Bort les Orgues – Lascaux – Les Eyzies de Tayac – Sireuil

Heute morgen inspizieren wir ganz kurz Bort-les-Orgues, um dann in das Tal der Vézère aufzubrechen. Wir ahnen nicht; welche Schätze uns dort erwarten. Das Tal der Vézère oder auch das Tal der Menschheit. Alles was die Kultur des Homo sapiens heute ausmacht – hier finden wir seine kulturellen und künstlerischen Ursprünge. Wir besuchen Montignac, Lascaux IV, die Felsenfestung La Rouqe St. Christophe und das Provinzstädtchen Les Eyzies de Tayac – Sireuil und finden Spuren der Menschheitsgeschichte die über 20.000 Jahre zurückreichen.

Bort les Orgues

Hier an der Dordogne regnet es heute Morgen noch immer. Der Wetterbericht lässt für die Auvergne auch nichts Besseres erwarten. So streichen wir einen Punkt auf unserem Reiseplan. Eigentlich wollten wir Beaulieu. Von dort aus wollten wir mit dem Rad die Dordogne bis hinauf nach Argentat erkunden. Bei diesem Wetter scheint uns dies jedoch kein so verlockendes Ziel zu sein.

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So beschließen wir die heutigen Tagesaktivitäten mehr nach drinnen zu verlegen und die Höhle von Lascaux  bei Montignac anzusteuern.

Vorher drehen wir zu Fuß noch eine Runde um die Kirche von Bort-les-Orgues. Im dem Straßennamen spielen nationale Themen hier eine große Rolle. Der Place de l’Égalité, der Place de la Nation, der Boulevard de la Nation und natürlich die unvermeidliche Rue Jean D’Arc reihen sich um die Église Saint Germain im Zentrum der kleinen Stadt.

Die Orgues, die Orgelpfeifen, die den Ortsnamen ergänzen, bekamen wir nur ein wenig zu sehen. Es handelt sich um die Reste eines Vulkans, in dessen Inneren Phonolithsäulen erstarrten und die später durch die  Erosion von Frost, Wind und Wasser teilweise freigelegt wurden. Mit 8 bis 10 Metern Durchmesser und 80 bis 100 Metern Höhe bilden Sie über den Ort einen Ring, der bei schönem Wetter sicher einen imposanten Eindruck macht. Nur heute eben nicht.

Als wir Bort schon fast hinter und haben, besuchen wir nach eine Sehenswürdigkeit aus neuerer Zeit. Die riesige Staumauer der Barrage de Bort steht hoch über der Stadt und staut die Wasser der Dordogne.

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Um nach Montignac zu gelangen, nehmen nicht die mautpflichtige Autobahn, sondern die parallel verlaufende D 1089. Die scheint uns landschaftlich reizvoller zu sein. Unsere diesbezüglichen Erwartung werden besonders auf dem Abschnitt zwischen Tulle und Brive nicht enttäuscht. Hier verläuft die Straße entlang dem Fluss Correze, der sich in einen engen Flußtal durch das umliegende Gebirge schlängelt.

Hinter Brive steuern wir zwei Baumärkte und einen Elektromarkt an. Wir wollen hier Ersatz für den Adapter kaufen, der unser Wohnmobil mit dem Stromnetz verbinden soll. So wollen wir unsere Probleme mit der Energieversorgung unseres Wohnmobils  lösen. Leider blieb unsere Suche erfolglos.

Montignac

Also geht es weiter nach Montignac. Als wir gegen 11:30 Uhr gleich hinter dem Ort an der Anlage Lascoux IV  ankommen, werden wir am Einlass erstmal enttäuscht. Erst um 14:30 Uhr ist für uns die nächste Führung möglich. Drei Stunden warten, na prima. Wir entschließen uns diese kleine Kröte zu schlucken und verbringen die erste halbe Stunde Wartezeit in der Schlage zum Ticketschalter.

Die restliche Zeit wir um den Ort Montinac zu entdecken. Zunächst geht es auf den recht schönen Wohnmobilstellplatz von Montignac. Tagsüber können Wohnmobile hier kostenfrei parken. Wir schlendern durch die alten Gassen, vorbei an der Eglise Saint-Pierre-ès-Liens hinüber auf andere Seite der Vézère und wieder zurück.

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Zurück nehmen wir den Weg direkt am Fluss entlang. Hier machen wir eine besondere Entdeckung. Unterhalb eines der mittelalterlichen Häuser am Fluss befindet sich ein in Stein gefasstes sehr altes Badebecken. Es wird aus Richtung des Hauses von frischem Wasser eines kleinen Baches durchströmt, das dann in einem kleinen Rinnsal  in die Vézère abfließt.   
Steffi vermutet, dass es sich um ein jüdisches Ritualbad, eine Mikwe handelt. Wenn dem so ist, war es früher sicher überbaut und würde von einem gewissen religiösen Pluralismus des mittelalterlichen Frankreichs zeugen.

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In einem der für Frankreich so typischen Tabaklädchen erfülle ich mir einen Wunsch, den ich seit unserem letzten Besuch in der Auvergne im vorigen Jahr hege.
Ein Laguiole-Messer soll es sein. Eines der unteren Qualität für ca. 20 Euro. Für die hochwertigen Modelle kann man auch schnell mal 100 Euro bis 150 Euro zahlen.

In Laguiole, einem kleinen Ort in der Auvergne, soll das Taschenmesser erfunden worden sein. So die Legende. Ich finde die Messer wegen ihrem zeitlosen Design interessant.

Wieder im Wohnmobil angekommen, gönnen wir uns einen kleinen Mittagsimbiss und machen uns dann auf den Weg zurück nach Lascaux IV.

Lascaux IV

Die Höhle

Lascaux IV deshalb, weil es die vierte begehbare Anlage ist, die sich der Höhle von Lascaux widmet. Das Original, welches 15 Jahre für das Publikum zugänglich war, wurde 1963 geschlossen und versiegelt. Der Besucherstrom drohte dieses einmalige Kulturmonument zu zerstören. Dabei waren Moose und Algen, die sich bildeten das kleinere Übel. Die konnte man mit Antibiotika bekämpfen. Schlimmer waren kleine Stalaktiten, die hier plötzlich wuchsen und drohten die grandiosen Wandmalereien zu zerstören.

Nach zwei Zwischenlösungen wurde Ende 2016 Lascaux IV eröffnet. Eine Eins-zu-Eins-Kopie der Originalhöhle in Beton gegossen. Ich kann nicht einschätzen wir gut die Kopie gelungen ist, da ich das Original nicht kenne. Mich hat Lascaux IV aber schwer beeindruckt.

Es sind nicht einzelne Tierbilder die irgendwie an die Wände gemalt wurden. Es ist eine 20.000 Jahre (!!!) alte Gesamtkomposition über mehrere Räume. Da gibt es den „Saal der Stiere“, die „Passage“ und den „Seitengang der Großkatzen“. Alle Tiere haben Bezüge untereinander, auch über die Grenzen der Räume hinweg. Alle scheinen auf den Weg in den „Saal der Stiere“ zu sein. Symbole wie Gitter, Rechtecke oder Reihen von Punkten ergänzen die Bilder und geben Rätsel auf. Fasziniert tauchen wir in diese ganz eigene Welt ein, die sich vor uns an den Wänden der Höhle ausbreitet.

Unsere Führerin ist Magarete, offenbar eine Niederländische Landsfrau. Sie managt die 35-Personen starke Gruppe souverän, vielleicht ein wenig zu geschäftsmäßig. Sie hat viel Wissenswertes zu erzählen und auch mit Fragen die Sie nicht zu beantworten weiß, kann Sie gut umzugehen.

Magarete kann nichts dafür, dass in der Höhle alles ein wenig gehetzt abläuft. Die folgende Gruppe stets im Nacken, die vorherige immer kurz voraus. Aber 500.000 Besucher im Jahr müssen halt irgendwie bewältigt werden. In der Höhle ist das Berühren der Wände sowie das Filmen und Fotografieren streng verboten. 

Trotz allem sollte man den Besuch hier auf keinen Fall meiden. Es ist sehr sehr beeindruckend. Auch deshalb, weil es nach der Höhle weitere Ausstellungsteile gibt.

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Die Ausstellung

Eines widmet sich nochmal der Höhle und den Zeichnungen. Hier ist aber anfassen, fotografieren vieles andere erlaubt und erwünscht. Anders als in der Höhle kann man sich hier Zeit nehmen und auch Multimedial bis in die letzten Winkel vordringen. Jeder Besucher bekommt hierzu ein Tablet in die Hand. Man durchschreitet einzelne Höhlenfragmente, die auch hier nochmals in Originalgröße nachgebildet sind. Die Zeichnungen werden nun mit Hilfe von sehr gut gemachten Projektionen lebendig. 
Ein 3D-Modell vermittelt einen räumlichen Gesamteindruck des Höhlensystems von Lascux.

Das 3D-Kino und ein Raum mit unzähligen Bildschirmen, in dem jeder Besucher eine Galerie rund um das Thema Lascoux gestalten kann, ergänzen das Angebot.

Als wir gegen 17:00 Uhr Lascaux IV verlassen, tauchen wir aus einer Welt auf, die wir so noch nicht kannten. Der Titel Weltkulturerbe ist hier sicher zu Recht vergeben worden.

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An der Vézère

Träger dieses Titels hier ist aber nicht Lascaux IV alleine. Das ganz Tal der Vézère, die von hier aus in Richtung Südwesten der Dordogne entgegen strömt, gehört dazu.

Daher folgen wir diesem Fluss der zur Zeit reichlich Wasser führt. Entlang des rechten Ufers führt unser Weg. Nach ca. 15 Kilometern entdecken wir am linken Ufer eine markante Felswand. Auf halber Höhe der Felswand ist eine langgezogene Nische zu erkennen, in der sich auffällig viele Menschen tummeln. Das macht uns neugierig.

La Rouqe St. Christophe

Hinter der nächsten Flussschleife wechselt die Straße ohnehin auf das andere Flussufer. Über eine kleine Stichstraße kommen wir zum La Rouqe St. Christophe.
Es handelt sich um die größte mittelalterliche Felsenfestung Europas. Die Anlage ist gewaltig und besteht im wesentlichen aus einer fast 900 Meter langen Felsnische, die sich in 40 Metern Höhe horizontal im Fels entlang zieht. Diese Abri ist durch Erosion entstanden. Weitere kleine Abris befinden sich ober- und unterhalb und sind teilweise auch in die Anlage einbezogen. Die Festung sollte im Mittelalter als uneinnehmbare Bastion gegen die Wikinger dienen.

Die Freiluftausstellung führt durch die wichtigsten Orte der einer Festung: Stall, Schlachthaus, Räucherkammer usw. Den Höhepunkt bilden sicher die funktionstüchtig nachbauten mittelalterlichen Maschinen. Das dabei Kräne im Mittelpunkt stehen verwundert nicht. Angetrieben mit Tretrad, horizontalen und vertikalen Winden waren sie früher unerlässlich für die Versorgung der Festung. Ein Weg für Pferd und Wagen hier hinauf gab es damals nicht.

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Wie verabschieden uns vom La Rouqe St. Christophe und folgen weiter der Vézère nach Südwesten.
Wir entdecken kurze Zeit später einen Hinweis auf die Site la Madeleine. Hier ist es keine Festung, sondern offenbar ein Dorf, welches mit einem Felsen verschmolzen ist. Leider erreichen wir die Anlage zu spät. Für heute ist sie bereits geschlossen.

Les Eyzies de Tayac – Sireuil

So machen wir Les Eyzies de Tayac – Sireuil zu unserem Tagesziel. Hier gibt es einen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung und einen sehr interessanten alten Ort.

Auch er wird dominiert von einem mächtigen Felsen der wortwörtlich über der kleinen Stadt hängt. Wie bei einem Pilz überdacht der mächtige Felsüberhang teilweise den Ort. Auf halber Höhe sind auch hier ein Gebäude in den Fels gesetzt worden.

Wir beenden den Tag bei Cassoulet und Confit im gemütlichen Café da la Mairie. Die Küche hier ist hervorragend und das Personal super nett. 

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193 Kilometer vom Bort-les- Orgues nach Les Eyzies de Tayac – Sireuil
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