Jons – Drusenheim – Ilmenau

Wir machen uns nun auf die Rückreise nach Deutschland. 2 Tage brauchen wir um von Jons bei Lyon nach Ilmenau zu gelangen. Wir übernachten nochmal am Rhein in Drusenheim, dort wo unsere Reise eigentlich begann. Hier schließt sich der Kreis unserer Entdeckungen durch Frankreich und Spanien. Am letzten Tag legen wir einen kleinen Zwischenstopp an der Mainschleife bei Volkach ein und lernen einen bemerkenswert schönen Landstrich kennen. Der Campingplatz Meyersgrund bei Ilmenau nimmt uns für die letzte Nacht auf, bevor wir am nächsten Morgen unser Wohnmobil wieder wohlbehalten beim Caravanshop Hörcher abgeben.

Von Jons nach Drusenheim

Vom 24. Mai 2018 gibt es nicht viel zu berichten. Seit früh um 06:00 Uhr begleitet uns der Lärm des Flughafens von Lyon. Wir stehen auf dem kleinen Stellplatz in Jons, 10 Kilometer von Flughafen entfernt. Er befindet sich direkt unter dem Start-Korridor, quasi in direkter Verlängerung der Startbahn.

Wir brechen um 09:30 Uhr auf und können eigentlich nur die Stationen aufzählen, an denen wir heute vorbeifliegen:  10:20 Uhr Bourg-en-Bresse, 11:30 Uhr abbiegen auf die A36, 11:58 Uhr Bessancon, 12:58 Uhr Belfort, 13:25 Uhr Muhlhouse, 13:36 Uhr Grenze nach Deutschland, 13:45 Uhr Rast an der Raststätte Hartheim/Heitersheim.

Und wir können es selbst kaum glauben. Nach fast vier Wochen lukullischer Erlebnisse und Spanien und Frankreich verfallen wir hier doch tatsächlich einem Schnellrestaurant der Kette mit dem großen „M“. Schämen sollten wir uns.

Dann geht es weiter: 14:40 Uhr Freiburg,  15:11 Uhr Offenburg, 15:23 Uhr verlassen wir die Autobahn an der Ausfahrt Achern, 15:40 Uhr geht es wieder über den Rhein, 16:00 Uhr Ankunft in Drusenheim.

Vogelschlag

Einen kleinen Aufreger auf dieser Strecke gab es dann doch. Es geschah schon am Vormittag um 10:30 Uhr. Wir waren noch auf der A39 unterwegs und hatten gerade das Flüsschen Solnan überquert. Auf den Autobahnen haben wir uns 110 km/h als Reisegeschwindigkeit angewöhnt. So rollen wir entspannt durch die schöne Landschaft westlich des Jura, dessen Höhen auf der rechten Seite grüßen. Plötzlich geht alles ganz schnell. Im Augenwinkel über mir ein dunkler Schatten, faustgroß vielleicht, dann ein gewaltiger Knall. Offenbar hat uns ein Vogelschlag erwischt.

Wir sind zu Tode erschrocken und machen uns echt Sorgen was am Auto passiert sein könnte. Das arme Tier hatte sicher keine Chance, mit dem Leben davon zu kommen. Das Auto reagiert normal, es sind auch keine außergewöhnlichen Geräusche zu hören. So fahren wir weiter bis zur nächsten Möglichkeit regulär anzuhalten.  Die finden wir nach ca. sechs Kilometern an einem Rastplatz. Wir steigen sehr besorgt aus und rechnen mit dem Schlimmsten. Sicher wurde die Dachhutze über dem Fahrerhaus beschädigt. Der Knall des Aufpralls war einfach zu heftig. Aber siehe da, es ist absolut nichts auszumachen. Keine Beule, kein Riss, kein Kratzer. Sicher hat die Keilform der Dachhaube schlimmeres verhindert und die Aufprallenergie abgeleitet. 

Am Ende der Reise?

Als wir in Drusenheim ankommen haben wir  520 Kilometer Tagesstrecke hinter uns. Wir finden, dass Drusenheim ein würdiger Punkt für die eigentlich letzte Nacht auf unsere Reise ist. Hier schließt sich der Kreis unserer Entdeckungen durch Frankreich und Spanien. Wie Ende April sitzen wir wieder auf der gleichen Bank am Rhein und gucken Schiffe. Damals waren es die freudigen Erwartungen auf das, was in den nächsten Wochen erwarten wird, die uns mit dem Blick auf den Rhein beschäftigen. Heute sind es die zahllosen Erinnerungen die wir mit den Schiffen auf dem Rhein Revue passieren lassen.

Hier schon ein Fazit zu ziehen wäre zu früh. Zu viele Bilder sind noch zu sichten, zu viele Notizen in Texte zu fassen und zu viele Koordinaten zu ordnen. 

Am Rhein, Fähre Drusenheim – Geffern

Es geht nach Hause

Am 25. Mai brechen wir um 09:30 in Drusenheim auf. Bis nach Ilmenau sind es noch etwas mehr als 400 Kilometer. Das sollte gut zu schaffen sein. Auch hier bleibt mir nur die wichtigsten Stationen und nennen die unseren Weg begleiten: 10:10 Uhr Auffahrt auf den A5 bei Baden-Baden, 10:30 Uhr Karlsruhe, 11:15 Uhr Concorde und Tupolew 144 grüßen vom Technikmuseum Sinsheim, 12:06 Uhr Jagsttalbrücke, 12:27 Uhr Taubertalbrücke, 12:40 Uhr Stau. Auf der Autobahn A3 südlich von Würzburg war nichts anders zu erwarten. Die ewige Baustelle der Maintalbrücke fordert ihren Tribut. Um 13:00 Uhr ist das Hindernis passiert und wir können wieder Fahrt aufnehmen.

Das es erst 13:00 Uhr ist beschließen wir den Tag doch noch mit eine wenig Erlebniswert anzureichern. Dazu wollen wir das Mainschleife bei Volkach besuchen.

Im Maintal

Wir finden hier einen sehr schönen Flecken Erde vor. Wir fahren durch das beschauliche Volkach hindurch, überqueren den Main und fahren hinauf zum Kloster Vogelsburg. Von hier oben haben wir einen sensationellen Blick auf die Mainschleife zwischen Schwarzbach und Volkach. Südlich von uns die Weininsel mit dem Kreuzberg die fast vollständig mit Weinstöcken belegt ist. Gleich unter uns die Steillagen am südlichen Hang unter der Vogelsburg. Ganz unten auf dem Main ziehen Paddler und andere Wassersportler ihre Bahnen. Schiffe gucken ist von hier oben übrigens nicht möglich. Die Berufsschifffahrt nutzt den Mainkanal, der hinter der Kreuzberg verläuft. So konnte der Main hier viel von seiner Ursprünglichkeit erhalten.

Sandbänke, Seitenarme und ein kleiner Auwald am Gleithang machen diesen Flussabschnitt für Naturfreunde und Touristen interessant. Zwei Campingplätze liegen am Fluss und die Orte hier bieten einiges an Übernachtungsmöglichkeiten. 

Kloster Vogelsburg

Hier oben auf der Vogelsburg gibt es aber nicht nur eine schöne Aussicht. Das Restaurant hat eine hervorragende Lage und eine gute Küche. Dieses Angebot nutzen wir, obwohl es recht hochpreisig ist, gerne. 

Anschließend schauen wir uns noch das Kloster an. Es ist eine gelungene Mischung aus moderner Architektur und traditionellen Baubestand. Die Klosterkirche stand uns offen. Das Interieur wagt den Sprung in die Moderne ist sehr schön anzuschauen. 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wallfahrtskirche Maria im Weingarten

Nächste Station ist die Wallfahrtskirche Maria im Weingarten. Sie macht ihrem Namen alle Ehre, seht sie doch auf einem Hügel, umgeben von Weinbergen. Der Weg vom Parkplatz hinauf zu dem katholischen Gotteshaus im gotischen Stil führt ein Kreuzweg. In Stationsbildnissen aus den 19. Jahrhundert wir hier der Leidensweg Christi dargestellt. 

Die kleine Kirche am Ende des Weges ist bedeutend älter. Sie wurde 1451 geweiht und 1457 hat man  das Langhaus ergänzt. Uns hat der intime Charakter der Kirche gut gefallen. Nach den riesigen Kirchen in Bordeaux, Santiago de Compostella, Sevilla oder Arles ist Maria im Weingarten ein interessanter Abschluss unseres sakralen Reiseprogramms. Höhepunkt in der Kirche ist die Skulptur Maria mit dem Rosenkranz, geschaffen von Tilmann Riemenschneider. Mit der versuchte man ab 1521 verstärkt Pilger nach Maria im Weingarten zu locken. 

Wir spazieren den Kreuzweg wieder hinunter zum Auto und wissen, dass dies unsere letzter Zwischenstopp auf unserer Reise war. 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Über den Thüringer Wald

Wir fahren weiter Richtung Schweinfurt und nehmen ab dort die A71, die uns über den Thüringer Wald bringen wird. Um 16:31 Uhr, wir sind gerade mitten im Thüringer Wald, springt die Kilometeranzeige 7777 Kilometer. Mit 11 Kilometern auf dieser Anzeige hatten wir das Auto übernommen.  Auch ein Schnapszahl. Mal sehen ob wir heute darauf noch einen trinken können.

Wir verlassen die Autobahn an der Abfahrt Ilmenau West. Wir hatten von Anfang an geplant, die letzte Nacht auf dem Campingplatz Meyersgrund bei Ilmenau-Manebach zu verbringen. Uns schien das die beste Möglichkeit, um den Abend dafür zu nutzen das Auto von innen zu reinigen und es das dann am nächsten Morgen in Ilmenau abzugeben. 

Campingplatz Meyersgrund

Wir haben uns nicht angemeldet und wollen auch nur eine Nacht bleiben. Trotzdem werden wir hier sehr freundlich begrüßt. Stellplatz mit Strom ist kein Problem. Die Parzelle ist mit einer Hecke eingehaust. So können wir uns in aller Ruhe beginnen „klar Schiff“ zu machen. Wir räumen die Schränke und Ablagen aus und merken wieder einmal, wie viel unnützen Kram wird dabei haben. Alles wir in Reisetaschen und Kisten verstaut.

Ich versuche die mit Nadelfilz ausgelegte Heckgarage auf Vordermann zu bringen. Dabei grüßt gleich eine Urlaubserinnerung aus Spanien. Der Strauß wilder Statice vom Playa Noche y Baño bei Mojacar hat ein wenig von seiner Pracht verloren. Viele der kleinen Blüten liegen nun auf dem Filzboden und sind mit ihm eine besonders innige Liasion eingegangen. Unzertrennlich scheinen die Beiden zu sein.  Nur mit einigem Gepule gelingt es mir die Beiden zu trennen und den Teppichboden wieder in einen tadellosen Zustand zu versetzen. 
Wir räumen alle Taschen und Kisten in die nun blinkende Heckgarage und lassen nur noch das Nötigste für die letzte Nacht in der Wohnkabine. 

Morgen früh noch die Nasszelle putzen die Kabine noch einmal durchwischen und dann sollte alles zur Rückgabe bereit sein. Daher machen wir jetzt Feierabend und stürzen uns in das fröhliche „Campingplatznachtleben“ vom Meyersgrund. Freitags und Samstags wird am Meyersgrund gegrillt. Das haben wir schon bei unserer Ankunft in der Rezeption erfahren. Auf den zentralen Platz geht es unter Waldschenken und auf Bierzeltgestühl schon fröhlich zu. 

Die Platzparty

Wir setzten uns dazu und gönnen uns nach vier Wochen Reise ganz traditionell Bratwurst und Rostbrätel vom Holzkohlengrill. Der ganze Platz schein hier versammelt zu sein, darunter scheinbar viele Dauercamper und Stammgäste. Jeder scheint hier jeden zu kennen. Es macht Spaß dem Treiben ringsum zuzusehen. Wir gehören zwar nicht dazu, sind aber doch irgenwie dabei. Nach 4 Wochen in denen wir mehr oder weniger mit uns selbst unterwegs waren, ist es ein angenehmes Gefühl hier mitten in der Campergemeinde zu sitzen. Mit der einsetzenden Dämmerung nimmt der Alkoholkonsum zu und die Stimmung wird ausgelassener. 

Die Deutsche Stockcar-Königin wird begrüßt. Die Damen hinter der Theke füllen die Gläser nun eher mit hochprozentiger Ware. Nichts wird aber unangenehmen. Es ist ein ausgelassener, fröhlicher Frühsommerabend in schöner Natur. 

Randgäste beim Rennsteiglauf

Am nächsten morgen bin ich um 7:00 Uhr auf den Beinen. Bei meinem Weg über den Platz wir mit erst jetzt richtig klar, wie schön der Meyersgrund gelegen ist. Nahe der Bundesstraße aber doch mitten im Wald. An seiner östlichen Grenze fließt die Ilm vorbei, nach Westen erstreckt sich der Platz hinein in eine ansteigendes Waldtal. Der Platz ist von dichtem Nadelwald umgeben. Ein paar Nebelschwaden ziehen gerade über die Spitze der Fichten. Es riecht nach Wald und Regen. Herrlich!

Mit begegnet ein junger Mann im Laufdress, Laufschuhen, Regencape und einem kleinen Rucksack. Aufgeregt fragt er mich, wo es zu dem kurzen Schleichweg zur Bundesstraße ginge. Ortsunkundig wie ich nun mal bin, muss ich bei der Frage leider passen. Der junge Mann setzt seine Suche fort. Er kommt mir irgendwie gehetzt vor. Wo er wohl eigentlich hin will, frage ich mich. Dann geht mir eine Licht auf. 

Schon gestern waren in der Rezeption auffällig schlanke gut aussehenden junge Menschen auszumachen. Vorwiegend weiblich mit schwäbischen Akzent. Bei der Platzparty gestern Abend waren die dann nicht zu sehen. Und dann dieser sportliche verirrte junge Mann heute morgen … Klar heute ist Rennsteiglauf. Der größte Crosslauf Europas. Weit über 20.000 Läufer werden heute die unterschiedlichen Strecken oben auf dem Kammweg des Thüringer Waldes in Angriff nehmen. Und jetzt früh um sieben Uhr scheinen die ersten Shuttles zu fahren, die die Läufer an die Startorte in Neuhaus am Rennweg (Marathon) und Oberhof (Halbmarathon) bringen werden.

Der junge Mann eben befürchtete dabei wohl den Anschluss zu verpassen. Und die jungen Damen von gestern Abend scheuten die Party sicher, um den Anstrengungen des Laufes heute gewachsen zu sein.

Anna verlässt uns

Heute morgen entschließe ich mich, unserem Mobil doch noch einen Namen zu verpassen, in Gedanken zumindest. Ich entscheide mich für „Anna“. So hießt die Stimme in unserem Navi. Und so hat „Anna“ sogar hin und wieder mit uns gesprochen.

Nach dem Frühstück bleibt noch einiges zu tun. Nasszelle putzen, Kühlschrank ausräumen und sauber machen und die Wohnkabine durchwischen. Dann geht es kurz vor 09:00 Uhr los. In Ilmenau wird „Anna“ eine letzes mal aufgetankt und um 09:20 Uhr sind wir wieder beim Caravanshop Hörcher angekommen. Unseren kleine Verspätung nimmt niemand übel. 

Die Rückgabe des Autos erfolgt problemlos. Alles was sich an „Anna“ in den letzen Wochen verändert hat, wird als normale Gebrauchspuren gewertet. Mit anderen Worten, wir haben nichts kaputt gemacht und die Kaution wird uns anstandslos wieder ausgezahlt. 

Die beiden kleinen Probleme die wir mit dem Auto hatten, klären sich dann auch noch auf. Das Problem mit der Stromversorgung von außen scheint an einer defekten Steuerelektonik für den Innenraum zu liegen. Genau wie das unserer belgische Wohnmobilfreund in Bedoin mit seinem Malibu schilderte.

Dass das Auto über kein Navigationsgerät verfügt ist nur die halbe Wahrheit. Das Mediacenter im Armaturenbrett verfügt schon über eine Navigationsgerät, allerdings ist dieses durch den Vermieter gesperrt worden. Eine Pflicht, die ihm die neuen Datenschutzbestimmungen auferlegen. In diesem Fall zum Nachteil des Kunden wie wir finden. 

Abschließend zeigt er sich der junge Mann der das Auto entgegennimmt noch sehr interessiert an unseren praktischen Erfahrungen mit dem Mobil auf der Reise. Die sind bis auf auf dîe Sache mit der Stromversorgung und einem falsch dimensionierten Tisch in Sitzgruppe sehr positiv.

Wir waren zufrieden dem dem Caravanshop im Ilmenau und machen uns auf den Heimweg. Wie wir ab Montag wieder in unsere berufliche Routine finden werden, ist uns noch nicht richtig klar. Gerne hätten wir um 12 Wochen verlängert 😉

 

 

 

Print Friendly, PDF & Email