Playa Granada – Cabo de Gata – Mojacar

Die Agraindustrie in Spanien mit seinem Mar del Plástico, das Cabo de Gata mit dem gleichnamigen Naturpark, der Felsen der Sirenen und wilde Flamingos gehören heute zu den Höhepunkten. Sensationell für uns als „Freicamper“ ist aber auch der Stellplatz am Playa Noche y Baño an dem wir die kommende Nacht verbringen.

Morgens auf dem Campingplatz Playa de Poniente

Auch auf dem Campingplatz den wir gestern Abend ansteuerten ist noch Vorsaison. Alles geht sehr behäbig vor sich. Einige der Wenigen schon anwesenden Dauercamper, in der Überzahl sind es Spanier, bereiten Ihre „Hazienda“ auf die Saison vor. Da wir gefegt und geputzt, Vorzelte und Antennen neu ausgerichtet und die Campingmöbel auf fordermann gebracht. Es ist ein friedliches Bild, durch das ungewöhnlich viele Hauskatzen jeglicher Fasson streifen. Offenbar die Lieblingshaustiere all jener, die sich mit ihren Wohnwagen für die Saison hier eingemietet haben. Dieses so friedliche Bild wird in einem Monat, mit dem Beginn der Hauptsaison, sicher einen eher turbulenten Charakter annehmen.

Wir reihen uns bei den fleißigen Campern ein und gönnen unserem Wohnmobil einen vollen Tank Frischwasser, während wir uns gleichzeitig dem Inhalt von Grauwassertank und Toilette entledigen. Die Einrichtungen am Platz hierfür sind vorbildlich.

 

Agrarindustrie in Andalusien – eine Gewächshaushölle

Dann geht es wieder auf die Strecke. Das Touristeninferno der Costa de Sol liegt hinter uns und wir hoffen auf tolle Bilder zwischen der Küste des Mittelmeers und der Sierra Nevada, die uns eine Zeit lang im Norden begleiten wird.

Wir sind weiter auf der Autovia Mediterraneo unterwegs und es beginnt gleich hinter Motril. Aus dem Touristeninferno ist ein Gartenbauinferno geworden. Wir sind im Mar del Plástico . Zunächst sind es nur einige vereinzelte Gewächshäuser. Dann, wie mit einem Schlag, scheint das ganze Land unter einem Gespinst von Plastikfolien zu verschwinden, die gewaltige Gewächshausflächen überdecken. Das Ganze reicht von der Küste, die wir in südlicher Ferne sehen, bis hinauf an die steil aufsteigenden Hände der Vorgebirge der Sierra Nevada. Dort wo es zu steil wird, wurden offenbar mit erheblichen Aufwand große Terrassen in die Berge geschlagen, um noch mehr Flächen für den Anbau zu erschließen.

Wohin wir auch schauen, Gewächshäuser soweit wir sehen können. Ganz extrem erscheint uns die Landzunge zwischen Adra und Almeria. Die ist immerhin an die 30 Kilometer breit und reicht vielleicht 15 Kilometer in einen Halbkreis ins Meer hinaus. Bis auf Straßen und Wege, die wie Adern das Weiß er Plastikdächer durchziehen, scheint es hier bis ans Meer nichts anderes zu geben. Kurz vor Almeria gesellen sich unter die Gewächshäuser noch andere Betriebe. Ohne diese wäre dieser Wahnsinn nicht zu organisieren. Es sind in erster Linie Speditionen, aber auch Lagerhäuser, Großtankstellen, eine Betonfabrik (irgendwer muss ja für die Fundamente sorgen) und eine Vielzahl anderer Branchen, die hier vom Obst und Gemüse leben.

Wir sind schockiert und machen uns viele Gedanken. Über das Gemüse im Supermarkt daheim in Erfurt und wo es herkommt, über die trockene Landschaft um uns herum, der dieser an Wasserverbrauch so intensive Wirtschaftszweig sicher nicht gut tut, über die Menschen, die hier schuften, woher sie kommen, ihre Träume und was sie hierher lockte. An das, was vor der Plastik hier gewesen sein könnte. Oder wo das hier billigst Produzierte hingeht. Gefördert mit EU-Subvention vielleicht auch nach Afrika um den heimischen Markt zu zerstören? Mit all den sozialen Folgen dort, die nun auch an unsere Türen klopfen. 

Die andere Seite dieser Medallie ist, dass El Ejido, die Stadt mitten in dem Anbaugebiet zu den reichsten Städten in Spanien gehört. Trotz- oder gerade deswegen sind soziale Konflikte zwischen den meist marokkanischen Gastarbeitern und den einheimischen Andalusiern vorprogrammiert. 

Mit Stirnrunzeln sind wir so mehr als eine Stunde auf der Autovia Mediterraneo unterwegs. Unvergesslich für uns auch diese Zeit – in ihrer ganz speziellen Art.

Wir haben versucht das Ganze aus dem fahrenden Auto fotografisch zu dokumentieren, was nur unzureichend gelang.

Einen besseren Blick bietet vielleicht der Satellit. Alles was Ihr hier an weißen Flächen seht ist unter Plastikfolie konserviert. Dieser Bildausschnitt umfasst in der Ost-West-Richtung vielleicht 40 Kilometer und in Nord-Süd-Richtung 15 Kilometer. Insgesamt begleitete uns dieses Bild, immer wieder unterbrochen durch eine für diese Nutzung zu steile oder zu karge Flecken im Plastikmeer, über 120 Kilometer. 

Schon wieder so eine Bausünde

Auf unserem heutigen Weg bis hier her haben noch ein besonders krasses Beispiel für die Bausünden in Spanien entdeckt. Unmittelbar am Fuß des markanten Burgbergs des Castell de Ferro im gleichnamigen Ort siecht eine der schon besprochenen Investitionsruinen dahin und entstellt den Anblick auf die maurischen Festung oben auf dem Berg. Was veranlasst die Leute hier nur so verantwortungslos mit ihrem kulturellen Erbe umzugehen? Ist es nur die Aussicht auf das schnelle Geld? Oder lassen die Gesetze in Hinsicht auf Landschafts- und Denkmalschutz hier mehr zu als bei und zu Haus? Vielleicht sollte die EU sich auch um solche Frage kümmern, um europäisches Kulturerbe vor derartigen Entstellungen schützen.

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Cabo de Gata

Dann wollen wir aber an den Strand. Schließlich scheint die Sonne bei angenehmen Temperaturen und wir sind am Mittelmeer. Der Strand von San Miguel de Cabo de Gata scheint uns hierfür der beste Platz. Der Parkplatz ist großzügig und liegt direkt am schönen Strand, den ich gerne für Bad nutze. Steffi hingegen geht auf Muschelsammelsafari. Sie erbeutet die Schalen einer für uns neuen Muschelart und ein Stück Angelsehne mit Haken. Beides in Kombination ergibt ein neues Dekorationsobjekt, dass seit dem das Wohnmobil schmückt.  Diese neuen Muschelschalen haben einen unschlagbaren Mehrwert. 90 Prozent haben im Wirbel schon ein kleines Loch, dass sich bestens zur Auffädelung der Muscheln zu einer Kette eignet. Damit haben wir eine hervorragende Lösung für ein Mitbringsel an alle Anverwandten. 

San Miguel de Cabo de Cata

Weiter geht es dann an das Cabo de Gata. Eine enge Straße mit dramatischen Ausblicken windet sich auf und ab. Dann erreichen wir diesen ganz besonderen Ort. Denn hier soll gleich vor der Küste der Felsen der Sirenen aufragen. Eine Informationstafel erzählt diese Geschichte.

Wir können auf jeden Fall bestätigen, dass es hier neben dem imposanten Leuchtturm und einen sehr fotogenen Felsen gibt. Ob es tatsächlich jener ist, an dem Odysseus nur mit dem Rat der Kirke vorbeikam ohne mit seinen Kameraden daran zu zerschellen kann ich nicht sagen. Diese Geschichte an diese Stelle zu verlegen, ist aber auf jeden Fall ein gelungener Marketingtrick.

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Unscharfe Flamingos

Vom Cabo de Gata müssen wir ein Stück des Weges zurückfahren, da sich die weitere Route nach Norden als Sackgasse erweist. Auf dem Rückweg schauen wir hinüber zu den Salinen. Sie sind  vom Meer nur getrennt durch Strand, Straße und eine dünenartige Heide. Sie liegen sie vielleicht 300 Meter hinter dem Strand.

Und hier entdecken wir sie. Unsere ersten Flamingos in freier Wildbahn. Wir sind fasziniert von den imposanten großen Vögeln, die wie selbstverständlich die kuriosesten Körperhaltungen einnehmen. Eine überdachte Aussichtsplattform kurz vor dem Ufer der Saline ist für uns ein willkommener Ort für diese Begegnung.

Wir packen Kameras und das große Teleobjektiv aus und gehen auf „Ansitz“. Die fotografischen Ergebnisse sind jedoch ernüchternd und hier eigentlich nicht präsentabel. Die Flamingos stehen vielleicht 500 Meter vor uns, bei bestem Licht und einem klaren Bild im Sucher. Trotzdem gelingt uns mit 600 Millimeter Brennweite und einer sechshundertstel Sekunde Belichtungszeit vom Stativ fotografiert, nicht ein wirklich scharfes Foto. Ich rede mir ein, das nur die heiße Luft über dem Wasser der Grund hierfür sein kann. Oder hab Ihr eine Idee was hier schief gegangen sein kann?

Flamingos

Nach unserer „Flamingostunde“ fahren zurück auf die Autovia Mediterraneo, die wir bis zur Ausfahrt am Kilometer 494 nutzen. Von dort geht es in die trockene Karstlandschaft des Naturparks Gabo de Gata und Nijar. Die Trockenheit der Landschaft fasziniert und macht ein wenig Angst, sie scheint fast lebensfeindlich zu sein. Dann geht es wieder entlang der Küste von Carboneras nach Mojacar.

Zwischen dem Meer und der Sierra Cabrera

Auch hier erweist sich der von uns benutzte Michelin-Atlas als sehr hilfreich. Oft nehmen wir, ohne Rücksicht auf die damit verbundene längere Fahrzeit, gerne die grün gekennzeichneten Straßen. Landschaftlich reizvoll wären diese, so die Legende im Atlas. Und Recht hat er, der Atlas. Es ist in diesem Fall ist es sogar eine traumhafte Route die uns bei bestem Wetter und bester Aussicht durch eine karge, mit dem Meer wie verschmolzene Kulisse führt. An der Mirador de la Granatilla halten wir, um die grandiosen Aussichten in aller Ruhe genießen zu können. 

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Stellplatzglück

Wir fahren weiter bis Mojacar, ein Badeort der uns im Vergleich zu Marbella oder Malaga fast familiär vorkommt. Hier finden wir jedoch keinen Stellplatz. So fahren wir einige Kilometer zurück an den Playa Noche y Baño und finden  einen dieser genialen Stellplätze, wie sie nicht so oft an Südküste von Spanien zu finden sind.

Fast direkt an Strand. Eine kleine Bar gleich dabei. Links das Castillo de Macenas. Rechts ein alter Wachturm auf einem Felsen. Besser kann man es nicht treffen. Um hierher zu gelangen, müssen wir aber noch das Flussbett des Barranco del Agua del Medio durchqueren und hoffen dabei inständig, dass nicht ausgerechnet in dieser Nacht ein Platzregen niedergeht und das ausgetrocknete Flussbett zu einem unüberwindbaren Strom anschwellen lässt. Dann wäre unsere Rückkehr auf die befestigte Straße auf der anderen Seite für einige Zeit sicher unmöglich. Aber: No Risk no Fun.

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255 Kilometer von Mortil nach Mojacar
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