Austernbänke

Festungsluft und Austern kosten

Flohmarkt am Sonntag

Mit unserem heutigen Start lassen wir uns Zeit. Wir sind nun in den Urlaubsmodus „Nichts hetzt uns“ eingetreten. Wunderbar.

Gegen 11:30 Uhr brechen wir an diesem Sonntag auf, um die Fahrt kurze darauf in Saint-Nazaire-sur-Charente wieder zu unterbrechen. Hier findet bei kaum noch erträglicher Mittagshitze ein Flohmarkt statt. Offenbar eine „Sonntagsstandardveranstaltung“ der Franzosen. Und von Steffi. Aller möglich erdenklicher Kram wird hier angeboten, gastronomische Versorgung ist natürlich auch mit dabei. Nur frische Austern fehlen im Angebot, aber vielleicht kommt das ja heute noch.

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Port de Brouage

Kurz nach unserer Abfahrt muss mir die Frage gefallen lassen, warum wir durch diese recht langweilige Landschaft fahren. Ich aber habe ein As im Ärmel. Fünf Minuten später erreichen wir Port de Brouage. Ein wirkliches architektonisches Highlight mitten in der Provinz. Wir lernen, daß dieser Ort vor gerade erst 200 Jahren ein Hafen am offenen Meer war, und eine erhebliche strategische Bedeutung hatte. Heute ist das Meer gute zweieinhalb Kilometer von ehemaligen Hafen entfernt – verlandet eben.  Port de Brouage ist nun von Salzwiesen umgeben. Die frühere strategische Bedeutung als Militär- und Salzhafen verschaffte der Stadt das Korsett aus einer gewaltigen Stadt-/Festungsmauer. Freunde der großen Übersicht finden an diesem Rundgang sicher Freude. Innerhalb der Stadtmauern blüht touristisches Leben in Bars, Restaurants, Kunstgewerbe- und Souvenirshops. Steffi ist als Freundin historischer Architektur ist begeistert und ich finde viele tolle Fotomotive.

Port de Brouage erzählt aber noch eine andere Geschichte. Samuel de Champlain, ein Sohn dieser maritim geprägten Stadt stieg zum königlichen Geographen auf. In dieser Rolle war er an der Erschließung von Neufrankreich maßgeblich beteiligt.  Er gründete Québec und verhalf so der gleichnamigen Provinz im heutigen Kanada zu seiner Hauptstadt.  Erzählt wird dieser Teil der Geschichte des Ortes in einem der farbenfrohen Fenster der Kirche Èglise Saint Pierre-Saint Paul. 

Wir erkunden den nördlichen Teil der Festungsmauer und schlendern über den Rue de Québec zurück zu unserem Parkplatz.

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Austern probieren

Der nächste Höhepunkt hat einen seltsame Konsistenz. Bei Marennes liegt eines der Zentren der Austernproduktion. Wir wollen nicht weiter feige sein und uns der Herausforderung stellen, die uns schon in der Bretagne begegnete. Am Südufer der Seudre, gleich unterhalb der Brücke, am Pointe de Mus de Loup, finden wir eine Gelegenheit unsere Unerschrockenheit auf die Probe zu stellen. 

Die kleinste Portion die hier angeboten wird, besteht auch acht dieser Schalentiere. Da Steffi sich noch ziert, scheint mir das für mich alleine ein wenige viel. Als wir der netten Kellnerin auf englisch klar machen, daß es unsere erste Austern sind, lächelt sie und bietet uns die Verkostung von vier Exemplaren an. Das passt schon eher. Um eine schnelle Bekämpfung eventuell auftretender geschmacklicher Katastrophen sicherzustellen bestelle ich dazu noch eine Cola.

Nach fünf Minuten liegen die exklusiven Meeresfrüchte, garniert mit Algen, vor mir. Eine halbe Zitrone ergänzt das Gericht. Nun schnell ran an diese neue Erfahrung. Die Kellnerin bestätigt noch, das ich das Fleisch korrekt von der Schale getrennt hätte. Dann liegt die Auster auf meiner Zunge.
Der Geschmack? Ich kann nur sagen: „MEER“.  So schmeckt das Meer. Einmalig. Nun weiß ich, daß das Meer nicht nur einen eigenen Geruch hat. Austern sind für mich der Geschmack des Meeres. 

Nun ist auch Steffi neugierig geworden und widmet sich dem zweiten Exemplar. Sie verfeinert jedoch mit Zitrone und ist sehr angetan. Die nächsten zwei Exemplare genieße ich auch mit ein wenig Zitronensaft. So endet unsere erste Erfahrung mit dem Verzehr lebender Meeresfrüchte. Ein positives Erlebnis. 

Schlick an den Füßen

Nun wollen wir noch die Austernproduktion hier am Pointe de Mus de Loup erkunden. Es ist gerade Ebbe und die Austernbänke am Ufer der Seudre scheinen leicht erreichbar. Ich folge meiner Steffi ins Watt. Sie bleibt nach zehn Meters stehen, ich stapfe mutig weiter. Fünf Meter weiter versinke ich bis zu den Waden im Schlamm. Die Sandalen bleiben stecken, sich sehe die Nikon in der rechten Hand schon im Matsch versinken. Mühsam kann ich mich auf den Beinen halten. Ich rette Nikon und Sandalen und mache mich Barfuß auf den Rückweg. Muschelschalen schneiden sich schmerzhaft in die Zehen. Eine weniger schöne Erfahrung.

Das mit dem Sammeln von Meeresfrüchten müssten wir noch in den Griff bekommen. Wir waren schon in der Breatgne neidisch auf die Einheimischen, die sich mit Körben und Keschern bewaffnet im Meer bedienten. Da wir nicht wissen was in Körbchen gehört und was nicht trauen wir uns nicht an den so reich gedeckten Tisch.

Einheimische Zeitgenossen habe mehr Erfahrung, auchmit dem tückischen Untergrund. Mit Meißel, Hammern und Körbe ausgestattet klopfen Sie die Austern von den Steinen im Watt.

Nachdem ich wieder festen Boden unter den Füßen habe versuche ich den Schlick an Sandalen und Beinen wieder loszuwerden. Glücklicherweise kann man hier das Wasser auch auf einer befestigen Trasse erreichen. Diese dient heute am Sonntag übrigens auch dazu, unablässig Boote und Jetski vom Port a Sec ins Wasser zu bringen. 

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Strand und Fähre

Nach diesem kleinen Abenteuer fahren wir nur eine kurze Strecke bis zu den Stränden am Pointe de la Courbe. Wir parken, wie viele andere Autos direkt an der Straße D25. Der Weg zum Strand führt ca. 500 Meter durch einen, von Pinien dominierten, Strandwald und über eine recht hohe Düne. Dahinter Strandleben pur. 

Nach zwei Stunden Strandidylle mit baden, lesen und den Surfern bei ihrem wackligen Hobby zuzusehen, fahren wir weiter Richtung Süden. Die Badeorte Palmyre und Royan sind total überfüllt. Um dem zu entfliehen, beschließen wir noch heute die Mündung der Garonne mit der Fähre von Royan nach Soulac-sur-Mer zu überqueren. Für 49 Euro bringt uns die moderne Fähre an den längsten Strand Europas. Der beginnt hier in Soulac-sur-Mer und endete erst nach 250 Kilometern in Biarritz kurz vor der spanischen Grenze.

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Wir finden gegen 18:30 Uhr in L’Amelie (welch ein poetischer Name) einen sehr schönen Stellplatz oben auf dem Kliff. Der Tag endet wunderbar.

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Port-des-Barques - Plage Amelie
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2 Kommentare zu „Festungsluft und Austern kosten“

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