilmenau abgeben. Bis dahin haben wir noch fast 1.100 Kilometer und 11 Stunden Fahrzeit vor uns.

Das schränkt die Auswahl der heutigen Tagesstrecke etwas ein. Auf jeden Fall müssen wir uns ein wenig in Richtung Thüringen bewegen. Wir wollen ja nicht, dass die letzten beiden Tage in Stress ausarten.

Steffi studiert die Landkarte, die unserem Baedecker Reiseführer beigelegt ist. Bei einem Maßstab von 1:910.000 verzeichnet sie verblüffend viele Details. Besonders die grün markierten, landschaftlich besonders schönen Straßen und die vielen vielen roten und blauen Sterne sind ein Garant für tolle Erlebnisse. Die roten Sterne weisen besonders interessante Städte und „Points of Interest“ aus. Die blauen Sterne stehen für herausragenden Sehenswürdigkeiten in der Natur. Dabei geht die Skala pro Ort von ein bis zu zwei Sternen.

Mit diesem Suchmuster ist Steffi nun beim Frühstück im Baedecker unterwegs. Der Vercors, der Gebirgsstock am äußersten westlichen Rand der französischen Alpen, südlich von Grenoble gelegen, glänzt gleich mit mehren Blauen Sternen und grünen Straßen.  Die Gorges de la Bourne finden wir besonders interessant. Eine kurzer Blick ins Internet mach uns dann noch auf die Grotten von Choranche aufmerksam. Alles in Allem eine Gegend, die als Tagesziel geeignet erscheint. Und der Vercors liegt nicht weit ab von unserer Route nach Deutschland.

Vorbei an Cruas

So starten wir mit neuem Tagesziel um 09:50 Uhr in Vogüé. Bis zum Eingang in die Gorges de la Bourne in Pont-en-Royans liegen ca. 120 Kilometer vor uns. Die absolvieren wir flüssig über Nationalstraßen und Autobahnen. Gegen 10:20 Uhr passieren wir das auf der anderen Seite der Rhône gelegene Atomkraftwerk von Cruas. Vier Reaktorblöcke erzeugen hier 40% der Strombedarfes der Region Rhône-Alpes und damit 5% des Bedarfes in ganz Frankreich. Noch bis 2025 soll das Kraftwerk seinen Dienst versehen. Uns ist ein wenig mulmig beim Anblick der Anlage in einem so dicht besiedelten Gebiet wie im Tal der Rhône. Unweigerlich muss ich an den Roman „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg denken. Der Autor schildert in krassen Bildern, was passiert wen diese hochsensible und gefährliche Technik außer Kontrolle gerät.  

Der Vercors

Um 11:15 Uhr verlassen wir die Ortsumfahrung von Valence und fahren in Richtung Grenoble. Noch ein kurzer Tankstop an der Autobahn, dann steigt rechts von uns der Vercors auf.

Dieser westlichste Ausläufer der Alpen ist ein Kalksteingebirge. Die Felsmassen bildeten sich unterseeisch zu Zeiten des Riesenkontinents Pangäa in den Fluten des Urmeeres Tethys. Bis zu 6000 Meter starke marine Sedimente wurde abgelagert. Später, Pangäa war längst in Bewegung geraten und zerbrach, kamen Tiefseetone und Mergel hinzu. Damit war der Grundsein des Vercors gelegt. Der Rest der Geschichte ist allgemein bekannt. Afrika kollidierte mit Europa und die Alpen falteten sich auf und mit Ihnen der Vercors. 

Als die kristallinen Massive der Alpen östliche des Vercos immer höher stiegen, übten sie einen enormen Druck nach Westen aus. Sie schoben des Vercors zusammen wie eine Ziehharmonika und ließen im Vercors lange, von Nord nach Süd verlaufende Täler entstehen. Seit dem nagt die Erosion am Kalkstein und am Mergel und hat uns eine einzigartige Landschaft hinterlassen. Die Flüsse und Bäche graben sich tief in das Gebirge. Oben an den Gipfeln wurden die weicheren Materialien weg gespült und ließen gewaltige Kalksteinriffs zurück, deren Wände bis zu 300 Meter tief abfallen.

Eine kleine Rundfahrt

Kurz nach 12:00 erreichen wird das malerische gelegenen Pont-en-Royans. Vor hieraus unternehmen wir eine kleine feinen Rundtour durch das Gebirge. Der Weg schlägelt sich über Galerien am Fels, durch Enge Tunnel und entlang von reißenden Bächen. Über uns immer die steil aufragenden Kalksteinfelsen. Die Tour führt uns dann hinab in die Schlucht, die die Bourne in den Kalkstein gesägt hat. Alte Mühlen stehen am Weg. Manches sieht verlassen aus. 

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Das wir hier auf guten Straßen unterwegs sein können ist nicht selbstverständlich. Über viele Jahrhunderte war der Vercors kaum erschlossen. Wegen der seiner Unzugänglichkeit war das Gebirge im zweiten Weltkrieg ein wichtiger Rückzugsraum für die Résistance. Die rief hier im Juni 1944 die République du Vercors aus. Daraufhin richtetet die Deutsche Wehrmacht ein Blutbad an, dem 840 Franzosen zum Opfer fielen. Die Dörfer Vassieux-en-Vercors und La Chapelle-en-Vercors wurden niedergebrannt, viele Einzelgehöfte zerstört.

Auch hier holt uns wieder unsere Geschichte ein und wir sind froh, hier als gern gesehene Gäste das Land erkunden zu dürfen. 

Von der Straße entlang der Bourne zweigt nun die rechts die Route des Grottes zu den Grotten von Choranche ab. Es geht steil bergan, 15% Steigung sind zu meistern und  mancher große Brocken, der im Weg liegt, ist zu umschiffen. Nach ca. 10 Minuten sind wir am großzügigen Parkplatz angekommen. Wir lösen im Besucherzentrum zwei Tickets für die Führung um 14:30 Uhr und kraxeln bei einsetzendem Regen hinauf zum Eingang der Höhle. Der liegt nochmal ca. 500 Meter weiter entfernt. Auf Weg dorthin eröffnen sich tolle Aussichten in die beeindruckende Bergkullisse ringsum.   

 

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Die Grotte von Choranche

Gemeinsam mit ca. 30 Gästen betreten wir nun eine der bedeutensten Tropfsteinhöhlen in Europa. Zu unseren Füßen rauscht das Wasser und um uns herum bereitet sich eine bizarre aber schöne Welt aus Stalagmiten, Stalagtiten und Stalagnanten aus. Die bis zu 15 Meter hohen Säle sind durch gute begehbare Gänge verbunden. Die Besonderheit sind neben einigen imposanten Stalagnaten, die Faden- oder „Spagetti“-Stalagtiten. Sie bilden eigenartige Vorhänge, wie Gardinen scheinen Sie im Raum zu schweben. 
Dünn wie Spagetti kann sie in dieser Menge nur hier bewundern. Die besonderen Bedingung in der Höhle machen er möglich, dass der längste Fadenstalagtit 3,5 Meter lang von der Decke herab hängt.

 

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Die Führung ist in französisch. Die nette Führerin spricht aber auch sehr gut deutsch und ist gerne bereit Fragen auch in deutsch zu beantworten. Auf meine Frage, ob der Wasserstand zu unseren Füßen auch ansteigen könne, gibt sie folgende Auskunft: Ja, auf jeden Fall kann das Wasser auch ansteigen und eine Führung verhindern. Gerade heute Vormittag sei das so gewesen, die Besucherwege waren überflutet. 

Während des Rundgangs, der ca. eineinhalb Stunden dauert erfahren wir viel Wissenswertes. Dabei hilft und besonders der Flyer in deutscher Sprache, den wir mit unseren Tickets erhalten haben. Nicht ganz authentisch sind übrigens die 4 Aquarien mit Grottenolmen. Die archaischen Tierchen kommen in der Höhle nicht vor, und die Aquarien sowieso nicht ;-). 

Der fakultative Höhepunkt der Führung ist eine Multimediashow im höchst Saal. Um in zu erreichen, muss man jedoch einen steile Treppe mit vielen Stufen emporsteigen. Denen die nicht so gut zu Fuß sind, ist es daher freigestellt diesen Weg zu gehen oder nicht. Die Show, die den Großen Saal mit Sprache, Musik, Licht und Videosequenzen inszeniert ist durchaus sehenswert. Für das Publikum wurde extra eine Tribüne montiert um einen guten Blick auf das Geschehen ringsum zu haben. 

Wir verlassen die Grotte und müssen und hierzu nochmal klein machen. Der Weg zum Ausgang ist an einer Stelle nur an den 1,60 Meter hoch. 

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Durch die Gorges de la Bourne weiter nach Pont-de-Royans

Wieder im Tageslicht wandern wir noch eine wenig den Weg hinab, der in den Ort Choranche führt. Nach ca. 400 Metern haben wir dann eine tollen Blick auf den Ruisseau den Gournier. Er scheint aus dem Karstgebirge heraus zu brechen und stürzt als Wasserfall dem Ort Choranche entgegen, wo er in die Bourne mündet. 

Wir nehmen den Weg zurück über das Besucherzentrum und werden nochmal tüchtig nass. Es hat wieder zu regnen begonnen. Um 16:15 Uhr fahren wir weiter. Es geht über die Routes des Grottes steil bergab und dann wieder in der Gorges de la Bourne immer an der Bourne entlang. Die fließt hier rauchend in Richtung Westen nach Pont-en-Royans um später in Saint-Nazaire-en-Royans in die Isere zu  münden. Die Bourne ist hier oben ein Naturschauspiel an sich. Wir halten an der Brücke, an der die Straße kurz von Pont-en-Royans auf das linke Flussufer wechsel. Eine große Mühle im dunklen Tal vor den Kalkgipfel einen nun blauen Himmel sind ein schönes Motiv.

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In Pont-en-Royans suchen wir einen Stellplatz. Der ist sehr schön an einem Park und Teichen am  Ortsrand gelegen. Allerdings hat hier die Saison hier noch nicht begonnen. Da es jetzt erst kurz von 17:00 Uhr ist, entschließen wir uns noch einige Kilometer zu machen. Um 18:45 erreichen wir den Stellplatz in Jons, einen kleinen Ort in der Nähe von Lyon. Dieser Einsatz hat sich gelohnt, bringt er uns doch um 130 Kilometer näher die Heimat.

Jons

Der Stellplatz in Jons ist unspektakulär, genauso wie der Ort selbst. Als wir ankommen werden gerade alle Bürgersteige hochgeklappt. Das einzige Restaurant im Ort hat geschlossen. Der Vorteil des Platzes ist seine Nähe zu Autobahn. Das macht ihn zur Alternative für alles Nord-Süd oder Süd-Nord-Reisenden an der wichtigen Autobahnumfahrung von Lyon. Der Nachteil liegt 10 Kilometer südlich von hier. Es ist der Flughafen Lyon Saint-Exupéry. Es es ist der viertgrösste Flughafen in Frankreich und entsprechend intensiv ist der Flugverkehr. Und unser Stellplatz liegt unmittelbar unter dem Start-Korridor. Für eine Nacht wird dies sicher zu ertragen sein. Und siehe da nach 22:00 Uhr wir es dann auch auffallend ruhiger.

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